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Veröffentlicht am 29.12.2025

Eine interessante Mischung aus Märchen, Sagen und Briefen

Ein Weihnachtsabend mit den Brüdern Grimm
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“Ein Weihnachtsabend mit den Brüdern Grimm” lässt sich grob in zwei Teile gliedern. Auf der einen Seite finden wir bekannte Volksmärchen/Sagen, die die Brüder Grimm verfasst haben. So begegnen wir einerseits ...

“Ein Weihnachtsabend mit den Brüdern Grimm” lässt sich grob in zwei Teile gliedern. Auf der einen Seite finden wir bekannte Volksmärchen/Sagen, die die Brüder Grimm verfasst haben. So begegnen wir einerseits Schneeweißchen und Rosenrot, andererseits Aschenputtel und Sterntaler. Fehlen darf in einer winterlichen Textsammlung natürlich auch nicht die schneebringende Frau Holle und das im Winter spielende Märchen “Die drei Männlein im Walde” (das eine ähnliche Struktur wie “Frau Holle” besitzt). In den Sagen wiederum schauen wir Wichtelmännchen bei ihrer Arbeit zu, lernen Liebesbräuche zur Weihnachtszeit kennen und treffen auf Frau Holles volkstümliche Version Frau Holla sowie nach Christi Geburt umherziehende Werwölfe. Den zweiten Teil von “Ein Weihnachtsabend mit den Brüdern Grimm” bilden Briefe, die die Gebrüder zu unterschiedlichen Weihnachtsfesten schrieben. In einem legt Wilhelm, das Weihnachtsfest getrennt von seinem Bruder feiernd, bspw. sein Seelenleben offen, in anderen bedanken sich die Brüder für erhaltene Weihnachtsgeschenke. Geistesgeschichtlich besonders interessant sind eine Reihe von Briefen aus dem Winter 1837/38, den Jacob und Wilhelm getrennt voneinander verbrachten, da Jacob aufgrund seiner politischen Meinung des hessischen Landes verwiesen wurde (Stichwort: Göttinger Sieben). Thematisiert werden hier der Eklat, Beistandsbekundungen und der Kontakt mit hochrangigen Personen aus dem Herrscherhaus, aber auch alltägliche Dinge wie Ratschläge bei Krankheiten. Insgesamt ist “Ein Weihnachtsabend mit den Brüdern Grimm” auf diese Weise zweierlei: Einerseits - durch die Märchen und Sagen - eine Reise in die eigene Kindheit, andererseits - durch die Briefe - eine historisch interessante Quelle, durch die man die Menschen Jacob und Wilhelm besser kennenlernen kann.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Eine feierliche Einstimmung auf das Weihnachtsfest

Ein Weihnachtsabend mit Charles Dickens
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“Ein Weihnachtsabend mit Charles Dickens” versammelt weihnachtliche Texte des englischen Schriftstellers. Nicht fehlen darf dabei natürlich “Eine Weihnachtsgeschichte”, der Weihnachtsklassiker schlechthin. ...

“Ein Weihnachtsabend mit Charles Dickens” versammelt weihnachtliche Texte des englischen Schriftstellers. Nicht fehlen darf dabei natürlich “Eine Weihnachtsgeschichte”, der Weihnachtsklassiker schlechthin. “Eine Weihnachtsgeschichte” ist hier in vier schön passend ausgewählten Auszügen präsentiert: Der weltbekannte Beginn, in dem Scrooge Weihnachten verteufelt, der Besuch des Geistes der gegenwärtigen Weihnacht, die Weihnachtsfeier bei den Cratchits sowie die Auflösung der Handlung. Auch eine weitere Weihnachtserzählung Dickens, “Der Verwünschte”, findet sich auszugsweise im Band: So sind hier der Beginn, in dem ein Greis sich an vergangene Weihnachten erinnert, und das Weihnachtsfest der Tetterbys, wo die Bedeutung der Liebe für Beziehungen dargestellt wird, abgedruckt. Sowohl die Auszüge von “Eine Weihnachtsgeschichte” als auch diejenigen von “Der Verwünschte” strahlen eine schön weihnachtliche Atmosphäre aus (wobei es natürlich sinnvoll ist, die Erzählungen im Nachgang in ihrer Gänze zu genießen). Daneben befindet sich in “Ein Weihnachtsabend mit Charles Dickens” Dickens Text “Ein Weihnachtsmahl”, in welchem Dickens das Weihnachtsfest einer prototypischen englischen Familie (mit Kirchgang, Treffen mit Verwandten und Mahl) skizziert. Das Highlight des Bandes war für mich allerdings die Erzählung “Der Christbaum”. Hier erinnert ein Ich-Erzähler, sich an einem geschmückten Tannenbaum orientierend, an die verlebten Weihnachtsfeste. Dabei kommt er u.a. auf das Puppenhaus und den Springteufel, seine Spielsachen aus Kindertagen, zu sprechen, träumt sich in dazumal gelesene Geschichten wie “Rotkäppchen” oder “Ali Baba und die vierzig Räuber” ein und sinniert über gehörte Geistergeschichten, die an Weihnachtstagen erzählt wurden. Der Ton ist dabei feierlich, heimelig, träumerisch sowie wehmütig, was mir sehr gefallen hat. Insgesamt ist “Ein Weihnachtsabend mit Charles Dickens” eine feierliche Einstimmung auf das Weihnachtsfest.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Ein hochspannender Thriller, den man kaum beiseite legen kann

Safe Space
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Inhalt: Anna Salomon ist eine forensische Psychologin und hat sich dafür entschieden, in einem Hochsicherheitsgefängnis anzufangen. Hier behandelt sie skrupellose Psychopathen, provokative Sadisten und ...

Inhalt: Anna Salomon ist eine forensische Psychologin und hat sich dafür entschieden, in einem Hochsicherheitsgefängnis anzufangen. Hier behandelt sie skrupellose Psychopathen, provokative Sadisten und manipulative Serienmörder. Allerdings ist Anna nicht allein aufgrund ihres Berufs im Hochsicherheitsgefängnis: Insgeheim betreibt sie dort persönliche Ermittlungen, sucht eine Person, die eng mit einem traumatischen Ereignis aus ihrer Vergangenheit verknüpft ist - ein Umstand, der keinesfalls ans Licht kommen darf. Doch dann findet Anna plötzlich warnende Botschaften in ihrem Büro, in denen dringend davon abgeraten wird, weiterzuforschen…

Persönliche Meinung: “Safe Space” ist ein Thriller von Sarah Bestgen, der aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Einerseits findet sich die Ich-Perspektive von Anna, einer jungen Psychologin mit hoher Expertise, die gleichzeitig aber häufig von ihrer traumatischen Vergangenheit eingeholt wird. Daneben finden sich Tagebucheinträge von Sina, einer jungen Frau, die bereut, ihrer Mutter nicht während einer tödlichen Krankheit beigestanden zu haben, sowie die Ich-Perspektive von Leon, einem Versicherungsangestellten (Man merkt es vielleicht: Ich bleibe hier - wie auch schon im Inhaltsteaser - recht unpräzise. Das hängt damit zusammen, dass “Safe Space” einige schön überraschende Wendungen besitzt, die ich hier nicht spoilern möchte. Seht mir meine Vagheit bitte nach - ist nur zu eurem Besten 🙃). Spannung wird in “Safe Space” auf mehreren Ebenen erzeugt. Einerseits finden sich häufig Perspektivwechsel mit Cliffhangern, andererseits tauchen gerade im Anna-Erzählstrang einige Fragen auf, deren Antwort man unbedingt erfahren möchte: Was genau ist in Annas Vergangenheit passiert? Wer aus dem Gefängnis hat etwas damit zu tun? Und: Wer schreibt die warnenden Botschaften? In Bezug auf letztere Fragen gibt es zudem mehrere potentielle Verdächtige, sodass man als Lesende*r der Identität der Personen kaum auf die Schliche kommen kann. So wird “Safe Space” zu einer sehr fesselnden Lektüre mit Pageturnerqualitäten (Die letzten 300 Seiten des Thrillers habe ich mehr oder weniger in einem Stück gelesen). Auch die Auflösung hat mir sehr gefallen: Sie ist klug durchdacht und dadurch sehr überraschend. Wirklich ganz großes Kino! Der Schreibstil von Sarah Bestgen ist anschaulich, fesselnd und detailliert. Insgesamt ist “Safe Space” ein sehr spannender, schön durchdacht konstruierter Thriller, den man kaum beiseite legen kann.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Ein Roman mit Potential zum Weihnachtsklassiker

Merry Crisis - ein fast besinnliches Weihnachtsfest
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Inhalt: Alle Jahre wieder fährt Olivia in die Heimat, um Weihnachten bei ihren Eltern zu verbringen. Dort quartiert sich über die Weihnachtsfeiertage die gesamte Familienbande ein - inklusive dem Bruder, ...

Inhalt: Alle Jahre wieder fährt Olivia in die Heimat, um Weihnachten bei ihren Eltern zu verbringen. Dort quartiert sich über die Weihnachtsfeiertage die gesamte Familienbande ein - inklusive dem Bruder, der nur wenige hundert Meter von den Eltern entfernt wohnt, der Tante, die alles besser weiß, und dem kleinen Neffen, dem alles erlaubt wird. Dieses Mal hält das Weihnachtsfest aber noch weitere Herausforderungen bereit: Einerseits muss Olivia der Familie irgendwie erklären, dass sie nicht mehr mit ihrem langjährigen Partner zusammen ist - dramatisch für ihre Eltern, die sich Enkelkinder wünschen -, andererseits haben sich unerwartet neue Besucher für die Festivitäten angekündigt, andere bleiben überraschend fern…

Persönliche Meinung: “Merry Crisis” ist eine weihnachtliche Komödie von Eli Mell. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Olivia, einer 32-jährigen Frau, die witzig, schlagfertig und unabhängig ist, die gleichzeitig aber auch mit dem Erwartungsdruck anderer Familienmitglieder zu kämpfen hat. Die Handlung orientiert sich am Verlauf des Weihnachtsfestes (beginnend mit dem 23.12., endend am 27.12.). Hierbei wird eine schön weihnachtliche Atmosphäre erzeugt: Wir schmücken mit Olivia und ihrer Familie den Tannenbaum, besuchen den Weihnachtsgottesdienst, backen Plätzen und finden uns in der Kneipe wieder, in der über die Weihnachtstage alle Heimatgänger sind. Die auftretenden Figuren sind mit ihren Eigen- und Besonderheiten skurril gezeichnet, was mir sehr gefallen hat, da es durch die besonderen Verhaltensweisen immer wieder zu slapstickartigen, humorvollen Szenen kommt (bspw. wenn das Plätzchenbacken eskaliert). Gefallen hat mir auch, dass trotz aller Übertreibung, die man in einzelnen Charaktereigenschaften/Szenen findet, der Roman sehr relatable ist: Vermutlich hat jeder das eine Familienmitglied, das irgendwie ein bisschen “drüber” ist. Bei allem Humor finden sich gerade zum Ende der Handlung, wenn Olivia sich mit den überzogenen Erwartungen der Familie konfrontiert sieht, auch ernste Momente. Zudem gibt es in “Merry Crisis” eine kleine Liebesgeschichte sowie einzelne überraschende Wendungen, die mit Geheimnissen innerhalb der Familie zusammenhängen. Der Schreibstil von Eli Mell ist luftig-locker, eingängig und sehr humorvoll. Insgesamt ist “Merry Crisis” eine witzige Weihnachtskomödie, die ich “einfach” gerne gelesen habe - ein Roman mit Potential zum Weihnachtsklassiker!

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Sechs gruselige Weihnachtsgeschichten

Gruselige Stunden
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“Gruselige Stunden”, erschienen im DuMont Verlag, versammelt sechs winterliche Schauergeschichten namhafter Autoren. Den Auftakt macht Kiran Millwood Hargrave mit “Wirt”: Die Waise Mary lebt gemeinsam ...

“Gruselige Stunden”, erschienen im DuMont Verlag, versammelt sechs winterliche Schauergeschichten namhafter Autoren. Den Auftakt macht Kiran Millwood Hargrave mit “Wirt”: Die Waise Mary lebt gemeinsam mit ihrem Bruder Abel im Elendsviertel Jacob’s Island - doch als ein wohlhabender Mann in der Unterkunft der beiden auftaucht und Mary ein besseres Leben verspricht, scheint das ärmliche Leben ein Ende zu finden. Mary ahnt allerdings nicht, worum es dem Mann wirklich geht… “Wirt” ist eine atmosphärisch düstere Erzählung, die spannungstechnisch geschickt aufgebaut ist, da sich Hintergründe erst nach und nach entfalten; zudem findet sich eine schöne Portion Tragik. Die Grundidee, die sich bereits im Titel offenbart, ist zwar eher konventionell, trotzdem ist “Wirt” eine durchaus lesenswerte, unterhaltsame Erzählung. Es folgt “Inferno” von Laura Shepherd-Robinson, das im Italien des 18. Jahrhunderts spielt. Jasper Godolphin, ein undurchsichtiger Protagonist, sucht Zuflucht in einem auf einer Insel gelegenen ehemaligen Kloster. Dort erwartet ihn allerdings nicht - wie abgesprochen - sein bester Freund, sondern die Eigentümerin des Gebäudes und deren Diener. “Inferno” war für mich ein Highlight des Bandes: Die Bewohner des ehemaligen Klosters sind verschroben, irgendwie merkwürdig, ohne dass man dies (zu Beginn) direkt greifen könnte, sodass dichte Mystery-Vibes entstehen. Durchdacht werden Brotkrumen gelegt, die auf das Geheimnis des ehemaligen Klosters hinweisen, sodass eine schöne Spannungskurve entsteht - was es mit dem Kloster auf sich hat, wird stimmig aufgelöst. Sehr hat mir auch die folgende Erzählung “Der Herr des Hauses” (Stuart Turton) gefallen. Henry Carrow, alleinerziehender Vater, lebt gemeinsam mit seinem Sohn Thomas, dem er streng und gefühlskalt begegnet, in einem Herrenhaus. Dort erscheint eines Weihnachtstages ein Monsterwesen und nimmt Thomas mit sich; um Thomas zu retten, muss Henry in eine Anderswelt reisen. Erinnernd an Charles Dickens “A Christmas Carol” sieht Henry dort die zukünftigen Weihnachten von Thomas, die dieser nach einer Adoption erlebt. Turton gelingt hier eine einzigartige Mischung aus Horror und - mit den Beschreibungen der zukünftigen Weihnachtsfeste - Heimeligkeit; zudem findet sich am Ende der Handlung eine schöne Botschaft. Wirklich eine rundum gelungene Weihnachtserzählung! Leiser kommt Imogen Hermes Gowars “Doppelter Faden” daher: Im Fokus steht hier die Beziehung einer lebhaft arrogant dargestellten Gesellschaftsdame und ihrer Zofe; der Horror ist hier eher menschlicher Natur. Stark ist auch “Die Salzwunder” von Natasha Pulley: Flint, ein Priester, reist auf eine Insel, auf der sich derzeit Pilger aufhalten. Wunder tragen sich dort zu, doch gleichzeitig verschwinden einzelne Pilger - so wie die ursprünglichen Bewohner der Insel - spurlos, was Flint untersuchen soll. Die Geschichte besitzt eine hohe Spannungskurve, eine überraschende Auflösung sowie einen Twist am Ende. Zudem finden sich durch das spurlose Verschwinden der Pilger/Bewohner schöne Mystery-Vibes. Den Abschluss der Sammlung bildet “Verbannt” von Elizabeth Macneal. Ein Medium soll den rachedürstigen Geist von Rachel Erskine vertreiben - so will es der heimgesuchte Ehemann. Doch als das Medium Rachel Erskine beschwört, offenbart diese die Wahrheit über ihren Tod… “Verbannt” wird ebenfalls sehr atmosphärisch erzählt; besonders interessant ist, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Insgesamt ist “Gruselige Stunden” eine abwechslungsreiche Gothic-Wintergeschichten-Sammlung; die einzelnen Geschichten sind inhaltlich mal stärker, mal schwächer, aber alle sind unheimlich atmosphärisch erzählt.

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