Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2025

Eine fesselnde Geschichte, die mehrere Genres in sich vereint

Das Haus in den Dünen. Erzählung
0

Inhalt: Frank Cassilis, ein junger Mann auf einsamer Wanderschaft, entdeckt auf einem seiner Streifzüge, der ihn in die Nähe des Hauses seines Freundes Northmour führt, Merkwürdiges. Das Haus scheint auf ...

Inhalt: Frank Cassilis, ein junger Mann auf einsamer Wanderschaft, entdeckt auf einem seiner Streifzüge, der ihn in die Nähe des Hauses seines Freundes Northmour führt, Merkwürdiges. Das Haus scheint auf den ersten Blick unbewohnt, doch nächtens irrlichtert eine Laterne durch die dunklen Fenster. Frank, einen Einbrecher vermutend, legt sich in der folgenden Nacht auf die Lauer und entdeckt nahe der Küste ein Schiff, aus dem ein hagerer Mann, eine junge Frau sowie kurze Zeit später sein alter Freund aussteigen - wobei letzterer ihn unvermittelt mit einem Messer attackiert…

Persönliche Meinung: “Das Haus in den Dünen” ist eine Erzählung von Robert Louis Stevenson. Erzählt wird die Handlung aus der retrospektiven Ich-Perspektive Franks. Aufgrund der Kürze der Erzählung möchte ich inhaltlich zur Handlung nicht zu viel verraten, weshalb ich hier nur grobe Wegmarken skizziere. Der Beginn erinnert - durch das Geheimnis, das das Haus umgibt, sowie den ermittelnden Frank - an eine Detektivgeschichte, wobei insbesondere die schwierig einzuordnenden Geschehnisse im Haus für Spannung sorgen. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr wird die Erzählung auch zu einer Liebesgeschichte. Zudem treten deutlich typische Elemente einer Abenteuergeschichte hinzu: Die Bewohner des Hauses müssen sich einerseits gegen eine äußere Gefahr behaupten; andererseits brodelt es auch zwischen Frank und Northmour mehrfach (beide gingen in der Vergangenheit nicht im Guten auseinander und auch in der gegenwärtigen Situation findet sich Konfliktpotential; insbesondere Northmour strahlt dabei permanent eine unberechenbare Bedrohlichkeit aus). Erzählerisch ist die Kurzgeschichte perfekt austariert: durchdacht und schön konstruiert, kontinuierlich auf das große Finale zusteuernd. Insgesamt ist “Das Haus in den Dünen” eine fesselnde Erzählung, die mehrere Genres in sich vereint.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2025

Ein fesselnder, wendungsreicher Thriller mit einer perfekt, schön durchdacht konstruierten Handlung

RAUCH
0

Inhalt: Eine fünfköpfige Freundesgruppe trifft sich auf einer Westmännerinsel im Süden Islands. Der Grund ist ein trauriger: Die Beerdigung von Gugga, eines Mitglieds der Gruppe. Nach der Beerdigung erhalten ...

Inhalt: Eine fünfköpfige Freundesgruppe trifft sich auf einer Westmännerinsel im Süden Islands. Der Grund ist ein trauriger: Die Beerdigung von Gugga, eines Mitglieds der Gruppe. Nach der Beerdigung erhalten die Freunde den Schlüssel zum Haus der Verstorbenen, mit der Erlaubnis, ein Andenken mitnehmen zu dürfen - da es keine Verwandten mehr gibt, wird eh alles weggeschmissen. Kurzerhand suchen sie das Haus auf - und machen einen schockierenden Fund, der auf eine vergangene Studentenparty der Freundesgruppe hinweist, bei der Schlimmes geschah. Plötzlich sind sich die Freunde nicht mehr sicher, wem sie trauen können…

Persönliche Meinung: “Rauch” ist ein Thriller von Yrsa Sigurðardóttir. Erzählt wird die Handlung in zwei Strängen: Im ersten Handlungsstrang, beginnend mit “Tag 1”, lernen wir Trausti, ein Mitglied der Freundesgruppe kennen. Trausti ist eher zurückhaltend, gleichzeitig von seiner Art her merkwürdig, sodass man bei der Lektüre nie wirklich weiß, wie er einzuschätzen ist. Im Fokus steht die Aufklärung, was genau auf der Studentenparty geschehen ist: Zwar ist den Freunden bewusst, dass Gugga dort etwas Traumatisches widerfahren ist, doch was genau durch wen geschehen ist, liegt im Dunkeln, da alle betrunken waren. Diese Aufklärung des vergangen Ereignisses sorgt für Spannung, da die Mitglieder der Freundesgruppe sich gegenseitig beschuldigen und man nicht weiß, wem man glauben kann. Der zweite Handlungsstrang beginnt an “Tag 5”: Eine Ermittlergruppe wird zu einer bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leiche gerufen. Dabei wird (eher für die Lesenden, als für die Ermittelnden) schnell klar, dass es sich um ein Mitglied der Gruppe handelt - und es wird nicht die letzte Leiche gewesen sein. Durch den Wechsel der beiden Handlungsstränge entsteht eine sehr fesselnde Handlung: Man weiß durch den Ermittler-Strang, dass Morde geschehen, fragt sich hier, wer der Täter ist, und fiebert im Trausti-Strang mit, zu erfahren, wie es zu den Morden gekommen ist. Insgesamt findet sich in “Rauch” so eine sehr hohe Spannungskurve mit vielen (kleineren und größeren) Rätselhaftigkeiten, Wendungen, Cliffhangern und überraschenden Momenten - bis zum großen Finale. Der Schreibstil von Yrsa Sigurðardóttir ist sehr angenehm zu lesen. “Rauch” ist insgesamt ein fesselnder, wendungsreicher Thriller mit einer perfekt, schön durchdacht konstruierten Handlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2025

Ein fesselnder Thriller mit einer naiven Protagonistin, aber einer spannenden, durchdachten Handlung

Eine von uns
0

Inhalt: Gina und ihrer Familie ist etwas geschehen, was man keinem wünscht: Ihr Haus, das sie liebevoll renoviert haben, ist abgebrannt. Glücklicherweise bietet Ginas alte Freundin der Familie an, während ...

Inhalt: Gina und ihrer Familie ist etwas geschehen, was man keinem wünscht: Ihr Haus, das sie liebevoll renoviert haben, ist abgebrannt. Glücklicherweise bietet Ginas alte Freundin der Familie an, während der Aufbauarbeiten bei ihr zu wohnen - sie ist ohnehin gegenwärtig verreist und hat in ihrer Villa genügend Platz. Gerade als Gina und ihre Familie sich in der neuen Übergangsbleibe einleben, klingelt es an der Tür: Eine junge Frau, Mary, die sich als Annies Haushälterin vorstellt, möchte ihre tägliche Reinigungsrunde machen. Zwar hat Gina sofort ein ungutes Gefühl bei ihr, doch da Annie keine Bedenken äußert, gibt Gina nach. Doch je länger Mary in der Villa ist, desto mehr Merkwürdigkeiten geschehen…

Persönliche Meinung: “Eine von uns” ist ein Thriller von Samantha Hayes. Erzählt wird die Handlung aus zwei Ich-Perspektiven: Mary und Gina. Zu Mary möchte ich gar nicht zu viel sagen. Nur: Sie umwabern Geheimnisse/Rätselhaftigkeiten, sodass die Figur für eine latente Spannung sorgt. Gina ist insbesondere durch ihre Ängste um ihre Kinder - sie kümmert sich quasi allein um ein Kleinkind und einen Säugling - und die Belastungen des Mutterseins lebendig gezeichnet. Gleichzeitig - und das fand ich recht anstrengend zu lesen - ist sie aber ungeheuer naiv: Deutliche red flags, die von Mary ausgehen, werden in den Wind geschossen, permanent findet Gina z. T. abstruse Gründe, um Marys Verhalten zu erklären. Kurz: Oft habe ich mich beim Lesen ertappt, wie ich in Bezug auf Gina unmerklich den Kopf schütteln musste. Unterbrochen wird die Haupthandlung um Gina und Mary durch Rückblenden. Hier reisen wir in die Jugendzeit Ginas und forschen einem traumatischen Ereignis nach: dem spurlosen Verschwinden von Sara, einer der besten Freundinnen Ginas. Insgesamt entsteht durch das undurchsichtige Verhalten von Mary sowie die Rückblenden eine fesselnde Handlung, die, wie insbesondere das Ende zeigt, perfekt konstruiert ist. Einzelne Wendungen sind zwar vorhersehbar, allerdings fand ich dies insgesamt nicht weiter tragisch, da die Auflösung am Schluss trotzdem einige Überraschungen bereithält. Der Schreibstil von Samantha Hayes lässt sich sehr flüssig lesen, sodass man durch die 400 Seiten des Romans fliegt. Insgesamt ist “Eine von uns” ein fesselnder Thriller mit einer etwas anstrengenden Protagonistin, aber einer spannenden, schön durchdachten Handlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2025

Die perfekte Lektüre für Halloween

Halloween
0

Inhalt: Es ist der 31. Oktober. “Süßes oder Saures”-suchend läuft eine Freundesgruppe durch eine amerikanische Kleinstadt. Geradezu magisch angezogen werden sie von einem schaurigen Haus, das versteckt ...

Inhalt: Es ist der 31. Oktober. “Süßes oder Saures”-suchend läuft eine Freundesgruppe durch eine amerikanische Kleinstadt. Geradezu magisch angezogen werden sie von einem schaurigen Haus, das versteckt in einer Schlucht liegt, und in dessen Garten ein Baum voller Kürbislaternen wächst. Als die Jungen erstaunt die Kürbisse betrachten, erwachen diese plötzlich zum Leben - und kurze Zeit später ist Pipkin, den jeder aus der Gruppe am meisten mag, verschwunden. Um ihn zu retten, begibt sich die Freundesgruppe auf eine Reise durch die Geschichte von Halloween…

