Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.07.2025

Eine schöne Ergänzung der Hauptreihe

Eine Nachtigall in New York
0

Inhalt: New York in den 1920ern. Nach kleineren magischen Fehltritten, die dem Folly nicht sonderlich gefallen haben, hat August Berrycloth-Young sich dazu entschlossen, England den Rücken zu kehren - ...

Inhalt: New York in den 1920ern. Nach kleineren magischen Fehltritten, die dem Folly nicht sonderlich gefallen haben, hat August Berrycloth-Young sich dazu entschlossen, England den Rücken zu kehren - was ihm richtig gut tut. Doch die Vergangenheit ist näher, als er denkt. Und zwar in Form von Thomas Nightingale, der unangekündigt bei ihm vorbeischaut und Augusts Hilfe bei einer geheimen Mission benötigt: Er ist auf der Suche nach einem magischen Saxophon, das gegenwärtig die Runde durch New York macht…

Persönliche Meinung: “Eine Nachtigall in New York” ist ein Urban Fantasy-Kurzroman von Ben Aaronovitch, der im “Die Flüsse von London”-Universum spielt. Da die Handlung in sich abgeschlossen ist, kann man den Kurzroman auch ohne Kenntnis anderer Bände der Reihe lesen, allerdings macht er ungleich mehr Spaß, kennt man sich etwas im Universum aus. Denn: Hier lernen wir eine leicht andere - menschlichere - Seite von Peter Grants unnahbaren Ausbilder Thomas Nightingale kennen. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von August, einem etwas naiven Tausendsassa, der sein Glück in New York sucht. Die Handlung des Kurzromans folgt der Struktur eines Krimis: August und Nightingale fungieren als Ermittlerfiguren, die in New York der Spur des magischen Saxophons folgen - wobei natürlich mehr dahintersteckt, als man zunächst vermutet. Doch der Roman geht nicht allein in der Fantasy-/Krimihandlung auf: Er spricht zugleich gesellschaftliche Missstände an, die insbesondere im New York der 1920er zu finden waren, aber auch heute noch eine Relevanz besitzen. So ist August homosexuell, versucht dies, um Drangsalierungen und Diskriminerungen zu entgehen, zu verstecken, wodurch er aber in einen Identitätskonflikt gerät (was insgesamt eindrücklich im Roman dargestellt wird). Ebenfalls thematisiert wird die Diskriminierung der people of color, die mit Vorurteilen und Rückstufungen zu kämpfen haben. Der Schreibstil von Ben Aaronovitch ist anschaulich; zudem findet sich - trotz der ernsthaften Themen - auch eine Prise Humor in der Handlung (insbesondere durch die Figur August, die den Fall süffisant erzählt). Insgesamt ist “Eine Nachtigall in New York” eine schöne Ergänzung der “Flüsse von London”-Reihe, die sich nicht scheut, gesellschaftlich wichtige Themen anzusprechen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2025

Ein fesselnder Jugendthriller

Wer den Kürzeren zieht
0

Inhalt: Eher widerstrebend hat Anne ihrer Freundin Maxime zugestimmt, mit ihr sowie Sami und Daniel (zwei Bekannten) ein Wochenende in einer abgeschiedenen Hütte im Wald zu verbringen. Dennoch soll das ...

Inhalt: Eher widerstrebend hat Anne ihrer Freundin Maxime zugestimmt, mit ihr sowie Sami und Daniel (zwei Bekannten) ein Wochenende in einer abgeschiedenen Hütte im Wald zu verbringen. Dennoch soll das Wochenende so entspannt wie möglich verlaufen. Doch dann erhalten die vier eine verstörende Instagram-Nachricht: Sie sollen auf keinen Fall die Hütte verlassen, wenn ihnen ihr Leben lieb ist - was die vier zunächst als einen schlechten Scherz abtun. Kurze Zeit später sucht allerdings ein blutüberströmter Junge bei ihnen Zuflucht, der Grausiges berichtet…

Persönliche Meinung: “Wer den Kürzeren zieht” ist ein Jugendthriller von Mel Wallis de Vries. Die Handlung ist in sich abgeschlossen und weist keine Querverweise zu den anderen deVries-Thrillern (mit ähnlichen Covern) auf, sodass hier keine Reihenfolge beachtet werden muss. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive der (zunächst) etwas schüchternen Anne. Spannung entsteht innerhalb des Thrillers insbesondere durch das Unbekannte: Die äußere Gefahr ist lange Zeit unbestimmt und rätselhaft, aber - wie weitere Zwischenfälle, die ich hier nicht spoilern möchte, zeigen - bedrohlich, was Ängste der Jugendlichen triggert. Diese Ängste werden auch sehr eindrücklich geschildert, sodass “Wer den Kürzeren zieht” Züge eines Psychothrillers annimmt (Darüber hinaus sind die Figuren aber eher holzschnittartig dargestellt: Sie sind weniger Individuen als vielmehr Rollen für die Dramaturgie der Handlung). Fesselnd an dem Thriller ist zudem die Erzählweise: Zwischen den Kapiteln, die die Ereignisse in der Hütte thematisieren, finden sich immer wieder Notizen eines unbekannten Verfassers und sog. Tapes (Die Gruppe findet in der Hütte eine Videokamera. Mehrfach ziehen sich einzelne Gruppenmitglieder zurück und nehmen Tapes auf, die im Roman als Monolog dargestellt werden). Die Notizen sind schön rätselhaft, die Tapes dienen zum foreshadowing, wodurch insgesamt eine steile Spannungskurve entsteht. Sehr gefallen hat mir auch das Ende: Es ist sowohl überraschend als auch tragisch. Wortwahl und Satzbau sind - passend zur den handelnden Figuren und der anvisierten Zielgruppe - umgangssprachlich; teilweise finden sich auch Chatnachrichten. Dadurch liest sich der Thriller sehr flüssig. Insgesamt ist “Wer den Kürzeren zieht” ein spannender psychologischer Jugendthriller mit fesselnder Handlung, bei dem man aber auch kleinere Abstriche in der Figurenzeichnung machen muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2025

Zehn eindrückliche Geschichten über die Schrecken des Krieges

Der Feind
0

„Der Feind“ versammelt zehn Kurzgeschichten von Erich Maria Remarque, die sich mit den Schrecken des Ersten Weltkriegs auseinandersetzen. Inhaltlich lassen sich die Geschichten in zwei Gruppen einteilen: ...

„Der Feind“ versammelt zehn Kurzgeschichten von Erich Maria Remarque, die sich mit den Schrecken des Ersten Weltkriegs auseinandersetzen. Inhaltlich lassen sich die Geschichten in zwei Gruppen einteilen: Erzählungen, die an der Front spielen, und Erzählungen, die die Folgen der Kriegserfahrungen thematisieren. So handelt „Jürgen Tamen“ von einem feinfühligen Mann, der an der Front Heimweh verspürt; die titelgebende Erzählung „Der Feind“ (die für mich eine der eindrücklichsten ist) thematisiert die Erkenntnis der Soldaten, dass der sog. Feind auch ein Mensch ist; „Ich hab die Nacht geträumet - - -“ erzählt mit beklemmenden Worten den letzten Lebensgang eines Soldaten in einem Lazarett. Demgegenüber stehen Erzählungen, die das Leben nach dem Krieg darstellen. Hier finden sich einerseits Geschichten der ehemaligen Soldaten: In „Der junge Lehrer“ fällt es einem jungen Mann schwer, nach dem Krieg in den Alltag zurückzufinden; in „Karl Broeger in Fleury“ besuchen zwei ehemalige Soldaten den Ort eines Kampfes – wobei aufgezeigt wird, wie sehr sie der Krieg verfolgt; „Das seltsame Schicksal des Johann Bartok“ fokussiert die Kriegsgefangenschaft; „Unterwegs“ schließlich zeigt die Getriebenheit eines Mannes. Weiterhin existieren zwei Erzählungen, die das Schicksal der Frauen der kriegsversehrten Männer behandelt. Während „Die Geschichte von Annettes Liebe“ das Schicksal einer jung verheirateten Kriegswitwe zeigt, handelt „Josefs Frau“ von dem Kriegsheimkehrer Josef, der sein gesamtes Gedächtnis verloren hat, dessen Frau aber alles dafür tut, um ihm zu helfen. Insbesondere „Josefs Frau“ hallt durch die Aufopferung der namenlos bleibenden Frau nach. Auf eine andere Weise spricht „Schweigen um Verdun“ die Folgen des Krieges an: Mit eindrücklichen Worten wird die Veränderung der Landschaft durch den Krieg dargestellt; Idylle und Tod vermischen sich hier. Alle Geschichten eint ihr pazifistischer Grundton: Der Krieg wird als etwas Schreckliches, Sinnloses und Unmenschliches dargestellt, was für mich eine wichtige Botschaft der Sammlung insgesamt ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine Erzählung für Kunstinteressierte

Das unbekannte Meisterwerk
0

Inhalt: Paris 1612. Der junge Maler Nicolas Poussin steht unschlüssig vor dem Haus des großen Porträtmalers François Porbus, möchte ihm begegnen, von ihm lernen, doch traut sich nicht in das Gebäude – ...

Inhalt: Paris 1612. Der junge Maler Nicolas Poussin steht unschlüssig vor dem Haus des großen Porträtmalers François Porbus, möchte ihm begegnen, von ihm lernen, doch traut sich nicht in das Gebäude – bis ein alter Mann in das Gebäude tritt, dem sich Nicolas kurzerhand anschließt. Gemeinsam betrachten Nicolas, Porbus und der alte Mann ein neues Werk von Porbus, fachsimpeln über die Kunst. Endlich offenbart sich der alte Mann ebenfalls als Künstler, der seit Jahren im Geheimen ein Frauenporträt perfektioniert – ein Bild, das Nicolas unbedingt sehen möchte…

Persönliche Meinung: „Das unbekannte Meisterwerk“ ist eine Künstlererzählung von Honoré de Balzac. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen drei Künstler, die sich über den Status der Kunst – insbesondere dem Verhältnis von Kunst und Natur – austauschen. So unterhalten sie sich u.a. über die Lebendigkeit von künstlerisch dargestellten Personen, die Nachahmung alter Meister und dem Empfinden beim Malen. Interessant hieran ist, dass in diesen kunsttheoretischen Äußerungen (wie Sebastian Goeppert in seinem Nachwort ausführt) Kunstauffassungen Balzacs Zeit einfließen. So offenbart sich der alte Maler als Vertreter der sog. „École Romantique“ und Gegner der „École Académique“. Daneben ist „Das unbekannte Meisterwerk“ außerdem eine Liebesgeschichte: So liebt Nicolas zwar seine Gillette, will sie aber gleichzeitig als Modell „besitzen“, was zu Missstimmung in der Beziehung führt. Auf der anderen Seite steht der alte Maler, der sich in sein Frauenporträt vernarrt hat. Inhaltlich plätschert die Erzählung eher vor sich hin: Wie vermutlich deutlich geworden ist, wird sich meist auf einer Metaebene über Kunst unterhalten; wirklich Fahrt kommt erst im letzten Drittel auf, als offenbart wird, was es mit dem Frauenporträt des alten Meisters auf sich hat. Ergänzt wir der Text durch Illustrationen Picassos, die sich dezidiert auf „Das unbekannte Meisterwerk“ beziehen. Insgesamt ist „Das unbekannte Meisterwerk“ eine Erzählung, die sich insbesondere für Interessierte/Liebhaber*innen der Kunst eignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine informative Sammlung von Textquellen

Varusschlacht. Die Schriftquellen
0

„Varusschlacht“, erschienen im Reclam Verlag, versammelt antike Schriftzeugnisse, die die Varusschlacht thematisieren. Versammelt sind hier Texte von Ovid, Manilius, Strabon, Velleius Paterculus, Seneca ...

„Varusschlacht“, erschienen im Reclam Verlag, versammelt antike Schriftzeugnisse, die die Varusschlacht thematisieren. Versammelt sind hier Texte von Ovid, Manilius, Strabon, Velleius Paterculus, Seneca d. Ä., Seneca d. J., Plinius d. Ä., Frontinus, Florus, Tacitus, Sueton, Cassius Dio sowie Orisius. Die Darstellung der Texte erfolgt in Paralleldruck, sodass der deutschen Übersetzung das lateinische bzw. griechische Original gegenübergestellt ist. Zu jedem Autor findet sich zudem ein kurzer, in Leben und Werke einführender Text, sodass eine leichtere Einordnung der Quelle erfolgen kann. Den Quellentexten vorangestellt ist zudem ein fachwissenschaftlicher Einleitungstext von Lutz Walther. Walther liefert hier eine konzise historische Kontextualisierung der Varusschlacht sowie einen informativen Überblick über die archäologischen Funde in Kalkriese, wo die Schlacht mutmaßlich stattgefunden hat (Für Walther spricht insgesamt viel dafür, dass die Schlacht dort stattfand, auch wenn der letztgültige Beweis noch fehlt). Für mich persönlich war vor allem interessant zu lesen, wie die antiken Schriftsteller über die Schlacht dachten und schrieben. So findet sich z. B. bei Ovid und Manilius eher ein klagendes bzw. belehrendes Anzitieren der Schlacht; Velleius Paterculus nutzt die beide kontrahierenden Feldherren der Schlacht, Varus und Arminius, um moralisierend psychologische Feldherrenqualitäten zu ergründen; Tacitus (eine der ausführlichsten Quellen) wendet sich der Schlacht retrospektiv bilanzierend zu, indem er sie mit anderen Schlachten vergleicht. Interessant fand ich neben den differierenden Schilderungen der antiken Autoren den Umstand, dass ausführliche Beschreibungen der Schlacht eher rar sind (neben Tacitus lediglich Cassius Dio) – ein Umstand, der nochmal vor Augen führt, wie schwierig das Finden des tatsächlichen Schlachtortes ist. Insgesamt ist „Varusschlacht“ eine informative sowie interessante Sammlung antiker Quellen über ein Ereignis, das Archäologie und Geschichtswissenschaft bis heute beschäftigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere