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Veröffentlicht am 15.03.2021

Das Kult-Trio ist zurück!

Wenn Wattwürmer weinen
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Der Marketingmanager von Neuharlingersiel wird von Postbote Henner morgens tot im Schlafstrandkorb aufgefunden. Als Todesursache wird schnell vergifteter Rotwein festgestellt. Die Kripo vermutet Rache ...

Der Marketingmanager von Neuharlingersiel wird von Postbote Henner morgens tot im Schlafstrandkorb aufgefunden. Als Todesursache wird schnell vergifteter Rotwein festgestellt. Die Kripo vermutet Rache einer seiner zahlreichen Frauenbekanntschaften. Doch dieser Verdacht löst sich in Luft auf, als es weitere Giftopfer gibt. Postbote Henner, Lehrerin Rosa und Dorfpolizist Rudi ermitteln wieder auf eigene Faust und müssen nebenbei auch noch ihr Privatleben regeln.

Das Autorenduo Christiane Franke und Cornelia Kuhnert schicken das Kult-Trio Henner, Rudi und Rosa mit "Wenn Wattwürmer weinen" erneut auf Ermittlungsarbeit in Neuharlingersiel. Und auch dieser 8. Fall versprüht Spannung, gute Laune und ganz feinen Humor. Dieser Fall kann auch einzeln gelesen werden - jedoch macht die Serie bereits nach wenigen Seiten süchtig nach mehr. Die Charaktere sind so unterschiedlich wie das Leben sie bietet. Das Trio und Familie Steffens sind natürlich absolute Sympathieträger. Ebenso Hoyko, Rudis Vater, der sich prima eingelebt hat und nicht mehr wegzudenken ist. Das Buch ist von Beginn an spannend, die Morde undurchsichtig und werden nach vielen falschen Spuren und Verdächtigungen durch Kommissar Schnepel erst ganz zum Schluß und sehr überraschend gelöst. Die beiden Autorinnen haben einen ganz herrlichen Stil. Locker, leicht und fröhlich mit Talent für humorvolle, aber nicht alberne Szenen. Hier erlebt man ostfriesisches Dorfleben pur. Man sitzt beim Frisör und erlebt den Dorftratsch, beerdigt per Seebestatter den alten Schuldirektor, bekommt einen Schnellkurs für Imkerei und plant mit Mudder Steffens den Umbau des Bauernhofes in eine Pension. Dies alles läßt den Leser zum Teil des Dorfes und des Freundeskreises werden. Man liebt diese Charaktere und möchte einfach nicht, daß dieses Buch endet. Ein Trost bleibt - mit den am Ende des Buches angefügten Rezepten von Mudder Steffens kann man die Zeit bis zum nächsten Fall für das Trio wenigstens kulinarisch überbrücken. Das Nachkochen und -backen lohnt bei diesen Rezepten immer!

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Veröffentlicht am 10.03.2021

Weist Längen auf, lohnt trotzdem

2,5 Grad - Morgen stirbt die Welt
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Leela Faber und ihr Freund Jakob freuen sich auf die Geburt ihrer Zwillinge. Doch Jakob kommt bei einem Gletscherabbruch in der Antarktis ums Leben. Vor seinem Tod konnte er ihr noch eine Mail schicken, ...

Leela Faber und ihr Freund Jakob freuen sich auf die Geburt ihrer Zwillinge. Doch Jakob kommt bei einem Gletscherabbruch in der Antarktis ums Leben. Vor seinem Tod konnte er ihr noch eine Mail schicken, in der ein Geheimnis versteckt war. Leela wird zur Zielscheibe und muß letztendlich den Spieß umdrehen.

