Eine religiöse Erzählung über eine innere Wandlung
Die Lichtflamme. Eine Ostergeschichte“Die Lichtflamme” ist eine religiöse Erzählung von Selma Lagerlöf. Sie handelt von Raniero, einem draufgängerischen, rücksichtslosen Mann, der sein Umfeld durch sein Verhalten tyrannisiert. Als seine Frau ...
“Die Lichtflamme” ist eine religiöse Erzählung von Selma Lagerlöf. Sie handelt von Raniero, einem draufgängerischen, rücksichtslosen Mann, der sein Umfeld durch sein Verhalten tyrannisiert. Als seine Frau ihn verlässt, schließt er sich dem Ersten Kreuzzug an und zieht als einer der Ersten in Jerusalem ein. Dort entzündet er am Heiligen Grab eine Lichtflamme, die er zurück nach Florenz bringen möchte. Auf diesem Weg geschieht Raniero allerlei Wundersames, sodass eine Läuterung bei ihm einsetzt. Die Erzählung hat dadurch einen legendarischen Charakter. Erzählt wird die Handlung linear, von einem allwissenden Erzähler, der zwischendurch als Ich durchblitzt. Die Wortwahl ist etwas altertümlich, allerdings für die Handlungszeit passend. Bei allen archaischen Elementen merkt man der Erzählung aber auch ihre Modernität an: Das rücksichtslose Verhalten Ranieros - insbesondere seiner Frau gegenüber - wird deutlich als solches markiert und verurteilt. Auch die Kreuzzüge werden nicht gutgeheißen, wobei Lagerlöf einen interessanten erzählerischen Kniff benutzt: Die Figur eines Narren kritisiert den Ersten Kreuzzug, indem er einen Dialog zwischen Petrus und Jesus Christus darstellt, in welchem Petrus die Eroberung Jerusalems als Blutbad bewertet. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein kurzes Nachwort, in dem einerseits der Lebensweg von Selma Lagerlöf skizziert und andererseits das florentinische Fest “Scoppio del Carro” vorgestellt wird, dessen Entstehungsgeschichte den Hintergrund der Erzählung bildet. Insgesamt ist “Die Lichtflamme” eine sich behutsam entfaltende Erzählung über eine innere Wandlung, die man - insbesondere aufgrund des Schlusskapitels - gerade als Osterlektüre empfehlen kann.