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Veröffentlicht am 08.03.2021

Von Mausdingen und Menschendingen

John & Maus
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Inhalt: John wird in der Schule gehänselt, weil er klein ist. Da er einfach nicht schnell genug wächst, kommt er auf eine baummäßige Idee: Er vergräbt seine Füße in Erde, hofft auf einen Wachstumsschub ...

Inhalt: John wird in der Schule gehänselt, weil er klein ist. Da er einfach nicht schnell genug wächst, kommt er auf eine baummäßige Idee: Er vergräbt seine Füße in Erde, hofft auf einen Wachstumsschub und - tatsächlich - er schlägt Wurzeln. Dieses außergewöhnliche Phänomen bleibt natürlich nicht unbeobachtet. Bald wird eine Wissenschaftlerin auf "Johnbaum" aufmerksam und möchte durch ihn ihre Karriere ankurbeln. Aber auch ein Lehrer hat sich John als seinen Zögling auserkoren. Gut, dass es die weise Maus gibt, die John beiseitesteht.

Persönliche Meinung: "John & Maus. Auf dem Weg nach Weißnochnichtwo" ist ein philosphischer Jugendroman, dessen Hauptthema die Gelassenheit ist. John, das Menschenkind, macht sich über viele Dinge Sorgen. Er fühlt sich zu klein, weiß nicht, wie er in der Natur an Nahrung kommen soll, sorgt sich generell vor Unwägbarkeiten. Maus, die die Rolle eines Mentors annimmt, zeigt ihm, dass dies aber alles nur eine Frage der Perspektive ist. Typische Menschendinge, die das Leben nur unnötig schwer machen und worüber sich andere Lebewesen gar keine Gedanken machen. Wirklichkeit, so lehrt ihm die Maus, ist relativ. Darüber hinaus zeigt Maus John die Geheimnisse der Natur, die sich offenbaren, wenn man sich nur ruhig und sensibel der Flora, Fauna und vermeintlich leblosen Dingen gegenüber verhält. Neben Maus nehmen noch weitere Lebewesen, besonders Bäume, eine Mentorfunktion ein. Dementsprechend nehmen Dialogszenen einen großen Raum ein (der Roman basiert auf einem gleichnamigen Hörspielzyklus). "John & Maus" wird aus der Perspektive Johns erzählt (3. Person) und besteht aus vergleichsweise kurzen Kapiteln (meist ca. 1,5 bis 3 Seiten). Die Erzählweise ist eher episodenhaft. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem einzelnen Thema und ist dadurch gewissermaßen eine für sich stehende Mikroerzählung, die in eine Rahmenhandlung eingebettet ist. Der Schreibstil ist eher nüchtern, woran man sich erst etwas gewöhnen muss. Insgesamt ist "Maus & John" ein interessantes Jugendbuch, das einige spannende Ansatzpunkte zur (Selbst-)Sensibilisierung setzt und generell ein Plädoyer für die Gelassenheit ist.

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Veröffentlicht am 04.03.2021

Ein spannender Schauerroman

Die stillen Gefährten
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Inhalt: England im Jahre 1865. Elsie war glücklich. Sie hatte in Rupert Bainbridge einen fürsorglichen Ehemann gefunden und erwartet ein Kind; die Fabrik, die sie gemeinsam mit ihrem Bruder führte, prosperierte; ...

Inhalt: England im Jahre 1865. Elsie war glücklich. Sie hatte in Rupert Bainbridge einen fürsorglichen Ehemann gefunden und erwartet ein Kind; die Fabrik, die sie gemeinsam mit ihrem Bruder führte, prosperierte; einem Leben in den höheren gesellschaftlichen Kreisen schien nichts mehr im Wege zu stehen. Doch kurz nach der Hochzeit stirbt Rupert unter mysteriösen Umständen auf dem Familienanwesen "The Bridge" - und lässt die schwangere Elsie mit seiner verschrobenen Cousine zurück. Gemeinsam beziehen die beiden "The Bridge", wo sie auf ein seit Generationen verschlossenes Zimmer treffen. Als die Tür sich plötzlich öffnen lässt, offenbart der Raum seine Geheimnisse: ein uraltes Tagebuch und eine stille Gefährtin...

