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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2019

Solider Krimi

Dunkel Land
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Verena Hofer, Literaturprofessorin, nimmt ihr fünfjährige Nichte Amelie bei sich auf, nachdem dessen Mutter tödlich verunglückt. Aus Geldnot tritt sie die Stelle als Hausmädchen auf Gut Wuthenow an. Wie ...

Verena Hofer, Literaturprofessorin, nimmt ihr fünfjährige Nichte Amelie bei sich auf, nachdem dessen Mutter tödlich verunglückt. Aus Geldnot tritt sie die Stelle als Hausmädchen auf Gut Wuthenow an. Wie sich bei der Ankunft herausstellt, muss sie sich jedoch nicht um einen Jungen kümmern, sondern um Carl, einen attraktiven Profiler. Er hat im Zuge einer Schussverletzung sein Kurzzeitgedächtnis verloren, will dennoch als freier Berater für die Berliner Polizei arbeiten. Und Verena soll ihm dabei assistieren.

Der Fall erscheint vielversprechend: Ein junger, ausländischer Stricher wird geknebelt und mit tödlichen Stichwunden gefunden. Zunächst steht die rechte Szene im Verdacht, der sich Carl und Verena nähern.
Im Laufe des Buches tritt jedoch der Fall für mein Gespür in den Hintergrund und die Beziehung zwischen Carl und Verena gewinnt an Präsenz. Die Autorin hat mit der taffen Frau und dem schroffen Profiler ein nettes Duo geschaffen, die für eine unterhaltsame Atmosphäre sorgen. Trotzdem habe ich mehr Spannung erwartet, was die Ermittlung angeht.
Hinzu kommen kleine Widersprüche in Verenas Verhalten, die nicht authentisch wirken. Zum einen ist sie die unsichere und verängstigte Lieraturkennerin und dann mutiert sie plötzlich zur fähigen Ermittlerin, die den Fall durchschaut.
Wer auf die Hinweise achtet, kann sich früh denken, wer der Mörder ist.
All das finde ich gar nicht schlimm. Es handelt sich hier um einen Kriminalroman, bei dem es auf jeden Fall um die Ermittlung geht, das Privatleben des Ermittlerduos jedoch auch von Bedeutung ist.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm. Er nimmt den Leser mit durch die Zeit auf Gut Wuthenow und die aufregenden Ermittlungen in Berlin.
Das Ende kommt ziemlich abrupt und lässt eventuell auf einen zweiten Teil hoffen...

Veröffentlicht am 10.02.2019

Pointierter Wortwitz vom Feinsten

Die Sonnenseite des Schneemanns
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Ian ist der Inbegriff der Spießigkeit. Wie in seinem Job als Pixelmaler hat auch privat alles seine Ordnung: alltägliche Handlungen werden in festgelegten Routinen vollzogen, Gegebenheiten durch Ergebnisse ...

Ian ist der Inbegriff der Spießigkeit. Wie in seinem Job als Pixelmaler hat auch privat alles seine Ordnung: alltägliche Handlungen werden in festgelegten Routinen vollzogen, Gegebenheiten durch Ergebnisse diverser Studien erklärt. Luise ist extrovertiert, eine Partylöwin und liebt Jägermeister. Als sie den vermeintlich spießigsten Spießer Ian in der U-Bahn sichtet, liegt eine Wette nahe: Sie glaubt nicht nur daran, dass Ian auch eine coole, lockere Seite in sich trägt, sondern daran, dass sie diese zum Vorschein bringen kann.

Die Handlung ist nicht sonderlich originell und im Grunde auch tendenziell nebensächlich. Schließlich bietet sie lediglich die Basis für den schrägen Humor, den Sebastian23 in Form von Wortwitzen, cleveren Pointen und überspitzten Albernheiten auszudrücken weiß.
"Die Sonnenseite des Schneemanns" bietet exzentrische und absolut liebenswert skurrile Figuren, die in alltäglichen und weniger alltäglichen Situationen in Form von witzigen und witzigeren Dialogen und Handlungen harmonieren.
Ian lernt von "Kollege" Luise die Lässigkeit des Lebens, weicht von seinen strukturierten Verhaltensweisen ab und behält doch seine Eigenarten für sich. Oder aber: Luise zieht Ian den Stock aus dem Arsch und steckt ihn bei sich hinein.

