Profilbild von subechto

subechto

Lesejury Star
offline

subechto ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit subechto über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2018

Bis der Tod uns scheidet

Der Abgrund in dir
0


Seit „Shutter Island“ bin ich ein großer Fan von Dennis Lehane und habe fast alle seine Bücher mit Begeisterung verschlungen. Auch „Der Abgrund in dir“ hat mich überzeugt. Der erste Satz des Buches schockiert: ...


Seit „Shutter Island“ bin ich ein großer Fan von Dennis Lehane und habe fast alle seine Bücher mit Begeisterung verschlungen. Auch „Der Abgrund in dir“ hat mich überzeugt. Der erste Satz des Buches schockiert: „An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann.“ Wie konnte es dazu kommen?
Rachel Childs ist ohne Vater aufgewachsen. Angeblich hatte er die Familie verlassen, als Rachel noch ganz klein war. Mit siebzehn Jahren verliert Rachel auch noch ihre Mutter, eine berühmte Autorin, bei einem Autounfall - und damit die Chance zu erfahren, wer ihr Vater ist. Erst in einem Tagebuch findet sie Hinweise auf seine Identität.
Auf ihrer zwanghaften Suche nach Antworten lernt Rachel den Privatdetektiv Brian Delacroix kennen. Er ist fortan immer zur Stelle, wenn sie eine Enttäuschung zu verkraften hat. Zufall? Eines Tages werden beide ein Paar, scheinbar füreinander gemacht. Doch nichts ist, wie es scheint, niemand ist, wer er zu sein scheint. Denn Brian hütet ein dunkles Geheimnis. Und wie das so ist, bleibt es nicht bei einer Lüge. Auf die erste folgt die zweite, und so weiter.
„Der Abgrund in dir“ ist ein Slow Burner. Die Geschichte nimmt nur langsam Fahrt auf, kommt dann aber umso gewaltiger. Dennis Lehane ist ein psychologisch raffinierter Thriller gelungen. Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und punktet mit vielen unvorhersehbaren Twists & Turns, mit denen der Autor die Handlung voran und die Spannung in die Höhe treibt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Rachel ist ein komplexer Charakter. Sie ist Fernsehjournalistin, bis ein Einsatz auf Haiti zu einem Nervenzusammenbruch führt. Seitdem leidet sie unter Agoraphobie, verlässt kaum noch das Haus. Aber als sie unvermittelt an den Rand des Abgrunds getrieben wird, wächst sie über sich hinaus.

Fazit: Fesselnd, abgründig, raffiniert - einfach meisterhaft.

Veröffentlicht am 11.08.2018

Generation RAF

Die letzte Terroristin
0


„Tribunal“ von André Georgi hatte mich überzeugt und so stand „Die letzte Terroristin“ schon lange auf meiner Wunschliste. Worum geht es?
Basierend auf den Morden an Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen ...


„Tribunal“ von André Georgi hatte mich überzeugt und so stand „Die letzte Terroristin“ schon lange auf meiner Wunschliste. Worum geht es?
Basierend auf den Morden an Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen und dem Vorsitzenden der Treuhandanstalt Detlev Karsten Rohwedder, die hier Wegner und Dahlmann heißen, erzählt der Autor eine spannende Geschichte über die dritte RAF-Generation. Von den Morden, die, wie wir wissen, am 27. Juni 1993 auf dem Bahnhof von Bad Kleinen, hier Bad Gronau, ein Ende fanden.
Auch die Terroristen haben reale Vorbilder. André Georgis Protagonisten heißen Bettina Polheim und Matthias Geifert. Unterstützt werden sie von Sandra Wellmann, die als Assistentin bei Dahlmann eingeschleust wurde. Das hat mich an Susanne Albrecht erinnert, die in real life als Türöffner bei der Ermordung von Dresdner Bank-Chef Ponto fungierte.
Das Schicksal von Sandras Sohn hat mich berührt. Denn, wie schon Baader, Meinhof und Ensslin, hat sie Markus zurückgelassen, als sie in den Untergrund ging.
Der Autor erzählt seine bestens recherchierte Geschichte in klaren, staccato-mäßigen Sätzen. Schnelle Schnitte und wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Das treibt die Leser voran und verhindert im vorliegenden Fall das Aufkommen jeglicher Form von Langeweile.
Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die auf Tatsachen beruht, aber auch Verschwörungstheorien enthält. André Georgi gelingt es hierbei ausgezeichnet, die Atmosphäre der frühen 90er Jahre, kurz nach der Wende, einzufangen. Ein Stück Zeitgeschichte.