Persönliche Meinung: "Die stillen Gefährten" ist ein Schauerroman, der vor der historischen Kulisse des Viktorianischen Zeitalters spielt. Eine große Stärke des Romans ist seine atmosphärische Dichte, die besonders durch die Inszenierung der Handlungsorte entsteht. Nebel wogt über die Landschaften; "The Bridge" ist verwinkelt, knarzt und scheint verflucht; Fayford, das nahegelegene Dorf, ist heruntergekommen und den Bainbridges feindlich gesinnt. Der Schauer, der während der Lektüre entsteht, ist subtil: Nicht zerstückelte Leichen oder blutige Brutalität führen hier zum Grusel, sondern die titelgebenden "stillen Gefährten", lebensecht gemalte, zweidimensionale Holzfiguren, die den Bewohnern von "The Bridge" Gesellschaft leisten. Eher gemächliche Passagen wechseln sich mit spannungsgeladenen Szenen ab, wobei die Spannung/der Schauer jeweils langsam, in einem schön nervenkitzelnden Tempo aufgebaut wird. Erzählt wird die Handlung auf drei Zeitebenen und aus zwei Perspektiven. In Form eines Tagebuchs, das eine Vorfahrin Ruperts 1635 verfasste, erfahren die Leser*innen den Aufstieg der Familie Bainbridge und die Herkunft der stillen Gefährten. Der zweite Handlungsstrang spielt 1865/66 hauptsächlich auf "The Bridge" und wird aus Elsies Perspektive (dritte Person) erzählt. Über den dritten Handlungsstrang möchte ich gar nicht zu viel verraten. Nur so viel: Er spielt in einer Nervenheilanstalt zu einem nicht näher definierbaren Zeitraum (ungefähr ein, zwei Jahr) nach Elsies Erlebnissen in "The Bridge". Der Wechsel der Handlungsstränge erfolgt in einem schönen, Spannung erzeugenden Tempo. Interessant ist außerdem, dass der Roman den LeserInnen einen Interpretationsspielraum lässt - einige Antworten bleiben bewusst vage, einige Fragen offen, sodass man sich nicht vollends sicher sein kann, was auf "The Bridge" tatsächlich passiert ist. Insgesamt ist "Die stillen Gefährten" ein atmosphärisch dichter Roman, der subtile Schauerakzente setzt und durch mehrere Handlungsstränge Spannung erzeugt.

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Veröffentlicht am 04.03.2021

Gefangen im Keller

Zombie Zone Germany: XOA
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Inhalt: Xoa und Lei befinden sich in den Fängen "des Mannes". Regelmäßig müssen die beiden Prüfungen absolvieren. Denn: "Der Mann" will wissen, ob die beiden jungen Frauen Engel sind - und keine Dämonen. ...

Inhalt: Xoa und Lei befinden sich in den Fängen "des Mannes". Regelmäßig müssen die beiden Prüfungen absolvieren. Denn: "Der Mann" will wissen, ob die beiden jungen Frauen Engel sind - und keine Dämonen. Acht Jahre lang haben Xoa und Lei jede Prüfung bestanden. Doch von der letzten ist Lei nicht zurückgekehrt. Xoa bleibt allein zurück.

