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Veröffentlicht am 29.06.2023

Humorvoller Cosy-Krimi

Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Genuss
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Arie kehrt seinem Beruf des Polizisten den Rücken und widmet sich auf seinem Hausboot einem neuen Berufsfeld: Er gründert dort eine Detektei und findet in Maddie, Jack, Jan und Elin Verbündete, die ebenfalls ...

Arie kehrt seinem Beruf des Polizisten den Rücken und widmet sich auf seinem Hausboot einem neuen Berufsfeld: Er gründert dort eine Detektei und findet in Maddie, Jack, Jan und Elin Verbündete, die ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Aufgabe und einem angenehmen Platz im Leben sind. Während sie das Hausboot herrichten und verschönern, Tomaten anbauen, die Idylle der Amsterdamer Grachten genießen und sich mit Miss Marple-Filmen auf die Detektivarbeit vorbereiten, kommt ihr erster Klient. Die Hobby-Detektive sollen sich in die Gastronomie-/Catering-Szene Amsterdams begeben und ein Rezept ausspionieren. Sie finden sich nicht nur mitten im Wettstreit zweier Sterneköchinnen wieder, sondern parallel dazu taucht eine Wasserleiche auf - der bekannte Sommelier Henk Perenboom ist tot und plötzlich steht die Frage im Raum, ob und welche Verbindung es zwischen den dreien Gastronominnen gibt.

Nach dem Klappentext und dem Cover nach zu urteilen habe ich mich auf einen geütlichen Cosy-Krimi eingestellt und war gespannt, wie der Plot im Setting der Grachten Amsterdams umgesetzt werden. Dass die Detektei auf einem Hausboot ist, fand ich sehr schön und abweichend zu sämtlichen anderen Kriminalromanen, die ich bisher gelesen habe. Amy Achterop beschreibt das Setting und die einzelnen Figuren, ihr Auftreten und - teilweise sehr skurrile - Zusammenspiel sehr anschaulich und humorvoll. Der Spagat zwischen Figurendarstellung/-entwicklung und Ermittlungsfortschritten und Voranschreiten des Plots sind meiner Meinung nach sehr gelungen. Ich hatte Freude beim Lesen, musste häufiger schmunzeln und habe mit der Auflösung auch nicht unbedingt gerechnet.

Ein humorvoller Cosy-Krimi mit sympathischen Hobby-Detektiven, von denen ich gern mehr lesen würde!

Veröffentlicht am 21.06.2023

Kleinstadtdrama

Dunkelzeit
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In der Kleinstadt Gunthrum in Nebraska verschwindet das junge Mädchen Peggy im Jahr 1985 spurlos am ersten Wochenende der Jagdsaison. Hal, ein geistig behinderter Landarbeiter, der bei dem Ehepaar Alma ...

In der Kleinstadt Gunthrum in Nebraska verschwindet das junge Mädchen Peggy im Jahr 1985 spurlos am ersten Wochenende der Jagdsaison. Hal, ein geistig behinderter Landarbeiter, der bei dem Ehepaar Alma und Clyle arbeitet und den Status eines Pflegekindes innehat, war an diesem Wochenende mit Männern aus der Stadt jagen und benimmt sich danach merkwürdig. Außerdem weist sein Auto Unfallspuren und Blutspuren auf der Ladefläche auf. Dass er eine Hirschkuh geschossen hat, glaubt in Gunthrum niemand. Stattdessen wird er verdächtigt, für das Verschwinden von Peggy verantwortlich zu sein. Auch Alma und Clyle müssen sich die Frage stellen, wie gut sie Hal tatsächlich kennen und ob er tatsächlich unschuldig ist.

Wie ich es bei einem Kriminalroman, der in einer beschaulichen Kleinstadt spielt, erwartet habe, plätschert die Handlung eher dahin als dass actionreich und mit schnellen Wendungen und Überraschungen erzählt wird. Erin Flanagan beschreibt die einzelnen Figuren anschaulich und die oftmals beklemmende Kleinstadt-Atmosphäre sehr gut. Der Drang der Bewohner*innen, einen Schuldigen zu finden und die vermeintlich naheliegende Erklärung, dass nur Hal der Täter sein kann, wurde sehr deutlich.

Die Entwicklungen sind nachvollziehbar, die wichtigen Ermittlungsschritte werden größtenteils durch Milo, Peggys kleinen Bruder, erreicht und die Auflösung erscheint mir schlüssig - gerade für die Zeit.

Ein solider Kriminalroman mit sehr ländlichem Kleinstadt-Flair.

Veröffentlicht am 21.06.2023

Die erste große Liebe

Wo der Seewind flüstert. Die St.-Peter-Ording-Saga
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"Wo der Seewind flüstert" spielt im Jahr 1959: Sabine hat gerade die Frauenfachschule beendet und wird nach dem Sommer ihre Ausbildung beginnen. Nach all der Anstrengung möchte sie mit Freundin Rita, ihrem ...

"Wo der Seewind flüstert" spielt im Jahr 1959: Sabine hat gerade die Frauenfachschule beendet und wird nach dem Sommer ihre Ausbildung beginnen. Nach all der Anstrengung möchte sie mit Freundin Rita, ihrem Bruder und dessen besten Freund an den Gardasee fahren. Doch ihre Tante in Nordfriesland braucht Hilfe in St. Peter-Ording, weshalb Sabine ihren Sommer bei ihr statt in Italien verbringen und ihr dort aushelfen muss. Bereits nach den ersten Tagen genießt Sabine die Arbeit bei ihrer Tante und hilft zusätzlich noch im Strandcafé aus, was ihr große Freude bereitet. In St. Peter gefällt es ihr so gut, dass sie gar nicht in den Ruhrpott zurückmöchte. Zu gewissen Teilen liegt das auch an Tom, der sich um die Strandkörbe kümmert und ein Auge auf Sabine geworfen hat.

Tanja Janz hat mich vor allem mit ihrem sprachlichen Ausdruck und dem transportierten Zeitgeist überrascht, da ich sowohl die Atmosphäre im Buch, die beschriebenen Zustände als auch die Sprache sehr passend und authentisch für die späten 50er Jahre empfinde. Ich brauchte die ersten Kapitel, um mich einzufinden, um Sabine kennenzulernen und mir die Denkweisen und Werte aus der Zeit vor Augen zu führen, ab dann konnte ich abtauchen und an Sabines Seite den Sommer in St. Peter-Ording, die zarten Gefühle der ersten großen Liebe und die Rückkehr ins graue Duisburg erleben.
Ein schöner auftakt der Saga, ich bin gespannt auf den nächsten Teil und freue mich, dann mehr aus St. Peter-Ording zu lesen!

Veröffentlicht am 20.06.2023

Das Wert eines Kinderlebens

Die spürst du nicht
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Die beiden wohlhabenden und privilegierten Familien Binder und Strobl-Marineks verbringen mit ihren Kindern einen exklusiven Urlaub in einer toskanischen Villa. Damit sich Sophie Luise, die 14-jährige ...

Die beiden wohlhabenden und privilegierten Familien Binder und Strobl-Marineks verbringen mit ihren Kindern einen exklusiven Urlaub in einer toskanischen Villa. Damit sich Sophie Luise, die 14-jährige Tochter der Strobl-Marineks, nicht langweilt, nehmen sie ihre Klassenkameradin Aayana, ein Flüchtlingskind aus Somalia mit. Sophie Luise möchte ihr das Schwimmen beibringen. Bereits am ersten Tag, als die Binders und die Strobl-Marineks sich gerade erst in der Villa eingefunden haben, passiert ein tragischer Unfall, der den Urlaub jäh beendet und die Leben der Familien maßgeblich verändert.

Daniel Glattauer thematisiert in "Die spürst du nicht" vor allem die Privliegien unserer wohlhabenden Gesellschaft in Relation zu der Ungerechtigkeit und dem zweierlei Maß, mit dem gegenüber Flüchtlingen und Migrantinnen gemessen wird. Ausschlaggebend für das abgebildete Sittenbild ist der tödliche Poolunfall und der anschließende Umgang damit - innerfamiliär, politisch, gesellschaftlich, medial und juristisch. Glattauer lässt sämtliche Perspektiven und Figuren zu Wort kommen, unter anderem Journalistinnen in Form von Zeitungsartikeln und die breite Masse der Bevölkerung in Form von Kommentarspalten. Dass es sich darin um populistische Äußerungen handelt, dürfte niemanden wundern. Über allem schwebt die Frage nach Schuld und nach dem Wert eines (Flüchtlings-)Kinderlebens.

Die gewählten Stilmittel, die sprachliche Umsetzung und die vielfältige und pointierte Figurendarstellung haben mich beeindruckt. Es handelt sich hier um schwere Kost, die ein erschreckendes Abbild unserer Gesellschaft ist. In diesen Spiegel mag sicherlich nicht jede*r (gleich) gern schauen.

Veröffentlicht am 18.06.2023

Sehr ansprechendes türkisches Kochbuch

Meine Süperküche
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Ich mag die türkische Küche sehr gern und freue mich immer über neue Rezepte - vor allem über vegetarische und vegane Gerichte. Meltem Kaptan hat mit "Meine Süperküche" meine Erwartungen an das Kochbuch ...

Ich mag die türkische Küche sehr gern und freue mich immer über neue Rezepte - vor allem über vegetarische und vegane Gerichte. Meltem Kaptan hat mit "Meine Süperküche" meine Erwartungen an das Kochbuch übertroffen. Das Hardcover verspricht Stabilität, die Seiten sind angenehm dick zum Umblättern und die Fotos der Gerichte regen den Appetit an und wecken Lust, direkt loszukochen.
Die Aufteilung ist recht klassisch - Vorspeisen, Suppen & Eintöpfe, Hauptgerichte und Nachspeisen. Was mir sehr gut gefällt, ist die Symbolik für vegan, vegetarisch und glutenfrei, mit der die einzelnen Rezepte markiert sind. Die Zutatenlisten sind überschaubar, sehr übersichtlich und enthalten in der Regel auch alles, was man eh da hat oder ganz easy im Supermarkt bekommt.
Die Zubereitung ist meist einfach, sehr gut erklärt und die Gerichte gehen recht schnell und sind sehr lecker.
Was mir besonders gut gefällt ist der große Gemüse-Anteil, gerade in Bezug auf Auberginenrezepte. Und die vegetarischen Rezepte lassen sich auch easy in vegane Alternativen umwandeln.

Ich bin begeistert und möchte gern noch mehr von Meltem Kaptan nachkochen!