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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2018

Tricksen, Tarnen, Täuschen

Riskante Manöver
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Um es gleich zu sagen, „Riskante Manöver“ von Birand Bingül ist echt der Hammer. Schon die Leseprobe ließ auf einen packenden Krimi hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Mats Holm und ...


Um es gleich zu sagen, „Riskante Manöver“ von Birand Bingül ist echt der Hammer. Schon die Leseprobe ließ auf einen packenden Krimi hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Mats Holm und seine Partnerin Laura May haben eine PR-Agentur, die sich auf Krisenmanagement spezialisiert hat. Nun sollen sie für den Pharma-Riesen Wenner die Kohlen aus dem Feuer holen. Denn die kleine Sophie ist nach Einnahme des Schmerzmittels Validolor gestorben, weitere Kinder sind schwer erkrankt.
Die Spur führt den „Master of Desaster“ von Berlin nach Indien und zu unsauberen klinischen Studien. Eine Mitarbeiterin des Konzerns verschwindet, ein Mitarbeiter wird tot aufgefunden. Mats und Laura glauben nicht an Zufälle…
Birand Bingül hat mit „Riskante Manöver“ einen Krimi mit abenteuerlichem Tempo und viel Humor geschrieben. Die spritzigen Dialoge machen das Buch zu einem wirklichen Lesevergnügen. Eine raffinierte und wirklich spannende Geschichte über Profitgier und Menschenverachtung. Ein tödliches Netz aus Erpressung und Korruption, in das auch das Management von Wenner verstrickt zu sein scheint.
Unterlegt ist die Krimihandlung mit bestens recherchierten Einblicken in die Welt von Big Business und Medien. Man merkt sofort, dass der Autor ein Profi ist, auch wenn dies sein erster Krimi ist. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Neben dem Fall plagen Mats private Probleme. Nichtsdestotrotz, sind er und Laura ein sympathisches Team, dem ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit: Abgezockt und kaltblütig. Starker Stoff. So muss Thriller!

Veröffentlicht am 16.04.2018

Nordsee ist Mordsee

Schwarzes Watt
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„Schwarzes Watt“ von Hendrik Berg ist bereits der vierte Fall für den ehemaligen Berliner Kommissar Theo Krumme. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne ...


„Schwarzes Watt“ von Hendrik Berg ist bereits der vierte Fall für den ehemaligen Berliner Kommissar Theo Krumme. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Gleich mehrere spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
Die Schwestern Nelly und Ina leben in Hamburg. Eines Tages wird Nelly brutal ermordet. Ina fühlt sich schuldig an ihrem Tod. 20 Jahre danach. Ina hat inzwischen Familie und lebt in Köln. Sie kämpft noch immer mit den Dämonen der Vergangenheit. Als sie Urlaub in St. Peter-Ording machen, ist Ina sicher, den Mörder ihrer Schwester gesehen zu haben. Krumme und seine junge Kollegin Pat von der Kripo Husum ermitteln…
Hendrik Berg hat seinen Krimi wieder sehr atmosphärisch in Szene gesetzt. Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Das macht Lust auf mehr für die, die die ersten Bände (noch) nicht kennen. Selbst wenn der Leser der Polizei oft einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten.
Zwischendurch sind Rückblicke in die Vergangenheit beginnend mit dem Jahr 1634 eingestreut. Sie handeln von einem Mädchen mit schwarzen Haaren. Die Abschnitte sind toll geschrieben und haben mich sofort an den ersten Band der Reihe, „Deichmörder“, erinnert. Dieses Mystische. Das macht die Krimis des Autors so anders, so besonders.
Ab und zu finden sich sogar Kapitel aus Tätersicht. Sie verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen. Alles sehr mysteriös. Über das Wiedersehen mit Krumme & Co habe ich mich sehr gefreut. Hendrik Berg blickt erneut in die dunklen Abgründe der menschlichen Seele. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Fazit: Auf Theodor Storms Spuren in Nordfriesland. Überraschend und dramatisch!

