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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

Bitte die Zielgruppe beachten

24 Sekunden ab jetzt
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In seinem Jugendbuch „24 Sekunden ab jetzt“ erzählt Jason Reynolds von der tiefer werdenden Beziehung zwischen Neon und Aria. Kurz bevor die beiden zum ersten Mal miteinander schlafen wollen, zieht sich ...

In seinem Jugendbuch „24 Sekunden ab jetzt“ erzählt Jason Reynolds von der tiefer werdenden Beziehung zwischen Neon und Aria. Kurz bevor die beiden zum ersten Mal miteinander schlafen wollen, zieht sich Neon nervös ins Badezimmer zurück. Dort denkt er über die gemeinsame Zeit mit Aria nach; über ein peinliches Gespräch mit seiner Mutter über Sex 24 Tage zuvor, über das erste Gespräch mit Aria über dieses Thema 24 Wochen zuvor und schließlich über ihr Kennenlernen vor 24 Monaten bei der Beerdigung ihres Hundes.
Das Buch richtet sich klar an ein jüngeres Publikum. Obwohl ich mit 21 Jahren noch gelegentlich Jugendbücher lese, die mich faszinieren, bin ich hier eindeutig nicht mehr angesprochen, was die Zielgruppe betrifft, die ich im Alter von etwa 13 bis 17 Jahren sehe. Deshalb konnte mich die Geschichte leider nicht ganz so erreichen, wie ich es mir erhofft hatte, was jedoch eher an meiner falschen Einschätzung der Zielgruppe liegt als am Buch selbst.
Die Handlung ist leicht verständlich und wird sehr direkt erzählt. Neon berichtet in der Ich-Perspektive von seiner Beziehung zu Aria, ihren gemeinsamen Momenten und den kleinen Hürden, die sie bereits überwunden haben. Beide Figuren wirken dabei authentisch und glaubwürdig.
Mit weniger als 200 Seiten ist das Buch recht kurz und entsprechend schnell gelesen. Wer kompakte Geschichten ohne große Abschweifungen mag, dürfte hier auf seine Kosten kommen. Mir persönlich war das Erzähltempo allerdings etwas zu schnell.
Ein größerer Kritikpunkt für mich war der sehr parataktische Schreibstil der deutschen Ausgabe: Viele kurze Hauptsätze folgen direkt aufeinander, wodurch der Text häufig stockend wirkt. Beim Vergleich mit englischen Textstellen und dem Hörbuch hatte ich dieses Problem deutlich weniger. Deshalb würde ich interessierten Lesern empfehlen, das Buch im Original zu lesen, das in relativ einfachem Englisch geschrieben ist.
Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht wirklich überzeugen. Für jüngere Leser, die eine kurze, direkt erzählte Liebesgeschichte suchen, könnte dies jedoch das ideale Buch sein.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Gute Ansätze, mittelmäßige Umsetzung

Glimmer
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Bernhard Tewes erläutert in Glimmer, wie sich mehr „Glimmer“, das positive Gegenstück zu „Triggern“, in den Alltag integrieren lassen, um das eigene Leben langfristig zu verbessern.
Zunächst gibt es einige ...

Bernhard Tewes erläutert in Glimmer, wie sich mehr „Glimmer“, das positive Gegenstück zu „Triggern“, in den Alltag integrieren lassen, um das eigene Leben langfristig zu verbessern.
Zunächst gibt es einige positive Aspekte über das Buch hervorzuheben. Der Schreibstil ist sehr verständlich und angenehm zu lesen. Komplexe Fachbegriffe werden nur selten verwendet und meist lediglich im Zusammenhang mit biologischen Prozessen erläutert. Dadurch bleiben die einzelnen Themenbereiche gut zugänglich. Zudem habe ich beim Lesen viele konkrete Anregungen erhalten, wie ich im Alltag bewusster positive „Glimmer“-Momente wahrnehmen kann. Letztlich ist es aus meiner Sicht das Ziel fast jedes psychologischen Sachbuchs, den Lesern Ratschläge für ein positiveres Leben mitzugeben, und das gelingt diesem Buch durchaus.
Allerdings gibt es auch einige Kritikpunkte. Das Buch arbeitet mit sehr vielen Beispielsituationen, teilweise zwei bis drei pro Kapitel. Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll und hilfreich, Inhalte durch Beispiele zu veranschaulichen. In diesem Fall wirkte die hohe Anzahl jedoch stellenweise etwas überladen.
Darüber hinaus gab es einzelne Kapitel beziehungsweise Ratschläge, die ich persönlich als weniger überzeugend oder nicht besonders praktikabel empfand. Das ist jedoch eine subjektive Meinung und kommt meiner Erfahrung nach in vielen Sachbüchern vor, weshalb es für mich nicht weiter in die Sternebewertung einfließt.
Was mich jedoch am meisten gestört hat, ist der Umstand, dass sich gefühlt ein Drittel des Buches mit Themen beschäftigt, die nur am Rande mit dem eigentlichen „Glimmer“-Konzept zu tun haben. Insbesondere Meditation und (Hypnose-)Therapie nehmen aus meiner Sicht einen überproportional großen Raum ein. Da Tewes selbst Hypnosetherapeut ist, ist die Ansprechung der genannten Themen nachvollziehbar. Aus meiner persönlichen Sicht sollten diese Themen jedoch nicht im Fokus dieses Ratgebers stehen. Zudem hatte ich an einigen Stellen den Eindruck, dass das Buch stark als Werbemittel für seine Hypnosepraxis sowie für seine App „Hypnobox“ dient. Ein gelegentlicher Hinweis darauf ist verständlich, doch wiederholte Verweise – insbesondere wenn sie mehrfach auftreten – wirken schnell wie Werbung und sorgen leider für einen negativeren Gesamteindruck eines in Teilen durchaus hilfreichen Buches.
Insgesamt ist Glimmer ein psychologisches Sachbuch, das in klarer und leicht verständlicher Sprache wertvolle Ratschläge vermittelt, um mehr positive Momente im eigenen Leben wahrzunehmen. Gleichzeitig leidet es aus meiner Sicht unter einer Überfülle an Beispielen sowie einer starken Fokussierung auf angrenzende Themen und Eigenwerbung des Autors. Daher kann ich das Buch nur eingeschränkt weiterempfehlen, insbesondere für Leser, die gezielt nach Anregungen suchen, um mehr positive “Glimmer”-Momente in ihren Alltag zu integrieren.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Küstenroman mal anders

Sonnenaufgang Nr. 5
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In „Sonnenaufgang Nr. 5“ versucht der ehemalige Germanistikstudent Jonas, der sein Studium abgebrochen hat, sich ein Leben als Ghostwriter für Autobiografien aufzubauen. Seine erste Auftraggeberin ist ...

In „Sonnenaufgang Nr. 5“ versucht der ehemalige Germanistikstudent Jonas, der sein Studium abgebrochen hat, sich ein Leben als Ghostwriter für Autobiografien aufzubauen. Seine erste Auftraggeberin ist eine Nummer für sich: die exzentrische Diva Stella Dor. In ihrem Strandhaus am Meer möchte sie, dass Jonas in ihrem Buch ausschließlich die guten und positiven Entscheidungen ihres Lebens festhält. Doch mit der Zeit lernt Jonas andere Dorfbewohner kennen und erfährt immer mehr über die ganze Vergangenheit von Stella Dor. Innerhalb kurzer Zeit sammelt er zahlreiche neue Eindrücke durch die Erinnerungen der Menschen in seiner neuen Umgebung. Schließlich versucht Jonas, Stella zu überzeugen, ihr ganzes Leben, inklusive Fehlentscheidungen, Platz in der Biographie zu geben. Doch eine Einstellung wie Stellas lässt sich nicht ändern … oder vielleicht doch ein klein wenig?
Die Atmosphäre des Buches hat mich vollkommen überzeugt. Wer viel Action in Büchern braucht, ist hier definitiv falsch. Dafür kommen all jene auf ihre Kosten, denen das vermittelte Feeling besonders wichtig ist. Nach einer gewissen Seitenzahl kann man die Nordseeküste und die Bewohner des kleinen Städtchens beinahe riechen, wodurch man fast selbst Teil der Geschichte wird.
Ebenso überzeugen konnte mich der von Redewendungen geprägte Schreibstil sowie der klare Fokus der Erzählung. Carsten Henn behandelt in seiner Geschichte zudem viele ernsthafte und schmerzhafte Themen, sodass man sich in zahlreichen Situationen unweigerlich die Frage stellt: „Wie hätte ich gehandelt?“
Die Figuren der kleinen Küstenstadt waren genau das, was das Buch gebraucht hat. Viele von ihnen sind dabei nicht unbedingt sympathisch. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass ich, bis auf Bentje, eine eher unwichtige Nebenfigur, niemanden wirklich mochte. Doch genau das verleiht der Geschichte ihren zusätzlichen Schliff, denn die Figuren sind vielleicht nicht liebenswert, dafür aber unglaublich realistisch. Bis auf Stella Dor vielleicht, aber ohne ihre einzigartige Persönlichkeit wäre die Geschichte nicht dieselbe.
Insgesamt konnte mich das Buch auf ganzer Linie überzeugen. Es ist sicherlich keine actiongeladene Geschichte, jedoch perfekt für alle, die sich eine Erzählung wünschen, bei der vor allem die Atmosphäre im Vordergrund steht, der Schreibstil zum Nachdenken über das Leben anregt und realistische Charaktere im Mittelpunkt stehen.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Sehr gelungenes Romantasy-Buch

Heart of the Damned – Ihr Versprechen ist sein Untergang
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Im Königreich Lethia würde der König Ren Laurentius alles für sein Königreich geben. Denn um die Tore der Stadt rücken die Dämonen immer weiter vor. Um die Stadt besser zu schützen, geht er eine politische ...

Im Königreich Lethia würde der König Ren Laurentius alles für sein Königreich geben. Denn um die Tore der Stadt rücken die Dämonen immer weiter vor. Um die Stadt besser zu schützen, geht er eine politische Ehe mit Eden Dawn Crest ein, doch diese stirbt auf dem Weg nach Lethia. Ren und seine Berater sind bereits am verzweifeln, wie sie die Situation lösen können, als zu allem Überfluss die Diebin und Schattenwandlerin Scarlett in das Schloss einbricht. Trotz ihres Geschicks wird sie gefangen genommen. Personen mit Magie erwartet die Todesstrafe und ihr Schicksal scheint besiegelt. Doch bevor Ren sie tötet, fällt ihm auf, dass sie die Lösung für sein Problem sein könnte. Sie schließen einen Pakt, doch haben kaum mit der Menge an Geschehnissen gerechnet, die allesamt folgen.

Bereits bei der Gestaltung hat mich das Buch überzeugt. Das Cover sowie der Buchschnitt sind wunderschön und zur Geschichte passend. Zusätzlich bietet der Kodex am Anfang einen guten Überblick auf die verstrickte Geschichte.

Die Umsetzung der Geschichte ist durchaus gelungen. Ein Handlungsstrang ist klar erkennbar, wodurch die Geschichte gut gefolgt werden kann. Gleichzeitig werden dem Leser genügend Details gegeben, um sich die High Fantasy Welt von Heart of the Damned ausgeprägt vorzustellen. Den Plottwist am Ende habe ich absolut nicht kommen gesehen. Durchaus bin ich gespannt, was man daraus in Band 2 macht.

Scarlett und Ren sind beide durchdachte Charaktere. Sie haben ihre Besonderheiten und Geheimnisse. Auch wenn die zwei, meiner Meinung nach, etwas zu perfekt wirken, hat mich das nicht weiter gestört. Was mir jedoch leicht auf den Zahn gegangen ist, ist, dass die ganze Liebesgeschichte zwischen den zwei etwas zu vorhersehbar war. Zudem bin ich kein großer Fan davon, wenn Intimität vor der Liebe steht. Jedoch ist das eine Sache von Präferenz.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Sarkasmus ist kein Fremdwort für Scarlett, wodurch sie mich mit dem ein oder anderen Kommentar durchaus zum Lachen bringen konnte. Hier wurde auch genau mein Geschmack getroffen und es gab genau die richtige Menge an Humor bzw. “Banter”, so dass man lachen konnte, aber er sich auch nicht von der Geschichte ablenkte.

