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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2023

Brillanter Pageturner

NIGHT – Nacht der Angst
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Emily beschließt, recht überstürzt das College zu verlassen. Seit ihre Mitbewohnerin und enge Freundin Maddy von einem Serienmörder, dem sogenannten Campus-Killer, ermordet wurde, hält sie es am Campus ...

Emily beschließt, recht überstürzt das College zu verlassen. Seit ihre Mitbewohnerin und enge Freundin Maddy von einem Serienmörder, dem sogenannten Campus-Killer, ermordet wurde, hält sie es am Campus und in ihrem Zimmer nicht mehr aus. Zu groß sind ihre Schuldgefühle, dass sie Maddy allein in der Bar gelassen hat, sie im Streit auseinandergingen und ihre letzten Worte an Maddy gemein und grässlich waren. Sie will so schnell weg wie nur möglich und Unterschlupf bei ihrer Grandma in Ohio finden. Als sie am Schwarzen Brett eine Mitfahrgelegenheit bei Josh ergattert, kann sie ihr Glück kaum fassen. Doch nur wenige Zeit nachdem sie bei ihm eingestiegen ist, merkt sie, dass er ihr nicht die Wahrheit gesagt hat. Charlie ist sich sicher, dass sie ins Auto des Campus-Killers gestiegen ist und sich in großer Gefahr befindet.

"Night" ist seit langem mal wieder ein Thriller, der mich total gepackt hat und den ich in zwei Schüben verschlungen habe. Dass Charlie nicht sicher in Joshs Auto ist und sich dringend aus seinen Fängen befreien sollte, ist schnell klar. Wie sie das schaffen soll und ob sie die Nacht im Auto überlebt, ist für die Leser*innen genauso unklar wie für Charlie selbst. Daher habe ich die Geschehnisse im Auto, die Dialoge mit Josh und die möglichen Fluchtmöglichkeiten für Charlie mit größter Anspannung verfolgt. Der flüssige Schreibstil, die sich langsam bedrohlich aufbauende Spannung sowie die kurzen Kapitel haben den packenden Effekt nur verstärkt.

Ein packender Pageturner, dessen Ausgang lange Zeit nicht absehbar und überraschend für mich war.

Veröffentlicht am 22.01.2023

Berührender Roman

Weil morgen ein neuer Tag beginnt
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Emily Turner ist 28 Jahre alt, als sie eine BBC-Dokumentation über das Leben der Briten schaut und zu der erschreckenden Erkenntnis kommt, dass sie der Inbegriff der Durchschnittlichkeit und Langeweile ...

Emily Turner ist 28 Jahre alt, als sie eine BBC-Dokumentation über das Leben der Briten schaut und zu der erschreckenden Erkenntnis kommt, dass sie der Inbegriff der Durchschnittlichkeit und Langeweile ist. Sie beschließt, dass sich das nun schleunigst ändern muss. An ihrem durchschnittlichen Namen, ihrem Beruf oder gar ihrer Blutgruppe kann sie nichts ändern, aber sämtliche andere Lebensweisen lassen sich ja wohl innerhalb weniger Monate in etwas Aufregenderes und weniger Typisches verwandeln? Daher schreibt Emily eine Liste mit all den Dingen, die sie schaffen möchte, damit sie weniger durchschnittlich ist. Ebenfalls auf der Liste steht, dass sie auf keinen Fall ihren Seelenverwandten treffen und sich in diesen verlieben darf. Als sie Josh trifft, gestaltet sich dieser Punkt auf der Liste vermutlich schwierier als gedacht.

Schon nach den ersten Seiten war mir klar, dass Rebecca Ryan mit Emily nicht nur eine sehr humorvolle, sondern auch eine schlagfertige und taffe Figur geschaffen hat. Mit ihrem flüssigen und leichten Schreibstil lässt sie uns Emilys Alltag erleben und hat bei mir keinesfalls den Eindruck erweckt, dass Emily langweilig ist. Recht schnell wird klar, dass für Emily der Verlust ihrer Zwillingsschwester Claire noch immer sehr stark in ihr ist und die Trauer noch immer ein großer Teil von ihr ist.
Während sie also ihr neues Ich kreiert und zig neue Dinge ausprobiert, lernen wir sie und ihre Vergangenheit viel besser kennen - und auch Josh, der von Anfang an Sympathiepunkte sammelte.

