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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2021

Ein philosophischer Blick auf unsere heutige Digitalisierung

Verloren im Cyberspace. Auf dem Weg zur posthumanen Gesellschaft
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Cyberspace, das ist eine von Computern erzeugte virtuelle Scheinwelt. In diesem Buch geht es nicht nur um diese Scheinwelt, sondern noch viel mehr um den Cybermensch, das Wesen, das diese pseudoreale Welt ...

Cyberspace, das ist eine von Computern erzeugte virtuelle Scheinwelt. In diesem Buch geht es nicht nur um diese Scheinwelt, sondern noch viel mehr um den Cybermensch, das Wesen, das diese pseudoreale Welt bevölkert.

Der Philosoph und Journalist Joachim Köhler möchte mit diesem Buch wachrütteln. Er warnt vor den Gefahren des Internets und zeigt, wie sehr wir alle manipuliert werden. Er geht auf Gefahren und auf aktuelle Skandale ein, und zum Schluss gibt er einige Hinweise zu einem bewussten Umgang mit dem Netz.

„Die Cyberwelt bietet sich als universale Dienstleistung an, die so gut wie nichts kostet. Sie präsentiert sich als allgegenwärtige Alternative zur wirklichen Welt. … Man glaubt am Steuerhebel seines eigenen Lebens zu sitzen. Und ist doch unmerklich selbst gesteuert: Was einem als ureigenstes Interesse erscheint, wird einem von diesem Wunderland der Wünschbarkeiten selbst nahegelegt. Man glaubt, sich mittels Maus, Tastatur oder Touchscreen die Welt untertan zu machen, wird aber selbst mit einem einzigen Mausklick zum Untertanen der Betreiber.“

„Der Cybermensch ist auch deshalb Sklave, weil die Cyberwelt keine Pausen kennt. Sie fordert, ohne zu fördern. Das Internet steht immer zur Verfügung, verlangt aber auch ständige Aufmerksamkeit. Man muss immer bereitstehen und auf die Zeichen achten, die eine schnelle Reaktion erfordern.“

Von den Anfängen in Kalifornien bis zur heutigen Beeinflussung von Wahlen oder dem Kämpfen mit Drohnen, zeigt der Autor das Schreckensbild einer Technologie, die droht uns zu beherrschen. War das Internet am Anfang eine hilfreiche Vernetzung mit dem Motto, „Tue nichts Böses,“ geht es heute vor allem um Profit und Manipulation.

Der Autor geht in den einzelnen Kapiteln auf verschiedene Aspekte des Themas ein. Mal geht es um Computerspiele und um die psychologische Trinks, die eingesetzt werden, um Konsumenten zu binden, mal geht es um Fake News und die Folgen, oder um Trolls in Chatrooms. Mit feuriger und leidenschaftlicher Sprache warnt der Autor vor der Vereinnahmung, die uns droht. Leider fehlen für viele Aussagen Belege. Außerdem scheint es als würde der Autor im Eifer des Gefechts manche Aussagen übertreiben.

Eine solche Vereinnahmung, wie wir sie erleben, wäre ohne den Verbraucher nicht möglich. Mehrmals betont der Autor, wie sehr wir uns einnebeln lassen, beispielsweise von den Versprechen einer sofortigen Wunscherfüllung oder dem gigantischen Wissensschatz, der uns in Sekundenschnelle zur Verfügung steht. Dieser Reiz führt dazu, dass wir das wirkliche Leben nicht mehr leben, befinden wir uns doch ständig in einer Scheinwelt. Die schreckliche Vision einer Welt, in der jeder alleine in seinem winzigen Wohnraum vegetiert und sich alle Wünsche digital erfüllen lässt, zieht sich durch das Buch.

Mit kurzen Worten zeigt der Autor am Schluss als Antwort den Wert der Gelassenheit, der Stille, des Nichtstuns – der Freiheit von dem Zwang immer online zu sein.

Fazit: Ein wertvolles und bewegendes Buch, das über die Gefahren der Cyberwelt aufklärt. Der wortgewandte Autor zeigt auf, wie wir die Opfer der Mächtigen sind, denen es um Profit und Manipulation geht. Trotz einiger Wiederholungen ein sehr empfehlenswertes Buch!

Veröffentlicht am 02.06.2021

Eine Auseinandersetzung mit unbewussten, rassistischen Gedanken

Me and White Supremacy – Warum kritisches Weißsein mit dir selbst anfängt
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Layla Saads Instagram Challenge, #MeAndWhiteSupremacy, wurde zu einem schlagenden Erfolg. Teilnehmer sollten 28 Tage lang über „white supremacy“ nachdenken, über die bessere Behandlung, die Menschen mit ...