Noah Richter beschreibt in seinem Roman "2,5 ° - Morgen stirbt die Welt" ein Szenario, wie man es hoffentlich nicht erleben wird. Für dieses Buch hat er sehr gut recherchiert und vermittelt Fakten, die man nicht glauben möchte. Der Autor beschreibt dies alles auf flüssige und einfache Art, verliert dabei aber nicht an Intensität. Der Roman erzählt mehrere Geschichten, hier muß man sich schon stark konzentrieren, denn es ist öfters sehr verwirrend den einzelnen Handlungssträngen zu folgen. Nebeneffekt: Man wird immer wieder aus der aktuellen Spannung herausgerissen, was nach gewisser Zeit einfach lästig wird. Mit Leela hat er einen Charakter geschaffen, der kämpferisch ist, jedoch nicht immer logisch handelt.
Ein Roman, der aufrütteln möchte, nachdenklich macht und trotz zwischendurch aufkommender Längen lesenswert ist und gut unterhält.

Veröffentlicht am 07.03.2021

Inhaltlich nichts neues

Das kleine Hotel auf Island
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Lucy steht vor einem Scherbenhaufen. Job und Wohnung weg, ihrem Ex hat sie es zu verdanken, daß sie in der Hotelbranche nicht mehr Fuß fassen kann. Doch dann ein Lichtblick: Sie bekommt ein Angebot aus ...

Lucy steht vor einem Scherbenhaufen. Job und Wohnung weg, ihrem Ex hat sie es zu verdanken, daß sie in der Hotelbranche nicht mehr Fuß fassen kann. Doch dann ein Lichtblick: Sie bekommt ein Angebot aus Island, sie soll für 2 Monate als Hotelmanagerin in einem kleinen Hotel für Ordnung sorgen. Als sie ankommt findet sie Schafe im Whirlpool vor, muß mit technischen Schwierigkeiten und vermeintlichen Fabelwesen klarkommen. Dazu kommen noch Alex, der Barmann, der immer wieder dort entdeckt wird, wo er eigentlich nichts zu suchen hat und die Crew einer Reality-Show. Es gibt viel zu regeln für Lucy...

"Das kleine Hotel auf Island" ist der 4. Roman von Julie Caplin. Leider ist das Grundschema der Romane stets identisch. Flucht aus dem alten Leben, schnell alle Probleme lösen, verlieben und glücklich sein. Gut, man kann sagen, daß bei diesem Genre damit gerechnet werden muß. Aber ein wenig mehr Ideen als den Handlungsort zu wechseln wären doch nett. Lucy löst wie immer ihre Probleme sehr schnell, fast im Vorbeigehen. Dies wirkt irgendwie unglaubwürdig. Ebenso der Rest der Handlung. Da steckt zu viel Zufall hinter. Gelungen ist die Beschreibung von Island. Man erlebt Polarlichter und Geysire, macht Bekanntschaft mit dem Glauben an Fabelwesen. Hier holt Julie Caplin dann glatt wieder ein paar Pluspunkte. Ebenso Puspunkte sammelt ihr Stil, die Geschichte zu erzählen. Hier hat man einfach Spaß, man kann das Buch flott lesen und bekommt gute Laune. Denn eines ist klar: Alles wird wieder gut!

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Veröffentlicht am 04.03.2021

Fast noch besser als Teil 1

Das Kino am Jungfernstieg - Der Filmpalast
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Nachdem im Jahr 1944 in den Babelsberger Filmstudios ein Unglück geschah, kehrt Thea von Middendorf nach Deutschland zurück. Als international gefeierter Filmstar besucht sie die Berliner Filmfestspiele. ...

Nachdem im Jahr 1944 in den Babelsberger Filmstudios ein Unglück geschah, kehrt Thea von Middendorf nach Deutschland zurück. Als international gefeierter Filmstar besucht sie die Berliner Filmfestspiele. Doch ihre Schuld an dem Unglück ist nicht vergessen, auch wenn sie selbst es vertuscht. Doch die Hamburger Kinobesitzerin Lili Paal und der britische Filmjournalist Johan Fontaine geben nicht auf. Johan konfrontiert Thea während eines Interviews mit ihrer Schuld...

