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Veröffentlicht am 04.02.2021

Sehr japanisch, schöner Sprachstil, aber leider ohne überzeugenden Effekt

Der Klang der Wälder
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Im Insel Verlag erscheint "Der Klang der Wälder" der japanischen Autorin Natsu Miyashita.

Als Tomura den begabten Klavierstimmers Itadori-san bei seiner Arbeit erlebt, ist er völlig begeistert. Die Töne ...

Im Insel Verlag erscheint "Der Klang der Wälder" der japanischen Autorin Natsu Miyashita.

Als Tomura den begabten Klavierstimmers Itadori-san bei seiner Arbeit erlebt, ist er völlig begeistert. Die Töne entwickeln sich bei ihm zu Bildern und die Töne versetzten ihn in die rauschenden Wälder seiner Kindheit. Von da an steht sein Wunsch fest, ebenfalls Klavierstimmer zu werden. Er erlernt den Beruf, hadert aber ständig mit seinen Fähigkeiten und möchte den perfekten Klang erzeugen. Als er die Zwillinge Yuni und Kazune trifft, ist er von Kazunes Klavierspiel hingerissen und möchte für sie den perfekten Klang am Klavier erzeugen.

"Der Weg ist voller Fallstricke. Und so lang, dass kein Ende abzusehen ist. Am Anfang steht die Absicht. Und ebenso am Ende. Dazwischen gilt es, sich zu bemühen, sich anzustrengen, zu beharren." Zitat Seite 190

Dieser Roman lässt uns in das Leben des Japaners Tomura blicken. Wir erleben einen jungen Mann, der sein Berufsziel Klavierstimmer als Passion ausübt. Und er ist fast fanatisch bemüht, den perfekten Klang aus den Instrumenten herauszuholen, damit setzt er sich auch ständig unter Druck und bekommt Selbstzweifel. Perfektionismus ist in der japanischen Gesellschaft ein erstrebsames Ziel.

Tomuras Gefühlsleben schlägt einzig für die Klänge des Klaviers. Seine Zuneigung zu Kazune entwickelt sich erst allmählich durch ihr wunderbares Klavierspiel.

"Die wild ausschlagende Nadel meines inneren Kompasses hatte sich endlich ausgerichtet und stand still. ...zeigte sie und unmissverständlich in eine einzige Richtung: Kazune Zukunft." Zitat S. 191

Von echten Gefühlen ist hier aber nie die Rede. Die Mentalität der Japaner ist in Liebesfragen eher unromantisch und fast schon pragmatisch, das sollte man wissen, wenn man sich dieser Lektüre widmet. Damit hat mir aber auch schon etwas entscheidendes gefehlt, die ellenlangen Beschreibungen von Tonänderungen finde ich auf Dauer langweilig. Auch wenn ich kein Klavier spiele, liebe ich die Musik dieses Instruments. Doch es ist für mich keine Lesefreude, wie hier Tonfolgen und Klangveränderungen ausführlich beschrieben werden.

"...beim c-moll.Akkord (C-es-G), wo das ursprüngliche E um einen Halbtonschritt in >es< vermindert ist, ..." Zitat S. 195

Sprachlich kann man dem Buch bis auf die erwähnten musikalischen Ergüsse gut folgen. Es ist ein spezieller Tonfall, sehr japanisch und mit den Schilderungen der Geräusche oder der Stimmung der Wälder auch sehr blumig und interessant. Das mag ich sehr, doch die ganze Story konnte mich nicht erreichen. Wenn man der disziplinierten Art Tomuras folgt, erlebt man auch Erinnerungen an seine dörfliche Kindheit, doch die verebben auch schnell wieder und ich wurde mit ihm einfach nicht warm. Genauso haben mich die anderen Figuren nicht erreichen können, sie haben alle ihre Geheimnisse, doch sympathische Züge fehlten mir bei allen Personen.

Wer einen Traum verfolgt, sollte genügend Enthusiasmus und Begeisterung mitbringen, damit auch die schwierigen Phasen überwunden werden können.

Die Thematik der Klavierstimmerei hat mich leider nicht genug packen können, um der Geschichte gespannt zu folgen. Ganz im Gegenteil, es war auf Dauer ermüdend und ich hätte mir auch ein anderes Ende gewünscht.

Die Informationen über Natur in Japan und die Liebe zur Musik haben nicht ausgereicht, um dieses Buch begeistert zu lesen.

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Veröffentlicht am 31.01.2021

Der Roman konnte mich nicht ganz überzeugen

Die kleine Souvenirverkäuferin
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Der Roman "Die kleine Souvenirverkäuferin" von François Lelord erscheint im Piper Verlag.

Hanoi in den 90er Jahren: Der Franzose Julien arbeitet als Arzt in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land. Da bricht ...

Der Roman "Die kleine Souvenirverkäuferin" von François Lelord erscheint im Piper Verlag.

Hanoi in den 90er Jahren: Der Franzose Julien arbeitet als Arzt in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land. Da bricht eine Epidemie aus und Julien reist trotz aller Verbote in die Krisenregion. Min Thi (Herbstlicht), eine Souvenirverkäuferin, die Julien täglich getroffen hat, wird von den Behörden verhaftet, weil sie Kontakt zu ihm, einem Ausländer hatte. Dabei braucht ihre Familie ihren Verdienst zum Überleben.

Lelord entführt uns in seiner Geschichte in das Vietnam der 90er Jahre, als das Land noch kommunistisch regiert wurde. Er erzählt eine Liebesgeschichte, die sich vor einer drohenden Epidemie zwischen dem Arzt Julien und der jungen Vietnamesin Min Thi entwickelt. Eine Liebe, die nicht sein darf und damit für viele Überlegungen Julians im Buch sorgt. Julien ist ein einfühlsamer und umsichtiger Arzt, aber trotzdem kein Charakter, der mir richtig sympathisch wurde. Seine Liebe zu Herbstlicht ist gegen alle geltenden Konventionen und das ist auch Julien klar. Kann man sich verlieben, wenn einen Welten trennen? Es zeigen sich im Verlauf der Geschichte die Probleme, die daraus entstehen.

In diesem Roman lernt man die Lebens- und Denkweise der Menschen in Hanoi näher kennen und erfährt auch einiges über die Geschichte und die Geflogenheiten Vietnams. Die Charaktere werden nicht so intensiv gezeichnet, dass ich sie zu kennen meine. Vielleicht konnte ich deshalb nicht mit ihnen fühlen. Sie blieben mir merkwürdig fremd und auch die Geschichte konnte mich nicht richtig packen. Es gibt einige politische Verstrickungen, die den Ausbruch des Virus verheimlichen wollen. Hier den Durchblick zu behalten zwischen den vielen Personen wie Polizisten, Botschaftern und anderen Behördenmitarbeitern, war mir nicht möglich. Die Vertuschung einer Epidemie ist gerade jetzt eine Idee, bei der mir nicht wohl ist. Dabei wirkt der Roman durch den wunderbaren Schreibstil so einfühlsam und ist angenehm zu lesen. Ich bin gerne eingetaucht und muss sagen, es fehlte mir etwas mehr Eindeutigkeit, mehr sichtbare Gefühle und das besondere I-Tüpfelchen, was nach der Lektüre im Gedächtnis haften bleibt.

Das ist eine zwar wunderschön und leise erzählte Geschichte, die mit vielen Aspekten der fremden Kultur und Denkweise unterhält, aber doch nicht so interessant ist, dass sie im Gedächtnis haften bleibt.

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Veröffentlicht am 30.01.2021

Ein wunderbares Bilderbuch mit Zoom-Effekt über Größenverhältnisse und Umweltschutz

Von riesengroß bis klitzeklein
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Das Bilderbuch "Von riesengroß bis klitzeklein" erscheint im Thienemann-Esslinger Verlag und wurde von Julia Klee geschrieben, illustriert von Sabine Rothmund. Es richtet sich an Kinder ab 5 Jahren.

Eine ...

Das Bilderbuch "Von riesengroß bis klitzeklein" erscheint im Thienemann-Esslinger Verlag und wurde von Julia Klee geschrieben, illustriert von Sabine Rothmund. Es richtet sich an Kinder ab 5 Jahren.

Eine Geschichte mit überraschenden Effekten und dem Blick auf die Welt aus neuer Perspektive. Wenn man Dinge durch die Kamera betrachtet, kann man etwas ganz nah heran oder weiter weg zoomen. Diese Perspektive ermöglicht den Blick vom kleinen Wiesenblümchen bis ins Weltall.

"Die Kleinsten sind manchmal die Größten." Zitat Seite 46

Auf der Welt gibt es viele kleine Dinge, die für ein großes Ganzes wichtig sind. Schon das kleinste Blümchen und die kleinen Insekten sind für die Erde lebenswichtig. Das zeigt dieses Buch sehr eindeutig mit einem originellen Zoom-Effekt.

Es gibt eine Menge zu entdecken, angefangen von der Wiesenblume werden die einzelnen Motive vom Blickwinkel verändert und verwandeln sich damit zu kleinen Teilen eines größeren Bildes. Der Zoom verändert die Perspektive, die ersten Bilder werden immer kleiner und verlieren sich nachher im Großen. So wie wir alle kleine Teile des Ganzen sind, Teile der Erde.

Die einzelnen Bilder werden zu einer stimmigen Geschichte verknüpft, es beginnt bei der kleinen Blume und lässt am Ende den Blick wieder auf die Blumenwiese schweifen. Wunderschön durchdacht und ausgeführt, aber vielleicht hätte der Text etwas mehr Erklärung beeinhalten können. Ab 5 Jahren kann man das Kindern durchaus zumuten. Inhaltlich passender wäre der Titel "Von klein bis groß" gewesen, denn so verläuft der Blickwinkel im Buch.

Es ist ein echter Bilderbuch-Genuss zum Anschauen durch die wunderbaren farbintensiven Bilder. Der wenige Text greift die Themen Natur und Umweltschutz auf und verdeutlicht dem Betrachter, wie wichtig kleine Dinge für das große Ganze sind. Durch die ausdrucksstarken Bilder werden Kinder neugierig gemacht und auch für die Umwelt sensibilisiert. Dieses Buch ist geeignet für Kindergartenkinder, denn von klein auf sollte man wissen wie wichtig die Natur und eine gesunde Umwelt für uns alle ist. Hier bekommen sie lehrreiche Hinweise zur Umweltverschmutzung, aber auch zu Fridays for Future, die sie in anschaulicher Weise gedanklich verarbeiten können. Die Illustrationen sind bezaubernd und die veränderte Perspektive sorgt erst für die entscheidende Wirkung.

Einfach ein wunderbares Bilderbuch über die wichtigen Kleinen und den Umweltschutz, auch für die Großen.

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Veröffentlicht am 29.01.2021

Solider Regionalkrimi mit einem humorvollen Ur-Bayer als Ermittler

Brunzkachl
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Brunzkachel von Rolf Mai erschien im Mitteldeutschen Verlag.

Der Münchner Kommissar Berti Wamprechtshammer hat gerade eine Reha wegen eines Rückenleidens abgeschlossen, doch lange ausruhen ist nicht ...

Brunzkachel von Rolf Mai erschien im Mitteldeutschen Verlag.

Der Münchner Kommissar Berti Wamprechtshammer hat gerade eine Reha wegen eines Rückenleidens abgeschlossen, doch lange ausruhen ist nicht angesagt, denn seine Kollegen brauchen ihn. Es gibt einen grausigen Leichenfund an der Isar, sie suchen nun einen besonders brutalen Täter, der vor Zerstückelung nicht zurückschreckt.

Dieser Regionalkrimi spielt in München, ist trotz der brutal zerlegten Leiche sehr humorvoll und lebt von dem Miteinander der Figuren. Berti ist ein echter Ur-Bayer, der auf Essen und Trinken viel Wert legt und hat zu seinen Kollegen ein freundschaftliches Verhältnis, sie sind ein buntes Team, Reserl ist Halbasiatin und Sigi ist Franke.

Die Leiche ist übel zugerichtet und trotzdem ist dieser Krimi nicht blutig und grausam zu lesen, sondern sehr erheiternd. Es gibt zwar einige recht machohafte Sprüche, die ich aber mit einem Augenzwinkern abgetan habe. Die Ermittlungen sind hier nicht so spannend angelegt, dass man darauf hinfiebert, viel mehr steht die bayerische Gemütlichkeit im Vordergrund. Hier wird reichlich gegessen und getrunken, auch im Dienst und es wird mit viel Münchner Mundart ermittelt. Das war für mich nicht so eingängig zu lesen, aber durchaus verständlich. Ein wenig mehr Ermittlung hätte ich mir schon gewünscht, hier ging alles recht gemächlich zu. Aber einige Wendungen haben mich sehr überrascht.


Ein solider und unterhaltsamer Krimi mit bayerischer Originalität, der von seinen humorvollen Figuren lebt.

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Veröffentlicht am 27.01.2021

Hier trifft Nachkriegsstimmung auf neuen Lebensmut

Als das Leben wieder schön wurde
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1954 zieht Greta Bergström aus Schweden nach Hamburg, wo die Nachkriegszeit noch überall spürbar ist. Sie sucht vergeblich eine Stelle als Kosmetikerin, außerdem stösst sie als Frohnatur bei den zugeknöpften ...

1954 zieht Greta Bergström aus Schweden nach Hamburg, wo die Nachkriegszeit noch überall spürbar ist. Sie sucht vergeblich eine Stelle als Kosmetikerin, außerdem stösst sie als Frohnatur bei den zugeknöpften Hamburgern nur auf wenig Gegenliebe. Dann lernt sie Marieke kennen, die aus Ostpreußen fliehen musste und in den Altonaer Nissenhütten lebt und ihren Nachbarinnen die Haare macht. Und auch mit Trixie beginnt eine Freundschaft, die in Blankenese lebt und unglücklich in einen amerikanischen Soldaten verliebt ist. Gemeinsam planen die drei Frauen, einen mobilen Schönheitssalon zu eröffnen und den Frauen damit wieder ein Stück Glück und Lebensfreude zu schenken.

Der Roman spielt in der Nachkriegszeit und zeigt die Situation sehr lebendig am Beispiel der Frauen Greta, Marieke und Trixie.

Greta Bergström wurde in Schweden von ihrer Oma Annie großgezogen, nach deren Tod reist sie zu ihrem Vater, der in Hamburg mit seiner neuen Familie lebt. Dort ist sie nicht willkommen, nur ihr Halbbruder Mickey hält mit ihr Kontakt. Nun sucht sie dringend nach einer Bleibe und Arbeit und lernt Marieke und Trixie kennen. Gemeinsam bauen sie einen alten Lkw zu einem Schönheitsmobil um und finden viele dankbare Kundinnen. Greta ist für Tinkturen und Cremes zuständig, Marieke frisiert und Trixie ist als Modeberaterin aktiv. Durch diese Tätigkeit erhält man Einblick in viele Frauenschicksale, die von der tristen und schweren Nachkriegszeit berichten.

Greta hat in Hamburg nicht nur eine neue Heimat gesucht, eigentlich wollte sie das Schicksal ihrer Mutter aufspüren, die nach Schweden zu Greta zurückkehren sollte, aber in den Wirren des Krieges verschwand. Diese Geschichte war für mich der interessanteste Part im ganzen Roman.

Der Erzählstil ist sehr flüssig, unterhaltsam geschrieben und mit vielen bildhaft geschilderten Szenen auch sehr abwechslungsreich zu lesen. Die Themen der Nachkriegsjahre werden hier sehr deutlich aufgezeigt und man bekommt einen umfassenden Eindruck dieser Zeit. Die Wohnsituation war sehr beschränkt und häufig armseelig und die Menschen litten Hunger. Immer wieder zeigt sich, wie sehr die gesellschaftliche Stellung der Männer gegenüber den Frauen dominierte. Viele Frauen liebten amerikanische Soldaten und wurden damit von der Bevölkerung geächtet. Alleinerziehende Frauen hatten ihre Not, für sich und das Kind zu sorgen. In vielen Familien herrschte häusliche Gewalt, viele litten unter ihren Erlebnissen des Krieges und der Flucht. Hinein in diese triste und graue Stimmung bringen die drei Freundinnen ihr Schönheitsmobil und Mickey seinen Traum von Jazzmusik.

Die unzähligen Beschreibungen und zahlreichen menschlichen Schicksale habe ich interessiert verfolgt und auch die unterschiedlich gezeichneten Charaktere sind der Autorin gut gelungen. Dennoch habe ich zu keiner der Frauen eine tiefere Verbindung aufbauen können. Gretas Suche nach ihrer Mutter klärte sich in der Handlung nach und nach auf, allerdings verlor mein Interesse daran merklich.

Durch die Menge an Informationen ging der Tiefgang der Geschichte verloren und der Fokus lag nicht so intensiv auf einer bestimmten Protagonistin, wie ich es mir gewünscht hätte.


Ein lebendig erzählter Roman mit vielen Handlungssträngen, der die Nachkriegszeit gut aufzeigt, aber durch die Themenvielfalt auch nicht so tiefgründig und fesselnd wirkt.

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