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Veröffentlicht am 14.11.2022

Jener andere Ort

Als die Welt zerbrach
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Sprachlich ist der Roman „Als die Welt zerbrach“ von John Boyne auf einem sehr ansprechenden Niveau. Aber das Hörbuch, Gesprochen von Elisabeth Günther, ist eine Wucht. Die Sprecherin ist einfach herausragend. ...

Sprachlich ist der Roman „Als die Welt zerbrach“ von John Boyne auf einem sehr ansprechenden Niveau. Aber das Hörbuch, Gesprochen von Elisabeth Günther, ist eine Wucht. Die Sprecherin ist einfach herausragend. Sie versteht es den Charakteren Leben einzuhauchen. Nuancen in der Stimme variieren von Situation und Charakter. Eine Gretel Fernsby, die Protagonistin des Romans, klingt je nach Alter unterschiedlich. Elisabeth Günther transportiert die verschiedenen Emotionen und Stimmungslagen perfekt zu den Zuhörer*innen. Das macht das Hören des Hörbuches zu einem einzigartigen Erlebnis.
Sprechen wir über Schuld – so könnte man den wichtigen Teil des Buches zusammenfassen. Wie lebt man mit der Schuld? Diese Frage wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Und mit dieser Frage sieht sich die Protagonistin ihr Leben lang konfrontiert. Dabei geht es auch darum, wo Schuld überhaupt anfängt.
In unterschiedlichen Zeitebenen erfahren wir mehr über das Leben der Protagonistin Gretel. Das Ganze ist ziemlich faszinierend geschrieben und eindrucksvoll erzählt. Man ist gefesselt von dieser emotionalen Geschichte und auch berührt und schockiert.
„Im Krieg gibt es keine Gewinner.“ Es wird viel erörtert wie schwerwiegend Schuld sein kann. Zudem geht es aber auch darum, dass man nicht tatenlos zuschaut. Für mich ist „Als die Welt zerbrach“ ein besonderes Highlight. Das liegt vor allem auch daran wie emotional und einfühlsam Elisabeth Günther liest.

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Veröffentlicht am 08.11.2022

fantastisch gesprochen

TRUE CRIME. Der Abgrund in dir
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Eigentlich bin ich nicht der Hörbuch-Fan, sondern stehe eher auf Gedrucktes. Jedoch fand ich, dass „True Crime - Der Abgrund in dir“ von Romy Hausmann das ideale Hörbuch wäre. Zum einen lag dies am Thema ...

Eigentlich bin ich nicht der Hörbuch-Fan, sondern stehe eher auf Gedrucktes. Jedoch fand ich, dass „True Crime - Der Abgrund in dir“ von Romy Hausmann das ideale Hörbuch wäre. Zum einen lag dies am Thema und zum anderen lag es auch daran, dass die Autorin unter anderem selbst liest. Thematisch und akustisch hatte ich mich dem Thema schon mit dem „Podcast Hausmann & Benecke“ genähert.
Gesprochen wird das Hörbuch aber auch von Heike Warmuth und Oliver Kube. Die Mischung der drei Sprecher*innen finde ich sehr gelungen. Die Stimmen sind sehr angenehm.
Thematisch geht es um die Frage was den Menschen zum Mörder macht und wie unterschiedlich geartet True Crime sein kann. Mir persönlich hat es gefallen, dass die Autorin den Hörenden einen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt gibt und beschreibt welche Fragen sie bei der Recherche umtrieben haben. Insgesamt wurde das Thema sehr gut recherchiert und fantastisch gesprochen.
Fazit: Eine ansprechende Umsetzung des Buches durch den Verlag Hörbuch Hamburg. Und wer noch nicht genug von „True Crime“ bekommen konnte, der hört einfach den Podcast mit Romy Hausmann weiter.

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Veröffentlicht am 31.10.2022

Spitze Zähne

This Charming Man
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Endlich gibt es wieder etwas Neues von "The Stranger Times". "This Charming Man" von CK McDonnell ist die fulminante Fortsetzung, die nahtlos an den ersten Band anknüpft, den man am besten vorher gelesen ...

Endlich gibt es wieder etwas Neues von "The Stranger Times". "This Charming Man" von CK McDonnell ist die fulminante Fortsetzung, die nahtlos an den ersten Band anknüpft, den man am besten vorher gelesen haben sollte.

"Spitze Zähne, Angst vor Sonnenlicht, Knoblauch – das volle Programm? " [114] Ja, das volle Programm. Britischer Humor, Sarkasmus, alles stets sehr pointiert und dazu gelungene und schräge Charaktere. In diesem Band haben mir besonders Vincent Banecroft und Hannah gefallen. Ersterer, weil er dahingeht wo es weh tut und ins Schwarze trifft. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Hannah besticht für mich dadurch, dass sie sich weiterentwickelt hat und eine perfekte Gegenspielerin zu Banecroft ist.

Der Schreibstil ist perfekt. Man ist sofort in der Geschichte und mitten im Geschehen. Die Dialoge der Charaktere sind lebendig und sehr unterhaltsam. Vieles ist sehr überspitzt. Aber genau das macht dieses Buch und den daraus folgenden Lesespaß aus. McDonnell versteht es Fantasy und Comedy perfekt zu vereinen.

Stimmig ist für mich auch die Story. Spannend, amüsant und einfach nur zum Genießen. Besser geht es nicht.

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Veröffentlicht am 31.10.2022

Komfortzone

Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen
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„Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen“ lautet das neueste Werk von Torsten Sträter. Es beinhaltet die Geschichten der letzten drei Jahre. Natürlich ist nicht alles neu, dennoch ist es sehr unterhaltsam ...

„Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen“ lautet das neueste Werk von Torsten Sträter. Es beinhaltet die Geschichten der letzten drei Jahre. Natürlich ist nicht alles neu, dennoch ist es sehr unterhaltsam und gut zu lesen. Die Themen sind verschieden und gut durchgewürfelt. Ernstere Themen, unter anderem das Thema Depressionen, Abschweifungen in die Politik und einfache Geschichten wechseln sich ab. Es wird auf jeden Fall nicht langweilig. Das schöne dabei, man hat quasi die Stimme des Autors immer im Ohr und ein Lächeln im Gesicht.

Durch die unterschiedlichen Kapitel und auch deren unterschiedliche Länge eignet sich das Buch, um immer mal wieder kurz in den Sträterischen Humor abzutauchen. Man muss den Autor nicht live oder im Fernsehen gesehen haben, um sich hier königlich zu amüsieren. Meiner Meinung nach ist dies aber ein Pluspunkt.

Generell bin ich der humoristischen Literatur nicht ganz angetan, bei knapp 300 Seiten kann das schon unter Umständen ermüdend und anstrengend werden, aber hier passt alles perfekt.

„Ich mag unsere Sprache gern, bin aber der Van Helsing übler Phrasen.“ [146]

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Veröffentlicht am 17.10.2022

Sprachgewaltiger Noir

Laidlaw
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„Städte können einem den Rücken kehren, genau wie Menschen. (…) Wenn man um diese Zeit noch nicht dort ist, wo man hinwill, oder noch nicht getroffen hat, wen man treffen wollte, wird man von der Stadt ...

„Städte können einem den Rücken kehren, genau wie Menschen. (…) Wenn man um diese Zeit noch nicht dort ist, wo man hinwill, oder noch nicht getroffen hat, wen man treffen wollte, wird man von der Stadt ausgeschlossen.“ [196]
Detective Jack Laidlaw legt eine unkonventionelle Art an den Tag. Klar ist dabei auch, dass man sich in einer Stadt wie Glasgow ziemlich Ärger einfangen kann und sich nicht nur Freunde macht. „Laidlaw“ war mein zweites Buch des Autors William McIlvanney. Der Protagonist Laidlaw hat schon eine besondere Ausstrahlung. Das spürt man regelrecht beim Lesen. Zusammen mit dem düsteren Setting und dem sprachgewaltigem Schreibstil entsteht ein besonderes Leseerlebnis, das einem die vorherrschende Atmosphäre des damaligen Glasgows näherbringt.
Bei diesem Werk und im Gegensatz zu der Vorgeschichte „Das Dunkle bleibt“ hatte ich ein bisschen mehr mit Jack Laidlaw gehadert. Insgesamt ist das Werk ein guter Noir, in dem der Mörder nicht nur vor der Polizei fliehen muss, sondern auch vor der Glasgower Unterwelt. McIlvanney’s Geschichte ist schon etwas älter, was aber der Spannung und dem Leseerlebnis nicht schadet. „Laidlaw“ ist so gesehen, ein zeitloser Krimi in einer tollen Sprache.

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