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Veröffentlicht am 08.08.2025

Serienmörder in Zivil

A Serial Killer’s Guide to Marriage
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"A Serial Killer's Guide to Marriage" ist der Debütroman von Asia Mackay, das Buch erscheint im Dumont Verlag.

Die Künstlerin Haze und der Banker Fox sind seit mehreren Jahren ein Liebespaar und gleichzeitig ...

"A Serial Killer's Guide to Marriage" ist der Debütroman von Asia Mackay, das Buch erscheint im Dumont Verlag.

Die Künstlerin Haze und der Banker Fox sind seit mehreren Jahren ein Liebespaar und gleichzeitig ein mörderisches Paar! Sie lieben Luxus, Ausgehen und Reisen, waren schon an den angesagtesten Orten der Welt und haben ein ungewöhnliches Hobby, das Morden von gewalttätigen Männern als Serienmörder. Das Gefühl solche Männer zur Strecke gebracht zu haben, erfüllt sie mit großer innerer Genugtuung. Als sie ein Kind bekommen, wollen sie die Verbrechen von ihrer Tochter Bibi fernhalten und leben ein spießiges Vorstadt-Familienleben. Fox wird ein liebender Vater und auch Haze liebt ihren Mann und ihre Tochter, doch sie ist deprimiert, durch den Verzicht auf ihr mörderisches Hobby leidet die Leidenschaft und ihre Ehe. Als sich ihr eine Gelegenheit bietet, nimmt sie ihr Messer und... Damit hat sie ein Versprechen gebrochen und muss ihr Geheimnis vor Fox und vor der Polizei verbergen

Bei diesem Buch musste ich mich erst an die skurrile und unwirkliche Geschichte gewöhnen, doch ich war neugierig, wie Haze ihre Verbrechen vor ihrem Mann und ihrer Freundin Jenny vertuschen kann.

Erzählt wird die Geschichte wechselseitig aus der Perspektive von Haze und Fox, beide lassen uns an ihrem bewegten Leben teilhaben und berichten von ihren Erlebnissen. Dadurch lernt man die Figuren besser kennen und weiß, wie sie ticken. Beide Ehepartner haben voreinander Geheimnisse und es macht Spaß zu sehen, wie sie das verheimlichen wollen, das sorgt für zusätzlichen Spannungseffekt.

Der Erzählstil ist durch die vielen Dialoge sehr lebendig gehalten, trotzdem wurde ich damit nicht sonderlich warm und die Story hat auch einige Längen. Aber die speziellen Charaktere und die immer spannender werdende Handlung konnte mich dann doch begeistern.

Man fragt sich, wie kann ein solches Paar von einem Jetset-Leben in ein stinknormales Leben wechseln? Die Antwort findet man in der Geschichte, sie können irgendwie nicht aus ihrer alten Haut!

Ich mochte Haze und Fox als Paar und der trockene Humor von Haze hat mir gut gefallen. Das gezeigte Familienleben mit Spielplatzbesuch, musikalischer Früherziehung und die tolle Nebenfigur der Kinderfrau hat die Geschichte unterhaltsam aufgelockert. Eins muss ich noch anmerken, was mich zunehmend gestört hat: Haze hat ein Alkoholproblem und ich frage mich, warum mir dieses Problem häufig in englischen Büchern begegnet.

Dieses Buch ist für mich weniger ein Krimi als eine Posse über Verbrecher! Es zeigt ein ziemlich abgedrehtes Paar zwischen Mordlust und Familiensinn und die skurrile Handlung sorgt mal für Abwechslung im Bereich der üblichen Krimis. Meine Bewertung sind 3,5 Sterne, die ich gerne aufrunde!

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Charmanter Wohlfühlroman mit Krimielementen!

Mörderisch verstrickt – Ein Strickclub ermittelt
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Mörderisch verstrickt ist der erste Band der Reihe "Ein Strickclub ermittelt" von Susanne Oswald und erscheint bei Harper Collins.

Mette betreibt in Lüttjekoog an der Nordseeküste ein kleines Wollgeschäft, ...

Mörderisch verstrickt ist der erste Band der Reihe "Ein Strickclub ermittelt" von Susanne Oswald und erscheint bei Harper Collins.

