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Veröffentlicht am 23.09.2025

Nicht unbedingt unheimliche, aber trotzdem unterhaltende Kurzgeschichten

Die Spinne. Unheimliche Geschichten
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“Die Spinne” ist ein im Reclam Verlag erschienener Sammelband, der vier düstere Kurzgeschichten von Bithia Mary Croker versammelt. Den Auftakt bildet dabei die titelgebende Geschichte “Die Spinne”, die ...

“Die Spinne” ist ein im Reclam Verlag erschienener Sammelband, der vier düstere Kurzgeschichten von Bithia Mary Croker versammelt. Den Auftakt bildet dabei die titelgebende Geschichte “Die Spinne”, die weniger eine unheimliche als mehr eine tragische Geschichte ist. Im australischen Outback angesiedelt, begegnen wir hier Maimie Grimshaw, ihrem Ehemann Bernhard Grimshaw sowie deren Nachbar Walter Talbot, die eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung eingehen. Die Tragik entsteht dabei besonders durch die Fallhöhe einzelner Figuren. Weniger spektakulär (sowohl im tragischen als auch im schaurigen Sinne) ist die kurze Erzählung “Martins Geist”. Der Inhalt der Erzählung lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen, weshalb ich hier nicht weiter darauf eingehe; insgesamt habe ich die Erzählung als linear und spannungsarm empfunden. In der dritten Geschichte “Mein einziges Abenteuer” berichtet eine Ich-Erzählerin von einer Personenverwechslung. Schaurig ist hier vor allem das wahnhafte Verhalten einer Figur; ansonsten besitzt die Erzählung eher einen humoresken Zug. Den Abschluss bildet die Erzählung “Mrs. Ponsonbys Traum”, die mit dem prognostischen Traum ein typisches Motiv der Schauerliteratur aufgreift. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein Nachwort, dass in Leben, Werk und Rezeption der eher unbekannten Autorin Croker einführt. Insgesamt passt das Adjektiv “unheimlich” eher weniger zu den in “Die Spinne” versammelten Geschichten - trotzdem sind die Geschichten durchaus lesenswert und unterhaltend.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Drei spannende Sci-Fi-Horrorgeschichten

Der gestohlene Bazillus. Unheimliche Geschichten
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“Der gestohlene Bazillus”, erschienen im Reclam Verlag, versammelt drei Science-Fiction-Kurzgeschichten mit z. T. unheimlicher Note von H. G. Wells. Den Auftakt macht die titelgebende Geschichte “Der gestohlene ...

“Der gestohlene Bazillus”, erschienen im Reclam Verlag, versammelt drei Science-Fiction-Kurzgeschichten mit z. T. unheimlicher Note von H. G. Wells. Den Auftakt macht die titelgebende Geschichte “Der gestohlene Bazillus”: Ein Bakteriologe zeigt einem Bewunderer in einem Reagenzglas befindliche Krankheitserreger - doch als der Bakteriologe kurz abgelenkt ist, türmt der Bewunderer samt Reagenzglas. Eine rasante Jagd durch London beginnt. Die Geschichte ist leichtfüßig geschrieben und besticht insbesondere durch ihr unkonventionelles Ende. Es folgt “Die Geschichte des verstorbenen Mr. Elvesham”, in der der Ich-Erzähler Edward George Eden einem mysteriösen Mann begegnet - mit folgenreicher Konsequenz. Zum Inhalt möchte ich gar nicht zu viel erzählen, da jedes Wort nur spoilern würde. Es handelt sich aber um eine schön konstruierte, fesselnde Geschichte, die insbesondere im Mittelteil mit einer interessant erzählten Realitätsverzerrung auftrumpft. Die dritte Geschichte ist “Der gestohlene Körper”: Sie handelt von zwei Freunden, die sich darin üben, sich allein mit Willenskraft im Raum zu bewegen - was einem der Freunde auch gelingt. Die Geschichte ist einerseits spannend erzählt - lange Zeit ist nicht ganz eindeutig, was genau mit dem Freund, der sich mit Willenskraft im Raum bewegt hat, geschehen ist -, andererseits besitzt sie eine interessante wie übernatürlich anmutende Auflösung, die mit wissenschaftlichen Erkenntnissen spielt. Abgerundet wird das Bändchen durch ein Nachwort, indem H. G. Wells als Urvater der Science-Fiction-Literatur näher vorgestellt wird. Insgesamt ist “Der gestohlene Bazillus” eine schöne Sammlung von Sci-Fi-Schauer-Geschichten, bei der insbesondere “Die Geschichte des verstorbenen Mr. Elvesham” heraussticht.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Ein schmales Bändchen mit literarischer Tiefe

Köln
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“Köln - Eine literarische Einladung”, herausgegeben von Alwin Müller-Jerina, versammelt 22 literarische Texte, die das Phänomen “Köln” umreißen. Die Texte des ersten Kapitels “Do sin mer dobei” nähern ...

“Köln - Eine literarische Einladung”, herausgegeben von Alwin Müller-Jerina, versammelt 22 literarische Texte, die das Phänomen “Köln” umreißen. Die Texte des ersten Kapitels “Do sin mer dobei” nähern sich literarisch der Definition des Kölschen an. So findet sich einerseits das Kölsche Grundgesetz, andererseits ein kurzer Text Jürgen Beckers, in dem die Stadt Köln mit ihren Widersprüchlichkeiten dargestellt wird. Auch Heinrich Böll gibt hier in “Was ist kölnisch?” eine anschauliche, mit Zeitgeist gewürzte Definition, in der vor allen Dingen Karneval, Dom und Klüngel eine Rolle spielen. Sehr hat mir auch Hanns-Josef Ortheils “Antrittsbesuch” gefallen: Der namenlose Ich-Erzähler, dessen Familie seit Urzeiten immer wieder Köln besucht, begibt sich mit seinen Töchtern auf deren ersten Köln-Besuch - der natürlich im Gedächtnis bleiben soll, weshalb neben dem Dom auch das Schokoladenmuseum, die Seilbahn und der Heinzelmännchenbrunnen besichtigt werden. Der folgende Text “Raqqa am Rhein” von Jabbar Abdullah nimmt eine sehr eindrückliche Perspektive ein: diejenige eines jungen Geflüchteten, für den Köln völlig neu ist. Das zweite Kapitel “Im hillije Kölle” fokussiert Texte über den Kölner Dom. Den Auftakt macht dabei Margot Scharpenbergs Gedicht “Kölner Dom”. Danach folgt Dieter Wellerhoffs “Der Dom als Vatergestalt”, in dem atmosphärisch wie persönlich die Aura des Kölner Doms betrachtet wird. In der nächsten Kurzgeschichte “Domplatte” begibt sich Liane Dirks auf den titelgebenden Bereich um den Dom, indem sie autobiografisch anmutende Episoden ihres Lebens erzählt, die sich dort zutrugen. Das zweite Kapitel schließt mit dem Gedicht “Melaten” von Sabine Schiffner. Das Kapitel “Em Veedel” setzt sich mit der besonderen Beziehung der Kölner zu ihren Stadtteilen auseinander: Hier findet sich der Liedtext von “En unserem Veedel” (Bläck Fööss) und die Kurzgeschichte “Einmal ums Karree ziehen und beten” von Armin Foxius (eine nostalgische Prozession, beginnend in St. Aposteln am Neumarkt). Das Kapitel “Drink doch ejne met” beschäftigt sich mit einem ehemaligen Lokal in Köln (Ingeborg Drews: “Giorgio Campi”), dem Karneval (Julia Trompeter: “Lotta”) sowie den CSD (Martin Wolkner: “Morgenreport”). Das folgende Kapitel “E Büttche bunt” versammelt unterschiedlichste Geschichten. In Jürgen Beckers “Taubenbrunnen” wird augenzwinkernd der Umgang der Kölner mit den Tauben thematisiert; in “Hohe Straße” von Peter Faecke hetzen wir über die titelgebende Einkaufsmeile - Konsumrausch inklusive. In dem Interview “Studentenprotest auf Kölsch” gibt Ulla Hahn interessante Einblicke in das Leben einer jungen Frau in den 1960ern. Eine Liebeserklärung an den EffZeh wiederum sind die Auszüge aus Navid Kermanis Rede zum 70. Geburtstag des 1. FC Köln. Abgerundet wird “E Büttche bunt” durch “Stock und Knopf”, eine Erzählung von Selim Özdoĝan, in der die Perspektive von Migrant*innen in Köln eingenommen wird. Das letzte Kapitel “Lans der Rhin” versammelt Geschichten, die am Rhein spielen. In der kurzen Geschichte “Anekdote zur Arbeitsmoral” von Husch Josten werden die Veränderungen des Kölner Hafens aus der Perspektive eines Hafenmeisters gespiegelt. Gunter Geltingers “Brücke für R.” ist eine melancholische Geschichte, in deren Zentrum ein tragisches Ereignis steht. Den Abschluss bildet Elke Heidenreichs “Die Südbrücke”, in der der gleichnamigen Brücke ein literarisches Denkmal gesetzt wird. Insgesamt ist “Köln - eine literarische Einladung” eine vielfältige Anthologie, die Köln aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Die Texte besitzen dabei eine schöne Komplexität und Tiefe, sodass man, auch wenn das Bändchen recht kurz ist, lange an diesem zehrt.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Eine fesselnde Tragikomödie

