Hammer!
Yesteryear
„Yesteryear“ von Caro Claire Burke ist ein Buch, das mich nicht nur gefangen genommen, sondern auch ein gutes Stück aus der Fassung gebracht hat. Es erzählt von Natalie Heller Mills, einer Influencer ...
„Yesteryear“ von Caro Claire Burke ist ein Buch, das mich nicht nur gefangen genommen, sondern auch ein gutes Stück aus der Fassung gebracht hat. Es erzählt von Natalie Heller Mills, einer Influencer Tradwife, die mit ihrem perfekt gestylten Farm Leben auf Instagram Menschen begeistert, während im Hintergrund ihre Welt langsam bricht. Burke zeigt, wie sehr hinter dem scheinbar idyllischen Bild von Handkäse, selbstgemachtem Sauerteig und tutorialhaften Haushaltsaufgaben ein ganz anderes System steckt. Eines, das Frauen ausbeutet, kontrolliert und kontinuierlich klein hält.
Besonders beeindruckend fand ich, wie klar das Buch die Verbindung zwischen diesen süssen Tradwife Trends auf TikTok und Instagram und einer tieferliegenden Ideologie aufzeigt. Da sind nicht nur ein paar kitschige Bildchen, sondern eine ganze Welt, die Misogynie, ein aggressives Nationalgefühl und den Rückzug in eine romantisierte Vergangenheit verknüpft. Die Protagonistin ist dabei keine naive Opferin, sondern eine ziemlich komplizierte, oft unsympathische Frau, die sich selbst in diesen Käfig hineinmanövriert hat. Genau das macht das Lesen so unangenehm spannend. Man will sie manchmal nicht mögen, kann aber nicht aufhören, ihr zu folgen.
Was mich am meisten geprägt hat, ist, wie schonungslos die Sprache ist. Die Seiten sind hart, das Tempo ruppig, das psychologische Portrait grausam dicht. Manchmal musste ich tatsächlich kurz weglegen, weil es einfach zu viel wurde. Er lässt dich nicht in der Komfortzone der Social Media Fassade bleiben, sondern schleudert dich in die Realität, die dahinter liegt. Wenn du dich für feministische Debatten, Influencer Kultur, Genderrollen und die gefährliche Romantisierung von Vergangenheit interessierst, MUSST DU ES LESEN!