Layla Saads Instagram Challenge, #MeAndWhiteSupremacy, wurde zu einem schlagenden Erfolg. Teilnehmer sollten 28 Tage lang über „white supremacy“ nachdenken, über die bessere Behandlung, die Menschen mit einer hellen Hautfarbe erfahren. Oft unbewusst, schlummert in jedem Menschen die Haltung, dass weiße Menschen wertvoller sind, meint die Autorin. Sie fordert ihre Leser auf ehrlich zu sich selbst zu sein und diese Vorurteile wahrzunehmen, damit sie ausgeräumt werden können. Sie gibt zu, dass das nicht einfach ist, und sogar sehr schmerzhaft sein kann. Und doch ist es wichtig.

Nach einer längeren Einleitung beginnt die „Arbeit“. Vier Wochen lang gibt es für jeden Tag einen Text, der ein bestimmtes Problem beleuchtet. Die Tagesabschnitte lassen sich in jeweils etwa zehn Minuten lesen. Jeder Beitrag beginnt mit einem aussagekräftigen Zitat. Nach einigen grundsätzlichen Gedanken zeigt die Autorin wie sich das beschriebene Problem äußert und warum es wichtig ist sich damit auseinanderzusetzen. Am wertvollsten sind vermutlich die Fragen am Schluss, die jeder Leser persönlich beantworten soll. Gerade diese Reflektion sorgt dafür, dass das Herz berührt wird und Veränderung eintritt.

Jede Woche hat einen bestimmten Schwerpunkt. In der ersten Woche geht es um die Grundlagen, also um Denkstrukturen, die uns unbewusst bestimmen. Die zweite Woche steht unter dem Thema Rassismus, in der dritten Woche geht es um Solidarität, und in der vierten Woche schließlich um Beziehungen.

Die Autorin ist selbst schwarz. Als Kind wurde ihr von ihrer Mutter gesagt, dass sie sich als schwarzes Mädchen besonders anstrengen muss, denn sie würde härter arbeiten müssen, um das Gleiche zu erreichen wie andere. Das spürt sie auch schmerzhaft in der britischen Schule, die sie besucht. Eine Generation weiter beobachtet sie immer noch dasselbe Problem; so gibt es beispielsweise an der internationalen Schule ihrer Kinder fast nur weiße Lehrer.

Die Stärke dieses Buchs sind die persönliche Erfahrungen der Autorin. Ganz offen berichtet sie von ihren Schwierigkeiten, aber auch von ihren Erfolgen. Man spürt ihre große persönliche Betroffenheit, und das steckt an. Vielleicht geht sie zu weit, wenn sie behauptet, dass in jedem Menschen eine rassistische Einstellung steckt, außerdem erscheinen die einleitende Worte etwas zu lang und vielversprechend, doch neben diesen kleinen Nachteilen ist es ein lohnenswertes Buch.

Fazit: Eine Arbeitsbuch, um sich mit dem Thema Rassismus und das Privileg des Weißseins auseinanderzusetzen. In einer gelungen Form und mit einer lebendiger Schreibweise, ist dieses Buch empfehlenswert.

Veröffentlicht am 26.05.2021

Ein Bankräuber kehrt um

Knallhart durchgezogen
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Eine Zeitlang scheint es das Leben gut mit dem Autor dieses Buch zu meinen. Sein Baugeschäft boomt, er hat Aufträge und Geld. Doch dann stellt er fest, dass er schlecht gewirtschaftet hat. Er schuldet ...

Eine Zeitlang scheint es das Leben gut mit dem Autor dieses Buch zu meinen. Sein Baugeschäft boomt, er hat Aufträge und Geld. Doch dann stellt er fest, dass er schlecht gewirtschaftet hat. Er schuldet den Banken eine Menge Geld. Zudem scheitert seine Ehe und seine Frau fordert hohe Unterhaltszahlungen für die fünf gemeinsamen Kinder. Er fühlt sich in die Ecke getrieben und ist wütend. Da scheint es naheliegend zu sein sich das Geld von den Bösen zu holen, den Banken.