Becks letzter Sommer
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Inhalt: Becks Leben ist ein Fiasko. Seinen großen Traum, berühmter Musiker zu werden, musste er begraben, als die Band ihn rausschmiss. Er hat niemanden an seiner Seite, da seine Liebesbeziehungen nie ...

Inhalt: Becks Leben ist ein Fiasko. Seinen großen Traum, berühmter Musiker zu werden, musste er begraben, als die Band ihn rausschmiss. Er hat niemanden an seiner Seite, da seine Liebesbeziehungen nie länger als ein paar Monaten andauern. Und mittlerweile plagen ihn auch die Zipperlein des Älterwerdens. Zwar hat er einen sicheren Job als Lehrer, doch dieser erfüllt ihn gar nicht. Doch dann entdeckt er unvermittelt im Musikunterricht das unglaubliche Talent seines Schülers Rauli Kantas, von dem Beck überzeugt ist, er werde die Musikindustrie revolutionieren. Kurzerhand bietet Beck seinem Schüler an, ihn zu managen - auch um seine eigenen, alten Träume zu verwirklichen -, ohne zu ahnen, worauf er sich da eingelassen hat…

Persönliche Meinung: “Becks letzter Sommer” ist eine Tragikomödie von Benedict Wells. Die Handlung des Romans ist sehr abwechslungsreich: Neben Selbstfindung (bei Beck) und Coming of Age (bei Rauli) finden sich eine (nicht unkomplizierte) Liebesgeschichte sowie zum Ende hin ein (aberwitziger) Roadtrip durch Osteuropa. Dabei ist die Handlung eine Achterbahn der Gefühle: Momente voller Witz (insbesondere in Form des stark überdrehten Charlie, dem besten Freund Becks, und in den Dialogen mit Rauli, der sich konsequent weigert, grammatikalisch korrektes Deutsch zu sprechen) stehen neben tragischen Situationen (diese möchte ich hier nicht spoilern); Verlust gesellt sich zu Liebe. Sehr gefallen an der Handlung hat mir zudem, dass sie - so viel sei verraten - nicht mit einem klassischen Happy End schließt, sondern eine gewisse Offenheit besitzt, wodurch sie für mich lebensnaher wirkte. Beck, den wir bei dem Aufleben seiner Jugendträume begleiten, ist dabei weiß Gott nicht nur ein Sympathieträger: Die Beziehung zu seiner Schülerschaft ist äußerst fragwürdig; um seine Ziele zu erreichen, geht Beck z. T auch über Leichen. Und doch: Mit der Zeit wächst Beck einem ans Herz - eben weil man merkt, dass unter der ruppigen, verbitterten Schale doch ein weicher, verletzter Kern steckt. Interessant ist auch die Erzählsituation des Romans: Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der meist in die Perspektive von Beck schlüpft. Dieser allwissende Erzähler schleicht sich allerdings im Laufe der Handlung durch die Hintertür als “Ich” ein, wodurch eine spannende Erzählkonstruktion entsteht. Wer dieses “Ich” ist und wie es dazu kommt, die Handlung zu erzählen, wird nach und nach offenbart, was für zusätzliche Spannung innerhalb der Handlung sorgt. Der Schreibstil von Benedict Wells ist anschaulich und liest sich ungemein flüssig, sodass man das Buch kaum beiseite legen kann. Insgesamt ist “Becks letzter Sommer” eine fesselnde Tragikomödie mit Figuren, die Ecken und Kanten besitzen.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Eine schaurige Lektüre - perfekt für den Herbst