Obwohl die zugrundeliegende Thematik um den Tod und die verdrängte Trauer schwer wiegen, hat Rebecca Ryan drumherum einen schönen, beschwingenden Liebesroman geschaffen.

Veröffentlicht am 19.01.2023

Spannender Klima-Thriller

Dark Clouds
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Thilo Falk thematisiert in "Dark Clouds" die Gefahren und Auswirkungen, die durch Extremwetter - hervorgerufen durch den Klimawandel - entstehen und wie Deutschland mit diesen Konsequenzen kämpfen mus.
In ...

Thilo Falk thematisiert in "Dark Clouds" die Gefahren und Auswirkungen, die durch Extremwetter - hervorgerufen durch den Klimawandel - entstehen und wie Deutschland mit diesen Konsequenzen kämpfen mus.
In einem Zeitraum weniger Wochen ergeignen sich europaweit Extremwetter - unter anderem Starkregen, Sturmfluten und Erdrutsche. Abflüsse können das Wasser nicht mehr ableiten, die Stromversorgung kippt, U-Bahn-Stationen werden überflutet und Menschen müssen ihre Heimat verlassen und suchen sichere Unterschlüpfe.
Fjella Lange, Wolkenkundlerin, und Arian Fischer, IT-Spezialist, und Phillip Graf, Schadensgutachter, beschäftigen die Extremwetter ebenfalls und wissen, dass nur wenig Zeit bleibt, um dagegen anzukämpfen. Für sie ist klar, dass es sich hier nicht um Einzelfälle handelt, sondern ein großer Umschwung in Form einer Katastrophe im Anmarsch ist und dass die Politik, Geld und Macht hier einen großen Einfluss haben.

Thilo Falk erzählt von den Ereignissen aus verschiedensten Perspektiven, was zum einen Spannung erzeugt und zum anderen Hintergründe und Fakten aus verschiedenen Sichten und mit unterschiedlichen Ansätzen darstellt. Dabei spielen die Handlungen in verschiedenen Regionen Deutschlands und lassen bei Politikerinnen und Behörden nur begrenzt Handlungen folgen.
"Dark Clouds" überzeugt sowohl durch den spannenden, flüssigen Schreibstil als auch durch die gut recherchierten Abläufe und Umfeltfakten. Die Flut im Ahrtal 2021 hat gezeigt, dass die geschilderten Katastrophen in diesem Buch nicht ausschließlich Fiktion sind.
Wer Klima-Thriller, unterfüttert mit Fachwissen, mag, kommt hier definitiv auf seine
ihre Kosten.

Veröffentlicht am 19.01.2023

Hat mich leider nicht erreicht

Der Junge im Fluss
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Nestor T. Kolee erzählt in "Der Jung im Fluss" von Ben, der auf einer kleinen Insel in einem kleinen Haus lebt und dort sämtliche Erinnerungen an seine Vergangenheit aufbewahrt und sich nicht von Andenken ...

Nestor T. Kolee erzählt in "Der Jung im Fluss" von Ben, der auf einer kleinen Insel in einem kleinen Haus lebt und dort sämtliche Erinnerungen an seine Vergangenheit aufbewahrt und sich nicht von Andenken daran trennt. Er möchte alles festhalten und bewahren, alles soll bleiben, wie es ist. Als sein Bruder auf die Insel zurückkehrt, ahnt Ben Böses. Denn immer, wenn sein Bruder zurückkommt, ist jemand gestorben. Und dieses Mal soll Ben mit ihm mitkommen - nach Damai, einem Ort, an dem die Zeit stillsteht und den auch schon sein Großvater aufsuchte. Dort beginnt Bens Suche nach dem Ich.

Zunächst fiel es mir leicht, mich auf Bens Geschichte und sein Inselleben einzulassen - Gedanken zu lesen, die das eigene Ich und den Sinn des Lebens anreißen und die Art, mit Vergangenheit umzugehen und/oder an ihr festzuhalten. Es hat einen philosophischen Unterton, erinnerte mich jedoch auch an Bücher wie "Das Cafe am Rande der Welt", was ich abgebrochen habe, weil es mir zu viel war. Und auch dieses Gefühl setzte hier bald ein. Bens Begegnungen wirken fantasievoll und ich konnte ihnen nicht mehr gut folgen.
Mir gefällt der Ansatz, dass Ben aus seinem gewohnten Leben ausbricht, ein Abenteuer wagt und dazulernt. Allerdings konnte mich die Umsetzung nicht fesseln und hat mich recht bald verloren. Ich konnte mich einfach nicht genug darauf einlassen und mir fehlten Tiefgang und weitere Entwicklungen oder Anregungen, die ich gut für mich mitnehmen kann.

Ich kann mir vorstellen, dass "Der Junge im Fluss" viele Leser*innen begeistert und bereichert - mich leider nicht.

Veröffentlicht am 10.01.2023

In meinen Augen gar nicht hygge

Mord im Kurhotel
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Anne-Maj Mortensen, selbsternannte Hobby-Spürnase, muss nach ihrer Knie-OP in die Reha. Und da sie ihren Kindern und Enkel*innen zumindest die Chance geben möchte, sie zu besuchen, und die Treppen in ihrer ...

Anne-Maj Mortensen, selbsternannte Hobby-Spürnase, muss nach ihrer Knie-OP in die Reha. Und da sie ihren Kindern und Enkel*innen zumindest die Chance geben möchte, sie zu besuchen, und die Treppen in ihrer eigenen Wohnung nicht zu bewältigen wären, sucht sie sich ein Kurhotel ganz in der Nähe aus. Dort kann sie ihre Anwendungen bekommen, sich erholen und gleichzeitig noch von den Spa-Anwendungen profitieren und ein bisschen Urlaub-Feeling genießen - dachte sie. Womit Anne-Maj nicht gerechnet hat, sind all die anderen kranken Gäste und vor allem die Leiche die im Schlammbad auftaucht - der kurz darauf eine zweite Leiche folgt.

Der Klappentext hat mich sehr angesprochen und mich einen humorvollen Cosy Crime erwarten lassen. Doch das hat getäuscht. Im Vordergrund von "Mord im Kurhotel" steht Corona, insbesondere die Meinungen von Corona-Leugnerinnen und die permanente Äußerungen zur Einschätzung der Schutz-Maßnahmen. Das war der erste negative Punkt für mich, denn damit, dass Corona eine so große Rolle spielt, bzw. im Fokus steht, hätte ich nicht gerechnet. Der zweite negative Aspekt ist die Figur Anne-Maj. Selten habe ich eine so ätzende, nervige und einfältige, unreflektierte Protagonistin erlebt. Ich habe nicht die Erwartung, dass ich mit jeder Figur sympathisiere - überhaupt nicht. Es gibt genügend antipathische Figuren in Büchern, doch meistens holen sie mich trotzdem ab bzw. lassen mich ein Gefühl für sie bekommen und ihnen gespannt in der Handlung folgen zu wollen. Anne-Maj war für mich leider durch und durch negativ besetzt - sowohl was ihren Charakter als auch ihr Auftreten oder die reproduzierten Überzeugungen über Menschen angeht.

Der Krimi-Plot an sich ist solide, die Umsetzung hat mir jedoch überhaupt nicht gefallen und ich habe mich eher dazu gezwungen, das Buch zu beenden, um die Auflösung zu erfahren und die Lektüre abzuschließen. Ich konnte weder Humor entdecken - sich despektierlich über andere zu äußern und sich selbst über sie zu erheben ist für mich kein Ausdruck von humor - noch wurde irgendein hygge-Gefühl ausgelöst. Und als dänische Miss Marple - wie es auf dem Buchdeckel angekündigt wird - würde ich Anne-Maj auch überhaupt nicht bezeichnen.

Konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen...