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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.08.2021

nett

Möwensommer
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Lina arbeitet in einem Blumenladen und ist dort recht glücklich. Mit ihrer Chefin Claudia kommt sie gut aus, nur würde sie an manchen Ecken gerne selbst bestimmen, wie bestimmte Dinge im Laden gemacht ...

Lina arbeitet in einem Blumenladen und ist dort recht glücklich. Mit ihrer Chefin Claudia kommt sie gut aus, nur würde sie an manchen Ecken gerne selbst bestimmen, wie bestimmte Dinge im Laden gemacht werden. Privat könnte es besser laufen. Sie hat zwar viel Spaß mit ihrem besten Freund Mattis, allerdings ist sie nie so richtig drüber hinweggekommen, dass er ihr das Herz gebrochen hat. Daher ist es schön, als sich Bent, der neue Standesbeamte der Insel, für sie interessiert. Allerdings verhält sich Mattis plötzlich mehr als seltsam.

Lotte Römer liefert mit Möwensommer einen leichten Liebesroman, der auf Norderney spielt. Sie fängt das Gefüge der Insel, wo jeder jeden kennt, gut ein. Besonders die Szenen im Blumenladen mit den Stammkunden, fand ich sehr gut beschrieben. Da hatte man gleich das Gefühl, mit dabei zu sein.

Die Romanze ist recht vorhersehbar und außerhalb des Gefüges um Lina, Mattis und den weiter direkt Beteiligten bleibt die Insel recht blass. Trotzdem liest sich das Buch gut und vermittelt Urlaubsstimmung. Von daher kann ich es durchaus empfehlen.

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Veröffentlicht am 18.08.2021

klasse zweiter Teil

Die Alster-Schule - Jahre des Widerstands
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Jahre des Widerstands schließt direkt an die Geschehnisse von Zeit des Wandels an. Levi landet in Haft und Felicitas kann nichts für ihn tun. In ihrer Not wendet sie sich an Emil und Anneliese, aber auch ...

Jahre des Widerstands schließt direkt an die Geschehnisse von Zeit des Wandels an. Levi landet in Haft und Felicitas kann nichts für ihn tun. In ihrer Not wendet sie sich an Emil und Anneliese, aber auch die haben andere Sorgen. Während Felicitas immer weiter nach Wegen sucht sich selbst und ihrer Weltanschauung treu bleiben zu können, verhalten sich die Tiedemanns systemtreu und tun alles, um die Vorgaben zu erfüllen. Dabei entfremden sich auch Felicitas und Anneliese immer mehr.

Der zweite Band schildert nun das Grauen, dass nach dem 9. November 1938 immer mehr um sich greift. Wir begleiten die vier Protagonisten durch den Krieg bis ins Jahr 1947. Felicitas schließt sich zusammen mit Paul, ihrem ehemaligen Schüler, wieder einem Lesekreis an, aus dem sich eine Widerstandsgruppe bildet, die sich an das Vorgehen der weißen Rose in München anschließt und auch lose Kontakte dorthin hat.

Mir hat auch dieses Buch wieder gut gefallen. Die Zweifel, die alle umtreiben sind verständlich beschrieben und ich konnte die Charakterentwicklung gut nachvollziehen. Julia Kröhn gelingt es Figuren zu zeichnen, die immer wieder an sich und auch an ihrer Gesinnung zweifeln. Gerade Emil ist komplett zerrissen und seine Entwicklung fand ich sehr traurig, aber in sich logisch. Auch Anneliese braucht lange, um zu hinterfragen, ob das, was ihr vorgeschrieben wird, auch das richtige ist.

Levis Schicksal während des Krieges und Felicitas Handeln im Widerstand Hamburgs sind große Themen in diesem Buch. Dass es einen Ableger der weißen Rose in Hamburg gab, war mir bis dahin nicht bewusst.

Das Ende hätte meinetwegen noch etwas mehr in der Zeit nach dem Krieg spielen dürfen. Ein wenig mehr durchatmen nach dem Grauen wäre noch schön gewesen. Aber auch so findet das Buch ein versöhnliches Ende und man kann den Protagonisten nur wünschen, dass sie ein wenig Glück in der Zukunft finden.

Ich kann diese Dilogie nur empfehlen, sie nimmt den Leser mit auf eine emotionale Achterbahn und vermittelt nebenbei noch Wissen zum dritten Reich. Ganz großes Kino!

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Veröffentlicht am 17.08.2021

interessantes Sachbuch

Wie das Wetter Geschichte macht
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In Wie das Wetter Geschichte macht bringt uns Ronald D. Gerste nahe, wie sehr sich Wetter und Klima schon immer auf die Menschheitsgeschichte auswirkte. Über die Antike bis in die Neuzeit haben Klima und ...

In Wie das Wetter Geschichte macht bringt uns Ronald D. Gerste nahe, wie sehr sich Wetter und Klima schon immer auf die Menschheitsgeschichte auswirkte. Über die Antike bis in die Neuzeit haben Klima und Wetter immer wieder Einfluss auf das Leben der Menschen genommen. Teilweise mehr als dauerhafte Wärme- oder Kälteperioden, die durch den Einfluss auf die Lebensmittelherstellung auch die Entwicklungen von Gesellschaften hatten, oder aber durch konkrete Wetterereignisse, die den Ausgang von Schlachten beeinflussten.

Mich hat das Buch gut unterhalten. Einige der Phänomene kannte ich schon, aber gerade so Dinge wie das Wetter die Schlacht von Waterloo und auch den D-Day beeinflusst hat, war mir noch unbekannt. Der Autor schafft es mit solchen Details Geschichte lebendig werden zu lassen. Da wird einem doch klar, das es auch ganz anders hätte laufen können, hätte das Wetter Anfang Juni 44 nicht doch noch aufgeklart.

Von daher kann ich das Buch durchaus als gut lesbares Sachbuch empfehlen.

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Veröffentlicht am 14.08.2021

spannend und atmosphärisch

Das Buch des Totengräbers (Die Totengräber-Serie 1)
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Leopold von Herzfeldt ist gerade zur Polizei nach Wien versetzt worden, als eine Frau mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird. Am Tatort wendet er all das an, was er in seiner Zeit als Untersuchungsrichter ...

Leopold von Herzfeldt ist gerade zur Polizei nach Wien versetzt worden, als eine Frau mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird. Am Tatort wendet er all das an, was er in seiner Zeit als Untersuchungsrichter in Graz gelernt hat und macht sich so bei den neuen Kollegen erstmal gleich unbeliebt. Daraufhin wird er auf einen weniger spektakulären Fall angesetzt, um erst einmal ruhig gestellt zu werden. Doch auch hier ergeben sich Ungereimtheiten und Leopold schafft es sich weiter unbeliebt zu machen.

Oliver Pötzsch begibt sich mit seiner neuen Reihe ins Wien am Ende des 19. Jahrhunderts. Leopold von Herzfeld ist nicht der einzige Hauptcharakter, so lernen wir auch noch Augustin Rothmayer kennen, einen Totengräber auf dem Zentralfriedhof, der an einem Almanach für Totengräber schreibt. Und Julia Wolff, eine Telefonistin aus dem Polizeipräsidium, die so manches Geheimnis hat.

Der Kriminalfall ist sehr verzwickt und es bleibt bis zur spektakulären Auflösung unklar, wie denn nun die einzelnen Todesfälle miteinander zusammenhängen. Pötzsch schafft es während der Ermittlungen eine unheimlich dichte Atmosphäre aufzubauen, die mich ein wenig an Babylon Berlin erinnert hat. Leopold steht mit seinen Ermittlungsansätzen ziemlich allein da und erhält von seinen Kollegen nur wenig Unterstützung. Dass er Jude ist, macht ihn bei einigen Kollegen noch unbeliebter, war doch der Hass auf Juden damals doch sehr präsent in der Wiener Gesellschaft. So bleibt ihm nur die Unterstützung von Julia und Augustin, der aber eigentlich nur seine Ruhe haben will.

Das Buch besticht durch den Wiener Dialekt, der sehr geschickt eingesetzt wird und den ich beim Lesen direkt hören konnte. Das macht das Buch noch authentischer und ich fand den Einsatz auch genau richtig dosiert.

Die Kapitel sind mit Auszügen von Rothmayers Almanach überschrieben, die einen Einblick in die Arbeit des Totengräbers bringen und in den Aberglauben, der damals noch bezüglich der Toten und vermeintlich Untoten herrschte.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen, ich fand es durchgehend spannend und ich habe mit Leopold mitgefiebert und gelitten. Ich hoffe sehr, dass es um das Trio Leopold, Julia und Augustin noch weitere Fälle geben wird, ich würde gerne wissen, wie es mit den dreien weitergeht. Von daher kann ich das Buch nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 13.08.2021

Leseurlaub in Südtirol

Bergland
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Tiefenthal in Südtirol ist ein Hochgebirgstal, in dem das Leben schon immer hart war. In den vierziger Jahren übernimmt Rosa den Hof, nachdem ihr Vater gestorben ist und ihre Brüder im Krieg verschollen. ...

Tiefenthal in Südtirol ist ein Hochgebirgstal, in dem das Leben schon immer hart war. In den vierziger Jahren übernimmt Rosa den Hof, nachdem ihr Vater gestorben ist und ihre Brüder im Krieg verschollen. Durch ihr Geschick schafft sie es sich dort oben selbst zu versorgen und auch ihren Sohn alleine groß zu ziehen. Zwei Generationen weiter ist das Leben nicht einfacher geworden. Neben dem Hof haben Franziska und ihre Familie auch auf Ferienwohnungen gesetzt. Doch hier ist man eigentlich nicht mehr selbstbestimmt, der Dachverband hat strikte Vorgaben und die Touristen sind anspruchsvoll.

Jarka Kubsova erzählt vom Leben in einem Hochtal in Südtirol von den Vierzigern bis heute. Damals wie heute ist es nicht einfach genug zum Leben zu haben. Gerade in der gegenwärtigen Geschichte habe ich viel wiedererkannt und ich habe mich die ganze Zeit gefragt wo Tiefenthal denn nun eigentlich liegt. Ich selbst fahre ja nun schon seit meiner Kindheit nach Südtirol in den Urlaub und mir ist die Gegend um Meran zur zweiten Heimat geworden. Daher hatte ich dauernd das Gefühl die Gegend zu kennen und siehe da, die Autorin hat wohl mehrere Monate im Ultental gelebt, dass ich auch kenne, da der Schwager meiner besten Freundin von dort kommt.

Mir haben die Beschreibungen der Natur und der Lebensumstände sehr gut gefallen und auch nachdenklich gemacht. Was ich schön fand, war, dass die Familie am Ende gemeinsam zurück auf Rosas Art zu leben zurückschwenkt und damit wieder mit der Natur, anstatt gegen sie zu leben. Der Umstieg auf Bio und naturnahe Landwirtschaft klingt in diesem Buch definitiv nicht nach neumodischer Idee, sondern nach einer Rückkehr zu dem was die Generation von Rosa schon wusste. Gerade in heutigen Zeiten ist das ja durchaus ein Thema.

Ich kann das Buch nur empfehlen, für mich war es wie ein kleiner Urlaub in Südtirol.

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