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Veröffentlicht am 31.05.2026

Eine schöne, facettenreiche Sammlung frühlingshafter Texte mit (meist) humoresker Note

Ein Frühlingstag mit Wilhelm Busch
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“Ein Frühlingstag mit Wilhelm Busch” versammelt frühlingshafte Gedichte, Bildergeschichten und Prosatexte von Wilhelm Busch. Im ersten Kapitel “Die Tierwelt erwacht zum Leben” stehen humorvolle Gedichte ...

“Ein Frühlingstag mit Wilhelm Busch” versammelt frühlingshafte Gedichte, Bildergeschichten und Prosatexte von Wilhelm Busch. Im ersten Kapitel “Die Tierwelt erwacht zum Leben” stehen humorvolle Gedichte über Tiere im Vordergrund: So finden sich hier u.a. “Fink und Frosch”, in dem es um einen Wettstreit zwischen den beiden Tieren geht, “Spatz und Schwalben”, in dem ein Spatz den Schwalben ein Schnippchen schlägt, und “Die Mücken”, das den Lebenszyklus der Plagegeister behandelt. Vielfältig sind die Texte im zweiten Kapitel “O du wunderbarer Mai”, in dem bspw. ein Brief von Busch, der einen regnerischen Maitag in Heidelberg beschreibt, “Sei mir gegrüßt, du lieber Mai”, eine witzige Bienen-Bildergeschichte, sowie das Gedicht “Frühlingslied”, das die leutselige Seite des Monats Mai thematisiert, abgedruckt sind. Nachdem im ersten Kapitel die Fauna im Mittelpunkt stand, richtet sich der Blick im dritten Kapitel “Wenn die Blumenwiesen blühen” auf die Flora: Im dialogischen Gedicht “Am Vorabend zu Rosens Geburtstag" überlegen die Pflanzen, sich humorvoll im Kreis drehend, was sie dem Geburtstagskind schenken können; das Gedicht “Der Traum” hingegen handelt von einem wunderschön träumerischen Blumenmeer, durch das das Ich watet - bis es zu einem jähen Wechsel kommt. Auch im vierten Kapitel “So bunt und lebendig wie die Natur” spielt die blühende Umwelt eine wichtige Rolle. In “Immerhin” finden sich idyllische Naturbeschreibungen, in einem Auszug aus der Erzählung “Eduards Traum” lauschen die Lesenden einem Chor aus Unken, Fröschen und Grillen und in einem Auszug aus Buschs Autobiografie gibt dieser den Rat, gerade im Frühling das Leben zu genießen. Den Abschluss des Bändchens bildet das Kapitel “Wenn der Frühling das Herz berührt”, in dem sich Texte befinden, die sich um die Liebe drehen. So hängt bspw. in “Bedächtig” ein frisch Verliebter seinen Gedanken nach, was er aber noch bereuen wird; die Bildergeschichte “Oh weh” handelt von einer Peinlichkeit, die eine Liebesbeziehung unterbindet. Insgesamt ist “Ein Frühlingstag mit Wilhelm Busch” eine schöne, facettenreiche Sammlung frühlingshafter Texte mit (meist) humoresker Note.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

Ein psychologischer Regionalkrimi

Mord unter dem Drachenfels
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Inhalt: Nach einem brutalen Angriff hat der erfolgreiche Opernsänger Georg seine Stimme verloren. Aus Angst vor weiteren Angriffen zieht er von Köln in das beschauliche Königswinter. Doch auch dort ist ...

Inhalt: Nach einem brutalen Angriff hat der erfolgreiche Opernsänger Georg seine Stimme verloren. Aus Angst vor weiteren Angriffen zieht er von Köln in das beschauliche Königswinter. Doch auch dort ist er nicht sicher: Düstere Gedanken plagen ihn und seine Häscher scheinen ihm auf den Spuren zu sein… Auch die Schauspielerin Nora sucht Zuflucht in Königswinter: Ihr Partner will nichts von ihrer Schwangerschaft wissen, sodass Nora in ihr Elternhaus zurückkehrt. In Königswinter trifft sie auf Protagonisten ihrer Vergangenheit, die sie lieber für immer vergessen hätte…

Persönliche Meinung: “Mord unter dem Drachenfels” ist ein Kriminalroman von Reinhard Rohn. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den personalen Perspektiven von Georg und Nora. Beide sind sehr dreidimensional gezeichnet: Sowohl ihre Ängste und Nöte (bei Georg: Furcht vor dem Angreifer, bei Nora: Vergangenes, das hochkommt) als auch ihre Gedankenwelten, die stellenweise Irrationales bereithalten, werden anschaulich geschrieben. Tatsächlich bildet die Entwicklung der beiden Figuren (in ihrem individuellen Beziehungsgefüge) einen Schwerpunkt der Handlung, sodass es eher ein psychologischer Krimi als ein klassischer Whodunit mit Ermittlungen ist: Die Frage nach der Identität von Georgs Angreifer wird eher nebenbei - aber mit einem überraschenden Twist - aufgeklärt. Trotzdem ist “Mord unter dem Drachenfels” ein spannend zu lesender Krimi, der - trotz kleinerer Längen - einen latenten Sog ausstrahlt. Dies liegt einerseits an den Protagonisten: Sowohl Nora als auch Georg haben den Hang zur Unzuverlässigkeit, sodass man nicht genau weiß, inwieweit man beiden glauben kann. Für weitere Spannung sorgt der Handlungsort Königswinter, der als rheinische Kleinstadt gezeichnet wird, die ihre besten Tage hinter sich hat und zum größten Teil von antiquierten Menschen bevölkert wird, die der Vergangenheit nachhängen (wodurch auch hier mehrere potentielle Verdächtige zu finden sind). Schön gemacht ist, wie die drei größten Sehenswürdigkeiten Königswinters - die Zahnradbahn (im Roman: die Kabelbahn), das Schloss Drachenburg (hier noch im Renovierungszustand) und der Drachenfels - in die Handlung eingeflochten werden. Der Schreibstil von Reinhard Rohn ist anschaulich, sodass man den Krimi flüssig lesen kann. Insgesamt ist “Mord unter dem Drachenfels” ein spannender psychologischer Kriminalroman mit kleineren Längen, der sich besonders für Lesende eignet, die Regionalkrimis mögen.

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Eine fesselnde Erzählung mit ambivalenten Figuren

Der Vater eines Mörders
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Inhalt: Das Wittelsbacher Gymnasium in München in den 1920er Jahren. Griechisch steht an. Nicht das stärkste Fach des Schülers Franz Kien, doch bisher konnte er sich irgendwie durchmogeln. Allerdings nimmt ...

Inhalt: Das Wittelsbacher Gymnasium in München in den 1920er Jahren. Griechisch steht an. Nicht das stärkste Fach des Schülers Franz Kien, doch bisher konnte er sich irgendwie durchmogeln. Allerdings nimmt diese Stunde eine unerwartete Wendung: Gerade als Studienrat Kandlbinder die Stunde beginnen möchte, öffnet sich erneut die Tür und der Rex tritt ein, um den Unterricht zu begutachten. Der Reihe nach fragt er das Wissen der Schüler ab - bis er bei Franz ankommt…

Inhalt: “Der Vater eines Mörders” ist eine Erzählung von Alfred Andersch. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der aber meist in die Perspektive des Franz Kien schlüpft. Im Mittelpunkt der linearen Handlung steht eine Griechischstunde, der der gefürchtete, schwer einzuschätzende Rex beiwohnt. Während Kien die erste Hälfte der Stunde eher stummer Beobachter ist, wird er im zweiten Teil nach vorne zitiert und muss die griechische Grammatik über sich ergehen lassen. Insbesondere der erste Teil ist sehr gelungen: Durch Kiens Augen entfaltet sich für die Lesenden eine dicht beschriebene Dynamik zwischen Rex und Schülern, die seitens der Schüler zwischen Wegducken, leisem Protest, kleinen Solidaritätsbekundungen und offener Auflehnung changiert (zwischendurch mischt auch noch der Griechischlehrer mit, der zwischen Rex und Schülern steht, wodurch die Szene stellenweise noch brenzliger wird). Für weitere Spannung innerhalb der Handlung sorgt die Figur des Rektors, der titelgebende “Vater eines Mörders”. Denn: Die Identität des Rektors (und somit auch die Bedeutung des etwas sperrigen Titels) wird erst gegen Mitte der Handlung preisgegeben. Zudem ist der Rex eine leicht ambivalent gezeichnete Figur: Auf der einen Seite tritt er als Pädagoge autoritär bis tyrannisch auf und sieht kein Problem darin, Schüler wie Lehrer vorzuführen, auf der anderen Seite distanziert er sich eindeutig von der aufkeimenden NS-Ideologie (zu der Franz, mit dem man ja aufgrund seiner untergeordneten Schülerrolle eigentlich sympathisiert, sich hingegen hingezogen fühlt). Insgesamt entsteht so ein vergleichsweise komplexes Gefüge von Sym- und Antipathie, das ein Stück weit mit den Erwartungen der Lesenden spielt. Der Schreibstil der Erzählung ist geprägt von Hypotaxen, in denen mehrere Nebensätze in Hauptsätze verschachtelt werden (allerdings ist “Der Vater des Mörders” trotzdem sehr flüssig zu lesen). Unbedingt lesenswert ist auch das Nachwort von Alfred Andersch, in dem dieser detaillierter über die Figur Franz schreibt, die in mehreren Erzählungen das Alter Ego des Autors bildet. Andersch reflektiert hier über das autobiografische Schreiben, lotet (auch erzählerische) Möglichkeiten und Grenzen des Autofiktionalen aus und beleuchtet Differenzen zwischen Franz Kien und ihm selbst. Das Vorwort von Nora Bossong beschäftigt sich eingehender mit dem “Rex” und interpretiert ihn als komplexe Figur (da hier bereits verraten wird, wer er ist, sollte man, wenn man die Erzählung zum ersten Mal liest, das Vorwort besser nach der Lektüre lesen). Insgesamt ist “Der Vater des Mörders” eine fesselnde Lektüre über den Schulalltag vor 100 Jahren, die insbesondere durch ihre beiden ambivalenten Figuren besticht.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Ein feministischer historischer Roman mit großer Aktualität

Die Rheinreise
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nhalt: 1851. Die ersten englischen Touristen entdecken das Rheintal. So auch die unverheiratete Charlotte, die gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Reverend Charles Morrison, und dessen Familie reist. Als sie ...

nhalt: 1851. Die ersten englischen Touristen entdecken das Rheintal. So auch die unverheiratete Charlotte, die gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Reverend Charles Morrison, und dessen Familie reist. Als sie in Koblenz halten, entdeckt Charlotte unter den Mitreisenden einen ihr scheinbar bekannten Mann - und diese Begegnung öffnet schlecht verheilte Wunde aus der Vergangenheit …

Persönliche Meinung: “Die Rheinreise” ist ein historischer Roman von Ann Schlee, der feministische Themen behandelt. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der meist in die Perspektive der Protagonistin Charlotte schlüpft. Charlotte hat auf mehreren Ebenen mit patriarchalen Zuständen zu kämpfen: Zu ihrem bevormundenden Bruder, der u.a. ihre mögliche Liebesehe, die zum Greifen nah war, unterband, tritt ihre passiv-aggressive Schwägerin, die letztlich durch ihr Verhalten den gesellschaftlichen Unterdrückungsmechanismen vorschub leistet (Vorhaltungen, Charlotte müsse am gesellschaftlichen Leben teilnehmen; Unterstellungen, sie könne ihre Innenwelt nicht richtig wahrnehmen). Auf der Rheinreise, mit der auch eine innere Wandlung einhergeht, legt Charlotte Schritt für Schritt ihre (auch mentalen) Barrieren ab. Ausgangspunkt für diese Wandlung ist einerseits die Begegnung mit einem Mitreisenden, die Verdrängtes hervorholt. Andererseits ist auch ihre Nichte Ellie, für welche Charlotte die Rolle einer Anstandsdame einnehmen soll, wichtig für Charlottes Entwicklung. Ellie will freier leben als die Generation vor ihr, wird allerdings permanent von ihren Eltern zurückgehalten, wodurch sie quasi ein Spiegelbild für Charlotte wird. Die Handlung entfaltet sich ruhig und unaufgeregt; gleichzeitig gibt es aber mehrere schön erzählte dramatische Höhepunkte, die der Entwicklung Charlottes Vorschub leisten. Sehr hat mir auch die Zeichnung der Handlungsorte gefallen. So besuchen wir mit Charlotte Koblenz (mit der Festung Ehrenbreitstein), den Drachenfels, Bonn und Köln (inklusive dem Dom). Hierbei stechen in Bezug auf die Atmosphäre insbesondere der Drachenfels und der Dom heraus, die dicht geschildert werden. Zum Ende des Romans möchte ich nicht zu viel vorwegnehmen. Nur: Es ist der Handlungszeit angemessen und versöhnlich. Insgesamt ist “Die Rheinreise” ein schön zu lesender historischer Roman, der gesellschaftliche Themen behandelt, die auch heute sehr aktuell sind.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Ein facettenreicher Großstadtroman mit einer zarten Liebesgeschichte, die zwischen Tragik und Hoffnung changiert

Solange ein Streichholz brennt
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Inhalt: Köln. Alinas Karriere als Fernsehjournalistin steht vor dem Ende. Sie bekommt kaum wichtige Aufträge; die Angst vorm Scheitern nimmt täglich zu. Doch dann öffnet sich plötzlich eine neue Tür: Sie ...

Inhalt: Köln. Alinas Karriere als Fernsehjournalistin steht vor dem Ende. Sie bekommt kaum wichtige Aufträge; die Angst vorm Scheitern nimmt täglich zu. Doch dann öffnet sich plötzlich eine neue Tür: Sie soll die Recherche für eine brisante Talkshow übernehmen, die sich um soziale Problemherde drehen soll. Dabei trifft sie auf Bohm, einen hilfsbereiten, aber zugleich seltsam verschlossenen Wohnungslosen, der geschnitzte Holzmäuse verkauft. Für die Dreharbeiten begleitet Alina Bohm in seinem Alltag - und plötzlich ist da ein Funke zwischen den beiden…

Persönliche Meinung: “Solange ein Streichholz brennt” ist ein Großstadtroman von Christian Huber. Erzählt wird die Handlung aus den personalen Perspektiven von Alina und Bohm, wobei insbesondere die Figur Bohm für eine latente Spannung sorgt. Bohm ist eine ambivalente Figur - einerseits hilfsbereit und empathisch, andererseits abweisend und verschlossen -, wobei man früh erahnt, dass diese Verhaltensweisen (sowie seine Wohnungslosigkeit) mit einem einschneidenden Erlebnis aus seiner Vergangenheit zusammenhängen. Welches dieses ist, wird schrittweise entfaltet; sehr gefallen hat mir dabei die Offenbarung am Ende der Handlung. Hier wird - spoilerfrei gesagt - beeindruckend konzis (auf ca. 30 Seiten), mitreißend und eindrücklich der Niedergang Bohms gezeigt, der vermutlich die Wenigsten kalt lassen wird. Facettenreich ist der Weg vom Beginn der Handlung, den gemeinsamen Drehterminen von Alina und Bohm, bis zur Auflösung des Geheimnisses um Bohm: Behandelt werden hier neben gesellschaftlichen Themen wie Obdachlosigkeit und (in Bezug auf Alinas Job) toxische Männlichkeit auch eine Liebesgeschichte, die sich zwischen den ungleichen Figuren Alina und Bohm entspinnt. Diese wird eher zart beschrieben, nicht kitschig, und lebt davon, dass beide Figuren permanent hinterfragen, ob eine Beziehung zwischen ihnen überhaupt möglich ist. Der Schreibstil von Christian Huber ist sehr eingängig und flüssig zu lesen, wodurch “Solange ein Streichholz brennt” eine kurzweilige Lektüre wird. Insgesamt ist “Solange ein Streichholz brennt” ein facettenreicher Großstadtroman mit einer zarten Liebesgeschichte, die zwischen Tragik und Hoffnung changiert.

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