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Veröffentlicht am 22.12.2020

Ein spannendes Forschungsfeld

Antikenrezeption in der Science Fiction
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„Antikenrezeption in der Science Fiction“ ist ein Sammelband, der 2019 von dem Althistoriker Dr. Michael Kleu herausgegeben worden ist. Der Band versammelt sieben Aufsätze, die auf einer Tagung basieren, ...

„Antikenrezeption in der Science Fiction“ ist ein Sammelband, der 2019 von dem Althistoriker Dr. Michael Kleu herausgegeben worden ist. Der Band versammelt sieben Aufsätze, die auf einer Tagung basieren, die im Mai 2015 an der Universität zu Köln stattgefunden hat. Zunächst nähert sich Michael Kleu in einem einleitenden Beitrag der Thematik „Antikenrezeption in der Science Fiction“ an, indem er Gründe für die Verbindung von Antike und Science Fiction nennt. Im zweiten Aufsatz „Platons Raumschiff. Gedanken über den Einfluss der Antike auf die Science Fiction“ diskutiert Frank Weinreich auf einer grundlegenden Ebene die Verflechtungen von Antike und Science Fiction (kulturelle Grundlage der Antike; Einfluss und Diskussion von Überlegungen von antiken Autoren wie Polybios oder Aristoteles in Science Fiction-Werken, Aufnahme von antiken Motiven). Weiterhin leitet er in Bezugnahme auf den Begriff „Phantastik“ ausführlich eine Definition des Begriffes Science Fiction her (verstanden als „phantastische Geschichten, deren irreale Anteile den wissenschaftlichen Erkenntnisstand der Autorinnen und Autoren nicht widersprechen“ (S. 22)). Der folgende Aufsatz ,„…such hybrid things as the ungainly Palmyrene sculptures fashioned in the Roman style“. H.P. Lovecraft, Oswald Spengler und die Berge des Wahnsinns“ von David Engels beschäftigt sich primär mit Lovecrafts Antikenrezeption in „Berge des Wahnsinns“, wobei das hintergründige geschichtsphilosophische Konzept des Werkes aufgedeckt wird. Dieses, so die These von Engels, beruhe auf Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“. Bei der Interpretation von „Berge des Wahnsinns“ geht Engels vergleichend vor, indem er Lovecrafts Werk textuell nach Bezügen zu Spengler und der Geschichte des Römischen Reichs abklopft. Es folgt ein Aufsatz von Christian Weigel, der sich mit Robert A. Heinleins „Starship Stroopers“ auseinandersetzt, in dem innerhalb der Handlung antike Schriften zu illustrativen Vergleichszwecken herangezogen werden. Im nächsten Beitrag beschäftigt sich Michael Kleu mit der „Antikenrezeption in ausgewählten Kurzgeschichten Isaac Asimovs“, welcher sich privat sehr für die Antike interessierte. Im Fokus stehen zwei Kurzgeschichten Asimovs: 1. „Geschichte eines Helden“, in der eine Figur auftritt, die z.T. von Demetrios Poliorketes, einem Diadochen Alexander des Großen inspiriert ist; und 2. „Das Chronoskop“, in der ein Professor für Alte Geschichte mithilfe der Chronoskopie (audiovisuelle Rückschau in die Vergangenheit) einen Blick auf Karthago werfen möchte. Besonders in der letzten Kurzgeschichte wird, wie Kleu aufzeigt, häufig Bezug auf die althistorische Forschung genommen. Simon Lentzsch thematisiert die „Antikenrezeption in Tad Williams‘ „Otherland“‘, das vor Verweisen auf die Antike strotzt, die Lentzsch auf drei Ebenen ausbreitet (1. virtuelle Welten, also Handlungsorte, die an die Antike angelehnt sind; 2. Figuren, die auf antike Gestalten Bezug nehmen; 3. explizite Behandlung antiker Motive, Texte und Stoffe durch Figuren in „Otherland“). Der letzte Beitrag „Die Romanisierung Hollywoods“ von Sebastian Huhnholz schlägt den Bogen zu US-amerikanischen Filmproduktionen. Huhnholz stellt fest, dass klassische Erzählmuster in US-amerikanischen Produktionen eher hybriden, uneindeutigen Mustern (kein festes Gut-Böse-Schema; moralische Uneindeutigkeit) gewichen sind. Damit einher gehe auch eine Romanisierung der Filme, mit dem Ziel, die eigene (hier: US-amerikanische) Identität und Herausforderung vor dem Hintergrund eines historischen Imperiums zu reflektieren, was einer Politisierung der Filme Vorschub leiste. Abschließend diskutiert Huhnholz ausführlich an ausgewählten Filmen (z.B. „Star Trek“) diese US-amerikanische Form der Selbstreflexion. Der Sammelband ist mit vielen Fußnoten und Literaturangaben ausgestattet, sodass man bei Interesse weiterführende Literatur finden kann. Ein großes Verdienst des Sammelbandes ist, dass er ein geschichtskulturelles Feld beackert, das bisher noch weitgehend unerforscht ist.

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Ein Überblick über das Räuchern

Räuchern in Winterzeit und Raunächten
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„Räuchern in Winterzeit und Raunächten“ setzt sich aus vier Kapitel zusammen. Im ersten Kapitel „Kult zwischen Naturerleben und religiösem Brauchtum“ wird das Thema „Räuchern“ historisch betrachtet. So ...

„Räuchern in Winterzeit und Raunächten“ setzt sich aus vier Kapitel zusammen. Im ersten Kapitel „Kult zwischen Naturerleben und religiösem Brauchtum“ wird das Thema „Räuchern“ historisch betrachtet. So wird der kulturelle Jahresrhythmus der Kelten, Germanen und Christen angesprochen und das „Rad des Jahres“ mit seinen Festen vorgestellt. Daneben werden Räuchertraditionen (das Ausräuchern des Stalles) und (persönliche) Zwecke des Räucherns angeschnitten. Das zweite Kapitel „Der Weg durch das Jahr“ beschäftigt sich verstärkt mit der Herbst- und Winterzeit. So werden die „sechs Zeit-Qualitäten des Winters“ näher vorgestellt (Herbstbeginn, Allerheiligen, Advent, Raunächte, Epiphanias und Mariä Lichtmess). Dabei wird sowohl die mystische Seite des Zeitabschnittes vorgestellt, als auch wie dieser Zeitabschnitt (basierend auf dieser mystischen Seite) im alltäglichen Leben eine Rolle spielen kann. Im Kapitel „Die Raunächte“ wird jede einzelne der titelgebenden Nächte stärker fokussiert. Ziel des Räucherns in den Raunächten sei es, durch das Spüren des Rauches wieder näher zu sich selbst zu finden. Für jede Raunacht wird ein meditativer Impuls und spezielle Tages-Fragen vorgeschlagen. Ergänzt wird dies durch persönliche Erlebnisse einer Person, die sich selbst während der Raunächte reflektierte. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit Materialien und Räucherstoffen. Dabei werden unterschiedliche Arten des Räucherns vorgestellt (Stövchen oder Kohle) und Tipps zur Auswahl und Mischung von Räucherwerk gegeben. „Räuchern in Winterzeit und Raunächten“ ist außerdem mit vielen hochauflösenden Fotos bebildert. Insgesamt gibt das Buch spannende Anreize und einen sehr guten Überblick über das Räuchern. Oft hatte ich allerdings das Gefühl, dass eher an der Oberfläche gekratzt wird und das Räuchern noch tiefergehend hätte vorgestellt werden können.

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Eine komplexe Erzählung

Lichternacht
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Inhalt: Am 24. Dezember 2002 treffen sich ein paar Freunde, um eine Hochzeit zu feiern. Während die Gäste auf das Erscheinen der Braut warten, erzählt der Bräutigam eine unglaubliche Geschichte seiner ...

Inhalt: Am 24. Dezember 2002 treffen sich ein paar Freunde, um eine Hochzeit zu feiern. Während die Gäste auf das Erscheinen der Braut warten, erzählt der Bräutigam eine unglaubliche Geschichte seiner Vergangenheit, die keiner von ihnen zuvor gehört hat.

Persönliche Meinung: „Lichternacht“ ist eine Weihnachtsgeschichte von knapp 20 Seiten. Sie besteht strukturell aus einer Rahmenhandlung und einer Binnenerzählung. Die Rahmenhandlung wird aus der Ich-Perspektive eines Gastes erzählt, während die Freunde auf die Braut warten. Die Binnenerzählung wiederum wird aus der Ich-Perspektive des Bräutigams erzählt, spielt allerdings 25 Jahre vor der Rahmenhandlung. Interessant ist dabei, dass sich – wenn auch nur für einen kurzen Moment – beide Erzählebenen zu überlagern scheinen. Die Binnenerzählung spielt – ebenso wie die Rahmenhandlung – zur Weihnachtszeit. Auf die Handlung der Binnenerzählung möchte ich nicht weiter eingehen, da die Spoilergefahr aufgrund der Kürze der Erzählung zu groß ist. Nur so viel: Trotz ihrer Kürze ist die Weihnachtsgeschichte vergleichsweise komplex, literarisch anspruchsvoll und deutungsoffen. Im Anhang des Büchleins findet sich ein Essay von Michaela Kopp-Marx, der ungefähr die gleiche Länge von „Lichternacht“ besitzt. In ihrem Essay interpretiert Kopp-Marx „Lichternacht“ vor dem Hintergrund der Abschieds- und Übergangsthematik, womit sie einzelne, bewusst deutungsoffene Stellen in „Lichternacht“ erklärt. Der Essay hilft insgesamt, „Lichternacht“ besser zu verstehen, allerdings muss man vorsichtig sein, inwiefern der eher deutungsoffene Text mithilfe der Abschieds- und Übergangsthematik zu stark vereinheitlicht wird.

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Veröffentlicht am 10.12.2020

Eine Einführung in die literarischen Wunderländer

Wonderlands
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"Wonderlands", herausgegeben von Laura Miller, ist eine Zusammenstellung von 100 Essays, die sich mit literarisch-imaginierten Ländern beschäftigen. Damit sind Handlungsorte gemeint, die von "unserer" ...

"Wonderlands", herausgegeben von Laura Miller, ist eine Zusammenstellung von 100 Essays, die sich mit literarisch-imaginierten Ländern beschäftigen. Damit sind Handlungsorte gemeint, die von "unserer" Welt und ihren Regeln abweichen, also "Wonderlands" sind. Ein "Wonderland" im Sinne des Buches muss aber keine Utopie sein; auch Dystopien werden thematisiert. Die beiden großen Genres, die im Sachbuch thematisiert werden, sind Science Fiction und Fantasy/Phantastik. Dabei werden sowohl klassische als auch zeitgenössische Werke vorgestellt ("Wonderlands beginnt mit dem "Gilgamesch-Epos" und endet mit Salman Rushdies "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte"). Es ist in fünf Kapitel unterteit. Das erste Kapitel "Alte Mythen & Legenden" deckt den Zeitraum von 1750 v. Chr. bis 1666 n. Chr. ab und behandelt Texte wie "Die Göttliche Komödie" oder "Don Quijote". Das zweite Kapitel "Wissenschaft & Romantik" beschäftigt sich mit Klassikern des 18. und 19. Jahrhunderts ("Alice im Wunderland"; "Die Schatzinsel"). Kapitel 3 "Das goldene Zeitalter der Fantasy" (1901-1945) thematisiert, wie der Titel schon sagt, hauptsächlich Fantasy-Bücher ("Peter Pan"; "Mumins lange Reise"). "Neue Weltordnung" (1946-1980), das vierte Kapitel von "Wonderlands" stellt Texte unterschiedlichster Art vor ("Der Herr der Ringe", "Schlachthof" von K. Vonnegut oder W. Goldmanns "Die Brautprinzessin". Kapitel 5 "Das Computerzeitalter" (1981-heute) ist ebenfalls mit "Harry Potter", den "Scheibenwelt"-Romanen, H. Murakamis "1Q84" oder B. Atxagas "Obabakoak" breit gefächert. Es werden sowohl altbekannte Klassiker als auch Werke thematisiert, die man weniger auf dem Schirm hat, sodass "Wonderlands" eine schöne Fundgrube für Geheimtipps ist. Geographisch decken die ausgewählten Werke hauptsächlich den englischsprachigen Raum ab. Ziel des Werkes ist es, einen essayistischen Überblick über das jeweilige Werk zu geben. So besitzen die einzelnen Essays meist einen Umfang von 3 Seiten. Die Essays sind ähnlich aufgebaut: Sie informieren über die jeweilige Autor*in, geben eine kurze Inhaltsangabe des Werkes und bestimmen kurz den literar- und kulturhistorischen Wert. Zusätzlich dazu sind die Essays reich bebildert; teilweise mit Doppelseiten (Cover, Karten, Gemälde/Filmausschnitte, die auf dem Werk basieren etc.). "Wonderlands" ist insgesamt eine schön aufbereitete, informative und breit gefächerte Fundgruppe, die Werke mit fantastischen Welten näher vorstellt.

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Veröffentlicht am 10.12.2020

Eine kleine Weihnachtskomödie

Es ist ein Elch entsprungen
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Inhalt: Bei Familie Wagner ist es gerade richtig schön weihnachtlich. Es schneit, Orangenschalen verbreiten einen weihnachtlichen Duft und Bertil singt gemeinsam mit seiner Schwester Kiki und seiner Mutter ...

Inhalt: Bei Familie Wagner ist es gerade richtig schön weihnachtlich. Es schneit, Orangenschalen verbreiten einen weihnachtlichen Duft und Bertil singt gemeinsam mit seiner Schwester Kiki und seiner Mutter Weihnachtslieder. Doch dann passiert es: Ein Elch kracht durch die Wohnzimmerdecke. Ein Elch vom Weihnachtsmann, der sprechen kann.

Persönliche Meinung: "Es ist ein Elch entsprungen" ist eine Weihnachtskomödie in Form einer Novelle. Sie umfasst knapp 70 Seiten. Nicht die Rentiere, die den Schlitten des Weihnachtsmannes an Heiligabend ziehen, stehen hier im Vordergrund, sondern (in Person von Mr. Moose) die Elche, die den Schlitten, der das ganze Jahr über nur herumstand, vor seinem großen Auftritt erstmal Probe fahren müssen. Erzählt wird sie aus der Perspektive von Bertil Wagner, der die Erlebnisse mit Mr Moose, so der Name des Elchs, humorvoll schildert. Die Komik der unterschiedlichen Szenen beruht besonders auf den lakonischen Kommentaren Bertils, die den situativen Witz nicht unnötig breittreten, sondern für sich sprechen (und stehen) lassen. Auch die Nebencharaktere sind skurril: Wie beispielsweise Kiki, Bertils Schwester, die krampfhaft ihr Allgemeinwissen mitteilen muss - auch wenn die Situation unpassend ist. Die Figur des Weihnachtsmannes (hier: Santerklaus genannt und geschrieben) ist ebenfalls nicht so, wie man ihn kennt: Zumindest zu Beginn ist er recht ruppig und Omas Kirschlikör nicht abgeneigt. Mr Moose, der sprechende Elch, ist in diesem Figurenpersonal bzgl. Emotionen und Ansichten - ironischerweise - die am wenigsten skurril gezeichnete Figur. Durch den Weihnachtswunsch Bertils kommt ein ernster Zug in die Geschichte, der allerdings etwas im Hintergrund verbleibt (die Erfüllung des Wunsches bleibt zudem vage/offen). Insgesamt ist "Es ist ein Elch entsprungen" aber eine schöne Weihnachtsgeschichte mit komödienhaften Szenen.

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