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Veröffentlicht am 15.06.2022

Kurzkriminelle ;-) Anthologie de luxe: vielfältige Themen, abwechslungsreiche Spannung und überraschende Twists! Mordsmäßige Unterhaltung!

Tatort Nord
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23 „mörderische Schwestern“ halten die Lesenden mit ihren kreativen (und) kriminellen 😉 Kurz-Geschichten zwischen Sylt und Fehmarn in Atem!

Die Regio-Gruppe Hamburg und Schleswig-Holstein, Teil des Vereins ...

23 „mörderische Schwestern“ halten die Lesenden mit ihren kreativen (und) kriminellen 😉 Kurz-Geschichten zwischen Sylt und Fehmarn in Atem!

Die Regio-Gruppe Hamburg und Schleswig-Holstein, Teil des Vereins „Mörderische Schwestern“, lädt mit dieser Kurzkrimi-Sammlung dazu ein, den Norden Deutschlands an 23 Tatorten mal ganz anders zu erleben: statt norddeutscher Urlaubsidylle mit Wolken, Wind und Weite werden die Lesenden mit düsteren Racheplänen, windigen Gestalten und weit reichenden Taten konfrontiert.

Und um es gleich vorwegzunehmen: so wie schon der zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins „Mörderische Schwestern“ im Jahr 2021 erschienene und durch die Alpen führende Kurz-Krimi-Band „Tour de Mord“ für beste Unterhaltung sorgte, überzeugt auch in „Tatort Nord“ eine illustre Gruppe der „Schwestern“, sprich Krimi-Autorinnen, mit Kurzkrimis, die eine unvergleichliche Vielfalt und fesselnde Abwechslung bieten.

Vermeintliche Gründe für einen Mord gibt es auch hier viele: Neid auf die arrogante Konkurrenz, Ausbrechen aus verheerenden Strukturen, alte oder neue Liebe, genüssliche Rache für erlittene Gewalt, historische Cold-Cases, grausame Taten und deren folgenschwere Konsequenzen, Hilfeleistung bei unvermeidbarer Problemlösung, gespaltene Persönlichkeiten, Historisches, Aktuelles, Grausames, (fast) Nachvollziehbares, Erwartbares und Überraschendes; mit dieser – teilweise nicht ganz ernst gemeinten - Aufzählung könnte ich jetzt noch lange weitermachen, so breit ist das Spektrum der Schreibstile und Ideen, der vorgeblichen Tatmotive inkl. Taten und Täter*innen, der Abläufe, der Aha-Momente, des gruselnden Schüttelns und ja, auch der Schadenfreude.

„Tatort Nord“ ist eine 23-teilige und exzellente Klaviatur der "Kurz-Kriminalistik" !

Auf jeden Kurzkrimi separat einzugehen, würde diesen Rahmen sprengen (da hilft vielleicht die Suche nach der Leserunde bei LovelyBooks), aber wenn von 23 Geschichten fast alle meinen Geschmack treffen, dann hat sich diese „Tour de Nord“ wirklich gelohnt.

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Veröffentlicht am 11.06.2022

Lokalkolorit + Pflegekritik + Liebäugelei der Hauptfiguren in seichtem Krimi = lockere Lektüre, die noch viel (Nordsee)Luft nach oben hat!

Katrin Lund und der Tote am Leuchtturm
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Locker-leichte Urlaubslektüre, die viel Potential hat, sich im nächsten Band in allen Punkten zu steigern!

„Mit ´Katrin Lund und der Tote am Leuchtturm´ gibt Anette Schwohl ihr wunderbares Romandebüt ...

Locker-leichte Urlaubslektüre, die viel Potential hat, sich im nächsten Band in allen Punkten zu steigern!

„Mit ´Katrin Lund und der Tote am Leuchtturm´ gibt Anette Schwohl ihr wunderbares Romandebüt mit den Leidenschaften ´Krimi, Kochen und Küste´. Ihre Protagonistin Katrin Lund ist Chefköchin in St. Peter-Ording und stolpert eines Tages auf dem Weg zur Arbeit am Fuße des Böhler Leuchtturms über eine Leiche. Der Mann ist ertrunken, allerdings nicht im Meer. Katrins Neugier ist geweckt ...“ (Zitat LovelyBooks)

Die Ortsbeschreibungen und ein lockerer, meist aus kurzen, knappen Sätzen bestehender Schreibstil ermöglichen einen guten Einstieg in die Geschichte, auch wenn für einen Krimi vielleicht manches zu locker und deshalb stellenweise oberflächlich wirkt. Die Hauptpersonen, Köchin Katrin Lund und Hauptkommissar Dirk Huber, sind recht sympathisch, nicht nur mir als Leserin, sondern auch einander 😉, und nach und nach wird man mit ihnen auch wärmer; um sich mit ihnen zu identifizieren, fehlt den Figuren aber ein wenig Tiefe.

Die Autorin selbst hat geschrieben, dass es ihr in erster Linie darauf angekommen sei, den Fall nicht durch realistisch dargestellte Ermittlungen seitens der Polizei, sondern durch private Initiative ihrer Protagonistin und deren auch durch zufällige Ereignisse begünstigte Recherchen aufklären zu lassen. Das hätte mir durchaus gefallen, wenn dadurch der Kommissar nicht so unbeholfen und die Ermittlungen nicht so unrealistisch gewirkt hätten; auch die Hinweise im Buch hätten zum Zwecke des Mitermittelns 😉 gerne weniger deutlich sein dürfen.

Die Geschichte, deren krimineller 😉 Teil meiner Meinung nach zu kurz kommt, gefällt mir im Großen und Ganzen recht gut, für einen Krimi ist mir das Erzählte aber – wie gesagt - zu seicht. Irgendwie wirkt das Buch unentschlossen und mäandert zwischen einem SPO-Reiseführer, einem Bericht über die Zustände eines betreuten Wohnens und den damit verbundenen Schwierigkeiten im Bereich der Pflege, den eventuellen Anfängen einer Romanze der Hauptfiguren und der seltsam flachen Kriminalgeschichte hin und her. Diese Geschichte ist zwar sehr gut zu lesen und auf eine lockere Art auch unterhaltend, konnte mich jedoch in ihrer eigentlichen Intention des Krimis nicht begeistern.

Trotzdem oder gerade, weil mir hier so Einiges fehlt, interessiert es mich, wie es im nächsten Band um Katrin Lund weitergeht, denn ich würde gerne erfahren, ob sich etwas zwischen ihr und Dirk Huber entwickelt, ob der Kommissar dann professioneller agiert und ob der Schwerpunkt dann vielleicht mehr auf der kriminalistischen Geschichte liegt, denn ein Krimi soll es doch eigentlich sein?!

3-Sterne-Krimi + 4-Sterne-Erzählung -> 3,5 Sterne!

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Veröffentlicht am 02.06.2022

Bewegende Familien-Geschichte im Reich des Kaffeehandels in erschütternder, reeller Historie im Hamburg der 1930er/1940er Jahre! Fesselnd!

Töchter der Speicherstadt – Der Geschmack von Freiheit
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Ergreifende Fortsetzung um Familie Behmer und deren Kaffeehandel in der Hamburger Speicherstadt, 1929-1945, in geschichtlich, wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch hervorragend recherchiertem Plot! ...

Ergreifende Fortsetzung um Familie Behmer und deren Kaffeehandel in der Hamburger Speicherstadt, 1929-1945, in geschichtlich, wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch hervorragend recherchiertem Plot! Trilogie Teil 2!

Weiter geht´s mit der Geschichte um Maria, Cläre, Gertrud und alle anderen schon bekannten Protagonisten und Antagonisten der Familie Behmer und deren Umfeld und natürlich auch um das Reich des Hamburger Kaffees.

Anja Marschall rekapituliert in den ersten Kapiteln und dort immer an passender Stelle einige Fakten aus dem ersten Band des Dreiteilers, was einen problemlosen Wiedereinstieg in die Geschichte ermöglicht. Meiner Meinung nach sollte man aber den ersten Teil gelesen haben, um die Familiengeschichte in ihrer Entstehung, ihrem Fortschritt und in all ihrer Dramatik nicht nur lesen, sondern vollends aufnehmen und miterleben zu können.

In diesem zweiten Band mit dem Titel „Der Geschmack von Freiheit“ ist nun Marias Tochter, die freiheitsliebende Cläre, die Hauptfigur. Mit ihrem Wunsch, zu studieren, trifft sie bei ihren Mitmenschen nicht gerade auf Verständnis und arbeitet sich stattdessen und aufgrund der Umstände dann sogar in die Geschäfte des Behmerschen Kaffeekontors ein.

Details zum Inhalt möchte ich nicht wiedergeben, denn das nähme zukünftigen Lesern sonst die Spannung. Sehr deutlich wird hier aber, wie anders die früheren Zeiten waren, in denen Frauen keine Firma führen durften und die Geschäftswelt nicht nur „männerdominiert“, sondern ganz in männlicher Hand war.

Apropos „Zeiten“: in diesen Zeiten bahnt sich Böses an. Die Partei, die mehr und mehr an Macht und Einfluss gewinnt, möchte ich namentlich gar nicht nennen, aber es ist erschreckend, wie sie sich in Politik und Wirtschaft Raum verschafft und wie sich auch die Gesellschaft zum Negativsten verändert.

Wie die Autorin das hier geschaffene und sich stetig wandelnde Bild einer Familie in einer wirtschaftlich kritischen und politisch gefährlichen Zeit mit der tatsächlichen Historie im Deutschland der 1930er- und ersten 1940er-Jahre und mit dem Schrecken des 2. Weltkrieges im Großen wie in den kleinen Dingen, verknüpft, macht diese unfassbare Historie greifbar und ist so fesselnd, erschütternd, berührend und emotional bewegend, dass ich von der Geschichte völlig ergriffen bin.

Dass das Buch mit einer Szene endet, die trotz allen Leids hoffen lässt, macht mich - wie schon nach Band 1 - neugierig auf den nächsten und dann letzten Band dieser Trilogie.

Gäbe es die Möglichkeit, mehr als 5 Sterne zu vergeben, ich würde es tun.

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Veröffentlicht am 28.05.2022

Bildhafte Liebes-Geschichte, durch Schreibstil und wunderbare Beschreibungen trotz Liebeschaos und verklärender Romantik überzeugend!

Liebe funkelt apfelgrün
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Mila „flieht“ aus enttäuschter Liebe nach Schottland und backt sich dort in einem zum Eintauchen schönen Dörfchen in die Herzen ihrer Mitmenschen.

Schon mit dem ersten Satz bin ich mitten drin in Milas ...

Mila „flieht“ aus enttäuschter Liebe nach Schottland und backt sich dort in einem zum Eintauchen schönen Dörfchen in die Herzen ihrer Mitmenschen.

Schon mit dem ersten Satz bin ich mitten drin in Milas Geschichte. Ein wunderbar flüssiger Schreibstil macht es leicht, sich gleich zurechtzufinden und die Charaktere kennenzulernen.

Dazu kommt eine raffinierte Anordnung der Kapitel, die sich anfangs abwechseln zwischen ihrer Heimat Heidelberg und ihrem schottischen Zufluchtsort Applemore, wodurch man die Vorgeschichte zu Mila und ihrer housesitting-Auszeit peu à peu kennenlernt.

Die ProtagonistInnen, allen voran natürlich Mila und ihre Freunde aus dem Heidelberger Romantikclub, später dann die Nachbarn und Mitmenschen in Applemore sowie die Orte mit ihren herrlich detailverliebten Schilderungen, geben mir das Gefühl, als bewegte ich mich an Milas Seite durch die Szenerie. Herrlich!

Zum Eintauchen schöne Landschaftsbeschreibungen, die Schilderungen von Milas MitbürgerInnen und deren wilde Tauscherei und vor allem die schon fast olfaktorisch wahrnehmbare, duftende Brotbäckerei im Cottage machen Lust auf Land und Leute….und Hunger!