Veröffentlicht am 12.04.2018

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Ich beobachte dich
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Seit „Still Missing“ bin ich ein großer Fan der kanadischen Autorin Chevy Stevens, deren Geschichten in Vancouver und Umgebung verortet sind. Worum geht es in „Ich beobachte dich“?
Lindsey lebt mit ihrer ...


Seit „Still Missing“ bin ich ein großer Fan der kanadischen Autorin Chevy Stevens, deren Geschichten in Vancouver und Umgebung verortet sind. Worum geht es in „Ich beobachte dich“?
Lindsey lebt mit ihrer 17-jährigen Tochter im fiktiven Dogwood Bay an der an der kanadischen Westküste. Vor elf Jahren war sie mit Sophie vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflüchtet. Als Andrew sie verfolgte, hatte er einen Autounfall, bei dem eine Frau ums Leben kam. Andrew musste ins Gefängnis, doch nun ist er wieder frei.
Es geht um Stalking. Aber es geht auch um Verlustängste - und um Rache.
Chevy Stevens hat erneut eine Story über starke Frauen geschrieben, die zu Opfern werden, dennoch überleben. Wie immer, harte Kost und nur schwer zu ertragen. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Die Autorin erzählt die Geschichte auf mehreren Zeitebenen mit wechselnden Perspektiven, teils aus der Sicht von Lindsey, teils aus der von Sophie.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Andrew ist ein Kontrollfreak, krankhaft eifersüchtig und Alkoholiker. Nichtsdestotrotz bin ich mit Lindsay bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden. Sie macht es dem Leser schwer, sich mit ihr zu identifizieren. Denn Männern gegenüber ist sie sehr naiv und blauäugig, um ihre Tochter dagegen gluckenhaft besorgt.
Dem starken Anfang folgt ein schwacher Mittelteil. Ständige Wiederholungen (und Selbstgespräche) gehen zu Lasten der Spannung. Doch Chevy Stevens versteht es, den Leser mit unvorhergesehenen Wendungen zu überraschen. Und am Ende kommt es zu einem spektakulären Showdown.

Fazit: Spannung made in Canada. Bewegend!

Veröffentlicht am 12.04.2018

Jeppe und Anette ermitteln in Kopenhagen

Krokodilwächter
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„Krokodilwächter“ von Katrine Engberg ist eher ein literarischer Krimi als ein Thriller, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Worum geht es?
Eine junge Literaturstudentin, die gerade erst nach Kopenhagen ...


„Krokodilwächter“ von Katrine Engberg ist eher ein literarischer Krimi als ein Thriller, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Worum geht es?
Eine junge Literaturstudentin, die gerade erst nach Kopenhagen gezogen war, wird brutal ermordet. Julies Vermieterin, die ehemalige Literaturprofessorin Esther de Laurenti, schreibt an einem Manuskript, das Parallelen zum Mordfall aufzeigt. Aber ist sie deshalb auch die Täterin?
Zitat: „Sie [Esther] musste ihr ganzes Projekt neu bewerten. Sie musste sich entscheiden, ob sie der Polizei erzählen sollte, dass sie Julie ermordet hatte“.
Julie hatte kurz vor ihrem Tod einen älteren Mann mit Brille kennengelernt. Handelt es sich um ihren Mörder? Wo liegt das Motiv? Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln - und schon bald gibt es eine weitere Leiche. Beseitigt der Täter Mitwisser?
Katrine Engberg ist eine genaue Beobachterin. Jedenfalls konnte ich mich gut in die Protagonisten hineinversetzen. Jeppe hat private Probleme, die sich auch auf seinen Job auswirken. Er kann nicht akzeptieren, dass seine Frau ihn wegen eines Anderen verlassen hat. Anette dagegen ist glücklich verheiratet und hochmotiviert. Meine Lieblingsfigur ist Esther. Sie hat viel Empathie und kümmert sich rührend um ihren Mitbewohner Gregers, der im Krankenhaus liegt. Seit sie im Ruhestand ist, macht sie was sie will. Ok, sie trinkt zu viel. Aber wer ist schon perfekt?
Katrine Engberg hat ihr Krimidebüt packend in Szene gesetzt, mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen. Eine Geschichte über Einsamkeit und Verlust. Auch der Titel erklärt sich erst ganz zum Schluss:
Zitat: „Wie ist ihr Verhältnis zu Christian Stender?“ „Er ist einer meiner Krokodilwächter. Alle Künstler haben ein paar davon. Zumindest die erfolgreichen.“ Der Krokodilwächter ist ein afrikanischer Vogel, der angeblich in den Mäulern von Krokodilen nach Nahrung sucht. Widerlich, aber praktisch.
Gut geschrieben, keine Frage. Nichtsdestotrotz, ein Thriller ist es nicht. Zudem bin ich mit Jeppe bis zum Schluss nicht warm geworden. Das finde ich wiederum typisch für einen skandinavischen Krimi. Denn die meisten skandinavischen Ermittler haben eine Menge persönlicher Probleme.

Fazit: Gelungener Start einer neuen Serie, der verschiedene Fährten legt und diese am Ende plausibel zusammenführt. Unterhaltung auf hohem Niveau!

Veröffentlicht am 01.04.2018

Gier nach Macht

Die Gottesformel
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„Die Gottesformel“ von Patrick Hemstreet ist der zweite Band einer Sci-Fi-Trilogie. „Die Gotteswelle“ hatte mich begeistert. Deshalb wollte ich unbedingt wissen, wie es mit Neurowissenschaftler Chuck ...


„Die Gottesformel“ von Patrick Hemstreet ist der zweite Band einer Sci-Fi-Trilogie. „Die Gotteswelle“ hatte mich begeistert. Deshalb wollte ich unbedingt wissen, wie es mit Neurowissenschaftler Chuck Brenton, Mathematiker Matt Streegman und den Zetas weitergeht.
Chuck und Matt hatten eine Formel entwickelt, mittels derer die Probanden, die sogenannten Zetas, Computer und Maschinen durch Gedanken bedienen können: sie lassen einfach ihre mentalen Muskeln spielen. Dies hatte eine zwielichtige paramilitärische Organisation namens Deep Shield auf den Plan gerufen.
Chuck und sein Team konnten den Militärs entkommen. Aber ist ihr Retter Kristian Lorstad wirklich einer der Guten? Matt ist quasi als Spion bei General Howard geblieben. Sara, Mike und Tim haben sich im Berg verschanzt.
Sie sorgen nun dafür, dass das Militär sich gegenseitig niedermetzelt. Sara und ihre Jungs wollen den Weltfrieden. Aber die Welt retten mit kriegerischen Mitteln? Matt nimmt Kontakt zur Präsidentin auf. Doch erneut gibt es jemanden, der ein falsches Spiel spielt.
Macht korrumpiert, auch die Alpha-Zetas. Ihre mentalen Fähigkeiten sind Fluch und Segen zugleich. Sie fühlen sich als Götter. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt...
Über das Wiedersehen mit Chuck, Matt &Co habe ich mich sehr gefreut. Wie schon in Band 1 gibt es wieder viel Technik. Aber mir gefällt das, auch wenn ich längst nicht alles verstehe. Erneut gibt es Bezüge zu Star Wars. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Die Wissenschaft dagegen ist diesmal auf der Stecke geblieben, zu Gunsten von Action, Gewalt und Krieg. Mentale Muskeln, das ist visionär! Aber Kämpfe mit Elfen und Schmetterlingen? Das war mir dann doch etwas „too much“. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf Band 3.

Fazit: Gut, aber nicht so gut wie Band 1. Mehr Fantasyroman als Sci-Fi-Thriller.