Persönliche Meinung: "Xoa" von Lisanne Surborg ist eine Novelle, die in der Reihe "Zombie Zone Germany" erschienen ist. Interessant an "Xoa" ist, dass das Überthema "Zombieapokalypse" aus einem alternativen Blickwinkel beleuchtet wird: Nicht die Zombies stehen im Vordergrund, sondern zwei Mädchen/Jugendliche, die während der Apokalypse von einem Menschen gefangengehalten werden (Leider haben sich ein paar Rezensenten an diesem Punkt festgebissen (mit Kurzrezensionen à la "Da kommen ja kaum Zombies vor. Schlecht."), sodass es für "Xoa" - zu Unrecht - einige negative Bewertungen gibt.) Tatsächlich gewinnt "Xoa" durch die weitestgehende Absenz von Zombies an Qualität (und die Szenen, in denen Zombies auftauchen, an Stärke). Xoa und Lei sind nämlich vor der Apokalypse gekidnappt worden, sodass sie von der Zombieinvasion gar nichts wissen und von einem normalen Leben träumen - sollten sie denn jemals freikommen. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Xoa. Der neuralgische Punkt der Handlung ist der 2. Juli 2022 - jener Tag, an dem Lei ihre Prüfung nicht bestanden hat und sich für Xoa alles ändert. Um dieses Datum entfalten sich zwei Handlungsstränge. Der breitere der beiden Stränge behandelt Xoas Leben ohne Lei, wobei Xoa nun verstärkt "dem Mann" ausgeliefert ist. Zwischendurch findet sich ein zweiter Handlungsstrang, der blitzlichtartig Xoas und Leis Gefangenschaft beleuchtet, wobei auch offenbart wird, was es mit dem "Scheitern" von Leis Prüfung auf sich hat. Besonders gut hat mir gefallen, wie diese Szene beschrieben wird: Xoa, aus deren Perspektive ja die Handlung erzählt wird, versteht die Situation nämlich nicht gänzlich, sodass die Szene einen eher vagen Ton erhält und an Tiefe gewinnt. "Xoa" ist insgesamt eine anspruchsvolle, alternative Zombiegeschichte, in der sich Elemente von Horror, Dystopie und Thriller vermengen.

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Veröffentlicht am 23.02.2021

Hamoulimepp? Humbug!

Weihnachten auf der Lindwurmfeste
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"Weihnachten auf der Lindwurmfeste" ist in Form eines Briefes verfasst. Der große zamonische Dichter Hildegunst von Mythenmetz berichtet hier dem Buchhaimer Antiquar Hachmed Ben Kibitzer von dem wichtigsten ...

"Weihnachten auf der Lindwurmfeste" ist in Form eines Briefes verfasst. Der große zamonische Dichter Hildegunst von Mythenmetz berichtet hier dem Buchhaimer Antiquar Hachmed Ben Kibitzer von dem wichtigsten Fest der Lindwürmer: Hamoulimepp, das eine Mischung aus unserem Weihnachtsfest, Nikolaus und Silvester ist. So basiert das Fest auf der Legende des Hamoulimepp, der zusammen mit Mepp, der - je nach Tradition - ein Knecht/Knappe/Sohn/Dorftrottel/Schornsteinfeger ist, die Lindwurm-Kinder beschenkt, es gibt spezielle Stein-(Tannen)-Bäume und der Abschluss des Festes wird mit einem feuerlosen Feuerwerk gefeiert. Es gibt also keine Handlung im herkömmlichen Sinne; "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" ist eher ein Bericht über das Fest. Generell lässt Hildegunst kein gutes Haar an Hamoulimepp (wie schon der Untertitel "Warum ich Hamoulimepp hasse" andeutet). Hamoulimepp ist für ihn eine kindische Narretei, die er mal als pädagogisch fragwürdig, mal als eklig, häufig als irrational ansieht. Sein Spott ist dabei humorvoll bis zynisch. Zum Ende hin wird Hildegunst allerdings doch noch sentimental. In "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" lernt man - über Hamoulimepp hinaus - weitere Aspekte der Lindwurm-Kultur kennen, die eine schöne Ergänzung zum "Zamonien-Zyklus" sind. Das Werk selbst ist in zwei Teile aufgebaut. Der eigentliche Brief Hildegunsts umfasst ca. 50 Seiten. Der restliche Raum ist mit detaillierten, mehrfarbigen Illustrationen geschmückt. So finden sich auf 31 Seiten die sog. Taxonomischen Tafeln, die einzelne Dinge, die Hildegunst im Brief anspricht, in Bildform aufzeigen. "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" ist außerdem sehr hochwertig verarbeitet (Hardcover, Schutzumschlag, durchweg mehrfarbige Illustrationen von Walter Moers und Lydia Rode, die einzelnen Seiten sehen wie Briefseiten aus, die Schriftart erinnert an Handschrift). Insgesamt ist "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" ein schönes Geschenkbuch für Zamonien-Fans. Man sollte es allerdings erst lesen, wenn man schon einige Zamonien-Bücher kennt. Sonst ist vermutlich die Enttäuschung zu groß, weil es (auch aufgrund seiner Kürze) nicht den Anspruch hat, an die Großwerke Moers' heranzureichen.