Was in der Geschichte besonders deutlich wird, ist die Bedeutung von Freundschaft. Und Mut. Man sollte sich trauen, seinen Weg zu gehen, um im besten Fall nicht nur von der Liebe zu träumen, sondern sie und damit sein Glück auch zu finden.

„Liebe funkelt apfelgrün“ ist eine zauberhafte und bildhaft erzählte Liebes- und Freundschafts-Geschichte, durch die ich mich gerne habe nach Schottland entführen lassen, weil sie im Schreibstil und mit den schon geschilderten, herrlichen Landschafts- und Personenbeschreibungen überzeugt.

Die Liebes(w)irrungen und verklärende Romantik der in Liebesdingen leider zu naiven Hauptfigur hinterlässt bei mir aber bedauerlicherweise einen leichten, faden Nachgeschmack. Ich glaube, dass es, um dieses romantisierende Gefühlschaos völlig genießen zu können, mindestens eines zusätzlichen Romantikgens und/oder einer rosarot eingefärbten Brille bedarf.

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Veröffentlicht am 19.05.2022

Schwarzhumoriger Nordfriesland-Krimi, der mit flüssigem Schreibstil und viel Husumer Lokalkolorit trotz (W)Irrungen gut unterhält!

Friesisch morden
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3 unbedarfte Noch-Ehefrauen und deren leichtsinnige „Männer-Entsorgungs“-Pläne treffen zu ihrem Glück auf tumbe Polizisten!

Gerd Kramer erweckt in „Friesisch morden“ ein mörderisches Frauen-Trio zum Leben, ...

3 unbedarfte Noch-Ehefrauen und deren leichtsinnige „Männer-Entsorgungs“-Pläne treffen zu ihrem Glück auf tumbe Polizisten!

Gerd Kramer erweckt in „Friesisch morden“ ein mörderisches Frauen-Trio zum Leben, das es einfach leid ist, die Ehemänner noch weiter zu ertragen. Was sich daraus entspinnt, ist eine „personalisierte Therapie“ für jeden von ihnen, die aber nicht so verläuft, wie geplant.

Vom Inhalt werde ich hier natürlich nichts verraten, denn das würde all denen, die diese kriminelle Geschichte noch lesen möchten, den Spaß verderben.

Der flüssige Schreibstil und die recht lebensnah erschaffenen Protagonistinnen erlauben einen schnellen Einstieg in die Geschichte. Die exakte Beschreibung der Örtlichkeiten macht es zudem möglich, sich mit den Hauptfiguren durch Husum und Umgebung zu bewegen und das Watt – zum Glück nur virtuell – von seiner gefährlichen Seite und gefühlt hautnah zu erleben.

Im Laufe der manchmal etwas verwirrenden Geschichte erwische ich mich dabei, mit dem charakterlich leider etwas blass bleibenden Frauen-Trio auf seinen „Erfolg“ zu hoffen, feststellend, dass die Polizei trotz teils wirklich sträflicher Nachlässigkeit des Trios in ihren Ermittlungen nicht wirklich weiterkommt.

Die Fehler, auf Grund derer die 3 wiederholt Gefahr laufen, entlarvt zu werden, sind allerdings nicht zufälliger Natur, was mir wesentlich besser gefallen hätte, sondern sind sämtlich selbst verschuldet. Um es auf den Punkt zu bringen: die Protagonistinnen sind mir etwas zu unbedarft, zu unschlau , ja, zu dusselig angelegt.

Summa summarum habe ich mich bei diesem friesischen Morden durch einen nie abfallenden Spannungsbogen, der mich mal in diese, mal in jene Richtung „mitermitteln“ ließ, und trotz des phasenweise verwirrenden Plots und der leider zu selten aufblitzenden Raffinesse der 3 Frauen sehr gut unterhalten gefühlt.

„Friesisch morden“ empfiehlt sich als kriminelle Urlaubslektüre, die man natürlich am besten mit Blick aufs Meer vor Husum genießt. Ist man gerade nicht dort, kann man sich mit diesem schwarzhumorigen Krimi zumindest auf eine spannende, virtuelle Reise dorthin begeben.

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