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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2025

Ein Sommer voller Entdeckungen

Wenn die Tage länger werden
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Lisa ist Musiklehrerin und alleinerziehend. Als der Vater ihres Sohnes mit ihm über die Sommerferien in den Urlaub fahren möchte, ist sie überfordert. Sechs Wochen soll sie ohne ihren Sohn verbringen? ...

Lisa ist Musiklehrerin und alleinerziehend. Als der Vater ihres Sohnes mit ihm über die Sommerferien in den Urlaub fahren möchte, ist sie überfordert. Sechs Wochen soll sie ohne ihren Sohn verbringen? Sie merkt, dass sie lange keine Zeit mehr nur für sich hatte, fängt an, sich mit sich auseinanderzusetzen und holt ihre alte Geige hervor. Da diese schon lange restauriert werden muss, bringt sie sie zu Geigenbauer Hans. Als der sie kontaktiert, weil er etwas zur Herkunft der Geige gefunden hat, lernt sie nicht nur dessen Tochter Ute näher kennen, sondern beginnt auch, sich mit der Vergangenheit ihrer Familie und lang gehüteter Geheimnisse auseinanderzusetzen.

Das Cover und der Klappentext ließen mich einen leichten Sommerroman erwarten. Doch wer Anne Stern kennt, weiß, dass sie komplexe und erinnerungsträchtige Themen in ihren Romanen einarbeitet. Daher hielt ich bei "Wenn die Tage länger werden" vermehrt inne, wurde dazu angeregt, mich mit diversen Themen auseinanderzusetzen und mochte die historischen Hintergründe und Lisas Figurenentwicklung gern. Anne Stern schreibt ruhig, atmosphärisch und hat durch Ute und Hans einen schönen Nebenstrang geschaffen.

Veröffentlicht am 12.06.2025

Hat mich begeistert

Der Einfluss der Fasane
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Hella Karl ist Feuilletonchefin einer großen Berliner Zeitung. Um die Auflagenzahl zu steigern, verfasste sie einen reißerischen Artikel über den berühmten Theaterintendanten Kai Hochwerth, dem innerhalb ...

Hella Karl ist Feuilletonchefin einer großen Berliner Zeitung. Um die Auflagenzahl zu steigern, verfasste sie einen reißerischen Artikel über den berühmten Theaterintendanten Kai Hochwerth, dem innerhalb des Kulturbetriebs ein frauenfeindlicher Umgang nachgesagt wird. Kurz darauf suizidiert sich Hochwerth und Hella Karl erntet einen Shitstorm, denn die Frage steht im Raum, ob sie Kai Hochwerth mit ihrem Artikel in den Tod getrieben hat. Während Hella darauf hofft, dass sich die Wogen glätten und sich die Aufmerksamkeit von ihr wegbewegt, wird sie von der Zeitung freigestellt und es steht plötzlich nicht mehr nur ihr beruflicher, sondern auch ihr privater Status zur Debatte. Also begibt sich Hella Karl tiefer in die Szene und versucht, Kai Hochwerth noch stärker nachzugehen.

Mich haben sowohl der Titel als auch der Klappentext angesprochen, denn für mich war von Anfang an naheliegend, dass Hella Karls Artikel auf Wahrheiten beruhen und sie Kai Hochwerth keineswegs in den Tod getrieben hat. Ich wollte natürlich erfahren, ob ich mit meinem Eindruck richtiglag oder ob mich Antje Rávik Strubel eines Besseren belehren wird.
Der Schreibstil und die Erzählweise aus Hellas Perspektive haben mir sehr gut gefallen. So erfahren die Leser*innen nicht nur, was vor und seit Veröffentlichung des Artikels geschehen ist, sondern auch, wie sie - und auch Kai Hochwerth, zu dem sie immer einen freundlichen Umgang pflegte - sich in die Branche hinein und dann die Karriereleiter hochgearbeitet hat. Auch zu ihrer Beziehung mit T. erfahren wir einiges.
Ich muss sagen, dass ich weder Hella noch Kai oder eine andere Figur sonderlich sympathisch fand. Dennoch hat mich Antje Rávik Strubel absolut in den Bann gezogen und ich war fasziniert von der Story und ihrer Entwicklung.

Ein Buch, das mich auf jeden Fall überrascht hat.

Veröffentlicht am 12.06.2025

Süße RomCom

Note to myself: Liebe ist keine Option
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Alice kann ihren Augen nicht trauen, als sie ihren Freund beim Sex mit einer anderen Frau erwischt - und das in ihrer Wohnung und in ihrem Bett. Kurzerhand wirft sie ihren Freund (ab jetzt Ex-Freund) und ...

Alice kann ihren Augen nicht trauen, als sie ihren Freund beim Sex mit einer anderen Frau erwischt - und das in ihrer Wohnung und in ihrem Bett. Kurzerhand wirft sie ihren Freund (ab jetzt Ex-Freund) und ihre Freundin (ab jetzt Ex-Freundin) aus der Wohnung und ihrem Leben - und die Matratze voller Entschlossenheit aus dem Fenster, da der Weg zu den Mülltonnen so viel kürzer und entspannter ist. Was sie nicht einkalkuliert hat: Lennon, der die Straße entlangläuft und die Matratze auf den Kopf bekommt. Bei einem gemeinsamen Entschädigungsdrink ein paar Tage später muss Alice sich eingestehen, dass der Vibe zu Lennon stimmt. Es spricht ja auch nichts dagegen, dass sie Freunde werden. Mehr jedoch auf keinen Fall, das steht für sie fest. Und mit diversen Listen erinnert sie sich regelmäßig daran, dass sie ein Leben ohne Beziehung mit Männern braucht.

Kira Mohn schreibt leichtfüßig, humorvoll und hat mit Alice, Lennon und allen Figuren aus dem Buchladen ganz herzliche und sympathische Figuren geschaffen und ihnen allen eine liebevolle Sidestory zugeschrieben. So habe ich nicht nur genossen, Alices und Lennons Freundschaftsaufbau zu verfolgen, sondern auch alle anderen Annäherungen zu verfolgen.
Das Ende und der Weg dorthin waren für mich keineswegs überraschend, aber ich wurde bestens unterhalten und habe mich mit allen Figuren sehr wohlgefühlt und wunderbare Lesestunden verbracht.

Veröffentlicht am 11.06.2025

Einnehmendes Debüt

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Elisa erzählt von ihrer unsteten Kindheit, der Abwendung ihrer Mutter nach der Trennung ihrer Eltern, die Zeit in Jugendhilfeeinrichtungen und ihrer obdachlosen Zeit an der Kölnerdomplatte, wo sie sich ...

Elisa erzählt von ihrer unsteten Kindheit, der Abwendung ihrer Mutter nach der Trennung ihrer Eltern, die Zeit in Jugendhilfeeinrichtungen und ihrer obdachlosen Zeit an der Kölnerdomplatte, wo sie sich Punkern anschloss und, inspiriert von Christiane F., Drogen konsumiert. Während ihr Leben von der verzweifelten Suche nach Nähe, Zuneigung und Verbundenheit geprägt ist, findet sie diese bei der Dichterin Mascha Kaléko, indem sie sich an sie wendet, von ihrem Leben erzählt und eine Verbindung aufbaut.

Sarah Lorenz' Erzählweise, dass Elisa direkt Mascha Kaléko adressiert und jedes Kapitel von einem ihrer Gedichte eingeleitet wird, hat mir sehr gut gefallen. Ich mochte es, sowohl in die literarischen Tiefen als auch in die Erinnerungen aus Elisas Leben abzutauchen. Sie erzählt von der Kälte und der Einsamkeit in ihrer Kindheit und Jugend, ihrer Suche nach Liebe und ihren gewaltvollen Begegnungen und Beziehungen mit Männern.

Ein einnehmendes, kluges Debüt, das mir neben tollen Lesestunden auch Mascha Kaléko nähergebracht hat.

Veröffentlicht am 11.06.2025

Die Suche nach dem Glück

Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein
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In "Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein" nimmt Nicole Jäger uns mit auf ihre eigene Reise, die sie nicht nur auf viele Bühnen, sondern in diesem Fall allein und spontan ans Meer führt, weil sie ...

In "Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein" nimmt Nicole Jäger uns mit auf ihre eigene Reise, die sie nicht nur auf viele Bühnen, sondern in diesem Fall allein und spontan ans Meer führt, weil sie einen klareren Kopf braucht. Sie ist verzweifelt, unglücklich und ist auf der Suche nach sich selbst und dem Glück.
Wer hier einen Ratgeber erwartet, der die einfache Antwort darauf liefert, wie wir glücklich werden, hat zum falschen Buch gegriffen. Vielmehr nimmt Nicole Jäger die Leser*innen mit ihrem humorvollen, sarkastischen Blick mit auf ihre eigene Suche und die Gedanken, Fragen und Zweifel in ihrem Kopf. Denn sie stellt sich selbst die Fragen, wie viele Zweifel noch okay sind, in welchen Situationen überhaupt gezweifelt werden soll und ob Glücklichsein immer mit Schönheit und Erfolg zusammenhängt. Eines findet sie auf jeden Fall heraus: Glück ist nichts, was wir bekommen oder was automatisch da ist, sondern für was wir offen sein müssen und was wir als solches definieren.

Für mich war das Buch jetzt kein krasser Augenöffner, aber ich habe es genossen, Nicole Jägers Gedanken und Erfahrungen zu folgen.