Micaela Jary setzt die Serie um "Das Kino am Jungfernstieg" mit dem Band "Der Filmpalast" ganz hervorragend fort. Ich war schon vom ersten Teil begeistert - und habe das Gefühl, daß sich die Autorin mit der Fortsetzung noch selbst übertroffen hat. Das Buch schließt perfekt an den Vorgänger an, so daß keine Lücken entstehen. Auch die Charaktere Lili und John sind wieder sehr sympathisch, man kann sagen, daß sie dem Leser ans Herz wachsen. Die Autorin entführt in das Hamburg nach dem Krieg. Man erlebt eine Stadt, die sich im Aufbau befindet, deren Bewohner es schwer haben und die trotzdem die Hoffnung und den Lebensmut nicht aufgeben. Da kann sich heute so mancher ein Beispiel dran nehmen. Gerade Lili kämpft hier einen ungewöhnlichen Kampf. Frauen hatten ihre Rolle zu erfüllen - und genau hier zeigt sie Stärke, die Fesseln zu brechen. Micaela Jary beschreibt alles so locker und trotzdem merkt man, wie schwer Lili es hat. Man liest und kann gar nicht anders, als eine Seite nach der anderen zu lesen. Mir persönlich hat diese Fortsetzung fast noch ein klein wenig besser gefallen als Band 1!

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Veröffentlicht am 03.03.2021

Volltreffer!

Madame Clicquot und das Glück der Champagne
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Im Jahr 1805 lebt Barbe-Nicole Clicquot mit ihrer Familie in Reims. Ihr Mann besitzt dort einen Weinhandel mit eigener Champagnerherstellung. Nach Francois plötzlichen Tod beschließt sie, die Geschäfte ...

Im Jahr 1805 lebt Barbe-Nicole Clicquot mit ihrer Familie in Reims. Ihr Mann besitzt dort einen Weinhandel mit eigener Champagnerherstellung. Nach Francois plötzlichen Tod beschließt sie, die Geschäfte allein weiterzuführen. Der Widerstand in der Familie ist groß und von der Konkurrenz wird sie nicht ernst genommen. Doch mit viel Fleiß und einer raffinierten List setzt sie sich durch. Sogar Kaiser Napoleon bestellt bei ihr Champagner. Als durch Krieg der Handel mit Russland blockiert wird, steht Barbe vor dem Nichts. Mit Hilfe Ihrer Mitarbeiter Louis Bohne und Christian Kessler schafft sie es, das Unternehmen durch diese harte Zeit zu bringen. Beide Männer verlieben sich in ihre Chefin, doch Barbe kann nur als Witwe ihre Firma eigenständig weiterführen. Sie muß eine Entscheidung treffen.

Ich war noch nie in meinem Leben in Reims, aber ich glaube, jetzt kenne ich die Stadt, zumindest die des Jahres 1805, recht gut. Susanne Pop hat in ihrem Buch "Madame Clicquot und das Glück der Champagne" die alte Stadt mit ihren Häusern, Kirchen und Statuen so genau beschrieben, daß man meinen könnte, durch Reims zu laufen. Und diese Beschreibungen werden nicht einmal langweilig - das nennt man dann wohl Meisterleistung. Ich finde Geschichten über Menschen, die wirklich gelebt haben, besonders reizvoll. Die Tatsache, daß man nach so langer Zeit ihre Namen noch kennt und ihre Lebenswerke noch erhalten sind, macht ehrfürchtig. In diesem Buch wird aber schnell klar, daß es sich um ganz normale Menschen handelte, die ihre Sorgen und Nöte hatten und Liebe, Glück und Trauer erlebten. Hier wird niemand glorifiziert. Der Kampf ums Überleben in den Kriegsjahren wird von Susanne Popp sehr realistisch beschrieben. Dies gilt auch für die Schönheit der Landschaft der Champagne. Man bekommt direkt Lust, sich die Gegend heute einmal anzusehen. Hier merkt man wirklich durchgängig eine sehr intensive Recherchearbeit!

Mit ihrem ersten Buch hat Susanne Popp einen echten Volltreffer gelandet und ich hoffe, daß man noch viel von ihr zu lesen bekommt!

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