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Veröffentlicht am 08.09.2019

Bruderzwist

Teufelskrone
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Rebecca Gablé nimmt uns wieder mit nach Waringham. Nachdem wir im letzten Band Königin Elisabeths Zeit erleben durften, folgt nun der Sprung zurück in die Zeit von Richard Löwenherz und John Ohneland. ...

Rebecca Gablé nimmt uns wieder mit nach Waringham. Nachdem wir im letzten Band Königin Elisabeths Zeit erleben durften, folgt nun der Sprung zurück in die Zeit von Richard Löwenherz und John Ohneland. In Waringham ist Jocelyn der Baron und seine beiden Söhne dienen unterschiedlichen Plantagenets. Guillaume, der Ältere, war mit König Richard auf dem Kreuzzug und bringt die Nachricht von dessen Gefangennahme auf der Rückreise nach England. Sein jüngerer Bruder Yvain tritt kurz darauf als Knappe in Prinz Johns Haushalt ein. Das Verhältnis zwischen den Brüdern ist daher etwas angespannt, kann Guillaume John doch gar nichts abgewinnen. Doch im Gegensatz zu den Plantagenet Brüdern, schaffen es die Waringhams sich nicht zu entzweien. Ihr Verhältnis bleibt Zeit ihres Lebens freundschaftlich.

Yvain bleibt trotz vieler Zweifel John lange treu, auch wenn es immer wieder zu Zerwürfnissen kommt. Doch irgendwann bricht das Verhältnis und Yvain muss sich entscheiden, wen er in Zukunft unterstützen will.

Rebecca Gablé gelingt es in ihrem Roman eine Seite von König John zu zeigen, die in den meisten anderen historischen Romanen eher nicht zu finden ist. John ist durchaus taktisch begabt und auch im Krieg erfolgreich. Allerdings leidet er immer wieder darunter, mit seinem großen Bruder verglichen zu werden. Und im Gegensatz zu seinem Bruder ist er kein Glückspilz. Am Ende zeigt sich dann das grausame Gesicht, das alle Welt kennt. Diesen Wandel hat die Autorin wirklich toll beschrieben und anhand der Figur von Yvain lässt sich auch gut nachvollziehen, wie sehr diese Wandlung auch seine Bundesgenossen beschäftigt haben muss.

Wie immer ist dieser Roman auch ein Ausflug in die Zeit, man lernt viel über das Leben bei Hofe, im Krieg und auf dem Land. Ich hatte immer das Gefühl einen guten Blick auf diese Zeit zu haben und das Kopfkino lief von Anfang an. Generell hatte ich von der ersten Seite an das Gefühl nach Hause zu kommen. Yvain und sein Bruder sind typische Waringhams, inklusive der familiären Seekrankheit, dem Gespür für Pferde und dem vorlauten Mundwerk. Und auch die seherischen Fähigkeiten, die in den späteren Generationen immer wieder auftauchen, sind hier schon Teil der Familie. Beatriz, Yvains Frau, hat sogenannte gläserne Träume. Ihre Figur war zusammen mit Richard und Guillaume eine meiner Lieblingsfiguren.

Es bleibt zu hoffen, dass Rebecca Gablé nun die Lücke zwischen den Generationen schließen wird. Zwischen dem Ende diesen Buches und dem Auftritt der nächsten Waringham-Generation liegt doch gut ein Jahrhundert und aus dieser Zeit gibt es sicher noch einiges zu erzählen.

Mit leisem Bedauern habe ich das Buch geschlossen und kann es allen Fans von gut recherchierten historischen Romanen empfehlen. Für langjährige Waringham Fans ist das Buch sowieso ein Muss.

Bleibt zu hoffen das es bald wieder Nachschub gibt. Bis dahin werde ich wohl noch den ein oder anderen Band der Reihe ein weiteres Mal lesen.

Veröffentlicht am 01.09.2019

lebendige Mythologie

Ich bin Circe
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Circe, Tochter des Helios und der Perse leidet sehr an der Verachtung, die ihr von ihrer Familie entgegengebracht wird. Sie sei zu hässlich und ihre Stimme zu dünn. In den Augen ihrer Familie, die aus ...


Circe, Tochter des Helios und der Perse leidet sehr an der Verachtung, die ihr von ihrer Familie entgegengebracht wird. Sie sei zu hässlich und ihre Stimme zu dünn. In den Augen ihrer Familie, die aus Titanen und Nymphen besteht, ist sie eine Missgeburt.
Durch Zufall findet Circe jedoch heraus, dass die Wirkstoffe von bestimmten Pflanzen jeden in seine eigentliche, wahre Gestalt verwandeln kann. Erst verwandelt sie damit ihren sterblichen Geliebten, um ihn an sich zu binden. Und später eine Cousine, aus Rache dafür, dass diese ihr eben diesen Geliebten weggenommen hat. So ist sie diejenige, die für das Entstehen des Monsters Scylla verantwortlich ist.
Als Strafe dafür und aus Angst der Olympier vor dieser neuen erdgebundenen Kraft, der sie nichts entgegensetzen können, wird Circe auf eine Insel verbannt. Hier lebt sie ihr Leben meist alleine, doch gelegentlich treffen Seefahrer bei ihr ein, bis eines Tages auch Odysseus vor ihr steht.
Dies dürfte der Teil der Geschichte sein, der den meisten bekannt ist, ist dies doch ein Teil aus Homers Odyssee. Doch Circe ist mehr als nur die Hexe, die Odysseus Männer in Schweine verwandelt hat.
Madeline Miller gelingt es in ihrem Buch, die doch oft etwas trockenen Göttersagen und Heldengeschichten der griechischen Mythologie lebendig werden zu lassen. So begegnen wir nicht nur Odysseus, sondern auch Daidalos und wohnen der Geburt des Minotaurus bei. Indirekt erfahren wir, wie es Ariadne und Theseus erging, was Medea dazu brachte das goldene Vlies zusammen mit Iason von ihrem Vater zu entwenden und wie es am Hof des Titanen Okeanos zuging.
Circe selbst lernt man sehr gut kennen, ihre Zweifel, ihre Wünsche. Alleine auf ihrer Insel und mit Unsterblichkeit gesegnet (oder vielleicht eher verflucht?) hat sie genügend Zeit sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Und zu erkennen, dass sie den Sterblichen doch eher zugeneigt ist, als dem unsterblichen Götterhaufen, aus dem sie entstammt. Die Autorin lässt das Handeln der Götter teilweise wie Kindergartengehabe aussehen, in dem die Sterblichen einzig ein gesichtsloses Spielzeug sind, das man bei Gelegenheit einfach entsorgen kann. Circe hingegen entwickelt früh ein Gewissen, im Gegensatz zu ihrer Familie.
Die griechische Mythologie wird hier einmal aus der weiblichen Sicht erzählt. Circe interessiert sich eigentlich nicht für Politik, sie ist an den Menschen und ihrer Umgebung interessiert. Dies wird ihr, alleinstehend auf ihrer Insel, aber auch zum Verhängnis. Da sie allein ist und keinen männlichen Beschützer an ihrer Seite hat, ist sie für die schiffbrüchigen Seefahrer Freiwild. Nur mit ihrer Hexenkraft kann sie sich gegen die Übergriffe wehren, daher nennt sie bald eine Menge Schweine ihr Eigen. Erst Odysseus lehrt sie, nicht alle über einen Kamm zu scheren.
Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Die lebendige Erzählweise macht das Buch gut lesbar und Circe wächst dem Leser schnell ans Herz. Ihre Entwicklung ist gut nachvollziehbar und bringt sie dem Leser nahe, was bei den üblichen Mythologie Geschichten eher selten der Fall ist. Am Ende fällt es schwer das Buch zuzuklappen und sie zu verlassen.
Vieles wird dem Leser sicher bekannt vorkommen, aber dieses Buch schafft es den vorhandenen, bekannten Rahmen mit Leben zu füllen. Daher kann ich das Buch nicht nur Lesern mit genauen Kenntnissen der griechischen Mythologie empfehlen.

Veröffentlicht am 27.08.2019

Romantische Komödie

Effi liest
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Elena Sophie von Burow, genannt Effi findet in ihrem Mädchenpensionat ein Buch. Sie kann kaum einen Blick hineinwerfen, da wird sie auch schon wegen des Buches der Schule verwiesen. Angeblich schade ihr ...

Elena Sophie von Burow, genannt Effi findet in ihrem Mädchenpensionat ein Buch. Sie kann kaum einen Blick hineinwerfen, da wird sie auch schon wegen des Buches der Schule verwiesen. Angeblich schade ihr der Inhalt des Buches.
Zurück in Berlin überredet Effi ihren Vater sie studieren zu lassen. Der stimmt zu, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie sie gleichzeitig auf ein Leben als Ehefrau vorbereitet. Ihre Tante Augusta soll sie dabei unterstützen. Und so beginnt Effi Latein zu lernen und gleichzeitig Augusta alles recht zu machen.
Auf der Fahrt nach Hause hat Effi Max von Waldau kennen gelernt, mit dem sie ein anregendes Gespräch führen konnte. Max ist Arzt und auf dem Weg, um in Berlin seine Stelle bei Dr. Fliess anzutreten. Dr. Fliess forscht zusammen mit Sigmund Freud an den Ursachen der damals unter Frauen um sich greifenden Hysterie. Ab hier kommt man dann aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Anna Moretti trägt die damals gängigen medizinischen Ansichten zusammen und die sind teilweise wirklich sehr abenteuerlich. Allein Effis Interesse an einem Buch über die Genüsse und ihr Dauerschnupfen führt dazu, als vollkommen sexuell überreizte Person angesehen zu werden, die dringend operativ behandelt werden muss.

Mich hat das Buch gut unterhalten, viele der Dinge, die Effi wiederfahren sind so absurd, dass man drüber lachen muss. Allerdings ist es traurig, dass es damals tatsächlich so war und wohl viele Frauen sehr unter dem medizinischen Nonsens der männlichen Ärzte zu leiden hatten.
Das Buch ist schön geschrieben, die Seiten fliegen nur so dahin. Durch die Briefe von Max an seinen Bruder Ben am Ende jeden Kapitels erfährt man auch vieles aus seiner Gedankenwelt und gerade dadurch wird ziemlich deutlich, wie unsinnig doch viele der Benimmregeln damals doch waren, machten sie es den Menschen doch unmöglich, sinnvoll miteinander zu kommunizieren.

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 25.08.2019

Eine neue Zeit

Amalientöchter
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Weimar, Ende 1918. Klara ist mit ihrer Situation als gehobene Tochter eher unzufrieden. Die vielen Regeln, die sie zu befolgen hat, erscheinen ihr einfach nur unsinnig. Nur gut, dass ihr Fast-Verlobter ...

Weimar, Ende 1918. Klara ist mit ihrer Situation als gehobene Tochter eher unzufrieden. Die vielen Regeln, die sie zu befolgen hat, erscheinen ihr einfach nur unsinnig. Nur gut, dass ihr Fast-Verlobter auch eher ungewöhnliche Wege geht und als Arzt eher Interesse am gemeinen Volk, als an den Patienten seines Vaters hat.

Als Fritz wieder nach Berlin will, beschließt sie ihm zu folgen, auch wenn es dort gerade jetzt nicht ungefährlich ist. Aber sie hofft, durch ihre Anwesenheit Fritz dazu zu bringen, nicht an vorderster Front sein Glück zu suchen.


In Berlin angekommen ist sie erst einmal verwirrt und dann sehr angetan von der trubeligen Stadt. Hier scheint alles möglich, so wie in Weimar alles unmöglich ist. Erst wird der Rock und dann die Haare kürzer und auch das eigene Denken und die eigenen Wünsche nehmen zu. Vor allem der Wunsch eigenes Geld zu verdienen. Als Martha, die Frau von Fritz Onkel ihr die Möglichkeit bietet für ihre Zeitschrift zu schreiben, scheint das Glück perfekt.


Doch Fritz zieht es zurück nach Weimar und nur die Aussicht, die dort anstehende Nationalversammlung erleben zu können, bringt Klara dazu ihm zu folgen und das geliebte Berlin wieder zu verlassen. Und tatsächlich wird dann auch ein Artikel von Klara zum großen Aufreger in der Nationalversammlung.


Mir hat dieses Buch von Joan Weng wieder gut gefallen, ihre Frauenfiguren sind einfach klasse. Klara hat zwar gelernt die alten Regeln zu befolgen, aber die neue Zeit und die Möglichkeiten, die sich für Frauen dadurch ergeben faszinieren sie. Sie möchte auch ein Stück vom Kuchen haben und wird von den anderen Frauen in Berlin nur bestärkt. Die Männer hingegen, sind zwar teilweise recht fortschrittlich, aber wenn sie durch die Frauenrechte plötzlich etwas anders machen müssen, auch nicht mehr begeistert. Am Ende denken sie dann doch, dass alles nach ihrem Willen geht.


Das Buch ist ein Plädoyer dafür auch mal mutig zu sein und nicht immer das zu machen, was von einem erwartet wird. Auch wenn es dann ungemütlich wird. Denn ohne etwas zu wagen, wird sich nie etwas verändern.


Gerne hätte ich noch mehr über Klara und ihre Zukunft erfahren, das Ende blieb dann ja doch relativ offen, wie es denn nun bei ihr weiter geht. Aber vielleicht ist das ja auch einfach die Möglichkeit in einem weiteren Buch von Klara und ihrer Zukunft in der Weimarer Republik zu erzählen.


Von mir eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 23.08.2019

Schöner Liebesroman

Wohin das Herz mich führt
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Clare ist nach drei Jahren Koma wieder erwacht und muss sich nun in ihrem neuen Leben zurecht finden. Ihren Mann hat sie freigegeben für seine neue Frau, doch was bleibt für sie?

Zurück in ihrem Haus ...

Clare ist nach drei Jahren Koma wieder erwacht und muss sich nun in ihrem neuen Leben zurecht finden. Ihren Mann hat sie freigegeben für seine neue Frau, doch was bleibt für sie?

Zurück in ihrem Haus stellt sie fest, dass sie hier nicht bleiben kann, zu sehr quälen sie die Erinnerungen an die Zeiten mit Jack und ihrer Familie hier. So beschließt sie, ihrem Bruder zu helfen und die Renovierung dessen Ferienhauses in Vermont zu übernehmen.

Dort angekommen findet sie schnell Anschluss in der Dorfgemeinschaft und einen Handwerker, der nicht nur das Haus renoviert, sondern auch ihr Herz höherschlagen lässt.

Gleichzeitig bricht Kate nach Nashville auf, um dort ihre Karriere voran zu treiben. Ihr Vater stellt sie einem seiner Freunde vor, der ein Auge auf sie haben soll. Doch daraus wird schnell mehr, auch wenn der Altersunterschied beträchtlich ist.

Mir hat das Buch wieder ausgesprochen gut gefallen, fast besser als der erste Band der Reihe. Wieder sind die Themen, um die es sich dreht nicht einfach, gerade Kates Geschichte war für mich schwierig. Dahingegen waren die Teile in Vermont einfach pure Wohlfühlmomente. Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil die Orte vor dem inneren Auge erscheinen zu lassen, als wäre man selbst dort.


Ich werde die Reihe, deren nächste Teile demnächst erscheinen werden, auf jeden Fall weiterverfolgen. Auch dieses Buch war wieder sehr lesenswert und hat eine Leseempfehlung verdient.