Ein typischer "Moers"
QwertInhalt: Der Gallertprinz Qwert Zuiopü stürzt zum wiederholten Male durch ein Dimensionsloch - und ist plötzlich in Orméa. Dort hält ihn jeder für Prinz Kaltbluth, eine bekannte zamonische Romanfigur, weshalb ...
Inhalt: Der Gallertprinz Qwert Zuiopü stürzt zum wiederholten Male durch ein Dimensionsloch - und ist plötzlich in Orméa. Dort hält ihn jeder für Prinz Kaltbluth, eine bekannte zamonische Romanfigur, weshalb man Ritterliches von ihm verlangt. So muss er eine Jungfrau in Nöten retten, bei Buhurten antreten und allerlei Monster besiegen. Und das, obwohl er eigentlich keine Ahnung vom Rittersein hat. Wie gut, dass es seinen Knappen Oyo Pagenherz, das “Handbuch des Edelmännischen Ritterstandes” und die seltsame Stimme in seinem Kopf gibt, die ihm immer wieder in brenzligen Situationen beispringt…
Persönliche Meinung: “Qwert” ist ein phantastischer Roman von Walter Moers und zugleich der 12. Roman des Zamonien-Zyklus. Die Handlung des Romans ist in sich abgeschlossen, sodass man nicht zwangsläufig andere Romane aus dem Zamonien-Universum kennen muss; da aber immer mal wieder Querverweise auf andere Romane erfolgen und auch einzelne Figuren aus vorherigen Bänden auftauchen, ist es sinnvoll, sich zumindest ein bisschen im Zamonien-Universum auszukennen. Auch der titelgebende Protagonist ist kein Unbekannter: Er trat bereits in “Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär” auf - in einer sehr kleinen Nebenrolle (die Qwert-Szene aus dem “Käpt'n Blaubär” findet sich dankenswerterweise zum schnellen Nachlesen am Ende von “Qwert”). Qwert findet sich nun in einer ritterlichen Welt wieder; die Handlung gliedert sich daher in mehrere Aventiuren, ritterliche Bewährungsproben, wie der Held sie auch in der höfischen Literatur des Mittelalters bestehen muss. Diese sind in “Qwert” - in Bezug auf Handlungsorte und Figuren - sehr abwechslungsreich, kreativ und humorvoll gestaltet: So trifft Qwert, um nur kleine Appetithäppchen zu geben, auf den Medusenwächter (ein dreiköpfiges Wesen mit Vogel-, Gottesanbeterinnen- und Fledermauskopf) oder auf den Gläsernen Ritter (ein hautloser Ritter, dessen Körper in einer Glasrüstung eingefasst ist) und begibt sich zu sprechenden Orten wie den endlosen Abgrund oder die blutrote Wüste. Innerhalb der Handlung wird zudem mit dem Erzählen von Geschichten gespielt: einerseits gibt es sog. “Unwahrzus” (“unwahrscheinliche Zufälle”, wie das plötzliche Erscheinen von Figuren), andererseits die seltsame Stimme in Qwerts Kopf. Was in anderen Romanen als “billige” Deus ex machina gewertet werden könnte, funktioniert in “Qwert”, weil es stimmig in die Handlung eingebettet und später aufgelöst wird. Die Handlung lässt sich grob in zwei Teile unterteilen: Während die erste Hälfte durch ihren Ideenreichtum und abwechslungsreiche Abenteuer begeistert, zieht die zweite Hälfte den Handlungsfaden straffer, wobei es - bis zur Auflösung - einige schöne Überraschungen (inklusive alter Bekannter) gibt. Der Erzählstil von Walter Moers ist gewohnt detailliert, bildreich und farbenfroh, sodass man “Qwert” ausgesprochen flüssig lesen kann. Natürlich ist auch “Qwert” in der Tradition der anderen Zamonien-Romane wieder reichlich illustriert. Insgesamt ist “Qwert” ein fantasievolles, spannendes Leseabenteuer, das mit einzelnen erzählerischen Kniffen und witzig gezeichneten Figuren auftrumpft - ein typischer “Moers”.