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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2025

Spannende Idee, solide Umsetzung – aber mit Luft nach oben

Soulmates and Other Ways to Die
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Ich bin recht schnell in die Geschichte hineingekommen, was vor allem am angenehm flüssigen Schreibstil lag. Die Erzählweise macht es leicht, sich in die Welt und die Figuren hineinzufühlen. Besonders ...

Ich bin recht schnell in die Geschichte hineingekommen, was vor allem am angenehm flüssigen Schreibstil lag. Die Erzählweise macht es leicht, sich in die Welt und die Figuren hineinzufühlen. Besonders Zoe und Milo wirkten auf mich anfangs sympathisch und glaubwürdig – zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die durch ein Schicksal verbunden werden, das sie beide eigentlich nicht wollen. Dieses Konzept, dass zwei Menschen durch ihr Blut zu Seelenverwandten erklärt werden und im Falle des Todes des einen auch der andere stirbt, fand ich unglaublich spannend und originell.

Trotzdem konnte mich das Buch nicht durchgehend überzeugen. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Handlung zu schnell voranschreitet und manche Wendungen zu plötzlich kamen. Einige Entscheidungen der Figuren wirkten für mich nicht ganz nachvollziehbar, als hätte zwischen den Szenen etwas gefehlt. Gerade bei der Entwicklung mancher Charaktere wäre etwas mehr Zeit und Tiefe wünschenswert gewesen – manchmal änderten sie ihre Meinung von einem Absatz zum nächsten, ohne dass ich wirklich verstanden hätte, warum.

Was mir dagegen sehr gut gefallen hat, war der gesellschaftskritische Unterton. Themen wie Machtmissbrauch, Kontrolle und die Grenzen von Freiheit wurden immer wieder angesprochen und sorgten dafür, dass das Buch trotz der dystopischen Liebesgeschichte auch eine gewisse Tiefe hatte.

Fazit: Eine unterhaltsame Dystopie mit einer interessanten Grundidee, sympathischen Figuren und einem flüssigen Schreibstil – aber mit Schwächen in der Glaubwürdigkeit und Tiefe der Handlung. Für Fans von emotionalen, leicht lesbaren Sci-Fi-Geschichten auf jeden Fall einen Blick wert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2025

Koreanische Mythologie trifft auf Clan-Drama – düster, stark, fesselnd

Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed
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Schon das Cover hat mich sofort verzaubert – die Farben, der Farbschnitt, die Haptik des Buches – einfach ein richtiges Schmuckstück im Regal! Und auch inhaltlich hat mich Die Prinzessin der tausend Diebe ...

Schon das Cover hat mich sofort verzaubert – die Farben, der Farbschnitt, die Haptik des Buches – einfach ein richtiges Schmuckstück im Regal! Und auch inhaltlich hat mich Die Prinzessin der tausend Diebe schnell in seinen Bann gezogen.

Die Geschichte folgt Sora, einer jungen Frau, die eigentlich mit ihrem Clan abgeschlossen hat. Doch als ihre kranke Mutter immer schwächer wird, sieht sie keinen anderen Ausweg, als sich an ihren Vater zu wenden – den mächtigen Anführer einer Familie, die über uralte magische Kräfte verfügt. Ironischerweise besitzt Sora selbst keine Magie, und genau das macht sie in den Augen ihrer Familie zu einer Enttäuschung. Als sie dann aber in eine Zwischenwelt gerät und versehentlich den Tigergott Ren befreit, beginnt ein Abenteuer, das sie in die dunkelsten Ecken ihrer Vergangenheit und weit über ihre eigenen Grenzen hinausführt.

Was mich sofort begeistert hat, war das Setting. Die Geschichte spielt in Korea, und das merkt man wirklich auf jeder Seite. Ob es um Landschaftsbeschreibungen, kulturelle Details oder die Dynamik zwischen Tradition und Moderne geht – alles fügt sich atmosphärisch stimmig zusammen. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, selbst in Busan oder auf Jeju Island zu stehen, umgeben von dieser Mischung aus Göttern, Clans und uralter Magie.

Sora ist keine einfache, aber eine unglaublich interessante Hauptfigur. Sie ist zielstrebig, wütend, verletzlich – und manchmal auch einfach nur menschlich. Ich mochte besonders, dass sie Fehler macht, dass sie zweifelt und trotzdem weitermacht. Ihre Entwicklung hat mich emotional wirklich gepackt, auch wenn ich mir an manchen Stellen etwas mehr Zeit für ihre inneren Konflikte gewünscht hätte. Einige Wendungen kamen mir zu schnell, fast gehetzt – vor allem im letzten Drittel, wo Ereignis auf Ereignis folgt und man kaum zum Durchatmen kommt.

Ren fand ich dagegen wunderbar gelungen. Sein Humor, seine Unbeholfenheit und gleichzeitig die Tiefe seiner Figur haben der Geschichte Leichtigkeit gegeben, ohne die düsteren Töne zu überschatten. Gerade die Szenen zwischen ihm und Sora gehören für mich zu den stärksten Momenten des Buches.

