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Veröffentlicht am 01.07.2019

Düsteres Nordschweden

Dunkelsommer
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Um es gleich zu sagen, „Dunkelsommer“ von Stina Jackson hat mich begeistert. Zwei spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
Zum einen Lennart Gustafsson, genannt Lelle, der seit drei Jahren auf ...

Um es gleich zu sagen, „Dunkelsommer“ von Stina Jackson hat mich begeistert. Zwei spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
Zum einen Lennart Gustafsson, genannt Lelle, der seit drei Jahren auf dem Silvervägen, einer kaum befahrenen Straße, nach seiner verschwundenen Tochter Lina sucht. Sie war damals 17 Jahre alt. Er sucht sie im Sommer jede Nacht, in den Ruinen verlassener Dörfer, in baufälligen Bauernhäusern und auf einsamen Straßen, die ins Nirgendwo führen.
Auf der anderen Seite die 17-jährige Meja, die mit ihrer Mutter Silje und deren Internetbekanntschaft Torbjörn in einer Bruchbude am Ende der Welt ein gutes Leben führen soll. In den Wäldern trifft sie eines Tages auf Carl-Johan und seine Brüder Göran und Pär Sie verliebt sich in Carl-Johan. Doch die Familie hütet ein dunkles Geheimnis.
Als eine weitere junge Frau am Silvervägen verschwindet, laufen beide Erzählstränge zusammen…
Stina Jackson hat ihren Debütroman „Dunkelsommer“ atmosphärisch und mit viel Lokalkolorit in Szene gesetzt. Es geht um Trauer und Schuld. Mehr Drama, als Thriller Spannend, keine Frage. Der Erzählstil der Autorin ist überaus angenehm und vermag mit leisen Tönen zu fesseln.
„Es war erst Mai, aber er [Lelle] lag bereits wach, als die Morgendämmerung sich durch die Gardinen und Fensterläden zwängte. Er hörte, wie der Bodenfrost seinen Griff löste und der Winter langsam ausblutete. Er hörte die Bäche und Flüsse rauschen, als die Berge ihre Mäntel abstreiften.“
Aber auch die dunkelste Reise muss irgendwann zu Ende gehen…

Fazit: Fesselnde und eindringliche Lektüre. Ein Buch, das lange nachhallt.

Veröffentlicht am 28.06.2019

Nichts ist, wie es scheint.

Wenn ich tot bin
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Niemand wer er zu sein scheint. „Wenn ich tot bin“ ist ein raffiniert gestrickter Psychothriller aus der Feder von Karen Sander. Es handelt sich um einen Stand-alone, der in den schottischen Highlands ...


Niemand wer er zu sein scheint. „Wenn ich tot bin“ ist ein raffiniert gestrickter Psychothriller aus der Feder von Karen Sander. Es handelt sich um einen Stand-alone, der in den schottischen Highlands verortet ist und gehört nicht in Reihe um Kommissar Georg Stadler und Psychologin Liz Montario. Worum geht es?
Nach zehn Jahren in der Gewalt ihres brutalen Peinigers gelingt der 19-jährigen Madelin McFarland die Flucht. Ihre Mutter Susan ist überglücklich, die totgeglaubte Tochter in die Arme schließen zu können. Doch wenige Stunden später ist Madelin erneut verschwunden, Susans Ehemann Stuart liegt schwer verletzt in der Küche, und ihre 8-jährige Tochter Harper ist so verstört, dass sie kein Wort mehr spricht.
Die schottischen Highlights. Voller Mythen und Sagen. Doch Detective Sergeant Kate Fincher von der Polizei Edinburgh, kriegt von diesem Schottland der Touristenbüros nicht viel mit. Zusammen mit ihrem Kollegen Detective Inspector Tom Pine setzt sie alles daran, Madelin zu finden. Was hat eine junge Frau, die sich Amy nennt, mit alldem zu tun? Wie es scheint, ist auch die Polizei in die Sache verstrickt.
Karen Sander ist ein Pseudonym der Schriftstellerin Sabine Klewe. Sie hat ihr neues Werk atmosphärisch in Szene gesetzt. Es wird sofort Spannung aufgebaut - und durchgehend gehalten. Wenn die Geschichte in einer großen Stadt spielen würde, würde diese mystische Komponente nicht funktionieren. Aber in den schottischen Highlights passt sie ausgezeichnet.
Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der flüssige Schreibstil tut sein Übriges dazu, so dass man hier wirklich von Verschlingen statt Lesen sprechen kann. Erst ganz am Ende schließt sich dann der Kreis. Die Auflösung ist überraschend, aber absolut stimmig. Über eine Fortsetzung würde ich mich daher sehr freuen.

Fazit: Schön vertrackte und wendungsreiche Geschichte mit viel Lokalkolorit.

Veröffentlicht am 28.06.2019

Hölle, Hölle, Hölle

Die sieben Gründe zu töten
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Um es gleich vorweg zu sagen, „Die 7 Gründe zu töten“ von Uwe Wilhelm ist der Hammer! „Es gibt 7 Gründe zu töten, aber nur einer ist verzeihlich: Die Liebe.“ Rashid Gibran
Das Finale der Trilogie um Staatsanwältin ...


Um es gleich vorweg zu sagen, „Die 7 Gründe zu töten“ von Uwe Wilhelm ist der Hammer! „Es gibt 7 Gründe zu töten, aber nur einer ist verzeihlich: Die Liebe.“ Rashid Gibran
Das Finale der Trilogie um Staatsanwältin Helena Faber gliedert sich in 7 Kapitel. Jedem Kapitel ist eine These aus dem Buch Dionysos von Rashid Gibran vorangestellt.
Wenn man die Vorgänger gelesen hat, dann weiß man, dass Rashid Gibran, Professor für Philosophie und Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, eine fiktive Person ist. Deshalb kann das Buch Dionysos auch nur eine fiktive Geschichte sein. Die Geschichte eines Psychopathen.
Doch worum geht es?
Sophie wurde vor 3 Jahren entführt, nach Saudi-Arabien verkauft und heißt jetzt Samira. Sie lebt in Dschidda und ist Ilias zu Diensten, einem saudischen Prinzen. Sophie ist 15 Jahre alt und hat bereits 2 Kinder.
Sophies Schwester Katharina, ihre Mutter, die ehemalige Staatsanwältin Helena Faber, und Robert, Helenas Ex und Vater der beiden Mädchen, begeben sich auf eine gefährliche Reise. Wird es ihnen gelingen, Sophie zu befreien?
Uwe Wilhelm ist ein Profi, der seit mehr als 30 Jahren schreibt. „Die 7 Gründe zu töten“ hat alles, was einen guten Thriller ausmacht. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den beiden Vorgängern, für diejenigen, die die ersten Bände (noch) nicht kennen.
Die Realität in Saudi-Arabien ist auf kluge Weise abgebildet, mit erschreckenden Einsichten in die dortige Gesellschaft. Keine leichte Kost. Mitunter kaum auszuhalten. Die Handlung beginnt im November des Jahres 2018 und endet 4 Jahre später, im Dezember 2022.
Ja, es ist ein hartes Buch und nichts für zartbesaitete Gemüter. Aber letzten Endes muss sich der Leser diesen Geschehnissen stellen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zitat des Autors: „Es ist ein Finale, das von der Energie, Klugheit und dem Lebenswillen der drei Frauen erzählt.“

Fazit: Höhepunkt und würdiger Abschluss der Helena Faber-Trilogie. Kopfkino pur!


Veröffentlicht am 24.06.2019

Abgründig und düster

Die Maske der Gewalt
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„Die Maske der Gewalt“ ist mein erstes Buch von Jennifer B. Wind. Die Autorin geht gleich in medias res: Ein kleiner Junge muss mit ansehen, wie seine Mutter ermordet wird. Als wäre das nicht schon genug, ...


„Die Maske der Gewalt“ ist mein erstes Buch von Jennifer B. Wind. Die Autorin geht gleich in medias res: Ein kleiner Junge muss mit ansehen, wie seine Mutter ermordet wird. Als wäre das nicht schon genug, zieht er sich auch noch schwere Verbrennungen zu. Er wird gerettet und verbirgt seine Verletzungen hinter einer Maske. Nicht nur bei seinen Auftritten im Zirkus seiner Schwester Sarah. Heute ist Richard Schwarz LKA-Ermittler in Wien.
Als kurz nacheinander die Leichen zweier Frauen gefunden werden, setzt Richard alles daran, den Täter zu finden. Doch dann wird Sarah in München entführt. In einem weiteren Handlungsstrang begegnen wir Theres Lend. Sie ist Gerichtspsychiaterin und Gutachterin - und glaubt, den Mörder zu kennen…
„Die Maske der Gewalt“ ist ein Thriller, der das Zirkussterben in Österreich thematisiert. Aber es geht auch um häusliche Gewalt, Drogen und Spielsucht. In einem ganz eigenen Stil schildert die Autorin in vielen Rückblenden die Geschichte ihres Protagonisten. Wechselnde Perspektiven, auch aus Tätersicht, sorgen für Dynamik. Spannend, keine Frage. Erst ganz am Ende schließt sich der Kreis.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Richard ist mir sofort ans Herz gewachsen. Auch, wenn er mit den Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen hat. Nebenfigur Poldi Böckinger kommt ebenfalls sympathisch rüber. Mit Theres bin ich dagegen bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon heute auf Band 2, „Die Maske der Schuld“, der im Februar 2020 erscheinen soll.

Fazit: Gelungener Auftakt einer Thriller-Reihe um den Wiener Ermittler Richard Schwarz.

Veröffentlicht am 19.06.2019

Ein Lied von Liebe, Verlust und einem Ort, an dem die Lichter leuchteten und alles gut sein würde.

Die Morde von Kinloch
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„Die Morde von Kinloch“ ist bereits der dritte Fall für DCI Jim Daley, mittlerweile Polizeichef von Kinloch, eine Kleinstadt an der schottischen Küste. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in ...


„Die Morde von Kinloch“ ist bereits der dritte Fall für DCI Jim Daley, mittlerweile Polizeichef von Kinloch, eine Kleinstadt an der schottischen Küste. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Walter Cudihey begeht Selbstmord. Er war ein hoher Beamter. Kurz darauf ist auch seine Kollegin Kirsteen tot. Als zwei weitere Leichen in Kinloch gefunden werden, bekommt Daley alle Hände voll zu tun. Denn beide Männer wurden brutal ermordet, quasi hingerichtet.
Denzil Meyrick hat seinen neuen Schottland-Krimi atmosphärisch und mit viel Lokalkolorit in Szene gesetzt. Dem starken Anfang folgt ein etwas schwächerer Mittelteil. Der Plot ist kompliziert. Und das Privatleben des Protagonisten nimmt wieder viel Raum ein.
Über das Wiedersehen von Jim Daley und seinem guten Freund und Kollegen DC Brian Scott habe ich mich gefreut. Auch, wenn er hier zu viel Whisky trinkt. Das Ende ist überraschend, aber absolut stimmig. Wobei mir die Entwicklungen in Daleys Privatleben nicht wirklich gefallen.

Fazit: Politik und Geheimdienst, Korruption und Verrat. Blutig und brutal.