Mette betreibt in Lüttjekoog an der Nordseeküste ein kleines Wollgeschäft, wo sich regelmäßig der Strickclub zum Handarbeiten und Klönen trifft. Mettes Motto ist ganz klar: Zusammen strickt man weniger allein! Zum Club gehören neben Mette und Hund Ginger die Friseurin Brundhilde, Pfarrerin Anne und Bootsverleiher Gustavsen. Sie verstehen sich richtig gut, es wird viel gelacht und wenn es mal Probleme gibt unterstützen sie sich gegenseitig.

Der neueste Klatsch dreht sich um Annes Fundstück aus dem Watt, eine goldene Statue, die laut Anne aus dem sagenhaften Schatz Rungholt stammen könnte. Kurz darauf wird Anne überfallen und der Schatz geklaut und es geschieht sogar ein Mord. Nun muss der Strickclub ermitteln!

Die Geschichte liest sich wunderbar stimmig, denn sie strahlt eine gemütliche Wohlfühlatmosphäre aus mit Strickabenden am Kamin mit Kaffee und idyllischen Picknicks am Strand. Wer wäre da nicht gern dabei, gedanklich bin ich schnell in die jeweilige Szenerie eingetaucht und habe es genossen und mich mit den Figuren angefreundet. Die sympathischen Charaktere habe ich schnell ins Herz geschlossen und ihre Spurensuche interessiert begleitet. Ich muss aber auch anmerken, das der Krimianteil recht kurz geraten ist. Wer einen Wohlfühlroman sucht, bei dem Strickleidenschaft und gegenseitige Unterstützung im Lebensalltag im Vordergrund stehen, ist hier genau richtig. Man kann sich gedanklich gut in die kleine Gemeinschaft einfühlen, Annes Kinder und weitere Nebenfiguren vervollständigen die Gruppe perfekt und am Ende wird natürlich der Mord aufgeklärt.

An Mette hat mir ihre Leidenschaft für das Stricken gefallen, dabei kann sie wunderbar abschalten, aber auch gut nachdenken. Und so übernimmt sie gemeinsam mit ihrem Strickclub die Aufklärung im Mordfall. Pfarrerin Anne ist geschieden, eine toughe Frau, die sich neben ihren beiden Kindern auch rührend um ihre Gemeindemitgliedern sorgt. Aber auch Brunhilde und Gustavsen sind aus der Viererrunde nicht wegzudenken und sind immer zur Stelle, wenn sie gebraucht werden.

Ein toller Wohlfühlroman mit Krimianteil für entspannte Lesezeit, für laue Sommerabende, aber auch im Herbst, wenn wärmende Strickprojekte anstehen.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Ein sehr atmosphärischer und berührender Roman

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Im Gutkind Verlag erscheint der Auftaktband Wo die Moltebeeren leuchten aus der Norrland Saga von Ulrika Lagerlöf.

1938, Nordschweden: Um die finanzielle Situation ihrer Familie aufzubessern, wird die ...

Im Gutkind Verlag erscheint der Auftaktband Wo die Moltebeeren leuchten aus der Norrland Saga von Ulrika Lagerlöf.

1938, Nordschweden: Um die finanzielle Situation ihrer Familie aufzubessern, wird die siebzehnjährige Siv Engström als Köchin in ein Holzfällerlager im Wald vermittelt. Für mehrere Monate wird sie nun inmitten der Natur mit zehn Männern in einer einfachen Hütte leben. Die Arbeit ist hart, doch Siv findet sich schnell in ihre neue Rolle ein und fühlt in der Natur ihre eigene Freiheit. Dort trifft sie auf Nila, einen jungen Sámi und entdeckt ihre großen Gefühle.

2022 Djupsele: Eva Wallman wird als PR-Beraterin und studierte Forstwirtin nach Djupsele geschickt, wo sie einige Jahre ihrer Kindheit verbrachte. Sie soll die Gegner der Abholzung beruhigen, hinterfragt aber ihren Auftrag und versteht auch die Gegner, die die Wälder schützen wollen. Schnell wird sie von ihren Erinnerungen eingeholt, die Natur nimmt sie gefangen und das Wiedersehen mit ihrer Jugendliebe Mattias lässt vergangene Gefühle hochkommen. Kann Eva ihre Arbeit im Sinne ihres Auftraggebers erfüllen?

Dieser wunderbar erzählte Roman hat mich mit den Natur-Beschreibungen, den unterschiedlichen Schicksalen und dem Problem der Abholzung der Wälder in den Gebieten der Waldsámi gepackt und komplett mitgerissen.

