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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.11.2022

Rezepte nach Jahreszeiten

Mehr Nervennahrung
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Verena Lugert, bekannt aus der Spiegel-Kolumne "Nervennahrung" versammelt in ihrem zweiten Kochbuch eine umfangreiche Sammlung an Rezepten aus aller Welt. Angeordent sind sie nach Jahreszeiten, sodass ...

Verena Lugert, bekannt aus der Spiegel-Kolumne "Nervennahrung" versammelt in ihrem zweiten Kochbuch eine umfangreiche Sammlung an Rezepten aus aller Welt. Angeordent sind sie nach Jahreszeiten, sodass jede*r je nach Saison, Temperatur und Geschmack eine erste Vorauswahl für die entsprechenden Monate bekommt.

Eingeleitet wird jedes Rezept durch eine Anekdote, eine Erinnerung oder die Assoziation und Verbindung mit dem jeweiligen Rezept oder dessen Herkunft. So wird das Kochen mit Literatur und Wissen verknüpft. Verena Lugert präsentiert Rezepte aus unter anderem Mexiko, Malaysia, Deutschland oder Polen. Die benötigten Zutaten sind überschaubar und die Anleitung so knapp wie möglich und so ausführlich wie notwendig, was mir durch die Übersicht und die rasche Lesemöglichkeit und Umsetzbarkeit gut gefällt. Die Grundbegriffe des Kochens sollen dabei geläufig sein, da diese nicht näher erläutert werden.

Einziger Kritikpunkt: Das Kochbuch enthielt fast ausschließlich fleischhaltige Rezepte. Die Süßspeisen waren vegetarisch, enthielten jedoch auch sehr viel tierische Produkte. Einiges habe ich durch Fleischersatz ausgetauscht oder das Fleisch weggelassen, was auch lecker war. Dennoch hätte ich mir mehr vegetarische Rezepte gewünscht.

Ein schön gestaltetes Kochbuch, das zum Ausprobieren und Nachkochen anregt.

Veröffentlicht am 13.11.2022

Im Grunde ein guter Ansatz

We are the Wildcats
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Siobhan Vivian lässt sechs Spielerinnen eines Highschool-Hockeyteams zu Wort kommen, die die letzten 24 Stunden vor dem ersten Spiel der neuen Saison gemeinsam erleben. Das Team der Wildcats wird vom berüchtigten ...

Siobhan Vivian lässt sechs Spielerinnen eines Highschool-Hockeyteams zu Wort kommen, die die letzten 24 Stunden vor dem ersten Spiel der neuen Saison gemeinsam erleben. Das Team der Wildcats wird vom berüchtigten Coach angeführt, der sie unter einem strengen Trainingsplan und strikten Regeln trainiert und sie zu Bestleistungen bringt. Da die letzte Saison mit einer Niederlage endete, wollen die Mädchen ihm Beweisen, dass sie nun wieder voller Energie da sind und die kommende Saison mit Bestleistung starten, um die heiß ersehnten Chancen auf ein Collegestipendium zu bekommen.

Die Tradition der Catnight vor dem ersten Spiel, eigentlich eine Übernachtungsparty mit Knabbereien, bekommt dieses Jahr daher einen neuen Touch. Aus sechs wechselnden Perspektiven berichten die Teammitglieder Luci, Mel, Phoebe, Kearson, Ali und Grace von der Catnight, ihren bisherigen Hockeyerfahrungen, den Methoden des Coaches sowie ihren Ängsten und Träumen für die Zukunft. Schnell wird klar, dass - so unterschiedlich sie sind - Hockey für alle der wichtigste und teils einzige Lebensinhalt ist. Im Ansatz thematisiert Siobhan Vivian Rassismus, Sexualität und Selbstvertrauen. Allerdings rutscht sie dabei immer wieder in Klischees und Stereotype ab oder führt die Gedanken nicht weiter aus, sodass diese Aspekte für mich sehr oberflächlich blieben. Viel mehr Platz nimmt die fragwürdige Beziehung des Coaches zu den einzelnen sechs Spielerinnen ein. Auch wenn die Auflösung des Buchs seine schlechten Charaktereigenschaften und Motive offenbart, bin ich unsicher, ob das für ein Jugendbuch in dem Maße geeignet ist,. da wenig aufgearbeitet wird.

Den flüssigen Schreibstil mochte ich sehr und nachdem ich mich eingefundne habe, wer gerade erzählt, was in die Vergangenheit und die Gegenwart gehört und eine einigermaßen bildhafte Vorstellung der einzelnen Charaktere gefunden habe, konnte ich mich gut zurechtfinden und die Ereignisse der Catnight gespannt verfolgen.

Ein Jugendbuch, dass einen Einblick in die Strukturen des Leistungssports, die Herausforderungen innerhalb des Teams und der Beziehung zum Coach gibt.

Veröffentlicht am 13.11.2022

Gut recherchiert

Die Krankenschwester
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In Dänemark, im Krankenhaus Nykøbing Falster, sterben während der Nachtschicht immer mehr Patienten an einem plötzlichen Herzstillstand. Bald fällt auf, dass immer eine bestimmte Krankenschwester, Christina ...

In Dänemark, im Krankenhaus Nykøbing Falster, sterben während der Nachtschicht immer mehr Patienten an einem plötzlichen Herzstillstand. Bald fällt auf, dass immer eine bestimmte Krankenschwester, Christina Aistrup Hansen, Dienst in den Schichten hat, in denen es zu den vermehrten Todesfällen kommt. Ihre Kollegin Pernille hat einen schlimmen Verdacht und fängt an, die Medikamente zu dokumentieren und Beweise zu sammeln, die ihren Verdacht erhärten. Als die Todesursache eines verstorbenen Patienten unklar ist und die Polizei hinzugerufen wird, kommen die Ermittlungen gegen Christina in Gang.

Kirstian Corfixen dröselt in "Die Krankenschwester" sämtliches Geschehen im Zeitraum 2012 bis 2017 auf, dass sich im Krankenhaus ereignet hat. Dabei hat er sämtliche Gerichtsprotokolle, Gutachten, Polizeiakten und Zeuginnenaussagen umfassend recherchiert, in chronologische Kontexte gebracht und so einen fesselnden True Crime Fall zu Papier gebracht. Auf inhaltlicher Ebene handelt es sich hier um einen schrecklichen Fall, der nicht nur vielen Patientinnen das Leben gekostet hat, sondern auch Angehörige, Mitarbeiterinnen und das Krankenhauspersonal schwer belasten.

Corfixen stellt ausführlich und auch für Lai
innen dar, wie der Medikamentenmissbrauch zu den vielen Todesfällen führte, wie schwer es für die Kolleg*innen war, einen Verdacht gegen Christina zu äußern und wie diese sich während des Prozesses und der Ermitlungen verhält. Es wird außerdem beleuchtet, wie die Krankenhausstrukturen in solchen Fällen vor Herausforderungen stehen.

Auch wenn einige Passagen etwas langatmig waren und ich mir nicht alle Namen und Dosierungen der Medikamente und deren Auswirkungen merken konnte, habe ich die Ausführungen mit großer Spannung verfolgt.

Ein interessanter True Crime Fall, der hier fesselnd und verständlich nachgezeichnet wurde!

Veröffentlicht am 01.11.2022

Emotional berührend

Zehn Jahre du und ich
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Becca und Charlie verbindet die tiefe Verbundenheit zu ihrer geliebten Freundin Ally. Ansonsten haben sie nichts gemeinsam und können sich auch absolut nicht ausstehen. Als Ally in sehr jungen Jahren stirbt, ...

Becca und Charlie verbindet die tiefe Verbundenheit zu ihrer geliebten Freundin Ally. Ansonsten haben sie nichts gemeinsam und können sich auch absolut nicht ausstehen. Als Ally in sehr jungen Jahren stirbt, verliert Becca mit ihr ihre beste Freundin und Charlie seine Partnerin. Bei beiden bleiben tiefe Wunden und es fällt ihnen nicht leicht, Allys Tod zu verarbeiten, geschweige denn darüber hinwegzukommen.
"Zehn Jahre du und ich" setzt direkt mit Allys Beerdigung ein, bei der Becca und Charlie bereits heftig aneinander geraten und klar wird, dass sie sich eigentlich nie wieder sehen möchten. Doch an Allys erstem Todestag landen beide auf dem Sofa von Allys Mutter und sehen sich plötzlich am Anfang einer Bucket List, die gemeinsam abarbeiten sollen.
Die Leser*innen begleiten die beiden nun in den kommenden zehn Jahren bei den zu erledigenden Aufgaben und können durch Pernille Hughes' bildhafte Schilderungen mitverfolgen, wie Becca und Charlie nicht nur einen guten Umgang mit Allys Tod, sondern auch miteinander entwickeln.
Der Schreibstil ist flüssig, die Figuren waren mir auf Anhieb sympathisch und sowohl der Plot als auch die Darstellungsweise und vor allem der Erzählton haben mich emotional sehr ergriffen und mir wunderbare Lesestunden beschert!

Veröffentlicht am 01.11.2022

Leider kaum Tiefgang

Der schönste Zufall meines Lebens
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Penny Bridge ist 30, lebt in London und wünscht sich sehnlichst Kinder. Aufgrund einer Krebserkrankung kann sie diese jedoch nicht selbst austragen, sondern muss für ihre befruchteten Eier eine Leihmutter ...

Penny Bridge ist 30, lebt in London und wünscht sich sehnlichst Kinder. Aufgrund einer Krebserkrankung kann sie diese jedoch nicht selbst austragen, sondern muss für ihre befruchteten Eier eine Leihmutter finden - und außerdem fehlt ihr noch der "richtige" Mann für ihre Zukunft als Mutter. Durch einen Zufall steht plötzlich der attraktive Francesco vor ihr und nach einigen Anlaufschwierigkeiten entwickelt sich eine Affäre zwischen den beiden. Bis Penny von London nach Derbyshire zieht, um dort die Leitung des Pubs ihres kranken Onkels zu übernehmen. Dort lernt sie zwei weitere Männer kennen, die großen Gefallen an Penny finden. Doch ganz kann sie Francesco nicht vergessen und eines Tages kündigt er an, seinen Job in London gekündigt zu haben und ihr im Pub unter die Arme greifen zu wollen. Können die beiden noch einmal zueinander finden?

Laura Jane Williams' Schreibstil ist sehr angenehm: locker, leicht und bildhaft, sodass die Geschehnisse anschaulich beschrieben und gut vorstellbar sind. Zunächst war ich von der Geschichte ganz begeistert, gerade da die Themen Brustkrebs, Kinderwunsch und finanzielle Selbständigkeit angesprochen wurden. Während der Zeit in London gefiel mir Penny und die sich entwickelnde Beziehung zwischen ihr und Francesco sehr gut. Doch spätestens als sie nach Derbyshire geht, ändert sich mein Eindruck. Abgesehen davon, dass ich zu den männlichen Figuren dort wenig Zugang gefunden habe und sie recht unsympathisch ausgearbeitet waren, verfiel Penny in negative Züge. Was die Autorin vermutlich als Selbstbewusstsein, sexuelle Selbstbestimmung und Unabhängigkeit darstellen wollte, war im Kern doch die stetige Abhängigkeit von der Bestätigung und Zuneigung eines Mannes - oder mehreren Männern.

Eigentlich bot der Roman wirklich viel Potential, diverse Themen modern und tiefgründig umzusetzen, rutschte dann leider doch wieder in typische und altbekannte Klischees ab.