Fazit: Spannender Mix aus Fakten und Fiktion. Gut, aber nicht so gut wie „Tribunal“.

Veröffentlicht am 08.08.2018

Zwischen Stockholm und Kabul

Vier Tage in Kabul
0


Was für ein heftiger Einstieg: ein Feuergefecht in Kabul und die schwedische Kriminalkommissarin und Unterhändlerin Amanda Lund ist mittendrin. Doch dann wird sie zu einem Sondereinsatz abkommandiert: ...


Was für ein heftiger Einstieg: ein Feuergefecht in Kabul und die schwedische Kriminalkommissarin und Unterhändlerin Amanda Lund ist mittendrin. Doch dann wird sie zu einem Sondereinsatz abkommandiert: Zwei schwedische Diplomaten werden vermisst, vermutlich wurden sie entführt.
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir Bill Ekman kennen. Er arbeitet bei der Reichskriminalpolizei in Stockholm und ermittelt im Fall eines Mannes, der erstochen wurde. Schnell ist klar, es handelt sich um einen Regierungsmitarbeiter, der in Kabul stationiert war. Wo ist die Verbindung?
Amanda befindet sich unmittelbar in einem unheilvollen Netz aus Sex, Drogen und Mord wieder, in das auch der schwedische Botschafter in Kabul verstrickt zu sein scheint. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…
Anna Tell hat eine packende Mischung aus Krimi und Politthriller geschrieben. Wer sich mit dem Thema Afghanistan beschäftigen möchte, der liegt hier richtig. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt.
„Vier Tage in Kabul“ hat letztendlich alles, was einen guten Thriller ausmacht: Eigenwillige, originelle Charaktere (an vorderster Front natürlich Amanda), einen nachvollziehbaren wie spannenden Plot, eine gute Schreibe und mit Afghanistan ein Setting, das nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern für die Handlung sogar zwingend erforderlich ist.
Kurze Kapitel und zumeist auch ebensolche Sätze. Das treibt die Leser voran und verhindert im vorliegenden Fall das Aufkommen jeglicher Form von Langeweile. Bleibt abschließend festzustellen, dass man auf den nächsten Einsatz für Amanda Lund gespannt sein darf.

Fazit: Ein unglaubliches Debüt! Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite.

Veröffentlicht am 29.07.2018

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Vier.Zwei.Eins.
0


Um es gleich vorwegzunehmen, „Vier.Zwei.Eins“ ist mein erstes Buch der englischen Autorin Erin Kelly und hat mich begeistert. Doch worum geht es?
Im Sommer 1999 reisen Kit und Laura zu einem Festival ...