Wer bei diesem Buch nicht dauerhaft schmunzelt, sollte gefragt werden: "Was geht'n bei dir, du ahnbarer Larry?"

Veröffentlicht am 10.02.2019

Auf eigene Weise berührend

Gegen alle Regeln
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Ariel Levy erzählt in ihrem Buch "Gegen alle Regeln" wie sie aufgewachsen ist, welche Ziele sie sich gesteckt und welche Etappen in ihrem Leben sie hinter sich gebracht hat. Dabei erzählt sie von ihrem ...

Ariel Levy erzählt in ihrem Buch "Gegen alle Regeln" wie sie aufgewachsen ist, welche Ziele sie sich gesteckt und welche Etappen in ihrem Leben sie hinter sich gebracht hat. Dabei erzählt sie von ihrem emanzipierten Werdegang, ihrer Journalismus-Karriere, die sie bis zum New Yorker gebracht hat, einer Affäre und vor allem von ihrer großen Liebe.
Ariel ist Frau, Freundin, Ehepartnerin, Journalistin und sehnt sich nach ausschweifenden, glücklichen Jahre voller Liebe, Glück und Freuden danach, Mutter zu sein. Tatsächlich wird sie mit 38 Jahren schwanger und reist im fünften Monat für ihre erstmals letzte Auslandsreportage in die Mongolei. Dort bringt sie viel zu früh, allein im Hotelzimmer, ihren Sohn zur Welt, der nach wenigen Stunden stirbt.
Für Ariel ist klar, dass sie wieder zurück nach Hause fliegen muss, doch in ihre altes Leben kann sie nicht zurück. Ihre Rolle als Ehepartnerin hat sich verändert, weil ihre Frau Lucy das Limit ihres Alkoholkonsums erreicht hat und Ariel in ihrer Trauer versinkt. Es folgt eine schwere Zeit, die von Umschwung und Traurigkeit geprägt ist.

Ariel Levy hat einen wunderbaren, ruhigen und angenehmen Schreibstil. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise durch ihr Leben. Da sie einzelne Situationen und Meilensteine ihres Lebens beschreibt, von ihren Gefühlen, Entscheidungen und deren Konsequenzen berichtet, ist der weitere Verlauf nachvollziehbar. Man kann verstehen, weshalb es ihr nach dem Tod ihres Sohnes so schlecht geht und weshalb ihre Liebe kaputt gegangen ist.
Die Autorin schildert zwar alles in einem recht nüchternen Schreibstil, berührt jedoch trotzdem ganz tief und lässt einen sowohl die Freuden als auch die Schwermut ihres Lebens spüren.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Berührende Herzensgeschichte zum Verschlingen!

Versuchen wir das Glück
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Endlich ist es soweit: Barbara Leciejewskis neuer Roman ist erhältlich! Und wie nach der Lektüre ihrer bisher erschienenen Romane las ich die letzte Seite wieder mit dem Gedanken: "Sie kann es einfach."

Helene ...

Endlich ist es soweit: Barbara Leciejewskis neuer Roman ist erhältlich! Und wie nach der Lektüre ihrer bisher erschienenen Romane las ich die letzte Seite wieder mit dem Gedanken: "Sie kann es einfach."

Helene und Ludwig laufen sich im Münchner Hauptbahnhof über den Weg. Seit ihrem letzten Treffen sind 25 Jahre vergangen. Was sie verband waren innere Freundschaft, Liebe und schließlich eine Trennung. Während sie sich nun gegenüber stehen, spüren beide noch immer Gefühle aus ihrer Vergangenheit. Die nächsten Stunden verbringen sie gemeinsam in einem Restaurant und blicken in die Vergangenheit, die Gegenwart und wenn sie das Glück versuchen, vielleicht auch in die Zukunft?