Alles in einem empfinde ich Heart of the Damned als ein gelungenes bis sehr gelungenes Romantasy Buch. Ein klar erkennbarer Handlungsstrang, Informationen über das Königreich sowie ein gut lesbarer Schreibstil mit Humor sind Teil der Geschichte. Zudem gibt es zwei detailreich dargestellte Hauptcharaktere, bei denen jeder selbst entscheiden muss, ob die Darstellung ihrer gemeinsamen Geschichte nach deren Präferenzen ist.
Somit ist dieses Buch eine klare Empfehlung für alle Romatasy-Fans.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Authentisch und emotional

All the Way to the River
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In den Memoiren „All the Way to the River“ erzählt Elizabeth Gilbert von ihrer Verbundenheit zu ihrer Seelenverwandten Rayya Elias. Im Mittelpunkt steht eine Liebe, die zugleich hingebungsvoll und schwierig ...

In den Memoiren „All the Way to the River“ erzählt Elizabeth Gilbert von ihrer Verbundenheit zu ihrer Seelenverwandten Rayya Elias. Im Mittelpunkt steht eine Liebe, die zugleich hingebungsvoll und schwierig ist; unter anderem nicht zuletzt, weil beide Frauen mit Sucht zu kämpfen haben. Das Buch ist sehr persönlich geschrieben und setzt sich intensiv mit Themen wie Abhängigkeit, Verlust und Liebe auseinander, wodurch es einen stark berührt.
Gilbert schildert ihre gemeinsame Geschichte überwiegend chronologisch, sodass man der Erzählung mühelos folgen kann. Die thematischen Schwerpunkte sind klar gesetzt und werden sorgfältig ausgearbeitet. Durch ihre offene, intime Art zu erzählen, gelingt es Gilbert, ihre Gefühle und Gedanken so nahbar zu machen, dass man sie auch ohne eigene Erfahrung mit Sucht oder Trauer gut nachvollziehen kann. Einige Passagen zur Abhängigkeit wiederholen sich zwar, doch diese Wiederholungen empfinde ich kaum als störend.
Besonders gelungen finde ich die Darstellung der Menschen, die in der Geschichte eine Rolle spielen. Gilbert wirkt reflektiert und beschreibt sich selbst glaubwürdig. Noch eindrucksvoller ist jedoch die Beschreibung ihrer Partnerin Rayya. Auf jeder Seite spürt man, wie tief die Liebe zwischen den beiden ist. Obwohl Gilbert Rayyas Probleme nicht beschönigt, bleibt gleichzeitig deutlich, dass sie alles für sie tun würde, was sie im Verlauf der Handlung auch zeigt. Dadurch wird das Buch zum Ende hin zunehmend emotional, und bei manchen Kapiteln sind Tränen garantiert.
Mein größter Kritikpunkt betrifft die Stellen, in denen die Erzählung für meinen Geschmack zu spirituell und teils sogar surreal wird. Natürlich verarbeitet jeder Mensch Trauer auf eigene Weise, doch die wiederkehrenden Begegnungen mit einem „Geist“, mit denen sogar Dialoge geführt werden, wirken in einer ansonsten an den Fakten gehaltenen Darstellung Fehl am Platz.
Insgesamt ist „All the Way to the River“ dennoch ein sehr empfehlenswertes Buch, das eine authentische und zutiefst berührende Geschichte erzählt. Elizabeth und Rayya wachsen einem unweigerlich ans Herz, und Tränen bleiben kaum aus. Auch wenn die wiederholten spirituellen Elemente etwas von der Authentizität nehmen, bleibt das Werk lesenswert.

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