Um es gleich vorwegzunehmen, „Vier.Zwei.Eins“ ist mein erstes Buch der englischen Autorin Erin Kelly und hat mich begeistert. Doch worum geht es?
Im Sommer 1999 reisen Kit und Laura zu einem Festival nach Cornwall, um eine totale Sonnenfinsternis zu erleben. Kit hat seit 1991, da war er gerade mal 12 Jahre alt, schon viele Sonnenfinsternisse erlebt. Laura dagegen hat noch nie zuvor eine gesehen.
Kit und Laura sind jung und verliebt, scheinbar füreinander gemacht. Aber im fahlen Licht danach, stolpert Laura über einen Mann und eine Frau. Jamie und Beth. Schlagartig ist ihr klar, dass sie etwas Schreckliches gesehen hat. Jamie wird wegen Vergewaltigung angeklagt - und verurteilt. Eines Tages steht Beth vor Kit und Lauras Tür.
15 Jahre später leben Kit und Laura in ständiger Angst, verbergen ihre Identität und sind auch nicht in den sozialen Medien aktiv. Was war damals geschehen? Als Laura schwanger ist, reist Kit alleine zu einer Sonnenfinsternis auf die Färöer Inseln…
„Vier.Zwei.Eins“ gliedert sich in fünf Teile. So wie eine totale Sonnenfinsternis aus fünf Phasen besteht. Wobei die dritte Phase, die Totalität, die dramatischste und unheimlichste ist. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen mit wechselnden Perspektiven aus Sicht von Kit und Laura erzählt. Zudem punktet die Geschichte mit vielen unvorhersehbaren Twists & Turns, mit denen die Autorin die Handlung voran und die Spannung in die Höhe treibt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Laura ist eher der emotionale Typ, Kit rational und logisch. Allerdings hüten beide ein dunkles Geheimnis. Und wie das so ist, bleibt es nicht bei einer Lüge. Auf die erste folgt die zweite, und so weiter.
Eine Sonnenfinsternis als Metapher für Wahrheit und Lüge. Licht und Dunkel. Doch es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern Vielschichtigkeit. Der Leser kann nie sicher sein, wer im Recht ist und wer im Unrecht, bis zur allerletzten Seite.

Fazit: Atmosphärisch, soghaft und von höchster Spannung. Ein Psychothriller, der einen am Ende sprachlos zurücklässt. Hammer!

Veröffentlicht am 24.07.2018

Mutter und Heldin oder Tötungsmaschine?

Ein Teil von ihr
0


Um es gleich zu sagen, „Ein Teil von ihr“ ist das Beste was ich je von Karin Slaughter gelesen habe. Worum geht es?
Hier und Jetzt. Laura lebt mit ihrer erwachsenen Tochter Andrea in Belle Isle, einer ...


Um es gleich zu sagen, „Ein Teil von ihr“ ist das Beste was ich je von Karin Slaughter gelesen habe. Worum geht es?
Hier und Jetzt. Laura lebt mit ihrer erwachsenen Tochter Andrea in Belle Isle, einer kleinen Stadt in Georgia, USA. Sie ist geschieden und mit ihrem Ex Gordon noch immer freundschaftlich verbunden. Aber sie hat auch eine dunkle Seite.
Am Geburtstag ihrer Tochter geraten beide in einen Amoklauf. Laura tötet den Schützen. Doch wie das heute so ist, wird die Schießerei gefilmt und das Video anschließend ins Internet gestellt. Damit gerät Laura ins Visier von Menschen, die sie eigentlich vergessen wollte. Was folgt, ist ein Trip in die Vergangenheit, kreuz und quer durch Amerika.
Ein weiterer Handlungsstrang, mehr als 30 Jahre davor, schildert, wie sich eine Gruppe von jungen Leuten unter Führung des charismatischen Nick radikalisiert. Jane ist diesem Mann rückhaltlos verfallen, ja geradezu hörig.
Karin Slaughter hat ihren neuen Thriller wieder packend in Szene gesetzt. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen, 1986 und 2018, mit wechselnden Perspektiven. Wie immer gelingt es der Autorin Spannung aufzubauen - und zu halten.
Es geht um eine unglückliche, schmerzhafte Liebe, Erpressung und Gewalt. Nichts ist, wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint. Nur schrittweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll. Je näher man der Wahrheit zu kommen scheint, desto undurchsichtiger wird sie - bis sie mit voller Wucht zuschlägt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Andrea ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Naiv und phlegmatisch. Eine Amöbe (Zitat). Aber als sie unvermittelt an den Rand des Abgrunds getrieben wird, wächst sie über sich hinaus.

Fazit: Eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Erschütternd und mitreißend zugleich.