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Veröffentlicht am 06.03.2019

Das Böse stirbt niemals wirklich

Lazarus
2

Um es gleich vorwegzunehmen, „Lazarus“ von Lars Kepler ist bereits der siebte Schweden-Krimi mit dem sympathischen Ermittler Joona Linna. Die Vorgänger hatten mich begeistert und auch diesmal wurde ich ...

Um es gleich vorwegzunehmen, „Lazarus“ von Lars Kepler ist bereits der siebte Schweden-Krimi mit dem sympathischen Ermittler Joona Linna. Die Vorgänger hatten mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?

Der Einstieg ist echt gruselig. Ist Serienkiller Jurek Walter doch noch am Leben? Hat er sich nach dem Tod seines Zwillingsbruders einen neuen Partner gesucht? Oder ist Joona paranoid? Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen. Zwei Streifenpolizisten machen einen grausigen Fund. Danach begegnen wir Valeria, Joonas Freundin.

Über das Wiedersehen mit Joona und Saga Bauer, Kommissarin beim schwedischen Staatsschutz, habe ich mich sehr gefreut. Aber der Killer hat Valeria und Sagas kleine Schwester Pellerina längst im Visier. Joona versucht, wenigstens seine Tochter Lumi zu retten. Denn Jurek droht, alle lebendig zu begraben, die ihm lieb sind. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Lars Kepler ist das Pseudonym des schwedischen Autorenpaares Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril. „Lars“ verstehen sie als Hommage an Stieg Larsson, „Kepler“ erinnert an den Astronomen, der das europäische Weltbild erschütterte.

Lars Kepler hat seinen Kriminalroman wieder packend in Szene gesetzt. Wechselnde Schauplätze und Perspektiven sorgen für Dynamik. Spannend, keine Frage. Aber auch blutig und brutal. Ab und zu finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Nichtsdestotrotz könnte ich mir vorstellen, dass Neueinsteiger, die die ersten Bände nicht kennen, Verständnisprobleme haben.

Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Joona Linna ist Finnlandschwede und einer der besten Ermittler Schwedens, der auch vor unkonventionellen Methoden nicht zurückschreckt. Natürlich sieht er auch noch verdammt gut aus. Jurek, der Antiheld, ist quasi „unkaputtbar“ und der Polizei immer einen Schritt voraus.

„Lazarus“ hat alles, was das halbwegs gesunde Menschenhirn an Obsessionen, Foltern und Metzeleien ausbrüten kann - einschließlich eines psychopathischen Killers, eines charismatischen Ermittlers und eines actionreichen Showdowns. Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger, der offen lässt, wie es mit dieser genialen Reihe weitergeht.

Fazit: Joona Linnas 7. und persönlichster Fall. Mein Krimi-Highlight des Jahres!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.03.2019

Der Andere

Die Akte Rosenrot
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Um es gleich zu sagen, „Die Akte Rosenrot“ von Astrid Korten ist ein Thriller, der mir einiges abverlangte, mich aber auch begeisterte. Es ist der Auftakt einer Serie um den Ermittler Ibsen Bach. Bis zu ...

Um es gleich zu sagen, „Die Akte Rosenrot“ von Astrid Korten ist ein Thriller, der mir einiges abverlangte, mich aber auch begeisterte. Es ist der Auftakt einer Serie um den Ermittler Ibsen Bach. Bis zu einem Autounfall vor fünf Jahren war der Andere, der alte Ibsen, ein erfolgreicher Profiler. Er wurde damals schwer verletzt, seine Frau Lara starb.
Eines Tages wird am Tatort eines bestialischen Mordes eine Postkarte für Ibsen gefunden. Die OMON, eine Einheit der russischen Polizei, bittet das BKA um Amtshilfe. Währenddessen recherchiert die Bloggerin Leonela Sorokin in Moskau im Cold Case eines vermissten Journalisten.
Bald ist klar, es gibt eine Verbindung, die 30 Jahre zurückreicht. Ibsen reist zusammen mit seinem Freund und Kollegen Andreas Neumann nach Moskau. Dort treffen sie auf den zuständigen Ermittler Dimitri Kamorow und seine Nichte Pola, ebenfalls eine Profilerin.
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Ibsen Bach. Das schafft Nähe, ist aber manchmal verwirrend. Denn Ibsen hat Visionen. Er leidet unter Gedächtnisverlust, nimmt starke Medikamente und hat zudem einen Hirntumor. Was ist Wahn, was ist Wirklichkeit?
Ein gut recherchiertes Buch, mit einem intensiven Spannungsbogen und einem überraschenden Ende. Geheimdienstliche Aktivitäten sind im Spiel. Der einzelne Mensch wird oftmals hart getroffen von den Handlungen der Mächtigen und ihrer brutalen Handlanger.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Pola kommt sympathisch rüber. Aber mit Ibsen und Leonela bin ich bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden. Er ist voller Zweifel und hadert mit seiner Vergangenheit. Leo mochte ich nicht. Sie war mir zu naiv.

Fazit: Ibsen Bach ermittelt in Berlin und Moskau. Spannend, grausam und mit politischem Hintergrund.

Veröffentlicht am 03.03.2019

Wo ist Sophia?

Hundsbua
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„Hundsbua“ ist nach „Saukerl“ und „Schickimicki“ der 3. Fall für den Münchener Kommissar Alois Schön. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse ...


