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Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine informative Sammlung von Textquellen

Varusschlacht. Die Schriftquellen
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„Varusschlacht“, erschienen im Reclam Verlag, versammelt antike Schriftzeugnisse, die die Varusschlacht thematisieren. Versammelt sind hier Texte von Ovid, Manilius, Strabon, Velleius Paterculus, Seneca ...

„Varusschlacht“, erschienen im Reclam Verlag, versammelt antike Schriftzeugnisse, die die Varusschlacht thematisieren. Versammelt sind hier Texte von Ovid, Manilius, Strabon, Velleius Paterculus, Seneca d. Ä., Seneca d. J., Plinius d. Ä., Frontinus, Florus, Tacitus, Sueton, Cassius Dio sowie Orisius. Die Darstellung der Texte erfolgt in Paralleldruck, sodass der deutschen Übersetzung das lateinische bzw. griechische Original gegenübergestellt ist. Zu jedem Autor findet sich zudem ein kurzer, in Leben und Werke einführender Text, sodass eine leichtere Einordnung der Quelle erfolgen kann. Den Quellentexten vorangestellt ist zudem ein fachwissenschaftlicher Einleitungstext von Lutz Walther. Walther liefert hier eine konzise historische Kontextualisierung der Varusschlacht sowie einen informativen Überblick über die archäologischen Funde in Kalkriese, wo die Schlacht mutmaßlich stattgefunden hat (Für Walther spricht insgesamt viel dafür, dass die Schlacht dort stattfand, auch wenn der letztgültige Beweis noch fehlt). Für mich persönlich war vor allem interessant zu lesen, wie die antiken Schriftsteller über die Schlacht dachten und schrieben. So findet sich z. B. bei Ovid und Manilius eher ein klagendes bzw. belehrendes Anzitieren der Schlacht; Velleius Paterculus nutzt die beide kontrahierenden Feldherren der Schlacht, Varus und Arminius, um moralisierend psychologische Feldherrenqualitäten zu ergründen; Tacitus (eine der ausführlichsten Quellen) wendet sich der Schlacht retrospektiv bilanzierend zu, indem er sie mit anderen Schlachten vergleicht. Interessant fand ich neben den differierenden Schilderungen der antiken Autoren den Umstand, dass ausführliche Beschreibungen der Schlacht eher rar sind (neben Tacitus lediglich Cassius Dio) – ein Umstand, der nochmal vor Augen führt, wie schwierig das Finden des tatsächlichen Schlachtortes ist. Insgesamt ist „Varusschlacht“ eine informative sowie interessante Sammlung antiker Quellen über ein Ereignis, das Archäologie und Geschichtswissenschaft bis heute beschäftigt.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Zwei ungemein fesselnde Erzählungen

Der Sandmann / Das öde Haus
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„Der Sandmann“ und „Das öde Hause“ sind zwei Schauergeschichten von E.T.A. Hoffmann, die zuerst in den „Nachtstücken“ erschienen sind. In „Der Sandmann“ begleiten wir den Studenten Nathanael, der fernab ...

„Der Sandmann“ und „Das öde Hause“ sind zwei Schauergeschichten von E.T.A. Hoffmann, die zuerst in den „Nachtstücken“ erschienen sind. In „Der Sandmann“ begleiten wir den Studenten Nathanael, der fernab der Heimat Einschneidendes erlebt: Zunächst trifft er einen Wetterglashändler, der ihn an ein Trauma seiner Kindheit – den Sandmann – erinnert; später begegnet er der geheimnisvollen Olimpia, in die er sich unsterblich verliebt. Die Spannungskurve der Geschichte ist durch die analytische Erzählweise hoch: Man wird gewissermaßen durch drei Briefe von/an Nathanael ins Geschehen geworfen, ehe ein allwissender Erzähler die offenen Fäden aufgreift und weiterspinnt. Schön schaurig ist Nathanaels Kindheitserlebnis mit dem Sandmann: Erdachte sowie handfeste Kindheitsängste werden hier atmosphärisch dicht dargelegt. Weitere Spannung entsteht innerhalb der Handlung durch den undurchsichtigen Charakter der Olimpia, der schrittweise ausdifferenziert und erst zum Schluss offenbart wird (Auch wenn man durch popkulturelle Referenzen bereits weiß, was es mit Olimpia auf sich hat, ist „Der Sandmann“ ungemein lesenswert!). Im Mittelpunkt von „Das öde Haus“ steht Theodor, der in einer namenlosen Stadt ein verlassenes Gebäude in bester Lage entdeckt, das ihn nicht mehr loslässt. Geschürt wird seine Neugier, als er eine junge Frau, die dort eigentlich nicht wohnen dürfte, an einem Fenster entdeckt. „Das öde Haus“ ist teils Ermittlergeschichte (Theodor unternimmt einzelne Versuche, das Geheimnis um das Haus zu lüften), teils Mystery (mehrfach geschieht rational Unerklärliches, das erst am Ende aufgelöst wird), wodurch die Erzählung ähnlich fesselnd ist wie „Der Sandmann“. Ergänzt werden die beiden Geschichten durch ein Nachwort des Literaturwissenschaftlers Harald Neumeyer, der u. a. dem Komplementären der beiden Geschichten nachspürt. Insgesamt finden sich in der Ausgabe des Reclams Verlags mit Hoffmanns „Der Sandmann“ und „Das öde Haus“ zwei Kurzgeschichte aus der Schauerromantik, die aufgrund ihrer Spannung und Rätselhaftigkeit ungemein fesselnd sind.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine würdige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen

Der Untergang des Hauses Usher
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„Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ versammelt 16 Kurzgeschichten Edgar Allan Poes, die sich verschiedenen thematischen Schwerpunkten zuordnen lassen. So finden sich mit ...

„Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ versammelt 16 Kurzgeschichten Edgar Allan Poes, die sich verschiedenen thematischen Schwerpunkten zuordnen lassen. So finden sich mit „Metzengerstein“, „Der Untergang des Hauses Usher“, „Das ovale Porträt“ und „Die Maske des Roten Todes“ Erzählungen, die, z. T. in einer mittelalterlichen Welt spielend, dekadente Facetten des Adels in ein atmosphärisches Horrorsetting einbetten. Daneben finden sich Geschichten, die sich um Krankheiten/die Pathologie drehen: „Das Begräbnis vor dem Tode“ ist eine kurze Abhandlung über den Scheintod (und die Angst davor), „Der Dämon des Widersinns“ thematisiert das Ausführen widersinniger Handlungen, „Die Sphinx“ handelt von Wahrnehmungstäuschungen, „Die Heilmethoden von Doktor Teer und Professor Feder“ spielt in einer Psychiatrie (Die Geschichte hat übrigens einen schönen Twist!) und „Bericht über den Fall Valdemar“ handelt von der Macht des Mesmerismus. Eher der Kategorie „Kriminalgeschichten“ (im weiteren Sinne) lassen sich „Grube und Pendel“ (eine beklemmend erzählte Geschichte über eine eingeschlossene Person), „Die schwarze Katze“, „Das verräterische Herz“ und „Das Fass Amontillado“ (je Ich-Erzählung aus Tätersicht) zuordnen. Die vierte Kategorie bilden tragische Liebeserzählungen, in denen jeweils eine vom Erzähler geliebte Frauengestalt im Mittelpunkt steht, die aus unterschiedlichen Gründen unerreichbar ist: „Eleonora“, „Ligeia“ und „Morella“. So inhaltlich verschieden die Geschichten sind, geeint werden sie durch ihren düster-schaurigen Grundton; oft tritt auch ein Ich-Erzähler auf, der namenlos bleibt, wodurch die Geschichten umso undurchsichtiger werden. Hervorzuheben an der Ausgabe des Coppenrath Verlags ist auch die grandiose Aufmachung des Buches: Hardcover in Lederoptik, Lesebändchen, Farbschnitt und viele zum Inhalt der jeweiligen Kurzgeschichte passende Schmuckseiten im Schauerstil. Zudem finden sich zwischen den Seiten immer mal wieder schöne Beilagen. Dabei handelt es sich um stimmig illustrierte Gedichte Poes („Der Rabe“ oder „Annabel Lee“), überblicksartige Sachinformationen (Poes Verhältnis zur Psychologie oder die Rezeption Poes in der Populärkultur) oder kleine Eastereggs, die auf die jeweilige Geschichte verweisen (bspw. ein Steckbrief des Totenkopfschwärmers oder die Einladung des Fürsten Prospero aus „Die Maske des Roten Todes“). Kurz: Eine würdige und stimmige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen, an dem Poe sicherlich seine Freude gehabt hätte.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Ein spannender Kunstkrimi

Die Victoria Verschwörung
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Inhalt: London 2016. Gerade als der Kunstexperte Lennard Lomberg nach seinem letzten Fall in Urlaub nimmt, kommt Sir Douglas McEwans, der Chefkurator des Royal Collection Trust, auf ihn zu: Ein anonymer ...

Inhalt: London 2016. Gerade als der Kunstexperte Lennard Lomberg nach seinem letzten Fall in Urlaub nimmt, kommt Sir Douglas McEwans, der Chefkurator des Royal Collection Trust, auf ihn zu: Ein anonymer Erpresser behauptet, ein Gemälde, das die Queen in den 1960er Jahren von deutscher Seite zur Glättung politischer Wogen geschenkt bekommen hatte, sei eine Fälschung. Der Erpresser droht, an die Öffentlichkeit zu gehen, was nicht nur eine skandalträchtige Schmach für die Queen wäre, sondern auch ein schlechtes Licht auf die deutschen Schenker werfen würde. Lennard nimmt den Fall an und beauftragt die befreundete Kunstgutachterin Alexandra Cullen, das Gemälde zu überprüfen. Doch kurz, nachdem diese das Gemälde in Augenschein genommen hat, verschwindet sie spurlos…

