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Veröffentlicht am 15.02.2017

Die Wahrheit des einen ist die Lüge des anderen.

Das Buch der Spiegel
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Literaturagent Peter Katz erhält ein unverlangt eingesandtes Manuskript. Autor ist Richard Flynn. Vor siebenundzwanzig Jahren hatte er in Princeton Anglistik studiert und träumte davon, Schriftsteller ...


Literaturagent Peter Katz erhält ein unverlangt eingesandtes Manuskript. Autor ist Richard Flynn. Vor siebenundzwanzig Jahren hatte er in Princeton Anglistik studiert und träumte davon, Schriftsteller zu werden.
Das Manuskript handelt von der brutalen Ermordung Joseph Wieders. Wieder war Professor für Psychologie. Doch Richards Text endet abrupt. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Erst nach 28 Jahren gelingt es einem ehemaligen Detective den Cold Case zu lösen.
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive, unter anderem aus Sicht von Richard. Es geht um ein Dreiecksverhältnis zwischen ihm, seiner Freundin Laura Baines und Professor Wieder. Was ist wahr und was ist nur das Ergebnis unserer Fantasie?
War Laura Wieders Geliebte? Hat sie Richard die ganze Zeit angelogen? Stimmt das überhaupt, was Richard erzählt? Hatte er tatsächlich eine Beziehung mit Laura? Und was hat Derek, „der Mann für alle Fälle“, mit alldem zu tun? Nichts ist wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut.
E.O. Chirovici erzählt seine Geschichte aus wechselnden Perspektiven. Er beginnt und endet mit Literaturagent Peter Katz. Zur Abrundung des Bildes lässt der Autor auch andere Akteure - neben Richard - den Reporter John und Ex-Detective Roy zu Wort kommen.
Doch leider stirbt Richard, bevor er befragt werden kann. Ein Verdächtiger leidet unter retrograder Amnesie und Roy befindet sich im Frühstadium von Alzheimer. Die Spuren sind alles andere als eindeutig.
E.O. Chirovici ist ein großartiger Erzähler. Was für eine schöne Sprache. Der Autor erzählt die hochkomplexe Geschichte in perfektem Tempo und mit stetig steigender Spannung bis zum überraschenden Ende. Die Dialoge sind authentisch.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Richard ist mir sofort ans Herz gewachsen. Seine Freundin Laura war mir dagegen suspekt. Und der Professor ist ein Manipulator. Er führt geheime Experimente durch. Insassen der Psychiatrie werden als Versuchskaninchen missbraucht.
Mein Lieblingszitat: „Alle hatten sich geirrt und durch die Fenster, in die sie zu spähen versuchten, und die sich am Ende alle als Spiegel herausstellten, nur immer sich selbst und ihre eigenen Obsessionen gesehen“.

Fazit: Ein klug komponiertes, anspruchsvolles Buch. Ein kleines Meisterwerk. Für mich das bisherige Highlight des Jahres 2017!

Veröffentlicht am 13.02.2017

Mord in der Münchener Bussi-Gesellschaft

Schickimicki
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„Schickimicki“ ist nach „Saukerl“ der zweite Fall für die Münchener Kriminalkommissare Alois Schön und Natascha Frey. Schauplatz ist diesmal nicht das Münchener Umland, sondern München und seine Schickeria. ...


„Schickimicki“ ist nach „Saukerl“ der zweite Fall für die Münchener Kriminalkommissare Alois Schön und Natascha Frey. Schauplatz ist diesmal nicht das Münchener Umland, sondern München und seine Schickeria. Worum geht es?
Mit der Kapitelüberschrift „Die Schönheiten der Isar“ kommt Ulrich Radermacher gleich zur Sache: Eine Frauenleiche wird im Englischen Garten gefunden. Zitat: „Die lag noch nicht lange im Wasser, schaut noch recht gut aus.“
Es handelt sich um Petra Malterer, verheiratet, zwei Kinder. Sie wurde erschossen. Petra hatte ein Verhältnis mit einem Vermögensberater. Aber ist Sebastian auch ihr Mörder? Alois und Natascha tappen lange im Dunkeln.
Erst ein zweiter Mord führt die Ermittler auf die richtige Spur. Ist ein Serienkiller am Werk?
„Schickimicki“ ist ein fesselnder Ermittlerkrimi, der dem Leser beklemmende Einblicke in die Welt der Reichen und Schönen gibt. Passagen in bayerischem Dialekt sorgen für Lokalkolorit. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Am Ende wird alles schlüssig aufgelöst. „Schickimicki“ hat mir sogar noch einen Tick besser gefallen als der Vorgänger „Saukerl“. Insbesondere die Befragungen im Umfeld der Familie und der Münchener Schickeria.