„Hundsbua“ ist nach „Saukerl“ und „Schickimicki“ der 3. Fall für den Münchener Kommissar Alois Schön. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Die kleine Sophia wurde entführt. Eine Lösegeldforderung gibt es nicht. Die Eltern verhalten sich beide äußerst seltsam. Der Vater ist ein Unsympath, mega aggressiv. Die Mutter hat vermutlich eine bipolare Störung. Mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt.
Und warum lügen ein Drehbuchautor und seine Frau wie gedruckt? Jede Menge Verdächtige, aber weit und breit kein Motiv. Als die Spuren nach Hamburg führen, bittet Alois seine ehemalige Stellvertreterin Diana um Unterstützung…
Ulrich Radermacher hat seinen neuen Kriminalroman wieder spannend in Szene gesetzt. Wechselnde Perspektiven, auch aus Sicht der kleinen Sophia, sorgen für Dynamik. Dass wieder Dialekt gesprochen wird, hat mir gut gefallen.
Über das Wiedersehen mit Alois und seinem Team habe ich mich sehr gefreut. Allerdings geht es auch im Privatleben der Ermittler drunter und drüber. Alois und sein Sohn, Julia und Martin, Natascha und Phil, das war mir dann doch etwas „too much“.
Nichtsdestotrotz bin ich schon gespannt, wie es mit Kommissar Alois Schön weitergeht.

Fazit: Gelungene Fortsetzung der Reihe, die aber nicht an die beiden Vorgänger heran reicht.

Veröffentlicht am 01.03.2019

Spannend und wendungsreich

Dark Call - Du wirst mich nicht finden
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"Dark Call - Du wirst mich nicht finden" ist das Thriller-Debüt von Mark Griffin. Es handelt vom ersten Fall der forensischen Psychiaterin Holly Wakefield, die schlimmste Serienkiller therapiert und zur ...


"Dark Call - Du wirst mich nicht finden" ist das Thriller-Debüt von Mark Griffin. Es handelt vom ersten Fall der forensischen Psychiaterin Holly Wakefield, die schlimmste Serienkiller therapiert und zur Ermittlerin wird.
Was für ein gruseliger Einstieg! Hat Richard etwa seine Frau ermordet?
10 Jahre danach. Wir lernen Holly kennen. Sie ist Kriminalpsychologin und hat sich auf Serienmörder spezialisiert. Die Polizei bittet sie um Hilfe bei einem brutalen Doppelmord. Wie es scheint, hat der Täter nicht zum ersten Mal zugeschlagen.
Hollys erster Einsatz entwickelt sich zur Höllenfahrt. Wendungsreiche Geschichte. Meisterhaft erzählt.

Fazit: Vielversprechendes Thriller-Debüt. Bitte mehr davon!

Veröffentlicht am 01.03.2019

Wer wird überleben und zu welchem Preis?

Die Reinsten
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Ich lese nicht so viel Science Fiction, aber „Die Reinsten“ von Thore D. Hansen hat mich überzeugt. Denn das Thema KI (künstliche Intelligenz) interessiert mich brennend, neue Autoren sowieso. Doch worum ...


Ich lese nicht so viel Science Fiction, aber „Die Reinsten“ von Thore D. Hansen hat mich überzeugt. Denn das Thema KI (künstliche Intelligenz) interessiert mich brennend, neue Autoren sowieso. Doch worum geht es?
Die Geschichte spielt 2191 in einer nicht wirklich fernen Zukunft. Seit der Klimakatastrophe vor 150 Jahren wird die Erde von der künstlichen Intelligenz „Askit“ beherrscht. Es handelt sich um einen Supercomputer, ein „lernendes System“, das sich selbständig modifiziert und weiterentwickelt. Fluch und Segen zugleich.
Eve Legrand hat seit ihrer Kindheit ein Hirnimplantat, über das sie sich mit Askit verbinden kann. Sie steht kurz davor, in die Akademie der Wissenschaft aufgenommen zu werden, als sich bei ihr erste Zweifel regen. Die Ereignisse überschlagen sich und Eve flieht in die Kolonien, bevor sie offiziell degradiert wird…
Thore D. Hansen zeichnet in seinem Roman „Die Reinsten“ ein düsteres, dennoch realistisches Szenario. Der Klimawandel, das Abdecken von Gletschern, plastikfressende Raupen. Die beschriebenen Entwicklungen in der Technik und die Veränderungen in der Natur befinden sich im Rahmen des Wahrscheinlichen.
Aber es geht auch um totale Überwachung und Kontrolle. Eine beängstigende Vision, die aber gar nicht so fern erscheint, wenn man bedenkt, wie transparent der Mensch durch das Internet und andere Überwachungsmechanismen bereits ist. Spannend geschrieben, keine Frage. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik.
Eve ist mir sofort ans Herz gewachsen, denn sie hat viel Empathie. Dem starken Anfang folgt ein etwas schwächerer Mittelteil. Philosophie und IT. Ethik und Moral. Das war mir ein bisschen „too much“. Das Ende ist überraschend, aber absolut stimmig. Alles in allem ein Roman, der nicht nur beste Unterhaltung bietet, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Fazit: Visionärer SF-Roman. Faszinierend und beklemmend zugleich!