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Veröffentlicht am 28.02.2026

Eine schöne Mischung aus Romantik und Spannung

Emma Bell
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Inhalt. London, 1846. Die junge Ruth Thomas ist noch unverheiratet - für ihre Mutter ein Dorn im Auge. Doch Emma interessiert sich nicht für Männer; insgeheim ist sie in ihr Hausmädchen verliebt. Als die ...

Inhalt. London, 1846. Die junge Ruth Thomas ist noch unverheiratet - für ihre Mutter ein Dorn im Auge. Doch Emma interessiert sich nicht für Männer; insgeheim ist sie in ihr Hausmädchen verliebt. Als die beiden sich näher kommen und sich schließlich küssen, passiert das Schlimmstmögliche: Ruths Mutter ertappt sie, entlässt das Hausmädchen und schickt Ruth aufs Land zu ihrem Onkel. Dort begegnet sie der geheimnisvollen Emma, der Ehefrau ihres Mannes, zu der sie sich sofort angezogen fühlt…

Persönliche Meinung: “Emma Bell” ist ein viktorianischer Thriller von Josephine Ashford (aka Josephine Katharina Groß). Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der personalen Perspektive von Ruth, einer einfühlsamen jungen Frau, die in der Welt, in der sie lebt, nicht akzeptiert wird und sich daher in sich zurückgezogen hat. Ähnlich erging es nach eigenem Bekunden der zweiten Protagonistin: der titelgebenden Emma. In einer kurzen Binnenerzählung beschreibt Emma, wie sie - nach dem Tod ihres Vaters - von Stiefmutter und -bruder heftig drangsaliert wurde (diese Szenen werden von Josephine Ashford sehr eindrücklich und intensiv geschildert, sodass man unweigerlich mit Emma fühlt). Die Handlung von “Emma Bell” lässt sich in zwei Teile gliedern. Die erste Hälfte des Romans dreht sich um das Kennenlernen von Ruth und Emma: Gemeinsam machen sie Ausflüge, erleben Weihnachten und offenbaren sich ihre tiefsten Geheimnisse, aus Freundschaft entwickelt sich eine zarte Liebe. Zur zweiten Hälfte des Romans möchte ich wegen großer Spoilergefahr gar nicht zu viel sagen. Nur: Sie beginnt mit einem überraschenden Twist und die Dramatik der Handlung steigt stark. Der Schreibstil von Josephine Ashford ist anschaulich und lässt sich sehr flüssig lesen. Eine weitere Besonderheit von “Emma Bell” ist, dass der Roman umfangreich illustriert ist: Es finden sich sehr viele detaillierte Zeichnungen der Autorin, die die Handlung schön bebildern. Insgesamt ist “Emma Bell” ein queerer Roman im viktorianischen Gewand mit einer schönen Mischung aus Romantik und Spannung.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Ein entschleunigender Roman

Mathilde und Marie
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Inhalt: Die junge Französin Marie will einfach nur weg - aus dem lärmenden Paris und ihrem bisherigen Leben. Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, der sie sich - entgegen ihrem eigentlichen Naturell ...

Inhalt: Die junge Französin Marie will einfach nur weg - aus dem lärmenden Paris und ihrem bisherigen Leben. Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, der sie sich - entgegen ihrem eigentlichen Naturell - öffnet. Jónína lädt sie ein, sie nach Redu, dem Bücherdorf in den Ardennen, zu begleiten, um dort zur Ruhe zu kommen. Marie stimmt nach kurzem Überlegen zu - und trifft auf einen Ort, in dem die Zeit anders tickt, eine Gemeinschaft, die zusammenhält, und einen Wald, in dem man Natur erleben kann. Ein Idyll - wäre da nicht die mürrische Mathilde, die durch irgendetwas bedrückt zu sein scheint…

Persönliche Meinung: “Mathilde und Marie” ist ein Roman von Torsten Woywod. Im Mittelpunkt des Romans stehen die beiden titelgebenden Protagonistinnen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: Während Marie empfind- und einfühlsam und gerade auf der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben ist, lebt die (scheinbar) harte und schroffe Mathilde zurückgezogen; mit dem Leben scheint sie abgeschlossen zu haben. Neben diesen beiden Perspektiven tritt mit Jónína eine weitere wichtige Figur mit eigenen PoV-Kapiteln auf, die gewissermaßen eine Vermittlerposition zwischen den beiden titelgebenden Protagonistinnen einnimmt. Alle drei Figuren eint, dass sie es in der jüngsten Vergangenheit nicht leicht hatten. Für eine latente Spannung sorgt dabei, dass erst nach und nach offenbart wird, was die jeweilige Figur belastet/bedrückt (besonders bei Mathilde ist der Spannungsaufbau dabei sehr gelungen). Mit ihren Eigenheiten, Ecken und Kanten sind die Figuren sehr lebendig und dreidimensional gezeichnet. Generell ist “Mathilde und Marie” ein erdender, entschleunigender Roman: Das Kennenlernen der Figuren und des Handlungsortes Redu erfolgt behutsam, es finden sich mehrfach idyllische Landschaftsbilder und die Bewohner von Redu zeigen eine alternative, nahezu auf Digitales verzichtende Lebensweise auf, die eher im Gleichklang mit der Natur erfolgt. Der Schreibstil von Torsten Woywod ist anschaulich und eingängig zu lesen. Insgesamt ist “Mathilde und Marie” ein Roman mit sehr lebendigen Figuren, der sich besonders für Lesende eignet, die eine erdende Auszeit vom stressigen Alltag suchen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein anschaulich zu lesender Klassiker der Romantik, hier sehr stimmig mit ausdrucksstarken Bildern illustriert

E.T.A. Hoffmann: Die Bergwerke zu Falun
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Inhalt: Der junge Seemann Elis Fröbom ist gerade von einer Ostindienfahrt nach Göthaborg zurückgekehrt - doch Freude will nicht aufkommen: Seine Mutter ist während seiner Abwesenheit verstorben. Als Elis ...

Inhalt: Der junge Seemann Elis Fröbom ist gerade von einer Ostindienfahrt nach Göthaborg zurückgekehrt - doch Freude will nicht aufkommen: Seine Mutter ist während seiner Abwesenheit verstorben. Als Elis sich von den Festivitäten rund um die Heimkehr der Matrosen zurückzieht, spricht ihn plötzlich ein älterer Bergmann an. Er kommt aus Falun, schwärmt von den dortigen Bergwerken und schlägt Elis vor, er solle dort sein Glück versuchen…

Persönliche Meinung: “Die Bergwerke zu Falun” ist eine phantastische Erzählung von E.T.A Hoffmann. Die vorliegende Ausgabe wurde von Kat Menschik illustriert (und ist als dritter Band in der Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher” erschienen). “Die Bergwerke zu Falun” ist eine typische Erzählung der Romantik: Nach dem schwärmerischen Bericht des Bergmannes und einem Traum mit prognostischer Wirkung entwickelt sich Falun zu einem Sehnsuchtsort für Elis; die Bergwerke, die mit einer schaurigen Note atmosphärisch beschrieben werden, mutieren zur phantastischen Anderswelt, in der ein Berggeist haust. Mehr und mehr nehmen die Bergwerke Elis ein, sodass sich bei ihm wahnhafte Züge offenbaren (wodurch “Die Bergwerke zu Falun” zu einem kleinen romantischen Psychogramm wird). Zudem findet sich in der Erzählung eine Liebesgeschichte mit äußerst tragischen Elementen. Die Stimmung der Erzählung wird von Kat Menschik perfekt eingefangen: Zu Beginn der Handlung - bevor es unter Tage geht - dominieren in den Illustrationen helle, farbenfrohe Töne; Elis Träume werden in eisigen Blautönen eingefangen, die den unwirklichen Charakter dieser unterstreichen; unter Tage überwiegen mit erdige Farben. Insgesamt ist “Die Bergwerke zu Falun” ein anschaulich zu lesender Klassiker der Romantik, hier sehr stimmig mit ausdrucksstarken Bildern illustriert.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein kompakter Städteführer, der sich sehr gut für einen ersten Überblick eignet

Reclams Städteführer Freiburg · Basel. Architektur und Kunst
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“Reclams Städteführer Freiburg - Basel” von Peter Kalchthaler führt in die Geschichte, Architektur und Kunst der Städte Freiburg, Basel und Colmar ein. Den Auftakt macht dabei ein historischer Überblick ...

“Reclams Städteführer Freiburg - Basel” von Peter Kalchthaler führt in die Geschichte, Architektur und Kunst der Städte Freiburg, Basel und Colmar ein. Den Auftakt macht dabei ein historischer Überblick über die Geschichte der drei Städte, beginnend mit der Stadtgründung, endend in der Gegenwart. Daran schließt sich ein Kalender an, der wichtige Kulturveranstaltungen je Ort datiert. Es folgen Rundgänge durch Freiburg, Basel und Colmar, wobei architektonische Highlights näher beleuchtet werden. So werden in Bezug auf Freiburg u.a. auf die Baugeschichte des Freiburger Münsters, auf das Historische Kaufhaus sowie auf die Bächle eingegangen; in Bezug auf Basel stehen insbesondere das Münster und der Fasnachtsbrunnen im Mittelpunkt; bei Colmar u.a. das Kloster Unterlinden und Klein-Venedig. Nach Vorstellung der drei Städte werden sehenswerte Ausflugsziele in der näheren Umgebung skizziert. Abschließend folgt eine kurze Porträtierung der Museen, Sammlungen und Galerien der drei Städte. Abgerundet wird der Stadtführer durch eine Vielzahl farbiger Fotografien, die Beschriebenes veranschaulichen. Insgesamt ist “Reclams Städteführer Freiburg - Basel” ein kompakter Städteführer, der sich sehr gut dafür eignet, einen ersten Überblick über die drei Städte zu gewinnen.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Eine stimmige, schön ausgestaltete Fortsetzung

Die Muschelmagier
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Vorab: “Die Muschelmagier” ist der zweite Band der Wellenläufer-Trilogie. Da die Handlung von Band 2 direkt an den ersten Band “Die Wellenläufer” anschließt, ist ein chronologisches Lesen sinnvoll. In ...

Vorab: “Die Muschelmagier” ist der zweite Band der Wellenläufer-Trilogie. Da die Handlung von Band 2 direkt an den ersten Band “Die Wellenläufer” anschließt, ist ein chronologisches Lesen sinnvoll. In der folgenden Rezension finden sich deshalb auch leichte Spoiler für Band 1.

Inhalt: Nachdem Jolly und Griffin bei einer Seeschlacht über Bord der “Carfax” gingen, wurden sie von dem Brückenbaumeister Agostini aufgelesen. Dieser hat mit seiner Mannschaft eine gigantische Brücke über einen Meeresarm hin zur Nachbarinsel gebaut. Die genaue Funktion der Brücke liegt für Jolly im Dunkeln, doch die Brücke scheint wichtig zu sein. Denn: Kurz nach der Fertigstellung - just in dem Moment, als Jolly und Griffin die Brücke betreten - erscheint eine Horde Klabauter, die die Brücke einreißen will. Gleichzeitig tauchen alte Freunde von Jolly und Griffin auf, die die beiden in letzter Sekunde vor den Klabautern retten können - und zur sagenhaften Stadt Aelenium führen…

Persönliche Meinung: “Die Muschelmagier” ist ein phantastischer Jugendroman von Kai Meyer. Im Vergleich zum ersten Band, der noch eher in einer Welt spielt, die unserer näher ist, geht es hier deutlicher ins Phantastische: Wir lernen Aelenium kennen, ein großer bewohnter Seestern, der mit einem Anker fixiert ist und dessen Bewohner auf Seepferdchen und fliegenden Rochen reiten. Auch tauchen wir tiefer in die Herkunft der Muschelmagie sowie den Ursprung des Mahlstroms ein. Daneben dreht sich die Handlung insbesondere um die Entwicklung der Protagonisten: Jolly übt sich intensiv in der Muschelmagie und macht eine lebensverändernde Entdeckung. Munk, der im Vergleich zum ersten Band kaum auftritt, spielt hier eher in der zweiten Reihe - wenngleich seine Entwicklung, die in eine andere Richtung als Jollys geht, folgenreicher ist (gerade die Entwicklung von Munk fand ich stark beschrieben, da ich ihn in Band 1 sehr mochte, nun aber schwerer greifen kann). Anstelle von Munk erhalten in “Die Muschelmagier” Griffin und die Prinzessin Soledad PoV-Kapitel, sodass sie sich mehr und mehr zu Hauptfiguren mausern - mit jeweils spannenden Handlungssträngen, die ich hier aber nicht spoilern möchte. Auch der im ersten Band angeteaserte Konflikt der Liebeshandlung wird hier weiter entfaltet, wobei ich sehr gespannt bin, wie er im finalen Band weitergeführt wird. Der Schreibstil von Kai Meyer ist gewohnt bildgewaltig, farbenfroh und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Die Muschelmagier” eine stimmige, schön ausgestaltete Fortsetzung von “Die Wellenläufer”, die mir sogar noch ein bisschen mehr gefallen hat als der erste Band.

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