Persönliche Meinung: „Die Victoria Verschwörung“ ist ein Kriminalroman von Andreas Storm. Es handelt sich um den dritten Band der Lennard-Lomberg-Reihe, in der wir den titelgebenden Protagonisten auf seinen Ermittlungen im Kunstmilieu begleiten. Da die einzelnen Bände in sich abgeschlossen sind, können sie unabhängig voneinander gelesen werden; möchte man aber die Entwicklung der Figuren über die Bände hinweg besser nachvollziehen, ist eine chronologische Lektüre sinnvoll. Wie schon die anderen Bände der Reihe wird auch „Die Victoria Verschwörung“ von einem allwissenden Erzähler auf zwei Zeitebenen erzählt: In der Gegenwart begleiten wird Lennard (unterstützt von seiner Tochter Julie) bei den Ermittlungen im Fall des potentiell gefälschten Gemäldes. In einem weiteren, in der Vergangenheit spielenden Handlungsstrang spüren wir der Geschichte des Gemäldes nach, die uns sowohl in das von den Nationalsozialisten besetzte Paris als auch in das Bonn des Jahres 1965 führt, wo vor dem Hintergrund des Besuchs der Queen ein Mord in Diplomatenkreisen geschieht (Dieser Handlungsstrang ist im Kern ein fesselnder Agententhriller). Spannung entsteht besonders dadurch, dass beide Stränge geschickt miteinander verwoben werden. Wie genau, soll hier natürlich nicht gespoilert werden; nur so viel: Es gibt mehrere Querverweise, die in einem stimmigen Tempo nach und nach offenbart werden und für einige schön überraschende Aha-Momente sorgen. In beide Handlungsstränge webt Storm zudem geschickt politische Hintergründe (z. B. der sich anbahnende Brexit auf der einen, Hinterzimmerpolitik und verschleppte Vergangenheitsbewältigung auf der anderen Seite) ein, wodurch der Roman zusätzlich zur spannenden Krimihandlung an Vielschichtigkeit gewinnt. Insgesamt ist „Die Victoria Verschwörung“ ein klug komponierter und spannend zu lesender Krimi, der viele Überraschungen bereithält.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Interessant erzählt, aber mit schwachem Ende

U
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Inhalt: Eine Frau steigt in eine U-Bahn, nickt ein. Als sie kurze Zeit später wach wird, ist die Bahn immer noch nicht losgefahren; allerdings drängt sich ein weiterer Fahrgast durch die sich schließenden ...

Inhalt: Eine Frau steigt in eine U-Bahn, nickt ein. Als sie kurze Zeit später wach wird, ist die Bahn immer noch nicht losgefahren; allerdings drängt sich ein weiterer Fahrgast durch die sich schließenden Türen. Nun fährt die Bahn endlich los. Was die beide noch nicht wissen: Es wird dauern, bis sie das nächste Mal hält.

Persönliche Meinung: „U“ ist eine Erzählung von Timur Vermes mit phantastischen Elementen. Die Handlung ist kafkaesk: Eine Frau und ein Mann sitzen in einer U-Bahn, die nicht hält; Hilferufe verhallen, weil niemand ihnen glaubt; mit der Zeit treffen die beiden auf surreale Szenerien. Reizvoll ist die Handlung insbesondere wegen der Komponente des Unbekannten: Warum hält der Zug nicht? Befinden sich die beiden überhaupt noch in unserer Dimension? Was hat es mit den surrealen Szenerien auf sich? Leider – und das ist für mich ein Manko der Erzählung – werden hierzu kaum handfeste Antworten gegeben, sodass man nach der Lektüre etwas enttäuscht und ratlos zurückbleibt. Eine Besonderheit ist der experimentelle Erzählstil: Schlaglichtartig, stakkatohaft und assoziativ werden die Gedanken der Frau dargelegt, meist in wenigen Worten pro Zeile. Auf den ersten Blick erscheint dies kompliziert zu lesen, aber keine Sorge, man kommt schnell rein. Im Wechsel mit diesen assoziativen Gedanken der Frau finden sich mehrfach Dialoge (u.a. mit dem Mann), die eher alltagssprachlich sind und einem Drehbuch ähneln. Zusätzlich finden sich häufiger typographische Hervorhebungen, durch die auf Schriftebene die Bedeutung einzelner Wörter imitiert wird. Diese experimentelle Erzählweise ist ungemein interessant, gleichzeitig „blähen“ typographische Entscheidungen aber auch die Seitenanzahl auf: Mit ca. 150 Seiten hat „U“ die Länge eines kurzen Romans, da aber teilweise nur zwei, drei Wörter in einer Zeile stehen, ist recht viel frei, die Lesezeit eher kurz. Das sollte nicht vom Kauf abhalten, aber berücksichtigt werden (am besten schaut man kurz in die Leseprobe, um zu entscheiden, ob „U“ etwas für einen ist). Insgesamt ist „U“ eine interessant erzählte Geschichte mit kafkaesken Elementen, die für mich aber ein Stück zu undurchsichtig blieb.

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