Persönliche Meinung: “Halloween” ist ein phantastischer Kurzroman von Ray Bradbury. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler. Wie der Titel schon nahelegt, ist der Roman die perfekte Halloweenlektüre: So finden sich typische Halloween-Motive wie Kürbislaternen, schaurige Wesen wie Hexen, Skelette oder Fledermäuse sowie der “Süßes oder Saures”-Gang, der von der verkleideten Freundesgruppe fast schon tumultuarisch begangen wird. Die Handlung selbst ist eher episodisch: Nach dem Einstieg am Halloweenbaum reist die Freundesgruppe auf der Suche nach Pipkin durch die Geschichte des Halloweenfestes: So treffen sie u.a. auf Mumien im Alten Ägypten, flüchten vor Wasserspeiern im mittelalterlichen Notre-Dame und wandeln über einen Friedhof am Tag der Toten in Mexiko. Man merkt schon: Es handelt sich um einen wilden, abenteuerlichen Ritt, den die Freundesgruppe erlebt. Im Fokus des Romans stehen dementsprechend die Handlungsorte, die auch sehr atmosphärisch und schön gruselig beschrieben werden. Etwas zurück treten vor diesem Hintergrund die handelnden Figuren. Die einzelnen Mitglieder der Freundesgruppe sind eher holzschnittartig dargestellt (eigentlich sind sie primär Kostümträger). Eine Ausnahme bildet lediglich Pipkin, der als der liebenswerteste und fröhlichste aus der Gruppe charakterisiert wird. Insgesamt ist “Halloween” eine atmosphärische Lektüre, die perfekt auf den 31. Oktober einstimmt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2025

Ein elegant geschriebener Roman mit einem packenden Protagonisten

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
0

“Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” ist ein Spätwerk von Thomas Mann. Mann orientiert sich in seinem letzten Roman an der Memoirenliteratur: Der titelgebende Protagonist erzählt aus der retrospektiven ...

“Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” ist ein Spätwerk von Thomas Mann. Mann orientiert sich in seinem letzten Roman an der Memoirenliteratur: Der titelgebende Protagonist erzählt aus der retrospektiven Ich-Perspektive mit einem süffisanten Ton Stationen seines Lebens. “Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” begleitete Thomas Mann (mit großen Unterbrechungen) vierzig Jahre lang - was man dem Werk sprachlich auch anmerkt. Gerade die ersten Bücher sind extravagant, sehr verschnörkelt und galoppierend erzählt; Hypotaxen und Parataxen reihen über Zeilen hinweg aneinander, sodass vergleichsweise komplexe (aber wohlgeformte!) Sätze entstehen. Im Laufe der Lektüre reduziert sich diese Komplexität merklich; die Sätze sind zwar immer noch wohlgeformt, allerdings nicht mehr so verschnörkelnd (wodurch sich der Roman, ehrlich gesagt, auch besser lesen lässt). Inhaltlich lebt das gesamte Werk durch das Faszinosum Krull. Krull ist ein Tausendsassa, der sich mit viel Witz durch das Leben schlägt. Zu Beginn macht ihn das sympathisch - z. B. wenn er erzählt, wie er seine Eltern hinters Licht führt, um nicht zur Schule zu müssen, oder wie er der Obrigkeit ein Schnippchen schlägt, als er sich dem Militärdienst entzieht (die Musterungsszene ist wirklich ein Highlight des Romans!): Kurz: Krull, ein liebenswürdiger Schelm, der es den Autoritäten so richtig zeigt. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto unsympathischer wirkt er allerdings. Krull, der keine Ausbildung abgeschlossen hat und mehr Glück als Verstand besitzt, erscheint immer stärker als Blender, der irritierenderweise scheinbar mit allem durchkommt und dies gottgegeben ansieht. (Nebenbei bemerkt: Ob der im Titel sog. Hochstapler Krull bei seinen Memoiren tatsächlich immer bei der Wahrheit bleibt, wie er zu Beginn des ersten Buches versichert, mag man bezweifeln dürfen. Bisweilen erscheinen seine Erlebnisse überspitzt erzählt, oft besitzt er lediglich Halbwissen, das er zu überdecken sucht, sodass Krull auch Züge eines unzuverlässigen Erzählers besitzt - inwieweit er unzuverlässig berichtet, muss aber offen bleiben, da eine korrigierende Instanz innerhalb des Romans fehlt). Am Schluss des 1954 veröffentlichten Romans, “der Memoiren erster Teil”, erscheint Krulls Lebensweg - mit kleineren Abstrichen - als Erfolgsgeschichte. Leider starb Thomas Mann, bevor er den zweiten Teil schreiben konnte. Aus Notizen Manns, die grob die Handlung des zweiten Teils skizzieren, wird allerdings deutlich, dass der Stern Krulls sinken wird. Dass diese Fortsetzung nie erschien, ist aus zweierlei Gründen bedauerlich: Einerseits erscheinen die Bekenntnisse Krulls unvollständig, andererseits ist es dadurch schwierig, den Tausendsassa tiefenschärfer umgreifen zu können, da offen bleibt, mit welchem Ton er die Momente des Scheiterns darlegt. Insgesamt ist “Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” ein süffisant erzählter Roman mit einem packenden Protagonisten, der unabhängig davon, wie man ihn letztlich beurteilen möchte, Eindruck hinterlässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere