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Veröffentlicht am 12.06.2019

eine Besserungsanstalt?

Die Nickel Boys
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„Das Schlimmste, was mir während meiner Einzelhaft widerfahren ist, widerfährt mir täglich. Das Aufwachen.“ [222]

Colson Whitehead, ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis, bringt mit seinem fiktiven Roman ...

„Das Schlimmste, was mir während meiner Einzelhaft widerfahren ist, widerfährt mir täglich. Das Aufwachen.“ [222]

Colson Whitehead, ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis, bringt mit seinem fiktiven Roman „Die Nickel Boys“ ein nicht leicht verdauliches Werk in unseren Bücherschrank und damit die Themen Missbrauch, Rassismus und allgegenwärtige Gewalt.

„Das Nickel war eine rassistische Hölle – die Hälfte des Personals schlüpfte am Wochenende sicher in die Kluft des Ku-Klux-Klans.“ [113]

„Die Nickel Boys“ ist ein Roman, der einen schockierend mitnimmt. Die oben genannten Themen hat Whitehead zu einem runden Werk verarbeitet. Der Aufbau, das Setting ist klasse. Jedoch blieben mir die Charaktere zu blass. Ich, für meinen Teil, fühlte mich viel zu distanziert. Mehr lies der Schreibstil nicht zu. Auf der einen Seite ist dies gut, dass man sich nicht von der schweren Kost erdrücken lässt, auf der anderen Seite, wäre ich ‚gerne‘ tiefer in das Geschehen abgetaucht. Es fehlen ein paar Emotionen.

„Die Prügel, der Missbrauch, die unbarmherzigen Prüfungen ihrer Person. Sie standen das durch.“ [181]

Der Protagonist Elwood landet mehr oder weniger durch Zufall und fehlendes, ordentliches Verfahren, in einer Besserungsanstalt. Die Hölle auf Erden. Auf mehreren Zeitebenen folgen wir als Leser Elwood und erfahren viel über die damalige Zeit und den Rassismus, welcher auch heute leider immer noch ein vorherrschendes Thema der Gesellschaft ist. Ohne mit dem erhobenen Finger bringt Whitehead seine Themen an den Leser. Auch wenn sein Werk rund geschrieben ist, einen sehr guten Anfang und Ende besitzt, so gab es einige Längen. Zugleich fehlte mir der noch tiefere Blick in das Trauma der amerikanischen Geschichte. So wird viel Potenzial verschenkt.

Veröffentlicht am 05.06.2019

Ferien mit Laura

Ferien mit Laura und ihrem Stern
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Das Hörspiel "Ferien mit Laura und ihrem Stern" von Klaus Baumgart kommt in einer ansprechenden gestalteten und stabilen Box daher. Enthalten sind 3 CDs mit den Geschichten "Lauras Ferien", "Lauras erste ...

Das Hörspiel "Ferien mit Laura und ihrem Stern" von Klaus Baumgart kommt in einer ansprechenden gestalteten und stabilen Box daher. Enthalten sind 3 CDs mit den Geschichten "Lauras Ferien", "Lauras erste Übernachtung" und "Laura und der Ferienhund".
Insgesamt erwarten die jungen Zuhörer knapp 74 Minuten Hörspielvergnügen. Jede Geschichte hat somit circa 25 Minuten. Das ist eine gut gewählte Länge zum Zuhören, ohne dass die Kinder - ab 3 Jahren – die Lust verlieren. Es kann also perfekt abends zum Einschlafen oder auch zwischendurch gehört werden.
Optisch hat man mit dem glitzernden Stern sofort den Wiedererkennungswert. Auf dem Cover der jeweiligen CD werden Laura und Co. sowie die Sprecher und Macher kurz vorgestellt. Man findet sich somit auch schnell zurecht und kommt gut in die Geschichten, falls man Laura noch nicht kennen sollte.
Das Hörspiel hat eine sehr gute musikalische Untermalung. Auch die Hintergrundgeräusche wurden optimal eingesetzt und bringen die jeweilige Situation gut rüber. Die Sprecher sprechen sauber und in einem kindgerechten Tempo. Insgesamt sind die Erzählstimmen angenehm und transportieren auch das jeweilige Thema der Geschichte geschickt zu den kleinen Zuhörern.
Am besten hat uns, meiner Tochter und mir, die Geschichte "Laura und der Ferienhund" gefallen. Das lag bestimmt auch an dem lieben Hund, aber auch daran, dass der Hund – über Sprachen und Länder hinweg- vermittelt.
Fazit: Ein Muss für Fans von Laura und ihrem Stern und solchen, die es noch werden wollen. Die Geschichten sind abwechslungsreich und werden gut erzählt. Da macht man definitiv den Kleinen eine Freude.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstimmen
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 27.05.2019

Die Hölle auf Erden

Knockemstiff
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„Ich verstand, dass ich mitten in einem dieser Augenblicke des Lebens steckte, in denen große Dinge möglich sind, wenn man nur gewillt ist, die richtige Entscheidung zu treffen.“ [233]
Knockemstiff, Ohio. ...


„Ich verstand, dass ich mitten in einem dieser Augenblicke des Lebens steckte, in denen große Dinge möglich sind, wenn man nur gewillt ist, die richtige Entscheidung zu treffen.“ [233]
Knockemstiff, Ohio. Die Hölle auf Erden. Man könnte auch sagen, dass dies ein Kaff ist an dem selbst die Hoffnung stirbt. Düster, hoffnungslos. Ein Ort, den man unter allen Umständen meiden sollte. Denn alles was man hier finden wird, sind vorherrschende Gewalt, Verbrechen, Mord, Sexualdelikte und Drogen. Knockemstiff beherbergt Außenseiter, Psychopaten, Menschen ohne Hoffnung. In „Knockemstiff“
von Donald Ray Pollock geht es um den wahr gewordenen amerikanischen Albtraum. Facettenreich stellt Pollock die verschiedenen Wege unterschiedlicher Charaktere in seinem Roman dar. Allein gemein, die Tristesse und Hoffnungslosigkeit und den daraus resultierenden falschen Lebenswegen.
In 18 kurzen Geschichten nimmt der Autor den Leser mit in den Süden von Ohio. Manchmal brillant, hart und immer schockierend. Es ist schon beeindruckend, wie Pollock schreibt. Man findet sich in einem Sumpf, ist gefesselt und liest und liest. Auch wenn es manchmal nicht leicht ist, denn die Geschichte lässt einen nicht kalt.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Gack gack guck!

Guck gack ga! Wer kommt denn da?
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Hühner sind neugierig und ideenreich. So kommt es auch, dass diese auf Entdeckungstour gehen, als urplötzlich ein großer Tierfuß neben ihnen auftaucht und sie in ihrer Partie Schach unterbricht. Welches ...

Hühner sind neugierig und ideenreich. So kommt es auch, dass diese auf Entdeckungstour gehen, als urplötzlich ein großer Tierfuß neben ihnen auftaucht und sie in ihrer Partie Schach unterbricht. Welches Tier mag das bloß sein?
„Guck gack ga! Wer kommt denn da?“ von Gökçe İrten liefert eine richtig gute Grundidee. Man darf die Hühner auf ihrer Erkundungstour begleiten, miträtseln und gespannt sein, was für Ideen die Hühner an den Tag legen, um herauszufinden um welches Tier es sich handelt.
Das Kinderbuch ist sehr schön illustriert und kommt in einer ansprechenden Farbgestaltung und Größe daher – wie man es auch vom Magellan Verlag kennt und erwartet. Es ist gut durchdacht, kreativ und für Kinder im Alter von 3-4 Jahren bestens geeignet.
Allerdings ist es ein etwas anderes Buch, denn erzählt wird alles in Hühnersprache. Und das liest sich dann „Gack, gack, guck“. Das macht zwar auch Spaß, zumal die Hühnersprache lustig und der Situation entsprechend passend und kreativ geschrieben ist. Mit richtigem Text hätte man aber noch viel mehr aus diesem wunderschönen Buch herausholen können. So wurde leider meines Erachtens viel Potenzial verschenkt.
Am besten schaut man sich das Buch mit seinen knapp 25 x 25 cm vor dem Kauf an, um dann die richtige Entscheidung zu treffen. Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Gack, gack, pook.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Babushka

Der Zopf meiner Großmutter
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„Du bist so groß geworden, ich kann kein Wort mehr von dem verstehen, was du sagst. Manchmal denke ich, du kannst kein Russisch mehr.“ [158]

Witzig, spritzig, hintergründig und teils richtig böse schreibt ...

„Du bist so groß geworden, ich kann kein Wort mehr von dem verstehen, was du sagst. Manchmal denke ich, du kannst kein Russisch mehr.“ [158]

Witzig, spritzig, hintergründig und teils richtig böse schreibt die Autorin Alina Bronsky über eine russische Patchwork-Familie. „Der Zopf meiner Großmutter“ ist ein wundervoll geschriebener Roman in dem eigenwillige und doch so liebenswerte Charaktere einen Platz haben und diesen vollends ausfüllen. Dabei geht es um die Großmutter, den Großvater, seine – mehr oder weniger heimliche - Geliebte und Max, den Enkel.

Max und seine Großeltern sind als Flüchtlinge aus Russland nach Deutschland emigriert. Und Max ist es auch, aus dessen Sicht hier berichtet wird. Er ist inmitten des ach so normalen Wahnsinns. Die Großmutter Margo, der alles in dieser neuen Gesellschaft bzw. neuem Land zu entgleiten scheint, ist das, was man heutzutage als Helikopter-Eltern bezeichnet. Sie ist in Bezug auf ihren Enkel überfürsorglich, möchte sich ständig in seiner Nähe aufhalten, um ihn zu überwachen und zu behüten. Dies sieht man auch gut an dem eingangs erwähnten Zitat.
Im Gegensatz zur Großmutter findet Max zunehmend halt in der Gesellschaft. Er entwickelt sich weiter, löst sich, integriert sich.
Der Großvater geht sparsam mit seinen Gefühlen um, wenn er denn mal welche zeigt. Und letztendlich bringt Großvater Tschingis, der sonst ruhig, zurückgezogen auftritt, die Wendung für alle.

Komödie und Tragik wechseln sich ab und Bronsky verwebt alles zu einem gelungenen Roman mit einem schwierigen und ernsten Thema, der sich aufgrund des Schreibstils schnell und flüssig lesen lässt.

Das Cover ist minimalistisch gestaltet und passt wunderbar zu dieser Geschichte.