Luxus, Lügen und Misstrauen
Der Fjord„Der Fjord“ konnte mich schon nach wenigen Seiten komplett abholen. Die Geschichte rund um Amelia, die dem Verschwinden ihrer Schwester Rose nachgeht, entwickelt sich schnell zu einem atmosphärischen Thriller ...
„Der Fjord“ konnte mich schon nach wenigen Seiten komplett abholen. Die Geschichte rund um Amelia, die dem Verschwinden ihrer Schwester Rose nachgeht, entwickelt sich schnell zu einem atmosphärischen Thriller voller Misstrauen, Geheimnisse und überraschender Wendungen. Um endlich herauszufinden, was damals passiert ist, reist Amelia unter falscher Identität nach Norwegen und verschafft sich Zugang zu einer exklusiven Party der reichen Familie Fowley – genau an dem Ort, an dem Rose ein Jahr zuvor spurlos verschwand.
Besonders stark fand ich die Atmosphäre des Buches. Die luxuriöse Kulisse am norwegischen Fjord sorgt gemeinsam mit der abgeschotteten Partygesellschaft für eine beklemmende Stimmung. Hinter dem Glamour verbirgt sich von Anfang an etwas Bedrohliches, wodurch ständig das Gefühl entsteht, dass niemand wirklich ehrlich spielt. Gerade dieses Zusammenspiel aus Reichtum, Oberflächlichkeit und unterschwelliger Gefahr macht für mich einen großen Reiz der Geschichte aus.
Die Gäste sind voneinander isoliert, jeder wirkt verdächtig und mit jeder neuen Enthüllung wird das Misstrauen größer. Dadurch entsteht beim Lesen ein ständiges Rätseln darüber, wem Amelia überhaupt noch vertrauen kann. Besonders ab der zweiten Hälfte zieht das Tempo deutlich an und die vielen Twists sorgen dafür, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen möchte.
Amelia selbst ist eine entschlossene Hauptfigur, deren Motivation nachvollziehbar bleibt. Ihre Suche nach Antworten und die emotionale Verbindung zu ihrer Schwester tragen die Handlung durchgehend. Gleichzeitig wirkte manches Verhalten auf mich etwas konstruiert oder nicht immer vollkommen glaubwürdig. Einige Entscheidungen schienen eher dem Spannungsaufbau zu dienen als wirklich zur Figur zu passen.
Auch bei den Nebenfiguren hatte ich gemischte Gefühle. Zwar tragen die geheimnisvollen Partygäste viel zur Spannung bei, allerdings bleiben einige Charaktere eher oberflächlich und hätten für meinen Geschmack mehr Tiefe vertragen können. Zudem konnte ich bestimmte Entwicklungen schon relativ früh erahnen, wodurch einzelne Überraschungen nicht ihre volle Wirkung entfalten konnten.
Der Schreibstil von Sarah Goodwin liest sich dagegen sehr angenehm und flüssig. Die Seiten vergehen schnell und trotz kleinerer Schwächen bleibt die Geschichte konstant unterhaltsam. Vor allem Fans von spannenden Thrillern mit düsterer Atmosphäre, reichen Eliten und vielen Geheimnissen dürften hier auf ihre Kosten kommen.
Insgesamt ist „Der Fjord“ für mich ein spannender, kurzweiliger Thriller, der besonders durch seine Stimmung, das luxuriös-bedrohliche Setting und die zahlreichen Wendungen überzeugt. Zwar fehlt es stellenweise etwas an Tiefgang und Glaubwürdigkeit, dennoch bietet das Buch starke Unterhaltung und eignet sich perfekt für alle, die einen packenden Page-Turner suchen.