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Veröffentlicht am 03.04.2026

Eine religiöse Erzählung über eine innere Wandlung

Die Lichtflamme. Eine Ostergeschichte
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“Die Lichtflamme” ist eine religiöse Erzählung von Selma Lagerlöf. Sie handelt von Raniero, einem draufgängerischen, rücksichtslosen Mann, der sein Umfeld durch sein Verhalten tyrannisiert. Als seine Frau ...

“Die Lichtflamme” ist eine religiöse Erzählung von Selma Lagerlöf. Sie handelt von Raniero, einem draufgängerischen, rücksichtslosen Mann, der sein Umfeld durch sein Verhalten tyrannisiert. Als seine Frau ihn verlässt, schließt er sich dem Ersten Kreuzzug an und zieht als einer der Ersten in Jerusalem ein. Dort entzündet er am Heiligen Grab eine Lichtflamme, die er zurück nach Florenz bringen möchte. Auf diesem Weg geschieht Raniero allerlei Wundersames, sodass eine Läuterung bei ihm einsetzt. Die Erzählung hat dadurch einen legendarischen Charakter. Erzählt wird die Handlung linear, von einem allwissenden Erzähler, der zwischendurch als Ich durchblitzt. Die Wortwahl ist etwas altertümlich, allerdings für die Handlungszeit passend. Bei allen archaischen Elementen merkt man der Erzählung aber auch ihre Modernität an: Das rücksichtslose Verhalten Ranieros - insbesondere seiner Frau gegenüber - wird deutlich als solches markiert und verurteilt. Auch die Kreuzzüge werden nicht gutgeheißen, wobei Lagerlöf einen interessanten erzählerischen Kniff benutzt: Die Figur eines Narren kritisiert den Ersten Kreuzzug, indem er einen Dialog zwischen Petrus und Jesus Christus darstellt, in welchem Petrus die Eroberung Jerusalems als Blutbad bewertet. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein kurzes Nachwort, in dem einerseits der Lebensweg von Selma Lagerlöf skizziert und andererseits das florentinische Fest “Scoppio del Carro” vorgestellt wird, dessen Entstehungsgeschichte den Hintergrund der Erzählung bildet. Insgesamt ist “Die Lichtflamme” eine sich behutsam entfaltende Erzählung über eine innere Wandlung, die man - insbesondere aufgrund des Schlusskapitels - gerade als Osterlektüre empfehlen kann.

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  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein starker Reihenauftakt

Tainted Love
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Inhalt: Bad Sooden-Allendorf, nahe der innerdeutschen Grenze, 1986. Die Sonne knallt, die Luft flirrt. Durch die Hitze ist ein luxuriöser Wagen ans Tageslicht gekommen, der zuvor gut versteckt am Boden ...

Inhalt: Bad Sooden-Allendorf, nahe der innerdeutschen Grenze, 1986. Die Sonne knallt, die Luft flirrt. Durch die Hitze ist ein luxuriöser Wagen ans Tageslicht gekommen, der zuvor gut versteckt am Boden eines Sees schlummerte. Doch warum ist er versenkt worden? Was ist mit dem Fahrer geschehen? Fragen, die die Journalistin Christine Lehmann gerne beantworten würde. Gemeinsam begibt sie sich mit ihrem Partner, dem Bibliothekar Martin Ritter, auf Spurensuche - und stößt auf ein wohlgehütetes Geheimnis…

Persönliche Meinung: “Tainted Love” ist ein Kriminalroman von Vincent Tal. Es handelt sich um den Auftakt einer Krimireihe um die beiden Ermittlerfiguren Martin und Christine, aus deren personalen Perspektiven die Handlung wechselweise erzählt wird. Der Krimi wird in einem eher unaufgeregten Ton erzählt, der aber unheimlich atmosphärisch ist: Man spürt die sengende, pulsierende Hitze, die die Figuren umgibt, geradezu; die 80er Jahre mit ihrer typischen Musik sowie den gesellschaftspolitischen Themen (deutsche Teilung, Atomenergie) werden lebendig. Zudem finden sich stellenweise sehr stark beschriebene brenzlige Situationen für die Figuren, deren Bedrohlichkeit plastisch wirkt. Die Handlung selbst setzt sich aus zwei Schwerpunkten zusammen: dem eigentlichen Fall um das luxuriöse Auto und dem Privatleben von Martin und Christine. In beiden Schwerpunkten tauchen immer mal wieder kleine - ich nenne sie mal - “Fällchen” auf, die für Spannung sorgen. So haben sich die beiden Protagonisten bspw. durch das - immer noch ungeklärte - Verschwinden eines Kindes aus dem Freundeskreis kennengelernt; Martin ist seinem Vater nie wirklich begegnet, sodass er nebenbei nach dessen Verbleib forscht. Durch die “Fällchen” ist in der Handlung immer etwas los, sodass “Tainted Love” von vorne bis hinten spannend bleibt. Die Auflösung der Handlung ist gelungen und überraschend - insbesondere da sie mehr Antworten gibt, als man vielleicht vermuten würde. Mehr will ich an dieser Stelle aber nicht verraten. Insgesamt ist “Tainted Love” ein atmosphärischer, stark erzählter sowie fesselnder Auftakt einer Krimi-Reihe, die man unbedingt im Blick behalten sollte.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 25.03.2026

Ein fesselnder Pageturner mit Urlaubsfeeling

Die Finca
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Inhalt: Seit ein paar Monaten arbeitet Rosi als Haussitterin: Sie fliegt um den Globus, passt auf Häuser der abwesenden Eigentümer auf und schreibt dabei Texte über die bereisten Orte. Doch bei ihrem aktuellen ...

Inhalt: Seit ein paar Monaten arbeitet Rosi als Haussitterin: Sie fliegt um den Globus, passt auf Häuser der abwesenden Eigentümer auf und schreibt dabei Texte über die bereisten Orte. Doch bei ihrem aktuellen Job ist etwas schief gelaufen: Es erwarten sie dort nicht die Eigentümer, sondern Fabian, ein junger Mann, der behauptet, ebenfalls als Haussitter engagiert worden zu sein. Da keiner von den beiden das Feld räumen möchte, ziehen sie wohl oder übel gemeinsam ein - auch wenn sie sich gegenseitig nicht so wirklich geheuer sind. Als Rosi nachts Geräusche hört und Fabian schwört, dass diese nicht von ihm stammen, ahnt sie, dass irgendetwas mit der Vinca nicht stimmt…

Persönliche Meinung: “Die Vinca” ist ein Thriller von Kirsten Nähle. Er spielt auf Mallorca, sodass - bei aller Spannung - auch stellenweise Urlaubsfeeling aufkommt. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den beiden personalen Perspektiven der Haussitter Rosi und Fabian, die mit ihren Gefühlen und Eigenheiten lebendig dargestellt werden. Spannung entsteht innerhalb der Handlung direkt auf mehreren Ebenen: So beginnt der Thriller zunächst mit einem rätselhaften Prolog, in der eine “Sie” von einer ihr bekannten Person festgehalten wird - wobei lange offen ist, wer die im Prolog auftretenden Figuren sind. Die Haupthandlung um Rosi und Fabian in der Vinca changiert zwischen Kammer- und Vexierspiel, bei dem man als Lesender nie so genau weiß, wem man tatsächlich trauen kann. Was die beiden Figuren umtreibt und welche Geheimnisse sie verbergen, wird dabei in einem sehr schönen Tempo entfaltet. Dazu kommt noch ein weiterer Spannungsmoment: Früh wird klar, dass Rosi und Fabian nicht die Einzigen sind, die Zugang zur Villa haben. Durch diese drei Aspekte ist die Spannungskurve in “Die Vinca” permanent hoch, sodass man den Thriller kaum beiseite legen kann (dazu trägt übrigens auch der sehr flüssig zu lesende und anschauliche Schreibstil von Kirsten Nähle bei). Bei aller Spannung kommt allerdings auch die Ernsthaftigkeit nicht zu kurz. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Im Laufe der Handlung werden mehrere wichtige Themen berührt, die die Gegenwartsgesellschaft umtreibt. Insgesamt ist “Die Vinca” ein fesselnder Pageturner - perfekt als Strand- oder Poollektüre, wenn es im Urlaub mal nervenaufreibender zugehen soll.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Sechs schöne Geschichten zum Vorlesen

Geschichten von Peter Hase und seinen Freunden
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“Geschichten von Peter Hase und seinen Freunden” beinhaltet sechs Bildergeschichten von Beatrix Potter. Den Auftakt macht dabei die weltbekannte Erzählung “Die Geschichte von Peter Hase”, in der der titelgebende ...

“Geschichten von Peter Hase und seinen Freunden” beinhaltet sechs Bildergeschichten von Beatrix Potter. Den Auftakt macht dabei die weltbekannte Erzählung “Die Geschichte von Peter Hase”, in der der titelgebende Hase in den Garten von Mr McGregor geht - obwohl die Mutter ihn strikt davor gewarnt hatte. Man vermutet es schon: Der Ausflug wird nicht problemlos verlaufen, sodass “Die Geschichte von Peter Hase” eine kleine Abenteuergeschichte wird. Die zweite Erzählung, “Die Geschichte von Benjamin Bunny”, schließt an die erste an: Peter Hase und sein Cousin Benjamin Bunny machen sich erneut auf den Weg in Mr McGregors Garten, um Salat zu mümmeln. Auch hier geraten die beiden in eine brenzlige Situation, aus der sie sich nicht selbst befreien können. Den Abschluss bildet “Die Geschichte von den Flopsy-Häschen”, den Kindern von Benjamin Bunny. Auch diese verirren sich in den Garten von Mr McGregor, wo sie von ihm gefangen werden. Zum Inhalt möchte ich darüber hinaus nicht zu viel verraten. Nur: Die Erzählung ist im Kern eine Schelmengeschichte. In den folgenden Geschichten wird ein Perspektivwechsel vorgenommen. Helden von “Die Geschichte von den beiden frechen Mäusen” und “Die Geschichte von Johnny Stadtmaus” sind Mäuse. Bei beiden handelt es sich um humorvolle Geschichten. Während in der einen Mäuse in ein Puppenhaus einbrechen, lebt die andere von der augenzwinkernd dargestellten Differenz von Stadt- und Landmäusen. Den Abschluss bildet “Die Geschichte von Jemima Matschel-Ente”, in der eine naive Ente auf Nistplatzsuche ist - mit potentiell dramatischen Konsequenzen. Die Geschichten eint: Die Welt, in der sie spielen, wird idyllisch beschrieben, ist irgendwie noch heil. Klar, Mr McGregors Garten, die Stadt oder der Nistplatz sind Paradies, Versuchung und Gefahr zugleich, aber irgendwie kommt es dann doch zu einem Happy End (sodass sich die Geschichten auch gut zum Vorlesen eignen). Die idyllischen Beschreibungen werden auch in den zahlreichen Aquarellen ausgebreitet, die die Handlung illustrieren. Zwar sind die Hauptfiguren durch ihre Kleidung und ihre Art zu denken vermenschlicht, doch jedem gezeichneten Tier wohnt - in Körperhaltung und Ausdruck - ein realistischer/naturalistischer Zug inne. Abgerundet wird der Band durch ein Nachwort der Übersetzerin Bettina Wilpert, in der kurz das Leben von B. Potter, ihr Zeichenstil sowie die Entstehung ihrer Geschichten eingegangen wird. Insgesamt ist “Ostern mit Peter Hase” eine feine Sammlung von Tiergeschichten, die man schön vorlesen kann.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Eine feine Sammlung von Ostergeschichten

Ostern mit Peter Hase
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“Ostern mit Peter Hase” beinhaltet drei Bildergeschichten von Beatrix Potter. Den Auftakt macht dabei die weltbekannte Erzählung “Die Geschichte von Peter Hase”, in der der titelgebende Hase in den Garten ...

“Ostern mit Peter Hase” beinhaltet drei Bildergeschichten von Beatrix Potter. Den Auftakt macht dabei die weltbekannte Erzählung “Die Geschichte von Peter Hase”, in der der titelgebende Hase in den Garten von Mr McGregor geht - obwohl die Mutter ihn strikt davor gewarnt hatte. Man vermutet es schon: Der Ausflug wird nicht problemlos verlaufen, sodass “Die Geschichte von Peter Hase” eine kleine Abenteuergeschichte wird. Die zweite Erzählung, “Die Geschichte von Benjamin Bunny”, schließt an die erste an: Peter Hase und sein Cousin Benjamin Bunny machen sich erneut auf den Weg in Mr McGregors Garten, um Salat zu mümmeln. Auch hier geraten die beiden in eine brenzlige Situation, aus der sie sich nicht selbst befreien können. Den Abschluss bildet “Die Geschichte von den Flopsy-Häschen”, den Kindern von Benjamin Bunny. Auch diese verirren sich in den Garten von Mr McGregor, wo sie von ihm gefangen werden. Zum Inhalt möchte ich darüber hinaus nicht zu viel verraten. Nur: Die Erzählung ist im Kern eine Schelmengeschichte. Alle drei Geschichten eint: Die Welt, in der sie spielen, wird idyllisch beschrieben, ist irgendwie noch heil. Klar, Mr McGregors Garten ist Paradies, Versuchung und Gefahr zugleich, aber irgendwie kommt es dann doch zu einem Happy End (sodass sich die Geschichten auch gut zum Vorlesen eignen). Die idyllischen Beschreibungen werden auch in den zahlreichen Aquarellen ausgebreitet, die die Handlung illustrieren. Zwar sind die Hauptfiguren durch ihre Kleidung und ihre Art zu denken vermenschlicht, doch jedem gezeichneten Tier wohnt - in Körperhaltung und Ausdruck - ein realistischer/naturalistischer Zug inne. Insgesamt ist “Ostern mit Peter Hase” eine feine Sammlung von Hasengeschichten, die man schön zu Ostern vorlesen kann.

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