Auch Jia, Soras Halbschwester, hat mich positiv überrascht – ihre Entwicklung war glaubwürdig und hat am Ende sogar richtig berührt.

Ein Wort zur Düsternis: Ich war tatsächlich überrascht, wie brutal und blutig das Buch stellenweise wird. Die Prüfungen, die Sora bestehen muss, sind teilweise richtig heftig – körperlich wie seelisch. Ich persönlich fand das interessant und passend zum Ton der Geschichte, kann aber verstehen, dass es manchen Leser*innen zu viel werden könnte. Die Triggerwarnungen am Anfang sollte man auf jeden Fall ernst nehmen.

Trotz kleiner Kritikpunkte hat mich das Buch absolut überzeugt. Es ist eine düstere, rasante, emotional aufgeladene Romantasy, die koreanische Mythologie mit Clan-Drama, Götterkonflikten und starken Charakteren verbindet.

Ich freue mich sehr auf Band 2 – vor allem, weil ich wissen will, wie es mit Sora, Ren und Jia weitergeht.

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  • Fantasy
Veröffentlicht am 11.10.2025

Zwischen Justizdrama und Tierethik

Animal
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„Animal“ war mein zweiter Thriller von Tibor Rode – und ich muss sagen, das Buch hat mich auf eine unerwartete Art gepackt. Schon das Thema allein ist außergewöhnlich: Ein Schwein klagt vor Gericht gegen ...

„Animal“ war mein zweiter Thriller von Tibor Rode – und ich muss sagen, das Buch hat mich auf eine unerwartete Art gepackt. Schon das Thema allein ist außergewöhnlich: Ein Schwein klagt vor Gericht gegen seine Halter – unterstützt von einer KI, die angeblich Tierlaute übersetzen kann. Allein diese Idee hat mich sofort neugierig gemacht.

Zunächst dachte ich, mich erwartet ein klassischer Gerichts-Thriller, aber das Buch ist deutlich vielschichtiger. Neben dem Prozess geht es um ethische Fragen, um Tierrechte, um künstliche Intelligenz und um die Verantwortung des Menschen gegenüber anderen Lebewesen. Besonders beeindruckt hat mich, wie der Autor Fakten aus der realen Welt – wie Tierhaltung oder juristische Hintergründe – in eine fiktive Geschichte einbettet, ohne dass es belehrend wirkt.

Der Schreibstil hat mir sehr gefallen: flüssig, anschaulich und leicht zu lesen. Die kurzen Kapitel sorgten dafür, dass ich „nur noch eins“ lesen wollte – und plötzlich war das Buch vorbei. Besonders die Szenen aus Rosas Sicht haben mich tief berührt. Ihr Leid und ihre Verzweiflung werden so eindringlich beschrieben, dass ich beim Lesen oft schlucken musste. Gleichzeitig gibt es aber auch Passagen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben – ein spannender Wechsel zwischen Beklemmung und Hoffnung.

Die Figuren sind glaubwürdig und gut gezeichnet. Ich mochte Ben, weil er im Verlauf der Handlung eine starke Entwicklung durchläuft – von einem angepassten, etwas naiven Anwalt hin zu jemandem, der moralisch Verantwortung übernimmt. Enna war mir anfangs etwas zu idealistisch, aber ihre Überzeugungskraft hat mich am Ende überzeugt. Markus dagegen wurde mir immer unsympathischer, je weiter die Geschichte voranschritt.

Inhaltlich fand ich den Mittelteil etwas schwächer, weil die Spannung da nicht richtig zulegte. Erst gegen Ende nahm das Tempo wieder zu. Der KI-Aspekt kam mir insgesamt etwas zu kurz, gerade weil ich mit hohen Erwartungen an diese Idee herangegangen bin. Die Vorstellung, dass Maschinen die Sprache von Tieren entschlüsseln können, ist faszinierend – im Buch blieb sie für mich jedoch eher ein Randthema. Auch das Gerichtsurteil am Schluss wirkte auf mich etwas unrealistisch, fast zu märchenhaft. Trotzdem hat mich das Happy End nicht gestört; es passte irgendwie zu der versöhnlichen Grundstimmung, die sich am Ende durchzieht.

Was mir besonders gefallen hat, war die Vielseitigkeit der Perspektiven. Mal liest man aus Bens Sicht, dann aus Ennas, und zwischendurch sogar aus Rosas. Dadurch entsteht ein umfassender Blick auf die Geschichte. Gleichzeitig wird auch gezeigt, wie unterschiedlich Menschen auf das Thema Tierwohl reagieren – vom engagierten Aktivisten bis hin zum skrupellosen Geschäftsmann.

Der Schluss war für meinen Geschmack etwas zu glatt – alle Konflikte gelöst, alle Figuren glücklich, sogar Rosa bekommt ihr Paradies. Realistisch ist das sicher nicht, aber manchmal braucht man im Leben auch Geschichten, die versöhnlich enden.

