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Veröffentlicht am 26.08.2022

Ein wendungsreicher Thriller mit einer hohen Spannungskurve

Poppy. Dein Kind verschwindet. Und die ganze Welt sieht zu. (Die Emer-Murphy-Serie 1)
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Inhalt: Gemeinsam mit ihrem Mann Jens betreibt Lotte Wiig einen erfolgreichen Blog. Hier zeigen die beiden ihren Followerinnen nicht nur die neusten Modetrends, sondern lassen sie auch am Familienleben ...

Inhalt: Gemeinsam mit ihrem Mann Jens betreibt Lotte Wiig einen erfolgreichen Blog. Hier zeigen die beiden ihren Followerinnen nicht nur die neusten Modetrends, sondern lassen sie auch am Familienleben mit ihrer zweijährigen Tochter Poppy teilhaben. Regelmäßig gibt es Updates, besonders Bilder mit Poppy generieren Likes, alles läuft gut. Bis Poppy entführt wird – nur kurz, nachdem Lotte auf Instagram ein neues Bild von ihr gepostet hat. Ist der Entführer der Stalker, der es schon länger auf Lotte und Poppy abgesehen hat? Gibt es einen Zusammenhang zu der Entführung eines anderen Kindes, das nach 12 Stunden plötzlich wieder aufgetaucht ist? Obwohl Kommissarin Emer Murphy momentan nicht arbeiten darf, steht für sie fest: Sie will Poppy finden. Doch ist Emer wirklich schon so weit, wieder in den Dienst einzutreten?

Persönliche Meinung: „Poppy. Dein Kind verschwindet und die ganze Welt sieht zu“ ist ein Thriller von Kristine Getz. Erzählt wir der Thriller aus verschiedenen personalen Erzählperspektiven (u.a. Emer Murphy, Jens und Lotte Wiig). Zusätzlich dazu werden häufig Kommentare von User
innen unterschiedlicher Foren (z.B. Lottes MamaForum) eingestreut, die sich über das Verschwinden von Lotte austauschen, wodurch sich eine besondere Dynamik ergibt. Die Spannungskurve des Thrillers ist sehr hoch: Viele Figuren sind undurchsichtig und verbergen Geheimnisse, die erst nach und nach offenbart werden. Dadurch ist fast jede Figur verdächtig und man weiß nicht, wem man wirklich trauen kann (Die Geheimnisse führen zwar dazu, dass die Figuren distanziert wirken, aber das fand ich nicht weiter schlimm. Die Spannung gleicht die Distanz allemal aus.). Gleichzeitig ist die Handlung gespickt mit falschen Fährten und unerwarteten Wendungen: Wie die Dinge in Wahrheit liegen, offenbart sich hier oftmals erst rückblickend, was für einige schöne „Aha“-Momente sorgt. Dementsprechend ist auch das Ende des Thrillers sehr überraschend. Interessant an dem Thriller ist außerdem, dass er aktuelle Themen aufgreift: das Bloggen bzw. Social Media im Allgemeinen, wobei besonders die Gefährdung der Privatsphäre, der Druck der Öffentlichkeit und das Verstellen vor der Kamera eine Rolle spielen. Der Schreibstil von Kristine Getz ist flüssig und angenehm zu lesen, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Insgesamt ist „Poppy“ ein fesselnder, wendungsreicher und ein aktuelles Thema behandelter Thriller mit einer hohen Spannungskurve.

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Veröffentlicht am 15.08.2022

Ein spannender, flüissig zu lesender Kurzroman

Die Füchse von Hampstead Heath
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Inhalt: London. Seit einiger Zeit verschwinden Jugendliche, die sich in der Umgebung von Hampstead Heath aufgehalten haben, spurlos. Zwar tauchen sie nach kurzer Zeit wieder auf, doch können sie sich nicht ...

Inhalt: London. Seit einiger Zeit verschwinden Jugendliche, die sich in der Umgebung von Hampstead Heath aufgehalten haben, spurlos. Zwar tauchen sie nach kurzer Zeit wieder auf, doch können sie sich nicht daran erinnern, was ihnen widerfahren ist. Als auch Abigail von einer Grundschulfreundin zu einem „Event“ eingeladen wird, wird sie hellhörig: Die Freundin scheint verzaubert worden zu sein, und da Peter gerade auf Einhornjagd ist, stürzt Abigail sich kurzerhand allein in die Ermittlungen…

Persönliche Meinung: „Die Füchse von Hampstead Heath“ ist ein Fantasy-Kurzroman von Ben Aaronovitch. Der Roman spielt im „Die Flüsse von London“-Universum; Peter Grant tritt aber nicht auf. Peters Rolle wird von seiner 13-jährigen Cousine Abigail Kamara übernommen, die die Handlung aus der Ich-Perspektive erzählt. „Die Füchse von Hampstead Heath“ ist in sich abgeschlossen und kann daher auch ohne Kenntnis der „Die Flüsse von London“-Reihe gelesen werden (Das Lesevergnügen ist aber ungleich höher, kennt man sich ein bisschen in dem „Die Flüsse“-Universum aus). Abigail ist – trotz ihres jugendlichen Alters – eine abgeklärte Figur, die Gleichaltrigen weit voraus ist und auch mal einen sarkastischen Ton anschlägt. Begleitet wird Abigail in ihrer ersten Soloermittlung von knuffigen Sidekicks: einer Bande sprechender Füchse, die als Undercoveragenten arbeiten. Dies läuft nicht immer nach Plan, da die Füchse einen recht unbefangenen Charakter haben und die Menschenwelt nicht völlig durchschauen – was zu einigen komischen Szenen führt. Wie auch die Hauptreihe um Peter Grant zeichnet sich Abigails Abenteuer durch eine Mischung aus Krimielementen und Fantasy aus, sodass die Handlung von „Die Füchse von Hampstead Heath“ spannend, abwechslungsreich und unvorhersehbar ist. Was mir besonders gefallen hat: Als die Aufklärung des Falls näher rückt, gibt es einige verwirrende Szenen, die – da man sie zunächst gar nicht wirklich einordnen kann – für ein paar schöne Irritationsmomente sorgen (aber keine Sorge 🙃: Schrittweise ergeben die Szenen ein stimmiges Gesamtbild). Der Schreibstil von Ben Aaronovitch ist in „Die Füchse“ vergleichbar mit den Peter-Grant-Romanen. Anders als Peter nutzt Abigail allerdings häufiger jugendsprachliche Elemente. Der Aaronovitch eigene (trockene) Humor ist aber auch in Abigails Story vorhanden. Insgesamt ist „Die Füchse von Hampstead Heath“ ein spannender, flüssig zu lesender Fantasy-Krimi, der eine schöne Ergänzung zur Hauptreihe ist.

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Veröffentlicht am 09.08.2022

Ein wirklichkeitsnaher, toll recherchierter historischer Roman

1622. Ein erbärmliches Unglück
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Inhalt: Als im Mai 1618 drei Beamte des böhmischen Königs aus einem Fenster der Prager Burg gestoßen werden, ahnt der im Hamburger Umland wohnende Jonas noch nicht, welche Konsequenzen dies für ihn haben ...

Inhalt: Als im Mai 1618 drei Beamte des böhmischen Königs aus einem Fenster der Prager Burg gestoßen werden, ahnt der im Hamburger Umland wohnende Jonas noch nicht, welche Konsequenzen dies für ihn haben wird. Doch plötzlich ziehen marodierende Soldatenbanden durch das Land, die es auch auf den Hof von Jonas’ Bruder abgesehen haben. Nur dank der Raffinesse von Jonas können sie abgewehrt werden – wodurch Johan van Valckenburgh, der gerade den Bau der Hamburger Wallanlagen leitet, auf Jonas aufmerksam wird und ihn als Späher anstellen möchte. Ehe Jonas es sich versieht, ist er mitten in den konfessionellen Wirren des Krieges…

Persönliche Meinung: „2. Juli 1622 – Ein erbärmliches Unglück. Valkenburgh und die Waffenschmuggler“ ist ein historischer Roman von Jörgen Bracker. Erzählt wird die Handlung in Tagebuchform aus der Ich-Perspektive von Jonas, der es aufgrund seiner Vergangenheit nicht immer leicht hatte, jetzt aber – unter der schützenden Hand Valckenburghs – immer stärker sein Potential entfalten kann. Fluchtpunkt des Romans ist die Explosion eines Schiffes auf der Elbe am 2. Juli 1622, deren genaue Umstände bis heute nicht völlig geklärt werden konnten. Um diese offene Frage spinnt der Historiker und Archäologe Bracker eine Handlung, die literarisch zu beantworten sucht, was zur Explosion des Schiffes geführt haben könnte. Der Roman geht allerdings noch weit über die Behandlung der Explosion hinaus. So thematisiert „2. Juli 1622“ außerdem die Abenteuer, die Jonas mit seinen Freunden in Hamburg und Umfeld erlebt, mehrere Liebesgeschichten und die Anfangszeit des Dreißigjährigen Krieges. Hierbei spielen besonders die religiösen, auch intrakonfessionellen Konfliktpunkte des Krieges und die (politische) Situation Hamburgs im Krieg eine Rolle. Der historische Hintergrund wird authentisch und wirklichkeitsnah geschildert – ohne, dass der Autor in trockenes Dozieren abdriftet. Denn: Die Ereignisgeschichte hat immer direkte Konsequenzen für die Protagonisten, sodass der historische Hintergrund lebensnah veranschaulicht wird. Zudem finden sich in der Handlung häufig Politkrimi-Elemente, die das Historische auflockern: Mehrmals spioniert Jonas die politischen Feinde in brenzligen Situationen aus; welche Allianzen überdauern, wer die Seite wechselt, ist in der brisanten Kriegssituation offen. Der Schreibstil von Jörgen Bracker ist eher hypotaktisch, reich an Beschreibungen und stellenweise verschnörkelt. Anfangs ist dies etwas ungewohnt, aber man gewöhnt sich schnell daran (außerdem wirkt der Schreibstil archaisierend, wodurch der Text auch auf Sprachebene einen historischen Touch bekommt). Der Roman schließt mit einem Nachwort („Wahr oder wahrscheinlich“), in dem der Autor die gesicherten historischen Erkenntnisse zur Explosion des Schiffes festhält. Weiterhin existieren ein Index, in dem kurz historische Ereignisse, Örtlichkeiten und auftretende Personen erklärt werden, und ein Verzeichnis mit weiterführender Literatur zum Themenkomplex „Dreißigjähriger Krieg“. Insgesamt ist „2. Juli 1622 – Ein erbärmliches Unglück“ ein kurzweiliger, wirklichkeitsnaher und toll recherchierter historischer Roman.

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Veröffentlicht am 03.08.2022

Ein Märchen für Erwachsene

Der Fönig
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„Der Fönig“ ist ein Märchen von Walter Moers, das sich an eine erwachsene Leserschaft richtet. Es handelt von einem König, der eigentlich nur einen Flohmarkt besuchen will, dann aber unversehens in einen ...

„Der Fönig“ ist ein Märchen von Walter Moers, das sich an eine erwachsene Leserschaft richtet. Es handelt von einem König, der eigentlich nur einen Flohmarkt besuchen will, dann aber unversehens in einen Krieg verwickelt wird. Die Besonderheit des Märchens ist, dass mehrfach Buchstaben im Text vertauscht werden. So ist es beispielsweise im Königreich des Fönigs gang und gäbe, dass Fs durch Ks und Ks durch Fs ersetzt werden (später kommen noch weitere Vertauschungen hinzu). Dadurch entstehen einige Wörter, die man erstmal dekodieren muss, um den Text richtig zu verstehen, was für den ein oder anderen Schmunzler sorgt. Außerdem ist das Märchen reichlich illustriert: Auf nahezu jeder Seite findet sich eine im typisch moerschen Stil gehaltene, bunte Zeichnung. Besonders zum Ende der Handlung zeigt sich, dass sich das Märchen an Erwachsene richtet. Hier wird der Humor recht derb und auch die Illustrationen sind nicht mehr jugendfrei.

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Veröffentlicht am 03.08.2022

Existentielle Betrachtungen eines Hamsters

Das Tagebuch von Edward dem Hamster 1990 - 1990
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„Das Tagebuch von Edward dem Hamster“ ist ein knapp 90 Seiten umfassendes Büchlein des Geschwisterpaares Miriam und Ezra Elia. Das Buch beginnt mit einem Vorwort des Hamsterlinguisten und -philosophen ...

„Das Tagebuch von Edward dem Hamster“ ist ein knapp 90 Seiten umfassendes Büchlein des Geschwisterpaares Miriam und Ezra Elia. Das Buch beginnt mit einem Vorwort des Hamsterlinguisten und -philosophen M. E. Nagerstein, der über den Fund des Tagebuches berichtet und ausführt, welch bahnbrechende Auswirkungen es für die Menschheit haben wird. Darauf folgen die Tagebucheinträge Edwards, in denen mal allegorisch, mal direkter Grundfragen der menschlichen Existenz verpackt sind. Die Einträge sind meist kurz, teilweise nur ein oder zwei Sätze lang, beinhalten aber eine große Tiefe. Sie handeln von Edwards „Gefangenschaft“, seiner Einsamkeit und der Gleichförmigkeit seines Lebens. Gleichzeitig beschreibt Edward aber auch seine Versuche, gegen das „System“ aufzubegehren. So benutzt er das Hamsterrad beispielsweise nur nachts, um seinen Besitzern zu zeigen, dass er nicht nach deren Nase tanzt. Dies alles erzählt Edward in einem lakonischen Ton, irgendwo zwischen Zynismus, Schwermut und Nihilismus. Bei aller Schwermut ist das Tagebuch aber auch voller Komik: Diese schleicht sich ein, da die tiefgründigen Gedanken aus der Perspektive eines Hamsters verfasst sind und somit auf das Hamsterleben übertragen werden. Neben den Tagebucheinträgen finden sich zahlreiche schwarz-weiß Graphiken, die das Leben Edwards verbildlichen. Durch seine Kürze ist „Das Tagebuch von Edward dem Hamster“ kein Buch, das zum Schmökern einlädt. Durch die Tragik und Tiefe der Einträge wird man eher dazu angeregt, über das Menschsein nachzudenken.

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