Da ich die Bücher von Barbara Leciejewski unglaublich gern lese, war ich mir absolut sicher, dass mich auch "Versuchen wir das Glück" begeistern kann. Die Geschichte, dass sich zwei Menschen aus den Augen verlieren, sich zufällig nach vielen Jahren wieder treffen und ein langes Gespräch führen, klingt als könne sie tatsächlich so passieren.
Dieses Gefühl wird während des ganzen Buches aufrecht erhalten. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: Zum einen ist da der Gesprächsverlauf an Tisch 10 im Restaurant und zum anderen die Jahre ihrer Kindheit, Jugend und früher Erwachsenenzeit. Die Autorin nimmt den Leser mit in die Vergangenheit von Helene und Ludwig. Begonnen wird mit dem Kennenlernen, bei dem schnell klar ist, dass beide sehr starke Persönlichkeiten sind. Jeder von ihnen hat sein eigenes Trauma, das er mit sich herumträgt und verarbeiten muss. Helene fällt durch rebellisches Verhalten auf, sie hat starke Prinzipien und tritt für sich und andere ein. Ludwig brennt für den Journalismus. Parallel dazu reflektieren die beiden ihre Gefühle, Erlebnisse und Erfahrungen - sowohl die damaligen als auch die derzeitigen.

Barbara Leciejewski hat einen wundervollen Schreibstil, der den Leser an die Hand nimmt und durch die Zeilen führt. Die Dialoge sind grandios authentisch, mal unbeschwert locker, mal ernsthaft bedrückend. Die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind fließend. Der Leser lernt Helene und Ludwig mit all ihren Stärken, Schwächen und vor allem ihren Gefühlen (füreinander) kennen. So ist verständlich, was sie geprägt hat, wie sie sich verhalten und was sie verbindet.
Zwischen den Wörtern ist eine einzigartige Intensität zu spüren. So knistert es teilweise förmlich, verknotet sich vor Bedrücken etwas in der Magengegend oder löst Heiterkeit aus.

"Versuchen wir unser Glück" nimmt den Leser mit zu einem bedeutenden Treffen, wichtigen Erkenntnissen und einschneidenden Erlebnissen. Dabei gibt es humorvolle, bedrückende und vor allem herzberührende Momente. Es verleiht einem den reflektierten Blick auf das eigene Leben und lässt eigene Begegnungen und Beziehungen hinterfragen. Die Geschichte von Helene und Ludwig berührt zutiefst - und das ohne Kitsch und Klischees!

Veröffentlicht am 10.02.2019

Ein sehr gelungenes Debüt!

Kreuzschnitt
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Bogard Bull muss den herben Verlust seiner Frau und seiner Tochter verkraften, was ihm alles andere als leicht fällt. Aus diesem Grund versetzt seine Chefin ihn zu Europol und schickt Bull schnell zu seinem ...

Bogard Bull muss den herben Verlust seiner Frau und seiner Tochter verkraften, was ihm alles andere als leicht fällt. Aus diesem Grund versetzt seine Chefin ihn zu Europol und schickt Bull schnell zu seinem ersten Fall im neuen Job.
Ein norwegischer Millionär und Kunstsammler wurde ermordet und geschändet. Einziger Anhaltspunkt für Bull und seinen Kollegen Moulin ist ein Gemälde, das aus dem Haus des Toten verschwunden ist.

Øistein Borge verfügt über einen sehr angenehmen Schreibstil, den er erzählerisch gut anzuwenden weiß. Der Prolog beginnt sehr spannend und wird dann von erzählenden Kapiteln abgelöst. Dadurch werden dem Leser jedoch die Charakterzüge des Ermittlers dargeboten, was eine gute Nähe schafft.
Der Autor erzählt auf zwei Zeitebenen, der Gegenwart und der Zeit um 1945. Es dauert, wie zu erwarten, bis der Leser die wichtigen Zusammenhänge sehen und die Bezüe zu Bulls Ermittlung erkennen kann. Wie es bei einem Kriminalroman üblich ist, nimmt die eher ruhigere Erzählung viel Raum ein. Dennoch weiß Øistein Borge Spannungsmomente herzustellen und so einen konstanten Spannungsbogen zu erhalten, der zwischenzeitlich immer wieder steigt und dann langsam wieder fällt.

Vor allem die Kapitel, die in der Vergangenheit spielen, sind sehr gut dargestellt und glänzen durch ordentlich recherchierte Fakten, die harmonisch in den Erzählverlauf eingearbeitet sind.

Øistein Borge ist hier ein tolles Debüt gelungen, das einen schlüssigen Fall mit einem sympathischen und authentischen Ermittler beinhaltet. Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen, sodass sich auch die erzählenden Passagen mit Genuss lesen lassen!