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Veröffentlicht am 06.12.2020

Grandioses Buch

Eingefroren am Nordpol
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Im September 2019 macht sich die "Polarstern" auf eine ganz besondere Expedition. Über ein Jahr driftet sie festgefroren im Eis durch die Arktis. Ihr einziger Antrieb: die natürliche Eisdrift. Mit an Bord ...

Im September 2019 macht sich die "Polarstern" auf eine ganz besondere Expedition. Über ein Jahr driftet sie festgefroren im Eis durch die Arktis. Ihr einziger Antrieb: die natürliche Eisdrift. Mit an Bord befindet sich Markus Rex, der nun mit seinem Buch "Eingefroren am Nordpol" seine Erfahrungen und Erlebnisse mit der Welt teilt.

Markus Rex betitelt sein Buch mit den Worten "Das Logbuch der Polarstern". Doch "Eingefroren am Nordpol" ist viel mehr als nur ein Logbuch. Wer denkt, hier gibt es nur kurze Abschnitte, täuscht sich. Denn was man bekommt ist ein ausführlicher Bericht, der die Schönheit der Expedition ebenso wiederspiegelt wie die Gefahren, denen die Besatzung und das Schiff ausgesetzt sind. Dabei wird deutlich, daß man vom heimischen Sofa aus gar keine Vorstellung hat, wie sich das Leben innerhalb der Forschungsgruppe gestaltet. Gegliedert ist das Buch in die vier Jahreszeiten und die kurze Pause des Autors an Land. Hier wird klar, daß jede Jahreszeit für die Mannschaft neue Herausforderungen stellt. Eine der größten Herausforderungen jedoch hat nichts mit dem Nordpol zu tun - es gilt, die Polarstern nicht durch den regelmäßigen Austausch der Mannschaft mit Corona zu verseuchen. Dies bedeutet eine logistische Herausforderung. Dagegen erscheinen Schneestürme fast schon als einfaches Problem. Markus Rex beschreibt auf sehr leserfreundliche Art. Sprich: Das Buch ist einfach und für jedermann verständlich zu lesen. Hier gibt es keine hochtrabenden Fachbegriffe, der Autor hat es perfekt geschafft, sich in den normalen Leser zu versetzen und seine Forschung so zu beschreiben, daß auch Laien gut folgen können. So macht ein Fachbuch Spaß! Mich persönlich haben die wunderschönen Farbfotos begeistert. Diese ermöglichen es, daß man alles vor Augen sieht und selbst von der Schönheit der Natur fasziniert ist. So fasziniert, daß man oft minutenlang an diesen Bildern festhängt. Ein weiteres Highlight ist die Karte der "Driftroute" der "Polarstern", mit deren Hilfe man den Weg verfolgen kann.

Für mich ist dieses Buch ein absolutes Highlight und gehört in jedes Bücherregal!

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Veröffentlicht am 06.12.2020

Was man schon immer wissen wollte

Höllenritt durch Raum und Zeit
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Ulrich Walter reiste 1993 für 10 Tage mit der Columbia ins All. Seine Erlebnisse teilt der studierte Physiker in seinem Buch "Höllenritt durch Raum und Zeit" mit dem interessierten Leser. Auf interessante ...

Ulrich Walter reiste 1993 für 10 Tage mit der Columbia ins All. Seine Erlebnisse teilt der studierte Physiker in seinem Buch "Höllenritt durch Raum und Zeit" mit dem interessierten Leser. Auf interessante Weise erhält man hier die Antworten auf Fragen, die sich wohl jeder bereits gestellt hat. Man erlebt den Start durch die bildhafte Schreibweise so hautnah mit, daß man meint selbst durchgerüttelt zu werden und erkennt, daß dies kein Vergnügen ist. Weiterhin erfährt man Dinge des alltäglichen Lebens im Weltraum - wie man isst und schläft, wie man zur Toilette geht und vieles mehr. Darauf folgen einige Kapitel über den Warp-Antrieb - für diese muß man sich dann aber etwas mehr konzentrieren, sonst versteht man nicht alles und verliert den roten Faden. Ulrich Walter widmet sich auch dem Thema Weltraummüll und seiner Gefährlichkeit - ein Thema, das nicht in Vergessenheit geraten sollte. Aufgelockert wird dieses lehrreiche und dabei so interessant und verständlich geschriebene Buch durch einige Fotos, die leider nur in schwarz-weiß abgedruckt sind. Diese hätte ich mir farbig gewünscht, denn sie wären dann noch viel faszinierender und aussagekräftiger!

Insgesamt ist dieses Buch faszinierend - und nicht nur für Fans interessant. So mancher Leser, der dieses Thema bisher eher uninteressant fand, wird die Raumfahrt nach dem Genuß dieses Buches wohl mit anderen Augen sehen!

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Veröffentlicht am 03.12.2020

Dorfkrimi voller schwarzem Humor

Helga räumt auf
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Glaubenthal stöhnt unter einer großen Hitzewelle, als Bauer Grubmüller besoffen in seiner Jauchegrube ertrinkt. Als kurz danach der nächste Dorfbewohner das Zeitliche segnet, riecht Hanni Huber Lunte. ...

Glaubenthal stöhnt unter einer großen Hitzewelle, als Bauer Grubmüller besoffen in seiner Jauchegrube ertrinkt. Als kurz danach der nächste Dorfbewohner das Zeitliche segnet, riecht Hanni Huber Lunte. Sie vermutet, daß eine alte Familienfehde neu entflammt ist und schon ist es aus mit ihrem ruhigen Leben...

"Helga räumt auf" ist nun schon der zweite Teil um die rüstige Hanni Huber. Thomas Raab versteht es jedoch so gekonnt das Wesentliche kurz und bündig einzustreuen, daß man dieses Buch auch sehr gut einzeln lesen kann. Man wird sich gut in die Charaktere und ihre Eigenschaften versetzen können. Seine Beschreibungen sind absolut bildhaft, so daß das Dorf zu Leben erwacht und die Atmosphäre perfekt und real wirkt. So stellt man sich ein uriges Dorf vor - mit verschrobenen Charakteren, bei dem jeder für sich einzigartig ist und Fehden, die seit Generationen existieren und das Miteinander nicht gerade leichter machen. Und trotzdem hält man im Notfall zusammen - Außenstehende haben es sehr schwer, an Informationen zu gelangen.Thomas Raab verfügt über einen ganz besonderen schwarzen Humor. Dieser gipfelt in den herrlichen Kommentaren von Hanni, die für mich zum absoluten Lieblingscharakter mutiert ist. Über ihre Art kann man wirklich herrlich lachen! Bei all dem Humor gibt es hier jedoch auch noch einen Krimianteil, der durchaus spannend ist. Klar, daß bei den Ermittlungen der eigentliche Star Hanni ist.

Dieser Dorfkrimi ist in meinen Augen absolut lesenswert und verfügt über alles, was bei dieser Art dazugehört - Dorfgeheimnisse, grantelnde Einwohner, ländliche Idylle und ganz spezieller Humor!

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Veröffentlicht am 01.12.2020

Kommt nur langsam in Fahrt

Ihr Königreich
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Die Brüder Roy und Carl lebten bis zum Tod der Eltern in einer kleinen Stadt. Danach blieb Roy in seiner Heimat, Carl ging ins Ausland. Plötzlich kehrt Carl in seine Heimat zurück - zusammen mit seiner ...

Die Brüder Roy und Carl lebten bis zum Tod der Eltern in einer kleinen Stadt. Danach blieb Roy in seiner Heimat, Carl ging ins Ausland. Plötzlich kehrt Carl in seine Heimat zurück - zusammen mit seiner Frau und dem Plan, ein Hotel zu bauen. Doch die Brüder werden von ihrer Vergangenheit eingeholt...

Jo Nesbo hat mit "Ihr Königreich" das Harry-Hole-Universum kurzzeitig verlassen. Und obwohl in diesem Buch zunächst nicht viel geschieht und man ein wenig Durchhaltevermögen mitbringen muß, ist das Buch in meinen Augen gelungen. Der Autor bleibt seinem Stil treu. Die Handlung wird so geschickt aufgebaut, daß man gefesselt ist, denn die Spannung steigt kontinuierlich und endet in einem fulminanten Schluß. Dabei beschreibt er alles wunderbar bildhaft, man sieht das Buch wie einen Film vor sich ablaufen. Die von ihm geschaffenen Charaktere wirken durch seine Beschreibungen glaubhaft, jeder hat seine eigenen Ansichten und Beweggründe und ist dadurch einzigartig. Nach und nach erfährt man mehr über jeden, die Vergangenheit kommt ans Licht und macht dadurch die einzelnen Verhaltensweisen verständlich, wodurch man merkt, daß der erste Anschein oft falsch ist.

Mir hat dieses Buch, trotz des langsamen Starts, sehr gut gefallen und ich kann es mit dem Tipp nicht zu schnell aufzugeben empfehlen!

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Veröffentlicht am 29.11.2020

Märchenhaft

Was der Fluss erzählt
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England, spätes 19. Jahrhundert. Während einer stürmischen Winternacht sitzen die Bewohner des Dorfes Radcot im Wirtshaus "Swan", als ein schwerverletzter Mann mit einem leblosen Mädchen im Arm das Gasthaus ...

England, spätes 19. Jahrhundert. Während einer stürmischen Winternacht sitzen die Bewohner des Dorfes Radcot im Wirtshaus "Swan", als ein schwerverletzter Mann mit einem leblosen Mädchen im Arm das Gasthaus betritt. Die herbeigerufene Krankenschwester Rita kann nur den Tod des Mädchens feststellen. Doch als Rita einige Stunden später die Todesursache feststellen will, bemerkt sie, daß das Mädchen atmet und sich bewegt, jedoch bleibt es stumm. Während drei Familien in ihr eine verschwundene Tochter oder Schwester erkennen wollen, bleibt die Frage, was passiert ist und das Mädchen wieder lebendig wurde. Diese Frage bringt verborgene Geheimnisse ans Licht und verändert das Leben der Bewohner von Radcot.

Diana Setterfield hat mich mit ihrem Roman "Was der Fluss erzählt" schlichtweg verzaubert. Sie spielt mit Mythos und Aberglaube, vermittelt eine märchenhafte Atmosphäre, in der man versinkt und sich treiben lassen kann. Man ist gefangen in der Handlung, lebt förmlich selbst an diesem Fluss und erlebt deren Armut und Sorgen hautnah - man wird selbst zu einem Bewohner von Radcot. Die Charaktere sind einfach liebevoll dargestellt, man muß sie einfach mögen und respektieren. Die Frage um das Schicksal des Mädchens ist auf eine gemütliche Art spannend. Mit anderen Worten: Nicht überbordend, jedoch unterschwellig und kontinuierlich vorhanden. Denn diese Frage bewegt, läßt nicht los und beschäftigt immer.

Dieser Roman ist märchenhaft schön - und genau richtig für gemütliche Stunden, in denen man seinen Alltag einfach einmal vergessen möchte.

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