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Veröffentlicht am 31.10.2020

Ein gefühlvoller Jugendroman

Dort, wo die Sterne im Wasser leuchten
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Inhalt: Durch einen Umzug möchte Skyler ihrer Vergangenheit entkommen. Ihr damaliger bester Freund Matthew ist, als beide noch Kinder waren, in einem See ertrunken. Doch Matthew begleitete Skyler weiter, ...

Inhalt: Durch einen Umzug möchte Skyler ihrer Vergangenheit entkommen. Ihr damaliger bester Freund Matthew ist, als beide noch Kinder waren, in einem See ertrunken. Doch Matthew begleitete Skyler weiter, sie sah und redete mit ihm. Als dies auf unschöne Art in ihrer alten Schule publik wurde, begann das Mobbing. Nun, auf der neuen Schule, läuft es insgesamt besser. Doch dann lernt sie Damian kennen, der haargenau so aussieht wie der Matthew in Skylers Träumen. Das Problem: Damian ist unsympathisch und im Verhalten ganz anders als Matthew.

Inhalt: „Dort, wo die Sterne im Wasser leuchten“ ist ein New Adult-Roman/Jugendbuch mit Mystery-Elementen. Es thematisiert eine Vielzahl von unterschiedlichen und aktuellen Themen. Ohne zu viel von der Handlung wegnehmen zu wollen: Es geht um Freundschaft, Liebe, psychische Erkrankungen, Mobbing, Trauer, Vertrauen und Vergebung. Die Handlung spielt in zwei amerikanischen Kleinstädten, wobei in einem Fall auch das Destruktive des Kleinstädtischen, wo jeder jeden kennt, beleuchtet wird. Erzählt wird „Dort, wo die Sterne im Wasser leuchten“ aus der Perspektive Skylers, die, wie auch die anderen handelnden Figuren, plastisch und authentisch charakterisiert ist. Generell ist kaum eine Figur ist eindimensional, stereotyp oder entwicklungsarm gezeichnet. Im Gegenteil: Fast jede Figur hat eine sensible Seite, die sich zwar zunächst versteckt, sich irgendwann aber zeigt, wodurch die Figuren eine große Tiefe erhalten. Der Erzählstil ist außerordentlich flüssig, einfühlsam und gefühlvoll und lässt sich daher kurzweilig lesen. „Dort, wo die Sterne im Wasser leuchten“ war mein erster New Adult-Roman und ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, was auf mich zukommt und ob mir das Genre überhaupt gefallen wird. Die Sorge legte sich allerdings schnell. Nach kurzer Zeit ertappte ich mich dabei, wie ich mit Skyler und ihren Freund*innen mitfieberte und mitfühlte. Auch die Liebesgeschichte, die sich zwischen zwei der Figuren langsam entwickelt, war authentisch und gefühlvoll aufgebaut. Insgesamt ist „Dort, wo die Sterne im Wasser leuchten“ ein emotionsgeladenes Jugendbuch mit tollen Charakteren, das viele wichtige Themen beinhaltet und sprachlich schön geschrieben ist.

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Veröffentlicht am 31.10.2020

Ein komplexer Artusroman

Parzival I und II
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Inhalt: Parzival und seine Mutter Herzeloyde leben fernab der Ritterwelt in der Waldeinöde, da Herzeloyde nicht möchte, dass Parzival das Schicksal seines Vaters ereilt. Doch als Parzival zufällig einer ...

Inhalt: Parzival und seine Mutter Herzeloyde leben fernab der Ritterwelt in der Waldeinöde, da Herzeloyde nicht möchte, dass Parzival das Schicksal seines Vaters ereilt. Doch als Parzival zufällig einer Gruppe von Rittern begegnet, ist es um ihn geschehen: Sie zunächst für himmlische Wesen haltend, erwächst in ihm der Wunsch, selbst in die Welt auszuziehen und Ritter zu werden. Höfische Tugenden sind dem isoliert aufgewachsenen Parzival fern, sodass sein Weg in die Artusgesellschaft und (später) in die Gralsgemeinschaft steinig wird.