Die Autorin füllt die Geschichte mit landschaftlicher Schönheit und mit emotionaler Tiefe und erzählt in zwei Zeitebenen. Sie spielt mit der Beziehung der beiden Protagonistinnen Eva und Siv, die beide ihren persönlichen Lebensweg suchen und familiär verbunden sind. Ich konnte mich wunderbar in Sivs Lage hineinversetzen, die ihren Traum Lehrerin zu werden aufgeben musste. Es war ein intensives Erlebnis, sie bei ihren Aufgaben und beim Verweilen in der Natur zu begleiten und die berührenden Momente mitzuerleben als ihre Gefühle für Nila erwachen. Aber auch Evas berufliche Aufgabe und ihre Zweifel konnten mich fesseln. Beide Figuren kamen mir ganz nah und dabei habe ich einiges über die Forstwirtschaft erfahren.

Das Leben in den dichten, nordschwedischen Wäldern mit Mooren und Seen und den orangefarbenen Moltebeeren war urwüchsig und in den 30er Jahre beschwerlich. Es gab keinen Strom, die Winter waren eisig und hart und für die junge Siv muss es ungewohnt gewesen sein, allein in der Wildnis mit zehn Männern zu leben. Als sie die Liebe entdeckt, wird sie vor weitere Probleme gestellt, den Ehen zwischen Sámi und Schweden sind verpönt.

Die Waldsámi ziehen schon seit Generationen mit ihren Rentierherden durch die Wälder und regulieren damit die Waldvegetation. Die Tiere fressen Pflanzen rund um die Bäume und halten damit die Vegetation niedrig, die Bäume können ungehindert wachsen. Doch die Sámi wurden verdrängt, denn die Abholzung nahm ihren Tieren die Weidefläche, die sie benötigen.

Die schwedischen Holzunternehmen haben jedoch andere Interessen, die Abholzung verspricht Gewinn und das Land gehört dem Staat bzw. privaten Grundbesitzern. Mit diesen Argumenten soll Eva die Aktivisten zum Rückzug bewegen. Doch ihre eigenen Wurzeln werden ihr in der Natur wieder bewusst und so kommen ihr Zweifel an ihrer Aufgabe.

Beide Zeitebenen habe ich gerne begleitet und es war schön zu sehen, wie sich beide Geschichten immer mehr miteinander verknüpfen und ein großes Ganzes ergeben.
Ein ganz großartiges Buch, das mich intensiv miterleben ließ, was Tradition und vermeintlicher Fortschritt ausmachen.

Zum Glück gibt es eine Fortsetzung - "Wo das Feuerkraut blüht".

Ein atmosphärischer und berührender Roman über Herkunft und speziell über das Leben der Sámi!

Veröffentlicht am 02.08.2025

Mitreißender Roman über die Warnung vor dem stummen Frühling

In uns der Ozean
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Im List Verlag erscheint Theresia Graws Roman In uns der Ozean.

Die Biologin Rachel Carson ist fasziniert von Wissenschaft und Forschung, muss aber 1929 aus finanziellen Gründen ihre Promotion abbrechen, ...

Im List Verlag erscheint Theresia Graws Roman In uns der Ozean.

Die Biologin Rachel Carson ist fasziniert von Wissenschaft und Forschung, muss aber 1929 aus finanziellen Gründen ihre Promotion abbrechen, nachdem ihre Familie alles verloren hat. Sie nimmt einen Job fürs Radio an und schreibt Geschichten über Tiere und Pflanzen, die bei den Zuhörern sehr beliebt sind. Sie beobachtet die Natur und liebt Vögel, am Vogelsterben erkennt sie einen kausalen Zusammenhang mit DDT, das damals als Wundermittel zur Insektenbekämpfung bedenkenlos über Felder, Wälder und Siedlungen versprüht wurde. Entrüstet nimmt sie den Kampf gegen die Chemielobby auf und schreibt ihr Buch "Der stumme Frühling". Darin macht sie auf die drohende Gefahr der Chemikalie DDT aufmerksam und stellt sich mutig gegen öffentliche Anfeindungen.
In ihrem literarischen Porträt verarbeitet Theresia Graw das Wirken der Umweltpionierin Rachel Carson im Kampf gegen die Anwendung von DDT und bringt uns ihr Leben auf anschauliche und mitreißende Weise näher.

Die Biologin Rachel Carson war mit bisher unbekannt, doch beim Lesen des Romans habe ich mit ihr mitgefiebert und bin stolz auf ihr Engagement für die Umwelt. Nachdem Rachel bei ihren biologischen Beobachtungen einen Zusammenhang zwischen Vogelsterben und Pestizidausbringung vermutete, forschte sie weiter und engagierte sich im Kampf gegen DDT und setzte sich mutig für die Umwelt ein. Ihr Buchprojekt war ihr ein persönliches Anliegen und bewirkte das Verbot von DDT.

Mit dem spannenden Umweltthema liest sich der Roman sehr fesselnd und ich habe Rachel für ihre Beharrlichkeit und ihre aufopfernde Arbeit im Kampf gegen die Chemilobby bewundert. Als unverheiratete Frau wurde ihr wenig Achtung entgegengebracht und ihre Erkenntnisse häufig mit Gegenargumenten entkräftet. Theresia Graw ist es gelungen, einen packenden Roman aufgrund von wahren Begebenheiten zu schreiben, der mit Naturbeschreibungen und dem Leben dieser wissenschaftlich versierten, interessanten Frau zu unterhalten weiß. Dabei wird auch ein feministische Ansatz sichtbar, denn Frauen mussten sich lange gegen Diskriminierung wehren und für ihre Träume kämpfen. Gerade in der Forschung war es für Frauen schwer, sich durchzusetzen und anerkannt zu werden.
Rachel bekam Halt und Unterstützung von ihrer Freundin Dorothy, beide führen eine Liebesbeziehung, die zu damaliger Zeit verboten war.
Was mir besonders gut an diesem großartigen Buch gefallen hat, sind die in die Romanhandlung eingestreuten Sachthemen, die für Tiefgang sorgen und das Umweltbewusstsein ansprechen.

Ein mitreißender Roman über eine interessante Frau und Ökologin im Kampf für die Natur. Rachel Carson hat uns allen einen großen Dienst erwiesen und Theresia Graw sei Dank für diesen tollen Roman!

Veröffentlicht am 29.07.2025

Unterhaltsamer Lokalkrimi mit wenig Spannung

Schlossteichleich
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Schlossteichleich ist der dritte Band der Reihe um Dorli und Lupo Schatz von Veronika A. Grager aus dem Emons Verlag.

Livio Moretti, ein prominenter Maler und Bildhauer, wird auf dem Christkindlmarkt ...

Schlossteichleich ist der dritte Band der Reihe um Dorli und Lupo Schatz von Veronika A. Grager aus dem Emons Verlag.

Livio Moretti, ein prominenter Maler und Bildhauer, wird auf dem Christkindlmarkt ermordet aufgefunden, direkt hinter Mariannes Punschstand. Und weil Marianne der Gemeindesekretärin Dorli eher vertraut als der Polizei, wird Dorli informiert. Sie findet heraus, dass Morettis Lebenspartner verschwunden ist, die Polizei hält das Ganze für eine Beziehungstat. Doch dann wird die Leiche Morettis unter dem Eis des zugefrorenen Hernsteiner Schlossteichs entdeckt. Dorli ist Hobby-Ermittlerin und sie sorgt dafür, das ihr Freund der Privatdetektiv Lupo vom Vater des Toten mit Nachforschungen beauftragt wird. Und schon sind beide wieder gemeinsam auf Spurensuche.

Nachdem mir der vierte Fall "Sauglück" vor acht Jahren sehr gut gefallen hat, habe ich mir diesen Band für meinen Urlaub gekauft.

Die Themenbreite dreht sich um Verbrechen wie Drogenhandel und russischer Bandenkriminalität und die Autorin zeigt das Gedankengut rund um Fremdenhass auf.

Der Aushilfspfarrer der Gemeinde ist ein Afrikaner, der mit seiner Schwester anreist. Das sorgt für viel Gerede und Hetzerei im Dorf. Es hat mich bei diesem Buch sehr gestört, dass der Tod der jungen Frau sehr kurz abgehandelt wird und sich die Geschichte vorrangig um die beiden Ermordeten dreht. Ausserdem verliert sich die Handlung immer wieder in Nebensächlichkeiten, was meinen Lesefluss mehrmals zum Erliegen brachte.

Der einfach gehaltene Erzählstil enthält Dialoge in Mundart, das wirkt sehr lebendig und ist mit eingebautem Humor unterhaltsam zu lesen. Von den Dorfbewohnern bleibt für mich leider der Eindruck ihrer Vorurteile und die beiden Toten entpuppen sich auch keineswegs als Unschuldsknaben.

Das Buch ist für mich eher Unterhaltungslektüre als ein spannender Krimi! Wobei mir der Lokalkolorit und die Protagonisten gut gefallen haben.