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Veröffentlicht am 16.04.2019

Drei fremde Kulturen kennengelernt, doch wenig gelernt

Das Jahr nach dem Abi
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Der Autor dieses Buchs, Paul Bühre, wurde schon in jungen Jahren durch sein Buch „Teenie Leaks“ bekannt. Mit seinem Verdienst als Autor erfüllt sich der Abiturient einen langgehegten Traum. Ein Jahr lang ...

Der Autor dieses Buchs, Paul Bühre, wurde schon in jungen Jahren durch sein Buch „Teenie Leaks“ bekannt. Mit seinem Verdienst als Autor erfüllt sich der Abiturient einen langgehegten Traum. Ein Jahr lang reist er in verschiedene Länder.

Seine erste Station ist eine Kung-Fu-Schule in China. Schon immer von Action-Helden begeistert, möchte er diese Kampfsportart erlernen. Er staunt über die kleinen Kinder, die in dieser traditionellen Schule leben. Sie trainieren jeden Tag viele Stunden und werden bei Fehlern körperlich gezüchtigt. Als zahlender Gast hat Paul natürlich wesentlich mehr Freiheit. Da er keine Vorkenntnisse hat, ist der Unterricht schwerer als erwartet und der Meister nur selten zufrieden.

Nach mehreren Monaten reist er weiter zur nächsten Station. In einer ärmlichen Dorfschule in Indien soll er die Grundschüler unterrichten. Er sehnt sich zurück nach den chinesischen Kindern, denn seine Schüler sind kaum zu bändigen. Der Unterricht scheitert auch an der Sprache – die Kinder können nur sehr wenig Englisch, und Paul Bühre kann kein Tamil. Das Zusammenleben mit seinen Gastgebern wird immer unangenehmer, und schließlich reist der Autor weiter.

Nach einem kurzen Stopp Zuhause, geht es nach Schottland. Sein Gastgeber dort sucht einen Helfer für verschiedene Aufgaben auf seinem Grundstück. Paul Bühre merkt schnell, dass praktische Arbeiten ihm überhaupt nicht liegen. Nach einer kurzen Phase, in der er sehr glücklich ist, geht es auch hier schnell bergab, und schneller als erwartet ist er wieder in Deutschland.

Wer vor allem an fremde Länder und Kulturen interessiert ist, wird vermutlich von diesem Buch enttäuscht sein. Zwar erfährt der Leser ein paar Einzelheiten über das Leben in diesen drei Ländern, aber sehr viel mehr ist von dem Frust des Autors die Rede. In China fühlt er sich am wohlsten, aber auch da ärgert er sich immer wieder, z.B. über Mit-Lernende, oder auch über den Meister, wenn dieser ihm nicht genug Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt. In Indien geht es bergab. Er beschwert sich ständig über seine Gasteltern, sieht aber nicht, dass er in ihren Augen vielleicht mehr Last ist, als Hilfe. Schade auch, dass er nicht mit seinen Schülern warm wird; seine Berichte sind gespickt von lieblosen Bemerkungen über seine Schar. Auch in Schottland geht es ihm nicht besser. Mit seinem Gastgeber kommt er sehr schlecht aus, bis er schließlich aus dem Haus geworfen wird. Natürlich könnte die Schuld in jedem Fall nur auf der anderen Seite liegen, aber das ist nicht sehr realistisch. Auf jeden Fall ist es unangenehm die vielen Schimpftiraden des Autors zu lesen.

Fazit: Stellenweise gut und humorvoll geschrieben, ist dieses Buch dennoch eine Enttäuschung. Der Leser erfährt weniger als erwartet über fremde Kulturen und Menschen. Wenn auch die Offenheit des Autors gut ist, wäre es sicher hilfreich, wenn er auch sein Verhalten hinterfragen würde, anstatt nur auf seine Gastgeber zu schimpfen. Dadurch ist das Lesen weder angenehm noch erfreulich. Zweifelhaft ist auch, ob die Überlegungen des Autors anderen Abiturienten helfen können, denn nur die Wenigsten werden das nötige Kleingeld für eine solche Reise haben.

Veröffentlicht am 14.04.2019

Leckeres zur Brotzeit

Dick aufgetragen: Neue Ideen für belegte Brote
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Die meisten Deutschen lieben eine leckere Brotschnitte, duftend und frisch vom Bäcker. Damit nicht immer wieder dasselbe aufs Brot kommt, finden sich in diesem Buch viele unterschiedliche Rezept für abwechslungsreiche ...

Die meisten Deutschen lieben eine leckere Brotschnitte, duftend und frisch vom Bäcker. Damit nicht immer wieder dasselbe aufs Brot kommt, finden sich in diesem Buch viele unterschiedliche Rezept für abwechslungsreiche Beläge.

Auf einige Zusammenstellungen wäre der Leser vielleicht nie gekommen, so gibt es zum Beispiel einige Rezepte mit Kartoffeln auf dem Brot. Andere Vorschläge sind vermutlich bekannt, so wie Eiersalat oder Salami, jedoch mit einem gewissen Extra.

Auf den letzten Seiten des Buchs finden sich mehrere Grundrezepte, zum Beispiel für Mayonnaise oder Pesto.

Manchmal enthält das Rezept vor allem die Zutaten, und die Reihenfolge, in denen das Brot belegt wird. Andere Rezepte erklären wie ein Aufstrich gemacht oder ein Belag gekocht oder gebacken wird. Dadurch ist die Auswahl der Rezepte sehr vielfältig. Schade ist nur, dass es nicht mehr Rezepte für Aufstriche gibt. Vor allem Klassiker fehlen, wie Obazda oder beliebte Aufstriche mit Frischkäse.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches Buch mit vielen Variationen für belegte Brote. Klein und handlich, aber doch sehr schön gestaltet mit vielen Bildern.

Veröffentlicht am 14.04.2019

Wie Ehe gelingt

Sie lächelt wieder
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Für die amerikanische Autorin Amy Williams war es etwas Selbstverständliches, dass Ehen nur eine gewisse Zeit halten. In ihrer Verwandtschaft gab es jede Menge gescheiterte Ehen. Es war ihr persönlich ...

Für die amerikanische Autorin Amy Williams war es etwas Selbstverständliches, dass Ehen nur eine gewisse Zeit halten. In ihrer Verwandtschaft gab es jede Menge gescheiterte Ehen. Es war ihr persönlich auch wichtig finanziell selbstständig zu sein. Erst als sie über 30 war, fand sie den Partner, mit dem sie sich vorstellen konnte alt zu werden. Würde ihre Ehe trotz ihrer Zweifel gelingen?

Mit diesen Vorbehalten begann ihre Ehe. Da sie und ihr Mann Jesus nachfolgen wollten, wollte sie sich nach den Aussagen der Bibel zur Ehe richten. Sie entdeckte den Vers, „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn.“ Ist Unterordnung heute überhaupt noch zeitgemäß?

In diesem Buch erklärt Amy Williams warum Gottes Plan für Ehe der beste Weg ist. Obwohl sie selbst zehn Jahre älter ist als ihr Ehemann, und im Gegensatz zu ihm studiert hat, findet sie Freude daran sich ihm unterzuordnen. Natürlich werden Entscheidungen besprochen, aber er hat das letzte Wort. Dass das etwas Beglückendes ist, und kein schreckliches Joch, zeigt ihr Beispiel.

In zwölf Kapiteln geht sie in diesem kurzen Buch auf mögliche Einwände und Bedenken ein. Dabei ist ihr Schreibstil erfrischend echt. Als Leserin spürt man ihre Lebendigkeit und Freude. Sie beschreibt alltägliche Szenen, wie sie sicher in jeder Ehe vorkommen. Dabei kommt sie immer wieder zu dem Schluss, wer gegen seinen Mann ist, schadet sich selbst. Es bringt keiner Frau etwas ihren Mann niederzumachen oder über ihn zu Tratschen.