Persönliche Meinung: Der „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach ist ein komplexer mittelhochdeutscher Versroman. Dies liegt einerseits daran, dass er anders als andere Versromane („Iwein“ oder „Erec“) nicht nur einen Ritter-Protagonisten besitzt, sondern neben dem titelgebenden Parzival noch zwei weitere: 1. Gahmuret, den Vater Parzivals, durch den die Herkunft Parzivals erzählt wird; 2. Gawan, der Höfischste aller Artusritter, dessen Handlungsbogen in seiner Breite mit dem von Parzivals vergleichbar ist und der (in Abgrenzung zu Parzival) keinen religiösen, sondern einen weltlichen Weg geht. Andererseits bricht „Parzival“ mit zeitgenössischen Erzählmustern. Als Strukturmerkmal des höfischen Artusromans wird in der germanistischen Forschung häufig der Doppelweg genannt (verkürzt gesagt: Der Ritter zieht aus, bestreitet episodische Aventiuren (=ritterliche Bewährungsproben), gewinnt so Frau und ére/Ehre, kehrt beim Artushof als scheinbar ehrenvoll ein, gerät dort aber in eine Krise und erkennt seine Verfehlungen im 1. Aventiureweg, sodass er erneut auszieht, bestreitet parallele Aventiuren und erhält so die immerwährende ére, was einem Happy End gleichkommt). „Parzival“ macht das bedingt anders: Zwar existieren einzelne Hinweise auf einen Doppelweg (episodische Aventiuren; Krise am Höhepunkt, bedingt parallele Konstruktion der beiden Wege), doch besitzt „Parzival“ kein direktes Happy End, seine Verfehlung wird nicht 100%ig deutlich, der doppelte Cursus ist komplexer und neben Parzival gesellt sich Gawan als ebenbürtiger Protagonist. Auch die Handlung ist vergleichsweise komplex: Sie ist in einem hohen Grad durchkomponiert und – was mich besonders überrascht hat – beinhaltet einzelne Aufdeckungen, die an ein modernes anachronistisches Erzählen erinnern. Man muss den „Parzival“ also mindestens zweimal lesen, um ihn in voller Gänze verstehen zu können (tatsächlich ist es so, dass man ihn, je öfter man ihn liest, umso mehr liebt). Mich hat an „Parzival“ besonders das Hervortreten des Erzählers begeistert. Dieser stellt sich in einzelnen Episoden in den Fokus und erläutert selbstbewusst, wieso er die gerade gelesene Szene so und nicht anders erzählt hat. Ich möchte in diesem Kontext nur kurz auf den Prolog eingehen, in dem der Erzähler ein recht modernes und (für das Mittelalter) progressives Selbstverständnis offenbar: Metaphernreich führt er dort aus, dass eine Geschichte nicht schwarz-weiß sein könne, sondern auch immer Grautöne vorhanden seien (was sich übrigens in den Protagonisten von „Parzival“ widerspiegelt). Die Vergleiche, die er im Prolog nennt, um diese These bildhaft zu untermauern, seien für „tumbe liute“ (salopp: für Einfältige) zu schwer. Wie diese Vergleiche werde auch seine Erzählung zwischendurch ausweichen, sich umkehren. Mit anderen Worten: hakenschlagen. Das hakenschlagende Erzählen ist im „Parzival“ Programm: Am Ende bleiben einzelne Fragen offen; es wird anachronistisch erzählt, bestimmte Handlungen erscheinen unmotiviert, bisweilen scheint die Handlung wirr, der Gawan-Parzival-Wechsel ist abrupt. Der Interpretationsspielraum ist dementsprechend groß, sodass Generationen von Germanisten am „Parzival“ herumgedeutet haben, nach Sinn suchten und ihre Deutungsansätze erklärten. Die Ausgabe vom Deutschen Klassiker Verlag umfasst zwei Bände, in der sich sowohl der mittelhochdeutsche Text als auch eine neuhochdeutsche Übersetzung finden. Der zweite Band besteht aus einem Stellenkommentar (360 Seiten!), einem Personenverzeichnis und einem kurzen wissenschaftlichen Beitrag, der in Autor, Werk, Interpretationsansätze und Rezeption einführt.

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Veröffentlicht am 31.10.2020

Eine schöne Gedichtsammlung

Weihnachtsgedichte
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„Weihnachtsgedichte“ ist eine Anthologie von 59 Gedichten, die von Stephan Koranyi zusammengestellt worden ist. Inhaltlich drehen sich die Gedichte – wie der Titel schon sagt - um die Advents- und Weihnachtszeit ...

„Weihnachtsgedichte“ ist eine Anthologie von 59 Gedichten, die von Stephan Koranyi zusammengestellt worden ist. Inhaltlich drehen sich die Gedichte – wie der Titel schon sagt - um die Advents- und Weihnachtszeit (Christi Geburt, das (Be-)Schenken, Weihnachtsmänner, Weihnachtsbäume etc.). Die Zusammenstellung der Gedichte ist dabei bunt: Neben Klassikern wie J. v. Eichendorffs „Weihnachten“ (für mich das ultimative Weihnachtsgedicht), J. W. Goethes „Epiphaniasfest“, in dem er die Heiligen Drei Könige aufs Korn nimmt und T. Storm („Knecht Ruprecht“) finden sich z.B. mit Kurt Martis puristischem Gedicht „weihnacht“ oder Rose Ausländer („New Yorker Weihnachten“) auch moderne Autoren und Gedichte. Einige der Gedichte sind dementsprechend altbekannt; andere eher Geheimtipps. Die Bandbreite der Gefühle, die die Gedichte hervorrufen und ansprechen, ist daher groß: Neben besinnlich-christlichen Gedichten (E. Mörike: „Die heilige Nacht“) und bürgerlich-heimeligen Texten (Eichendorff; Storm) finden sich tragische (G. Keller: „Weihnachtsmarkt“), humorvolle (T. Schirmer: „Tag der Gans“, in dem der obligatorische Weihnachtsbesuch bei Verwandten ironisiert wird; Hägni: „Brief ans Christkind“, in dem die Schreiberin schräg begründet, warum sie sich bestimmte Dinge vom Christkind wünscht) und experimentelle Gedichte (K. Marti). Insgesamt ist „Weihnachtsgedichte“ eine abwechslungsreiche und vielfältige Gedichtsammlung, die sich sehr gut dafür eignet, Weihnachten einzuläuten.

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Veröffentlicht am 31.10.2020

Der neugeborene Greis

Der seltsame Fall des Benjamin Button
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Inhalt: Mr. Roger Button möchte zum ersten Mal sein Neugeborenes im Krankenhaus besuchen. Doch die Ärzte und Schwestern reagieren ungehalten auf dieses Anliegen; im besten Fall „nur“ furchtsam, ansonsten ...

Inhalt: Mr. Roger Button möchte zum ersten Mal sein Neugeborenes im Krankenhaus besuchen. Doch die Ärzte und Schwestern reagieren ungehalten auf dieses Anliegen; im besten Fall „nur“ furchtsam, ansonsten mit Verwünschungen. Keiner sagt ihm, was mit seinem Kind ist. Als er endlich die Säuglingsstation betritt, macht das Verhalten der Mediziner plötzlich Sinn: Im Säuglingsbettchen liegt kein kleines Kind, sondern ein ausgewachsener Greis, der sich weigert, mit einem Fläschchen gefüttert zu werden. Damit ist die Seltsamkeit des Falls aber noch nicht erschöpft: Je mehr Zeit vergeht, desto jünger wird der Greis, der den Namen „Benjamin“ erhält.

Persönliche Meinung: „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald und umfasst knapp 60 Seiten. Erzählt wird sie von einem unbekannten auktorialen Erzähler, der das Publikum mehrmals direkt anspricht. Er berichtet ironisch-humorvoll und eher distanziert-nüchtern über das Geschehen. Die Erzählung behandelt das Leben Benjamins eher schematisch, wie der Name schon sagt, als „Fall“, sodass emotionale Innensichten der Figuren weitgehend fehlen. Generell kommt es während der Erzählung häufig zu grotesk-lustigen Szenen: So, wenn sich Benjamin als Greis darüber empört, ein Fläschchen bekommen zu haben. Oder Freunde der Familie das Kompliment äußern, Benjamin sehe seinem Großvater sehr ähnlich, der die Ähnlichkeit zu seinem Enkel allerdings brüsk zurückweist. Besonders der Beginn ist trotz seines Witzes bei genauerer Betrachtung tieftraurig: Gerade in dieser Zeit ist der greise Benjamin immer fehl am Platze, nirgendwo zugehörig. Dieser Aspekt tritt in der Zeit, in der Benjamins Körper der eines 50-20-Jährigen ist, etwas zurück. Je jünger er aber wird, desto stärker kommt auch die Tragik zurück. Ähnlich einer Demenz verliert sich der alte Mann im Körper eines Säuglings. Insgesamt ist „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ eine kurzweilige Lektüre, die einen ironisch-tragischen Ton anschlägt. Mich hätte es allerdings nicht gestört, hätte Fitzgerald einzelne Aspekte noch breiter erzählt, sodass die Kurzgeschichte eher zu einem Roman hätte tendieren können.

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Veröffentlicht am 26.10.2020

Der Drache aus dem Buch

Der Mondscheindrache
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Inhalt: Der Mond scheint und Philipp kann nicht schlafen. Plötzlich regt sich etwas in seinem Zimmer: Ein Drache und ein Ritter, beide daumengroß, klettern aus dem Buch, in dem er gelesen hatte, und bekämpfen ...

Inhalt: Der Mond scheint und Philipp kann nicht schlafen. Plötzlich regt sich etwas in seinem Zimmer: Ein Drache und ein Ritter, beide daumengroß, klettern aus dem Buch, in dem er gelesen hatte, und bekämpfen sich. Doch als Philipp eingreifen möchte, schrumpft er ebenfalls.

Persönliche Meinung: "Der Mondscheindrache" von Cornelia Funke ist eine kurze phantastische Geschichte, die sich besonders für Erstleser eignet. Sie ist detailliert und zielgruppengerecht erzählt: Die Sätze sind kurz und es werden meist einfache Hauptsätze genutzt. Auch die Schriftgröße ist sehr gut für Erstleser*innen geeignet. Es finden sich Motive, die man aus der phantastischen Literatur kennt: ein Drache, Figuren, die aus einem Buch kommen und Magie. Der Handlungsort ist Philipps Kinderzimmer, wobei zur Lösung des Konflikts das ein oder andere moderne Spielzeug genutzt wird. Die Handlung ist rund. Abgerundet wird "Der Mondscheindrache" durch bunte Illustrationen, die aus der Feders Funkes stammen. Insgesamt ist "Der Mondscheindrache" ein schönes Buch für ErstleserInnen und ein toller Einstieg in die Welt der Phantastik.

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