Alles in allem war „Animal“ für mich ein spannender, ungewöhnlicher Roman, der wichtige Themen aufgreift, ohne dabei den Unterhaltungswert zu verlieren. Wer Lust auf eine Geschichte hat, die zwischen Justizdrama, Wissenschaftsfiction und ethischer Diskussion pendelt, sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Ich würde es nicht als klassischen Thriller bezeichnen – aber als mutiges, nachdenklich stimmendes Werk, das lange im Kopf bleibt.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Ein Haus voller Geheimnisse

Das Haus der Wiederkehr
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Der Einstieg war für mich etwas zäh, und es dauerte einige Kapitel, bis ich wirklich Zugang zu Lottie, Celia und der Atmosphäre im Merham der 40er-Jahre fand. Doch sobald ich tiefer in ihre Welt eingetaucht ...

Der Einstieg war für mich etwas zäh, und es dauerte einige Kapitel, bis ich wirklich Zugang zu Lottie, Celia und der Atmosphäre im Merham der 40er-Jahre fand. Doch sobald ich tiefer in ihre Welt eingetaucht war, haben mich die Spannungen in der Familie Holden, die Freundschaft zwischen den Mädchen und die geheimnisvolle Anziehungskraft der Bewohner des Art-déco-Hauses vollkommen gepackt.

Umso überraschender kam für mich der abrupte Wechsel in die Gegenwart, wo plötzlich Daisy im Mittelpunkt steht. Einerseits fand ich diese Unterbrechung frustrierend, weil ich gern noch mehr über Guy, Joe und Celias exzentrische Verwandtschaft erfahren hätte. Andererseits hat mich Daisys Entwicklung sehr berührt: wie sie sich als alleinerziehende Mutter neu erfindet und während der Restaurierung des Hauses ihren eigenen Weg findet. Besonders ihre innere Stärke und ihr Kampfgeist wirkten modern und nachvollziehbar.

Der Aufbau der Geschichte – Vergangenheit und Gegenwart, die sich langsam miteinander verweben – ist typisch für Moyes und funktioniert auch hier. Allerdings blieb bei mir am Ende das Gefühl zurück, dass nicht alle Fragen beantwortet wurden. Manche Figuren verschwinden einfach aus der Handlung oder bleiben blass, und gerade in den letzten Kapiteln hätte ich mir mehr Tiefe und Zeit für die Auflösung gewünscht.

Trotz dieser Schwächen hat mir das Buch gefallen, vor allem wegen der dichten Atmosphäre und der Art, wie Moyes es schafft, komplexe Figuren mit ihren Sehnsüchten und Widersprüchen lebendig werden zu lassen. Es ist sicher nicht mein Lieblingsroman von ihr, aber er zeigt bereits, wie sich ihr Stil entwickelt.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Zwischen Kaffeeduft und stillen Begegnungen

Die Tage im Café Torunka
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Als ich dieses Buch zur Hand nahm, war ich voller Vorfreude: eine Geschichte, die sich um ein kleines Café in Tokio dreht, klang für mich nach einer gemütlichen und zugleich tiefgründigen Lektüre. Tatsächlich ...

Als ich dieses Buch zur Hand nahm, war ich voller Vorfreude: eine Geschichte, die sich um ein kleines Café in Tokio dreht, klang für mich nach einer gemütlichen und zugleich tiefgründigen Lektüre. Tatsächlich entfaltete sich beim Lesen eine ruhige Atmosphäre, getragen von dem Geruch frisch gebrühten Kaffees und dem beiläufigen Miteinander der Figuren.

Die drei Erzählungen haben mir vor allem durch ihre sanfte Tonalität gefallen. Jede Episode beleuchtet andere Menschen, die auf den ersten Blick kaum etwas verbindet, deren Wege sich jedoch in diesem unscheinbaren Café kreuzen. Gerade dieser Gedanke, dass ein Ort so viele verschiedene Lebensgeschichten aufnehmen kann, fand ich schön. Es erinnerte mich daran, wie oft wir unbemerkt Teil der Alltagswelten anderer sind.

Allerdings muss ich gestehen, dass mich nicht jede Handlung vollständig überzeugt hat. Manche Passagen wirkten für mich etwas unfertig, als hätten sie mehr Raum gebraucht. Auch die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren erschienen mir stellenweise unentschlossen – fast so, als wüssten die Figuren selbst nicht, wohin sie möchten. Das machte es mir schwer, emotional tiefer einzutauchen.

Trotzdem schätze ich die ehrliche Zeichnung der Charaktere. Sie tragen Unsicherheiten, Zweifel und die kleinen Brüche, die das Leben eben mit sich bringt. Dass dies so unaufgeregt erzählt wird, macht das Buch in seiner Schlichtheit sympathisch.

Für mich war es letztlich eine angenehme, leichte Lektüre. Wer nach viel Dramatik oder komplexen Spannungsbögen sucht, wird hier vermutlich nicht fündig. Doch wer ruhige Geschichten mag, die vom Alltäglichen erzählen und darin etwas Tröstliches finden, dürfte Freude daran haben.

Meine persönliche Einschätzung: Ein warmes, leises Buch, das nicht jede Erwartung erfüllt, aber mit seiner besonderen Stimmung dennoch einen Platz im Gedächtnis behält.

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