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Veröffentlicht am 08.01.2025

Eine kurzweilige, spannende sowie tragikomische Lektüre

Kalmann
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Inhalt: Kalmann übernimmt Verantwortung – und zwar als selbsternannter Sheriff von Raufarhöfn. Zwar ist damit nicht jeder gleich einverstanden, aber irgendwer muss sich ja um das Dorf kümmern. Doch auch ...

Inhalt: Kalmann übernimmt Verantwortung – und zwar als selbsternannter Sheriff von Raufarhöfn. Zwar ist damit nicht jeder gleich einverstanden, aber irgendwer muss sich ja um das Dorf kümmern. Doch auch ein Kalmann ist nicht vor Unheil gefeit: Bei einem Rundgang um das Dorf findet er eine große Blutlache; gleichzeitig ist außerdem Róbert McKenzie, Hotelbetreiber und Hüter der Fangquoten, verschwunden. Und plötzlich richtet die Nation ihre Aufmerksamkeit auf Raufarhöfn – was Kalmann eigentlich lieber verhindert wissen würde…

Persönliche Meinung: „Kalmann“ ist ein Roman von Joachim B. Schmidt. Es handelt sich um den ersten Roman, der sich um den eigenwilligen Sheriff des kleinen isländischen Fischerdorfes Raufarhöfn dreht. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive Kalmanns, einem Außenseiter mit dem Herz am rechten Fleck, der auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft ist, dabei manchmal kindlich naiv auftritt, manchmal aber auch abgeklärter ist, als man auf den ersten Blick vermutet. Der Plot des Romans folgt einerseits der Struktur einer Kriminalgeschichte: Zunächst Kalmann, später auch die Polizistin Birna versuchen das rätselhafte Verschwinden von Róbert McKenzie zu klären – wobei beide ganz eigene Intentionen verfolgen, die hier allerdings nicht gespoilert werden sollen. „Kalmann“ geht allerdings über einen reinen Kriminalroman hinaus: Zugleich ist er ein literarisches Psychogramm des titelgebenden Protagonisten. In mehreren Rückblicken wird das nicht immer einfache Leben Kalmanns beleuchtet, sodass seine Sorgen und Ängste (z. B. die Angst vor dem Verlust seiner wichtigsten Bezugsperson: seinem Großvater, der an Demenz erkrankt ist), Wünsche und Hoffnungen (z. B. Suche nach Anerkennung und Liebe) sowie Individualitäten (Vorliebe für Gammelhai, Cocoa Puffs und amerikanische Reality-Shows) sehr plastisch greifbar werden. Durch die Krimianteile sowie die Eigenheiten Kalmanns ist „Kalmann“ ein abwechslungsreicher, kurzweiliger Roman; das Ende wartet zudem mit einem schönen Twist auf. Stimmig zum Plot empfand ich auch den ruhigen, behutsamen Erzählstil Joachim B. Schmidts, der zudem mit einer Prise Humor gewürzt ist. Auch Fans Islands werden von „Kalmann“ nicht enttäuscht werden: Die eisige, bisweilen raue Landschaft der Insel wird atmosphärisch und dicht beschrieben, sodass während der Lektüre ein schönes Kopfkino entsteht. Insgesamt ist „Kalmann“ eine kurzweilige, spannende sowie tragikomische Lektüre mit einem interessanten Protagonisten.

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Veröffentlicht am 07.01.2025

Ein mal etwas anderer Goethe

Ein Weihnachtsabend mit Johann Wolfgang Goethe
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„Ein Weihnachtsabend mit Johann Wolfgang Goethe“ ist eine Anthologie mit weihnachtlichen Texten aus der Goethezeit. Den Auftakt bildet dabei das Gedicht „Weihnachten“, in dem Goethe Gefühle zum Weihnachtsfest ...

„Ein Weihnachtsabend mit Johann Wolfgang Goethe“ ist eine Anthologie mit weihnachtlichen Texten aus der Goethezeit. Den Auftakt bildet dabei das Gedicht „Weihnachten“, in dem Goethe Gefühle zum Weihnachtsfest anspricht. Es folgt das Kapitel „Goethe auf dem Glatteis“. Hier finden sich u.a. Auszüge aus „Dichtung und Wahrheit“, die das winterliche Schlittschuhfahren am Weimarer Hof beleuchten, Klopstocks Gedicht „Der Eislauf“ sowie Briefe Goethes, in denen er hofft, seine reparierten Schlittschuhe würden bald geliefert werden. Das zweite Kapitel „Unterwegs in Schnee und Eis“ beinhaltet u.a. die Gedichte „Rastlose Liebe“ und „Freundliches Begegnen“, in denen sich Liebe mit Naturerleben vermischt, sowie Briefe Goethes, in denen er von seiner Harzwanderung berichtet. Das kurze Kapitel „Freude des Schenkens“ beginnt erneut mit einem Gedicht („Christgeschenk“), stellt Dankesverse Goethes an Charlotte von Stein vor und erzählt mithilfe eines Briefes von einem besonderen Tauschhandel Goethes. Im folgenden Kapitel „Ein Fest für Kinder“ erzählt Goethe u.a. aus der Retrospektive von dem Puppenspiel seiner Großmutter Cornelia (inklusive im Kapitel ist auch die literarische Verarbeitung des Puppenspiels in „Wilhelm Meisters theatralische Sendung“). Das 5. Kapitel mit dem sprechenden Titel „Werther und Weihnachten“ beinhaltet nicht nur Werthers Weihnachtsfest, sondern auch Briefe Goethes an Johann Christian Kestner. Den Abschluss des weihnachtlichen Reigens bildet das Kapitel „Am Weihnachtsabend“, in dem sich u.a. Weihnachtsgrüße aus Rom und Erzählungen über Weihnachtsbesuche von Goethe (bei Georg Wilhelm Lorsbach und Johanna Schopenhauer) finden. Man merkt: Einerseits sind die Texte sehr abwechslungsreich – nicht lediglich literarische Texte werden angeführt. Andererseits lernt man Goethe dadurch auf eine andere – persönlichere – Weise als Menschen, weniger als Dichterfürsten, kennen, was ich sehr interessant fand. Insgesamt ist „Ein Weihnachtsabend mit Johann Wolfgang Goethe“ ein stimmungsvolles Büchlein – perfekt als weihnachtliche Abendlektüre für Winterstunden geeignet.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Ein unkonventioneller und abwechslungsreicher Adventskalender

Reclams heiterer Adventskalender
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„Reclams heiterer Adventskalender“ ist ein literarischer Adventskalender der besonderen Art, da er nicht ausschließlich literarische Texte (wie bspw. aus dem Geschwisterbuch „Reclams klassischer Adventskalender“ ...

„Reclams heiterer Adventskalender“ ist ein literarischer Adventskalender der besonderen Art, da er nicht ausschließlich literarische Texte (wie bspw. aus dem Geschwisterbuch „Reclams klassischer Adventskalender“ bekannt) versammelt: So finden sich neben klassischen Gedichten auch weihnachtliche Comicstrips, Auszüge aus Kinderbüchern und Postkarten. Um die tägliche Vorfreude nicht durch detaillierte Ausführungen zu einzelnen Türchen zu schmälern, sollen an dieser Stelle keine konkreten Texte/Comics/Bildergeschichten vorgestellt werden. Nur so viel: Das Cover mit Hinweisen auf „Vater und Sohn“, „Max und Moritz“ oder Comicstrips von TOM gibt bereits einen guten Eindruck, was einem im Adventskalender erwartet. Weihnachten ist hier nicht nur das besinnliche Fest, sondern wird auch mal – gemäß dem Adjektiv „heiter“ – aufs Korn genommen. So spielt die (immer zu spät beginnende) Suche nach Geschenken ebenso eine Rolle wie humorvoll verpackte Kapitalismus- und Gesellschaftskritik. Auch die Aufmachung des Kalenders ist ansprechend: Die Comics sind – sofern im Original – durchgehend farbig, jedes Türchen ist mit einem stimmigen „Kalenderblatt“ verziert. Die Länge der einzelnen Texte bzw. die Zeit, die man für die einzelnen Türchen benötigt, fand ich angemessen. Gerade in der Adventszeit ist die Zeit ja manchmal knapp bemessen, sodass es mir schon öfter passiert ist, dass ich meinen buchigen Adventskalender den ein oder anderen Tag nicht öffnete (und die Türchen dann gedrängt an den Weihnachtsfeiertagen las). Dieses Problem hat man bei „Reclams heiterem Adventskalender“ nicht: Die Türchen nehmen meist 5 Minuten in Anspruch. Insgesamt ist „Reclams heiterer Adventskalender“ eine unkonventionelle und abwechslungsreiche Einstimmung auf das Weihnachtsfest.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Ein Roman mit spannender Ausgangslage, der allerdings zunehmend aufgebläht wirkt

Das flüsternde Haus
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Inhalt: Die Corona-Pandemie hat Harry Adams hart getroffen: Ihr Job in einem Restaurant wurde gekündigt – und die Suche nach einer neuen Stelle gestaltet sich nicht gerade einfach. Umso froher ist Harry, ...

Inhalt: Die Corona-Pandemie hat Harry Adams hart getroffen: Ihr Job in einem Restaurant wurde gekündigt – und die Suche nach einer neuen Stelle gestaltet sich nicht gerade einfach. Umso froher ist Harry, als sie kurzfristig eine Stelle als Haushaltshilfe bei dem berühmten Hor-ror-Filmregisseur Javier Castillo findet – zumal Harry selbst eine große Liebhaberin von Hor-rorfilmen ist. Kurz: Der Job ist eigentlich ein Glücksfall … wären da nicht die leisen Hilferufe, die Harry jedes Mal hinter einer verschlossenen Tür zu hören meint…

Persönliche Meinung: „Das flüsternde Haus“ ist ein Gruselroman von Christina Henry. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der personalen Perspektive von Harry, einer jungen Mut-ter, die selbst aufgrund streng religiöser Eltern keine einfache Kindheit/Jugend hatte (diese wird in kurzen Rückblicken beleuchtet). Christina Henry ist bekannt für ihre modernen Adap-tionen von Klassikern/Märchen; „Das flüsternde Haus“ ist allerdings keine Adaption, sondern eine eigenständige Geschichte. Generell haben Henrys Romane für mich immer etwas von einer Wundertüte: Einige Romane sind klasse, spannend geschrieben und wirkliche Pagetur-ner, andere leider eher langatmig. Auch „Das flüsternde Haus“ besitzt durch den spannenden Einstieg – ein mysteriöser Filmemacher, der in einer spleenigen Villa lebt, in der es einen ver-schlossenen Raum gibt, aus dem scheinbar leise Hilferufe dringen – Potential. Interessant – insbesondere für Horrorfilmliebhaber*innen – sind auch die Diskurse, die die Figuren inner-halb des Romans über einzelne reale Horrorfilme bzw. das Filmgeschäft insgesamt führen. Trotzdem: „Das flüsternde Haus“ gehört für mich leider eher zu Henrys langatmigen Roma-nen. Was als spannende Geschichte beginnt, flacht ziemlich schnell ab, da einzelne Hand-lungselemente immer wieder wiederholt werden und die Handlung letztlich nur vor sich hin-plätschert. Über weite Strecken der Handlung putzt Harry lediglich die Requisiten Castillos (ohne in Bezug auf die Hilferufe etwas zu unternehmen), neben den Hilferufen findet sich nur noch ein weiteres Horrorelement (beide wiederholen sich im Wechsel), Rückblicke und kleine-re Konflikte, die auftreten, wirken unorganisch, da sie innerhalb der Handlung nicht wirklich aufgegriffen/gelöst werden, die Handlung also nicht voranbringen. Das Ruder hätte natürlich noch dadurch herumgerissen werden können, dass am Ende ein überraschender Twist wartet. Doch auch dies ist nicht der Fall. Zum Schluss bleibt man etwas ratlos zurück, warum der Roman ca. 400 Seiten brauchte, um zu diesem Ende zu gelangen (teilweise hatte ich das Ge-fühl, dass hier eine im Kern richtig gute Kurzgeschichte zu einem Roman aufgebläht worden ist). Der Schreibstil von Christina Henry wiederum ist gewohnt atmosphärisch und lebendig, sodass man den Roman trotz der häufigen Wiederholungen gut lesen kann. Insgesamt ist „Das flüsternde Haus“ für mich ein eher langatmiger Roman, der zwar einzelne interessante Aspek-te besitzt und lebendig erzählt wird, allerdings wenig gruselt und aufgebläht wirkt.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Ein hochwertiger "Reiseführer" für Buchliebhaber*innen

In 80 Büchern um die Welt
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„In 80 Büchern um die Welt“ ist ein Kompendium, an dem über 50 Autoren mitgearbeitet haben. Vorgestellt werden hier 80 literarische Welten, wobei ein Auswahlkriterium für die vorgestellten Büchern ist, ...

„In 80 Büchern um die Welt“ ist ein Kompendium, an dem über 50 Autoren mitgearbeitet haben. Vorgestellt werden hier 80 literarische Welten, wobei ein Auswahlkriterium für die vorgestellten Büchern ist, dass diese eine Reise zu einem literarischen bzw. realen Ort behan-deln. Diese Reisen entfalten sich in vier Kapiteln, die Epochensetzungen widerspiegeln: „Ex-peditionen und Reisen“ (Bücher, die zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. und 1897 erschie-nen sind), „Zeitalter des Reisens“ (1899 – 1953), „Postmoderne“ (1955 – 1998) und „Reisen in der Gegenwart“ (2000 – 2021). Die Auswahl der vorgestellten Werke ist dementsprechend zeitlich breit gefächert: So finden sich Klassiker wie Homers „Odyssee“, Daniel Defoes „Ro-binson Crusoe“, Bram Stockers „Dracula“, Jack Londons „Ruf der Wildnis“ oder Virginia Woolfs „Die Fahrt hinaus“ neben modernen Werken wie Paulo Coelhos „Der Alchimist“ oder Wolfgang Herrndorfs „Tschick“. Gerade in Bezug auf die Postmoderne und die Gegenwart finden sich auch vermehrt Autorinnen/Werke, die eher unbekannter sind, sodass man sich hier ggf. Anregungen für zukünftige Lektüren holen kann. Die Aufmachung des Kompendi-ums ist aufwendig sowie hochwertig: Das Buch ist ein Hardcover, die Papierstärke hoch, die vielen, farbigen, z. T. seitenfüllenden Illustrationen (Fotos, Gemälde, Karten etc.) hochauflö-send. Jedem vorgestellten Roman werden 2 – 5 Seiten gewidmet – je nachdem wie ausführ-lich der jeweilige Beitrag bebildert ist. Das bedeutet natürlich, dass die Texte über die vorge-stellten Bücher nicht in die Tiefe gehen können – meist wird inhaltlich die Reise zusammenge-fasst, Einblicke in den Entstehungsprozesses sowie z. T. Kurzanalysen zu bestimmten Einzel-aspekten gegeben; tiefschürfende literaturwissenschaftliche Einordnungen darf also man nicht erwarten. Mit anderen Worten: Hat man das vorgestellte Werk bereits gelesen, wird man we-nig Neues erfahren. Umso mehr macht „In 80 Büchern um die Welt“ allerdings neugierig auf die Reisen, Welten und Werke, die man (noch) nicht kennt. Insgesamt ist „In 80 Büchern um die Welt“ ein hochwertiges Kompendium für Buchliebhaberinnen und ein kleiner Inspirati-onsquell für zukünftige Lektüren.

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