Als Kleinkind leidet Rudolf Szabo unter einer lieblosen Erziehung. Auch seine Schulzeit ist wegen der vielen Umzüge seiner Familie, zuerst in Österreich, dann in der Schweiz, schwierig. Richtig angekommen fühlt er sich erst, als er beim Militär ist. Er wird Elitesoldat und lernt nicht nur den Umgang mit Waffen, sondern auch strategisch geschickt Einsätze durchzuführen. Dazu wird er angeleitet jegliches Mitgefühl für die Opfer auszublenden. Wie er diese Fähigkeiten später einsetzen wird, ahnt er damals nicht.

Der Autor findet seine Traumfrau und gründet mit ihr eine Familie. Er merkt nicht, dass er auf einen Abgrund zusteuert, bis es zu spät ist. Ehe, Familie, Karriere – auf einen Schlag verliert er alles. Voller Wut überfällt er zuerst den Freund seiner Frau. Da er dort nur wenig Geld erbeuten kann, entschließt er sich Banken und Geschäfte auszurauben. Seine militärische Erfahrung kommt ihm zugute. Zwei junge Mitarbeiter seiner Firma sind bereitwillige Komplizen.

Erfolgreich führt er mehrere Überfälle durch, doch schließlich wird er festgenommen und eingesperrt. Am meisten leidet der Autor unter der Trennung von seinen Kindern, die er sehr liebt. In der Stille seiner Gefängniszelle kommt er zur Besinnung. Er erkennt, wie sehr er seinen Opfern geschadet hat. Er leidet unter seiner großen Schuld, doch es dauert lang, bis er einen Weg findet von dieser Schuld frei zu werden.

Diese Buch ist spannend geschrieben, auch wenn manche Lebensphasen vielleicht etwas zu ausführlich beschrieben werden. Die Umkehr des Autors zum christlichen Glauben wird erst auf den letzten Seiten konkret, ein größeres Gewicht liegt auf dem Alltag im Gefängnis. Die verschiedenen Varianten des Strafvollzugs werden gut beschrieben, und es wird deutlich wie das System in den meisten Fällen den Tätern nicht zur Veränderung hilft.

Rudolf Szabo hat Glück – oder ist es Gottes Gnade? Er kommt in eine Einrichtung, die einen offenen Strafvollzug praktiziert. Mit psychologischer und seelsorgerlicher Begleitung kann er die Wunden seiner Vergangenheit aufarbeiten. Bei allem Verständnis für den Autor, bleibt beim Lesen doch Trauer für das große Trauma, das er im Leben vieler angerichtet hat.

Fazit: Eine interessante Lebensgeschichte über einen Bankräuber, der eine tiefgreifende Lebensveränderung erlebt. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 03.05.2021

Von der Freiheit, die mit der Liebe eines Vaters ins Leben kommt

Ich werde dich nie verlassen. Gott
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Dieses Buch ist wie ein Liebeslied, das die Liebe des himmlischen Vaters besingt. Der Pastor Louie Giglio weiß, wie wichtig die Liebe eines Vaters ist, und wie enttäuschend es sein kann, wenn diese Liebe ...

Dieses Buch ist wie ein Liebeslied, das die Liebe des himmlischen Vaters besingt. Der Pastor Louie Giglio weiß, wie wichtig die Liebe eines Vaters ist, und wie enttäuschend es sein kann, wenn diese Liebe fehlt. Er erzählt von seinem eigenen Vater, der sein Bestes gab, und doch kein vollkommener Vater war.

Ein Kind sehnt sich nach der Liebe und Aufmerksamkeit seines Vaters, doch oft spielt der Vater keine Rolle im Leben des Kindes oder er verletzt sein Kind sogar. Das macht es schwer eine Beziehung mit dem himmlischen Vater zu haben.

In diesem Buch geht der Autor dieses Problem Schritt für Schritt an. Er beginnt, indem er beschreibt, wie wichtig diese Liebe ist. Dann geht er auf verschiedene Gottesbilder ein und erklärt, wie wir wissen können, wie Gott wirklich ist.

Nach einer Beschreibung der verschiedenen Arten von menschlichen Vätern, zeigt Giglio wie Jesu Tod die Liebe des Vaters deutlich macht. Besonders hilfreich ist das anschließende Kapitel, in dem es um Vergebung geht – Vergebung, die möglich ist, da uns vergeben wurde. Schließlich malt er uns die vollkommenen Eigenschaften Gottes vor Augen, und lädt dazu ein diesen Vater als Vorbild zu nehmen.

Louie Giglio ist in Amerika vor allem für die von ihm initiierten großen Studentenkonferenzen bekannt. Um die fünfzig Tausend Studenten kommen einmal im Jahr zusammen, um Anregungen für ihren Glauben zu bekommen.

Der Schreibstil dieses Buchs ist einfach und passt besonders gut zu einem jungen Publikum. Entstanden aus Vorträgen, die Giglio zu diesem Thema gehalten hat, ist dieses Thema sein Lebensthema, und man spürt deutlich seine Begeisterung für den vollkommenen himmlischen Vater. Der Schreibstil erinnert an eine Predigt oder einen Vortrag. Kerngedanken werden immer mal wieder wiederholt, was manchen Lesern besonders gut gefallen wird, andere werden sich vielleicht an den Wiederholungen stören.

Mit vielen Beispielen und Vergleichen ist dieses Buch leicht zu lesen, doch der Inhalt ist manchmal schwer verdaulich. Gerade das Thema Vergebung wird manche Leser stocken lassen, doch Giglios Anliegen ist ein Leben in Freiheit, und Vergebung ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Fazit: Ein gutes und wichtiges Buch, das ein wunderschönes Bild von der Liebe unseres himmlischen Vaters vor Augen malt. Dieses Buch ist besonders empfehlenswert für Menschen, die das Vaterherz Gottes kennenlernen wollen.

Veröffentlicht am 03.05.2021

Sterben, um zu leben

Jung sterben
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Als Teenager ist Henok so krank, dass er meint er müsse sterben. In einer qualvollen Nacht ringt er mit Gott. Ihm wird bewusst, dass er nicht bereit ist. Er erkennt, dass Gott bisher keine große Rolle ...

Als Teenager ist Henok so krank, dass er meint er müsse sterben. In einer qualvollen Nacht ringt er mit Gott. Ihm wird bewusst, dass er nicht bereit ist. Er erkennt, dass Gott bisher keine große Rolle in seinem Leben gespielt hat, und das tut ihm angesichts des Todes leid. Er verspricht Gott, dass er für ihn leben wird, wenn Gott ihm eine zweite Chance gibt.

In diesem Buch geht es um das Sterben, aber es ist keineswegs ein trostloses Buch. Henok lädt den Leser dazu ein das eigene Leben aufzugeben und für Jesus zu leben. Das ist das einzige lohnende Leben – ein Leben, das in dieser Welt einen Unterschied macht.

In sieben Kapiteln beleuchtet der Autor dieses Thema aus verschiedenen Perspektiven. Zuerst erklärt er warum es sich lohnt sich Jesus hinzugeben. In den anschließenden Kapiteln werden nacheinander verschiedene Hindernisse und Einwände untersucht, zum Beispiel Ablehnung, Furcht, Süchte, oder das Gefühl zu jung zu sein.

Der Autor erzählt viel aus seinem eigenen Leben. Anschließend zeigt er anhand von biblischen Vorbildern Antworten und Hilfen, um mit dem Thema umzugehen. Jedes Kapitel schließt mit einem kurzen Zeugnis von einem jungen Menschen, der erzählt, wie er für Gott lebt. Danach folgt jeweils ein „Challenge“, eine Herausforderung, um das Gelesene praktisch umzusetzen.

Henoks Schreibweise ist sehr ermutigend. Es ist erstaunlich über welche Weisheit dieser junge Mann, der erst Mitte zwanzig ist, verfügt. Obwohl er von seiner erfolgreichen Arbeit als Evangelist und Wohltäter in Afrika erzählt, prahlt er nicht mit seinen Verdiensten, sondern in einer wohltuenden Weise erzählt er auch von seinen Schwächen.

An manchen Stellen stören vielleicht die kämpferische Aufforderungen an diese Generation die Welt zu verändern. Er spricht von seiner Vision, dass Hunderttausende oder gar Millionen zu Jesus finden werden. Obwohl es nur an wenigen Stellen deutlich wird, ist dieses Buch eher im charismatischen oder pfingstlerischen Bereich des evangelikalen Christentums beheimatet. Die meisten Aussagen werden aber sicher Christen aller Konfessionen unterstreichen können.

Fazit: Dieses herausfordernde Buch hat einen flüssigen Schreibstil und ist leicht zu lesen. Die Einladung ganz für Jesus zu leben richtet sich vor allem an junge Menschen, ist aber für alle sehr empfehlenswert. Wie der Autor schreibt, „Für Jesus zu sterben und ihm gehorsam zu sein, hört nie auf, sondern ist ein ständiger Prozess und eine tägliche Entscheidung.“