Klassiker des Schreckens
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“Klassiker des Schreckens”, erschienen im Reclam Verlag, ist eine Sammlung klassischer Schauergeschichten. In der kurzen Geschichte “Reise in die Stadt der Toten” von Frédéric Boutet begleiten wir einen ...

“Klassiker des Schreckens”, erschienen im Reclam Verlag, ist eine Sammlung klassischer Schauergeschichten. In der kurzen Geschichte “Reise in die Stadt der Toten” von Frédéric Boutet begleiten wir einen wissbegierigen Philosophen, der das Wesen des Todes entschlüsseln will, in das Totenreich. Die Geschichte lebt insbesondere von den plastisch dargestellten Szenen im Totenreich sowie dem fatalistischen Ende. Darauf folgt “Der Horla” von Guy de Maupassant: Eine meisterhafte Erzählung in Tagebuchform, in der mithilfe eines stakkatohaften Erzählstils nach und nach der Wahn des namenlosen Protagonisten entfaltet wird - atmosphärische Handlungsorte sowie unheimliche Figuren inklusive. In einer Anthologie mit Schauergeschichten darf natürlich auch Edgar Allan Poe nicht fehlen. Dieser ist mit “Das Fass Amontillado” vertreten, einer frühen Kriminalgeschichte, in der die Beziehung zweier Menschen eine große Rolle spielt. Bram Stoker findet sich mit “Das Haus des Richters” in “Klassiker des Schreckens”: In dieser klassischen Schauergeschichte mietet sich ein Student in ein einsames Herrenhaus ein, um seine Abschlussarbeit zu vollenden. Das Haus ist allerdings nicht so verlassen, wie es zunächst den Anschein hat. Diese Geschichte wird atmosphärisch erzählt, leidet aber etwas darunter, dass sie eine Struktur nutzt, die heutzutage eher abgegriffen wirkt. Die folgende Geschichte “Das Präparat” ist eine analytisch erzählte, moderne Horrorgeschichte, die sich um das Verschwinden eines Freundes der Protagonisten dreht. Einziger Kritikpunkt: Die Geschichte wird sehr rasch erzählt, sodass sie nicht ihr volles Potential entfalten kann. Ein Highlight der Sammlung ist wiederum H. P. Lovecrafts “Das Ding auf der Schwelle”, eine fesselnd erzählte Horrorgeschichte mit rätselhaften Elementen: Daniel Upton, der Ich-Erzähler, beginnt die Geschichte mit der Offenbarung, er habe seinen besten Freund töten müssen; inwiefern er dafür verurteilt werden solle, legt er in die Hände der Lesenden. Im Folgenden führt er den Weg aus, der zum Tod des Freundes führte - was spannend, schön konstruiert und schaurig erzählt wird. Die folgende Erzählung “Die Lotterie” (von Shirley Jackson), die von einem archaischen Ritual handelt, lebt insbesondere von der geheimnisvollen Abgründigkeit dieses Rituals. Den Abschluss bildet “Der Mann, der Dickens liebte” von Evelyn Waugh. Hier treffen wir auf Paul Henty, der nach einer gescheiterten Expedition orientierungslos im Amazonasgebiet umherirrt - bis er auf das Haus von Mr. McMasters stößt. Die Geschichte besticht insbesondere durch eine latente Bedrohlichkeit, die McMasters umgibt. Insgesamt ist “Klassiker des Schreckens” eine fesselnde und abwechslungsreiche Sammlung von schaurigen Geschichten - perfekt für den Herbst.

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