Fazit: Alois und Natascha ermitteln wieder. Krimi-Spannung aus München!

Veröffentlicht am 08.02.2017

Auge um Auge...

Korrosion
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Um es gleich vorwegzunehmen, „Söldner des Geldes“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Korrosion“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen rasanten Thriller hoffen ...

Um es gleich vorwegzunehmen, „Söldner des Geldes“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Korrosion“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen rasanten Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht.
„Korrosion“ ist der zweite Fall für Tom Winter, den smarten Sicherheitschef einer Schweizer Bank. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Peter Beck geht gleich in medias res. Zitat: „Der karamellisierte Bäcker kauerte in seinem Ofen. Je nach Richtung, in die sie ihren Kopf drehte, dominierte der verbrannte Zucker oder das triefende Fett.“ Ein Rückblick in die Vergangenheit.
Viele Jahre später: Bernadette Berger wird an Weihnachten in ihrer Wohnung grausam ermordet. Sie war nicht nur reich, sondern beschuldigte auch ihre drei Kinder, den Tod ihres Mannes, des Bäckers, verursacht zu haben. Doch wo liegt das Motiv? Die Kinder waren damals noch klein. Tom Winter wird von der Bank beauftragt nachzuforschen, obwohl er durch einen Skiunfall gehandikapt ist.
Winter begibt sich also auf die Suche nach den Erben. Helen ist inzwischen auf den Azoren verheiratet, jedoch spurlos verschwunden. Brigitte und ihre Familie leben in Nürnberg. Sie hat Krebs. Die Firma, die im Bereich der experimentellen Onkologie tätig ist, leitet deshalb ihre Tochter Kirsten. Rolf, ein Loser, wohnt in Manchester.
Immer tiefer dringt Winter in ein Gespinst aus Lügen und Intrigen. Zudem scheint es ein dunkles Geheimnis in der Familiengeschichte der Bergers zu geben. Missbrauch, Menschenversuche, Rache und Vergeltung, das sind die Zutaten für „Korrosion“. Nichts ist wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut.
Ab und zu werden Abschnitte in Kursivschrift eingestreut. Sie erzählen vom Schicksal des Sudanesen Tijo. Von seiner beschwerlichen Reise nach Europa. Bald wird klar, Tijo kannte die alte Frau Berger. Aber, ist er deshalb auch ihr Mörder?
Winter tappt im Dunkeln, wird überfallen und bedroht. Doch er überlebt. Trotz seines „Robocop“-Arms. Unkaputtbar eben. Dabei lässt es der Autor richtig krachen. Winter ist ein interessanter Charakter. Kein Superheld. Aber er verbeißt sich in den Fall. Und so fiebert und leidet man mit ihm mit.
Peter Beck hat nach seinen Erstling „Söldner des Geldes“ erneut eine sehr komplexe und wirklich spannende Geschichte geschrieben. Eine Geschichte mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen bis zum fulminanten Showdown auf dem Titlis bei Luzern.

Fazit: Bestes Actionkino in Buchform. Bitte mehr davon!

Veröffentlicht am 06.02.2017

Selbstmord oder Mord?

Rain Dogs
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Belfast, 1987. Ein typisches Jahr für die Troubles in Ulster. Das Jahr in dem die irische Rockband U2 mit „Joshua Tree“ ihr fünftes Studioalbum veröffentlichte. „Rain Dogs“ ist auch der fünfte Fall für ...