„Nicht vergessen: Jedes Mal, wenn Sie Ihren Mann verletzen, verletzen Sie sich selber mit. Aber die gute Nachricht ist, dass das Umgekehrte ebenfalls gilt: Jedes Mal, wenn Sie Ihren Mann segnen, segnen Sie sich selber. Wenn Sie ihn lieben, lieben Sie sich selber. … Sie und er, Sie sind ein Fleisch.“

Fazit: Sehr gut lesbar, mit einer flotten Sprache und vielen Beispielen aus dem Ehealltag, kann dieses Buch müde Ehen auffrischen. Empfehlenswert für jede christliche Ehefrau! Übrigens, die lächelnde Frau auf dem Cover ist die Autorin selbst, mit ihrem Ehemann.

Veröffentlicht am 08.04.2019

Wertvoll und geliebt

Betrachte Dich durch Gottes Augen
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Wir vergessen zu leicht, wer wir in Gottes Augen sind. Gerade nach Enttäuschungen, Verletzungen und anderen schlechten Erlebnissen, können wir den Eindruck bekommen, dass wir nichts oder nur wenig wert ...

Wir vergessen zu leicht, wer wir in Gottes Augen sind. Gerade nach Enttäuschungen, Verletzungen und anderen schlechten Erlebnissen, können wir den Eindruck bekommen, dass wir nichts oder nur wenig wert sind. Die Autorin und Seelsorgerin June Hunt, eine in Amerika bekannte Rednerin, vermittelt in diesem Buch 31 Wahrheiten über unsere Identität als Christen.

Im Laufe eines Monats kann sich der Leser täglich mit einem der verschiedenen Gesichtspunkten seiner Identität befassen. Denn es ist sehr wichtig, dass wir wissen, wer wir sind. Das wirkt sich auf alle Bereiche unseres Lebens aus.

Die kurzen Andachten sind in vier Themenbereiche unterteilt. Zuerst geht es um unsere Stellung in Christus, dann um Gottes Plan für uns, um unsere Reichtümer in Christus, und schließlich um Gottes Absicht für uns. Das wiederkehrende Thema jeder Andacht ist Gottes Sicht von uns. Viele Geschichten und Beispiele aus dem Leben veranschaulichen die Aussagen. Am Ende jeder Andacht wird der Leser aufgefordert einige Bibelstellen zu lesen und in eigenen Worten wiederzugeben. Unter den leeren Zeilen für diese Aufgabe ist auch Platz, um ein persönliches Gebet zu formulieren. Jede Andacht schließt mit einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Aussage ab.

In einem zweiten, kürzeren Teil des Buchs, findet der Leser Anregungen und Fragen für das Gruppengespräch. Von Gedanken zur Zielgruppe und Einladung, über Fragen und Anregungen zum Gespräch, bis hin zu ergänzenden Geschichten, wird mit diesen Tipps das Leiten einer Gesprächsgruppe leichtgemacht. So kann das Buch in einem Bibelkreis oder Frauenkreis gemeinsam mit anderen Lesern bearbeitet werden.

Der Ton des Buchs ist persönlich. Die Aussagen sind allesamt positiv und ermutigend. Mit den vielen Geschichten und Beispielen, macht das Lesen Spaß. Auch wenn manche Aussagen vielleicht schon bekannt sind, ist es hilfreich einen Monat lang täglich bewusst darüber nachzudenken, wie Gott uns sieht. Die eigene Beschäftigung mit den passenden Bibelversen vertieft diese Gedanken.

Fazit: Gut und einfach geschrieben, kann dieses Buch unsere Sicht von uns selbst zurechtrücken. Sehr zu empfehlen, vor allem für Menschen, die Ermutigung brauchen.

Veröffentlicht am 07.04.2019

Ein einzigartiges Buch, aber ob die Brücken tragfähig sind?

Die Evangelikalen
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Der 1952 geborene Theologe, Jürgen Mette, lädt in diesem Buch dazu ein, Christen anderer Denominationen anzunehmen. Er selbst ist in einem frommen Elternhaus aufgewachsen, und er ist dankbar für diese ...

Der 1952 geborene Theologe, Jürgen Mette, lädt in diesem Buch dazu ein, Christen anderer Denominationen anzunehmen. Er selbst ist in einem frommen Elternhaus aufgewachsen, und er ist dankbar für diese Prägung. Nach seinem Theologiestudium arbeitet er als Evangelist, in der Medienbranche und in der evangelischen Allianz.

In späteren Jahren erkrankt er an Parkinson, was für ihn ein starker Einschnitt ist. Vielleicht ist es vor allem dieses Erlebnis, und die Frage nach dem Leid, die ihn zum Nachdenken bringt. Er will sich verändern und wandeln und stets von anderen Christen korrigieren lassen. Manches, das er vorher nicht zu hinterfragen wagte, ist für ihn nun nicht mehr so klar.

Nach einem Einblick in seiner persönlichen Geschichte, wirft Jürgen Mette viele Fragen auf. Er will bibeltreue Christen dazu einladen einen historisch-kritischen Zugang zur Bibel nicht von vorne herein abzulehnen. Er wirbt für Verständnis, wenn es um sexualethische Fragen geht. Dabei gibt er keine Antworten, und der Leser kann seine Ansicht nur erahnen. Es geht ihm wohl auch nicht um Antworten, sondern um ein gnädiges Annehmen des Anderen.

Mit sprachlich pfiffigen und wunderbar anschaulichen Formulierungen („wer Schaum vor dem Mund hat, sollte sich lieber rasieren“) ist das Lesen größtenteils ein Genuss. Menschen, die in der Gemeinschaftsbewegung aufgewachsen sind, werden sich in seinen Kindheitserinnerungen wiederfinden.

Warum trotzdem nur drei Sterne? Das Thema Einheit ist in der Tat sehr wichtig. Nach Johannes 17 ist es Jesus ein großes Anliegen, dass seine Nachfolger sich lieben. Aber auch wenn Jürgen Mette das Problem durch seine Allianztätigkeiten kennt, bietet dieses Buch nicht wirklich eine Lösung an.

Er geht vor allem auf Bibelkritik und sexualethische Themen ein, dabei gibt es viele andere Fragen, die Gemeinden spalten. Welche Ämter dürfen von Frauen besetzt werden? Wann wird getauft? Welche Rolle spielen Geistesgaben?

Bei der Bibelkritik möchte der Autor dem Leser nahelegen, dass Bibellesen immer schon Kritik beinhaltet, denn beim Lesen überlegt man welche Aussagen zeitbedingt sind, und welche uns heute noch betreffen. Im Buch klingt es manchmal so, als sei das Studium der Theologie notwendig, um die Bibel wirklich zu verstehen. Die Geschichte der Kirche widerlegt das. Ob in der ersten Gemeinde oder heute unter verfolgten Christen; viele ungebildete Menschen verstehen weitaus mehr von der Bibel als studierte Theologen. Das liegt mit Sicherheit an der Mitwirkung des Heiligen Geistes beim Lesen, etwas, das keine Wissenschaft erklären kann.

Obwohl das Thema Homosexualität immer wieder aufgeführt wird, bleiben die Aussagen dazu sehr vage. Es scheint, dass der Autor weiterhin zu den bibeltreuen Evangelikalen gezählt werden möchte, aber vielleicht nicht so ganz. Als Leser bleibt man an einigen Stellen verwirrt zurück. Was wurde eigentlich über dieses Thema ausgesagt?

Erstaunlich sind die Aussage im Gespräch mit Wolfgang Bühne. Der Autor sagt an dieser Stelle, dass Pfarrer, die eine leibhaftige Auferstehung ablehnen eher seine Geschwister sind als Christen, die ihm die Bibeltreue abstreiten. Abgesehen davon, dass seiner Meinung nach die Leugnung einer leibhaftigen Auferstehung eine theologische Extravaganz ist, scheint diese Entgegnung sehr lieblos zu sein.

Fazit: Einzigartig geschrieben, mit einer fesselnde Schreibweise und einigen interessanten Denkansätzen, ist es jedoch fraglich, ob der Inhalt tatsächlich hilft Brücken zwischen Christen zu bauen, oder Gräben vertieft.