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Veröffentlicht am 23.02.2021

Ein spannender Mystery-Horror-Roman mit einer interessanten Erzählweise

Mörderische Renovierung
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Inhalt: Unverhofft erbt der Student A. ein großes Vermögen von seinem entfernten Cousin, der Selbstmord begangen hat. Inbegriffen im Erbe ist ein großes Herrenhaus in Virginia, das A. mit seiner Freundin ...

Inhalt: Unverhofft erbt der Student A. ein großes Vermögen von seinem entfernten Cousin, der Selbstmord begangen hat. Inbegriffen im Erbe ist ein großes Herrenhaus in Virginia, das A. mit seiner Freundin Niamh bezieht. Doch das Haus entpuppt sich als baufälliger Irrgarten. Außerdem berichten Nachbarn von Geistererscheinungen und einer mysteriösen Männergesellschaft, die sich bereits seit drei Generationen dort trifft. Bald fühlt auch A. sich beobachtet und wirre Träume plagen ihn...

Persönliche Meinung: Eine Besonderheit von "Mörderische Renovierung" ist die innovative Erzählweise. Es gibt hier keine durchgehende, übergeordnete Erzählinstanz im herkömmlichen Sinne; erzählt wird die Handlung durch eine Vielzahl von Dokumenten, die ein anonymer Herausgeber gesammelt hat: Tägebucheinträge A.s', Briefe an seine Tante Liza, Notizen von Niamh (Niamh ist stumm und verständigt sich mit einem Notizblock), A.s' Traumjournal, (fiktionale) Fachliteratur und Kameraaufnahmen - um nur die häufigsten Dokumente zu nennen. Die Erzählweise ist dadurch gewollt diskontinuierlich, weshalb die Leser*innen gefordert sind, kleinere Handlungslücken zu schließen. Besonders zu Beginn erinnert "Mörderische Renovierung" an eine klassische "Haunted House"-Horrorgeschichte, doch mit der Zeit wird die Handlung komplexer und entwickelt sich darüber hinaus. Im Fokus steht dabei das Geheimnis um die mysteriöse Männergesellschaft. Dabei treten verstärkt Rätsel in den Vordergrund, die der ehemalige Hauseigentümer hinterlassen und mit verschiedenen Codes verschlüsselt hat. Der Sinn und Zweck der Gesellschaft hat mir sehr gut gefallen, weil er einerseits innovativ, andererseits aber auch sehr interessant ist (mehr kann ich nicht verraten :D). Die beiden Protagonisten, A. und Niamh, sind ebenfalls schön gezeichnet. Beide sind rotzfrech, unbekümmert und brechen bzw. parodieren durch ihr Verhalten/ihre Reaktionen auf die unheimlichen Phänomene Strukturmuster klassischer Geistergeschichten. Das Ende ist durchaus überraschend und hält einige Twiste bereit. Allerdings: Es stellt das Gelesene dermaßen auf den Kopf, dass ich lange überlegt habe, ob die Handlung überhaupt noch stimmig ist. Ich bin auch zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen (Der Herausgeber gibt an, dass die erste Seite des Textes fehlt. Meine Theorie ist, dass dort irgendwas steht, was alles eingerenkt hätte, aber den Inhalt dieser Seite können wir natürlich nicht wissen). Ein Effekt vom Grübeln war allerdings, dass ich einen Alptraum hatte, der dem von A. ähnelte, und das spricht natürlich wieder für den Horror-Aspekt des Romans :D Trotz der semi-fraglichen Stimmigkeit des Endes ist "Mörderische Renovierung" ein spannender Mystery-Horror-Roman, der eine besondere und innovative Erzählart aufweist.

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