Unterhaltsam beim Thema Wechseljahre, zu 50% aber – und dank der Erkenntnisse einiger Wissenschaftler - ein allgemeiner Verhaltens-Ratgeber!
Ausflippen.Ausflippen könnte ich, weil nur die Hälfte des Buches einen Bezug zum Titelthema hat!
Die Journalistin Nina Gregoriew hat sich – eigentlich(!) - das Thema Wechseljahre vorgenommen. Sie schreibt verständlich, ...
Ausflippen könnte ich, weil nur die Hälfte des Buches einen Bezug zum Titelthema hat!
Die Journalistin Nina Gregoriew hat sich – eigentlich(!) - das Thema Wechseljahre vorgenommen. Sie schreibt verständlich, lebensnah, ungeschönt, unterhaltsam, weil humorvoll, und so realistisch, dass man sich in den Zeilen und Aussagen, in den Empfindungen und Befindlichkeiten, den Erlebnissen und Problemen, den Erkenntnissen und Entscheidungen zur Zeit des Klimakteriums wiederfindet.
Dass die Autorin ihre eigenen Erlebnisse einbringt, macht sie und die Lektüre sehr nahbar. Was ich lese, ist informativ und kurzweilig, hilfreich und augenöffnend sowie Perspektiven aufzeigend.
Zumindest gilt all das für die erste Hälfte des Buches, denn die ersten Kapitel befassen sich tatsächlich mit den Wechseljahren und den Auswirkungen, die diese auf den weiblichen Körper, die Psyche und auf das Leben an sich haben. Dann jedoch - ungefähr in der Mitte des Buches - wird aus der wirklich unterhaltsamen Lektüre über das Klimakterium ein allgemeingültiger Verhaltens- und Beziehungs-Ratgeber!
Davon ausgehend, dass ich hier ein Buch über den „Ausnahmezustand“ und das manchmal vorkommende „Ausflippen“ während des Klimakteriums lese, fühle ich mich in der zweiten Buchhälfte fehl am Platz.
Für mich wirkt es, als seien an die ersten wechseljahrsbezogenen Kapitel ein paar weitere Kapitel mit allgemeinen Ratschlägen zu Problemen und deren Lösungsmöglichkeiten, zu Beziehungen und dem Umgang damit etc. pp. angefügt worden.
Nicht, dass ich missverstanden werde: auch die zweite Hälfte des Buches ist sehr fundiert, aber nach den ersten wirklich trefflichen und unterhaltsamen Kapiteln lese ich jetzt einen wissenschaftlichen Ratgeber, der vermutlich hilfreich wäre, wenn ich ihn denn hätte lesen wollen, aber das ist halt nicht der Fall.
Zudem werden viele, sehr viele Erkenntnisse anderer Autoren, vorrangig Wissenschaftler aus dem englischsprachigen Raum, zum Vorbild genommen und die Autorin interpretiert und erläutert diese häufig fachspezifischen Aussagen, eine nach der anderen. All das wirkt, als habe die Autorin ihr Buch mithilfe und entlang einer Liste eben dieser Aussagen geschrieben, sodass ich das Gefühl bekomme, dass ich statt einer anfangs unterhaltsamen Lektüre nun eine wissenschaftliche Abhandlung lese!
Ich frage mich also erstens, ob es im deutschsprachigen Raum keine Verhaltenstherapeuten gibt, und zweitens, warum die Autorin reihenweise andere Autoren zitiert, statt mit ihren eigenen Worten zu (be)schreiben, was sie ausdrücken und erläutern möchte.
Erst im letzten, erfreulicherweise wieder unterhaltsameren Kapitel stellt die offenbar erstaunte Autorin selbst fest: „eigentlich geht es gar nicht so sehr um die Wechseljahre, sondern vielmehr um das ganze Leben drumherum“. Ach was!
Exakt das war meine Rede! Und genau das hätte der Verlag feststellen und diesem Buch einen anderen Titel geben müssen!
Dass die Autorin außerdem ausgewählte Bücher zum Thema Wechseljahre wiederholt erwähnt und empfiehlt, lässt mich überlegen, ob ich trotz dieser nicht wirklich unauffälligen Werbung vielleicht mal ein Auge auf die genannten Bücher werfen sollte, weil es dort dann hoffentlich wirklich und ausschließlich um die Wechseljahre geht.