Belfast, 1987. Ein typisches Jahr für die Troubles in Ulster. Das Jahr in dem die irische Rockband U2 mit „Joshua Tree“ ihr fünftes Studioalbum veröffentlichte. „Rain Dogs“ ist auch der fünfte Fall für den Nordirischen Ermittler Detective Inspector Sean Duffy von der Carrickfergus RUC. Worum geht es?
Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle tot aufgefunden. Niemand außer ihr und dem Hausmeister waren in der Burg. Ein geschlossener Raum. Niemand konnte rein oder raus. Alles deutet auf einen Selbstmord hin. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Wie sollte der Täter entwischt sein - bei verschlossenem Tor? Ein paar Dinge geben Duffy jedoch zu denken.
Er findet heraus, dass Lily an einer Enthüllungsstory gearbeitet hat. Es ging um sexuellen Missbrauch und Prostitution. Damit gerät Duffy immer mehr in ein Netz aus Lügen und Intrigen, in das auch ein ehemaliger Kollege und Mitglieder einer finnischen Delegation aus der Mobilfunkindustrie verstrickt zu sein scheinen. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte der Täter damit vertuschen?
„Rain Dogs“, ist bereits der fünfte Fall für den katholischen Bullen. Der prüfende Blick unter seinen BMW gehört noch immer zu Duffys Ritual. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist.
Erneut gibt Adrian McKinty bedrückende Einblicke in den Irland-Konflikt und setzt seine Sean Duffy-Reihe kongenial fort. Die Stimmung bei Polizei und Bevölkerung wird glänzend eingefangen, der zeitgeschichtliche Hintergrund meisterhaft erzählt und gut erklärt. Schön finde ich auch, dass es wieder einen Soundtrack zum Roman gibt.
„Rain Dogs“ ist auch der Titel eines Albums von Tom Waits aus dem Jahr 1988. Wie schon bei „Gun Street Girl“ treffend gewählt. Getragen wird die Geschichte von ihrem Protagonisten. Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Duffy inzwischen Spezialist.
Und so freue ich mich schon heute auf den sechsten Teil dieser genialen Serie.

Fazit: Gelungene Fortsetzung der Sean Duffy-Reihe. Kann ich nur wärmstens empfehlen!

Veröffentlicht am 02.02.2017

Wer das Netz beherrscht, regiert die Welt

Glashaus
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„Glashaus“ ist der Name einer geheimen Sondereinheit zur Bekämpfung von Cyberkriminalität unter der Leitung von Ex-BKA-Vize Jörg Warninger. Mit dabei sind der ehemalige Polizist und Afghanistan-Veteran ...

„Glashaus“ ist der Name einer geheimen Sondereinheit zur Bekämpfung von Cyberkriminalität unter der Leitung von Ex-BKA-Vize Jörg Warninger. Mit dabei sind der ehemalige Polizist und Afghanistan-Veteran Mark West, die junge Staatsanwältin Julia Murnau und IT-Spezialist Torsten Radinger.
Die Kanzlerin liegt nach einem Autounfall im Koma, Kanzleramtschef Hofer schmiedet böse Pläne und ein Hacker, der sich Goodspeed nennt, will die Herrschaft über den Cyberspace erringen - mit allen Mitteln. Außerdem gibt es in der SE Glashaus auch noch einen Verräter.
Ein erschreckendes Szenario, das Christian Gailus sich da ausgedacht hat. Freiheit versus Sicherheit. Totale Überwachung und Kontrolle von Individuen. Wie kann sich ein Staat gegen Cyberattacken und Terrorismus wehren? Ist dies alles nur Fiktion oder schon die Realität?
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Mark und Julia sind mir sofort ans Herz gewachsen. Mark, der seit einem Einsatz in Afghanistan ein Loch im Kopf hat, kämpft mit den Dämonen seiner Vergangenheit und Julia ist die Einzige, die zu ihm hält.
Viele Ebenen des organisierten Verbrechens und des Ermittlungsapparates werden berührt. Geheimdienstliche Aktivitäten sind im Spiel. Der einzelne Mensch wird oftmals hart getroffen von den Handlungen der Mächtigen und ihrer brutalen Handlanger.
Rasanter Thriller mit einem intensiven Spannungsbogen und einem Ende, das geradezu nach einer Fortsetzung schreit. Bestens recherchiert und gut erklärt.

Fazit: Thriller made in Germany. Spannend, erschreckend, real!