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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.12.2022

Auch Teil 2 überzeugt

Dallmayr. Der Glanz einer neuen Ära
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Im Jahre 1905 hat Therese Randlkofer das Haus Dallmayr in einen Feinkostladen mit Schätzen aus aller Welt verwandelt. Das Geschäft ist erfolgreich, doch der mißgünstige Schwager Max sät Zwietracht innerhalb ...

Im Jahre 1905 hat Therese Randlkofer das Haus Dallmayr in einen Feinkostladen mit Schätzen aus aller Welt verwandelt. Das Geschäft ist erfolgreich, doch der mißgünstige Schwager Max sät Zwietracht innerhalb der Familie. Ausgerechnet bei Thereses eigenen Kindern, deren Hilfe Therese dringend bräuchte - denn sie hat einen Entschluss gefasst, der sie alles kosten könnte, jedoch für die Zukunft des Hauses Dallmayr unabdingbar ist.

Lisa Graf führt die Geschichte des "Dallmayr" mit dem Buch "Der Glanz einer neuen Ära" gekonnt weiter. Die Geschichte nähert sich dem ersten Weltkrieg, es herrscht Hunger und Not, so daß auch im Dallmayr umgedacht werden muß. Statt Spezialitäten gibt es eher normale Sachen. Man spürt den Umbruch wirklich hautnah und leidet mit Therese mit. Hier hat die Autorin die Situation der Bevölkerung perfekt eingefangen! Sie verwebt hier historische Tatsachen mit in ihre Handlung, so daß diese absolut authentisch wird. Besonders gefallen hat mir, daß man hier auf alte Bekannte aus dem ersten Band trifft. So spielt auch der frühere Lehrling Ludwig wieder eine Rolle. Durch diese Wiedersehen fühlt man sich hier direkt heimisch. Lisa Graf verfügt über einen sehr bildhaften Schreibstil, so daß man sich direkt ins Dallmayr versetzt fühlt. Man sieht das alte München detailgetreu vor sich, wandelt auf den Straßen umher und fühlt mit der Bevölkerung. Das Buch liest sich dadurch sehr flüssig und trotz des Umfanges sehr schnell.
Sollte es von dieser Saga noch einen dritten Teil geben - ich würde mich sehr darüber freuen!

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Veröffentlicht am 18.12.2022

Nicht so gut wie der erste Teil

Die Fabrikantinnen – Schwesternzeiten
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Im Jahr 1954 leitet Emmi Wagner die Zuckerfabrik der Familie. Sie hat großen Erfolg damit und hofft, daß ihre Töchter Lisa und Greta ihr bald zur Seite stehen. Während Lisa bereit ist zu lernen, hat Greta ...

Im Jahr 1954 leitet Emmi Wagner die Zuckerfabrik der Familie. Sie hat großen Erfolg damit und hofft, daß ihre Töchter Lisa und Greta ihr bald zur Seite stehen. Während Lisa bereit ist zu lernen, hat Greta so gar keine Lust auf irgendeine Arbeit. Die beiden Schwestern, die sich früher sehr nahe standen, streiten sich immer öfter. Als Lisa den smarten Johannes Falkenstein kennenlernt und ihn bald heiratet, wird Gretas Wut auf ihre Schwester noch größer. Sie versucht alles, um Lisa und Johannes auseinander zu bringen. Da verunglückt Emmi Wagner schwer und ihre Töchter müssen die Fabrik gemeinsam leiten. Als dann auch noch ein altes Familiengeheimnis ans Licht kommt, zerbricht die Familie endgültig.

Nachdem der erste Teil über "Die Fabrikantinnen" mir wirklich gut gefallen hatte, war ich auf den zweiten Teil mit dem Titel "Schwesternzeiten" sehr gespannt. Leider muß ich sagen, daß ich davon etwas enttäuscht bin. Ich lese gerne und kann dabei gut entspannen. Dies war hier aber nicht der Fall. Das Gezanke der Schwestern ging mir zu sehr auf die Nerven. Ich hatte ständig das schrille Gekeife dieser unmöglichen Greta im Kopf. Im Gegensatz dazu erschien mir die Sprache der anderen Personen einfach zu zuckersüß (auch wenn es hier um Zucker-Fabrikantinnen geht). Dabei war die Geschichte selbst wirklich interessant. Sarah Lindberg beschreibt anschaulich, wie schwer es Frauen hatten, sich in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten. Sie wurden oft nur auf ihr Aussehen reduziert. Entweder schön, aber dumm oder graue Maus, aber intelligent. Leider trat diese Botschaft aber in den Hintergrund. Die Streitereien der Schwestern waren eindeutig zu viel des Guten.

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Veröffentlicht am 17.12.2022

Das geht absolut gar nicht

Ein Alman feiert selten allein
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Elif, Kind türkischer Gastarbeiter, ist in Deutschland aufgewachsen. Ihr Bild von Weihnachten: geschmückter Baum, leckeres Essen, Geschenke. Bei ihrem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest mit der Familie ...

Elif, Kind türkischer Gastarbeiter, ist in Deutschland aufgewachsen. Ihr Bild von Weihnachten: geschmückter Baum, leckeres Essen, Geschenke. Bei ihrem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest mit der Familie ihres Freundes Jonas wird ihr schnell klar, wie ernst die Bräuche genommen werden.

Aylin Atmaca versucht mit ihrem Buch "Ein Alman feiert selten allein" ein humorvolles Buch über das deutsche Weihnachtsfest aus Sicht einer Türkin zu schreiben. Das Wort "versucht" habe ich hier mit Absicht gewählt, denn es ist tatsächlich nur ein Versuch - und dieser ist gründlich misslungen. Die WhatsApp-Gruppe der Schwiegermutter ist ja noch ganz witzig, aber ansonsten kommt mir dieses Buch vor, als wenn die Autorin absichtlich alles schlecht reden möchte. Sie bedient sich sämtlicher Klischees, die wohl so geballt nirgendwo vorkommen und macht sich völlig unangebracht darüber lustig, was streckenweise schon sehr beleidigend wirkt. Beispiel gefällig? Es werden Weihnachtsplätzchen angeboten, die vor drei Wochen gebacken wurden, da kann man nur hoffen, daß die Magensäure den Schimmelpilz besiegt. Ebenso wird sich über ein Kreuz mit Jesus lustig gemacht. Hier überschreitet die Autorin definitiv eine gewaltige Grenze. Wer als Muslime mit dem Weihnachtsfest und seinen Bräuchen nicht zurecht kommt, muß ja nicht mitfeiern. Aber dann soll er das Fest auch in Ruhe lassen und es nicht verunglimpfen. Was würde wohl passieren, wenn umgekehrt ein Christ ein muslimisches Fest so schlecht machen würde? Wahrscheinlich würde solch ein Buch gar nicht erst gedruckt. Natürlich gibt es in der Schwiegerfamilie auch den Onkel, der rassistisch über Muslime denkt und Sprüche über Elif klopft. Klar, auch dieses Klischee muß erfüllt werden.
Ich hatte vor Jahren schon einmal ein Buch gelesen, in dem es darum ging, daß ein türkischer Arbeiter mit seiner Familie mit dem Weihnachtsfest konfrontiert wurde. Dieses war jedoch tatsächlich witzig und überhaupt nicht gehässig - was man hier nicht sagen kann. Für mich ist dieses Buch eine einzige Beleidigung und geht leider gar nicht.

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Veröffentlicht am 16.12.2022

Sehr spannend

Die Hafenärztin. Ein Leben für das Recht auf Liebe (Hafenärztin 3)
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Nachdem Dr. Anne Fitzpatrick sich in London ihrer Vergangenheit gestellt hat, kann sie ab sofort wieder in Hamburg unter ihrem richtigen Namen praktizieren. Bei ihrer Arbeit bei den Frauen im Hafen fällt ...

Nachdem Dr. Anne Fitzpatrick sich in London ihrer Vergangenheit gestellt hat, kann sie ab sofort wieder in Hamburg unter ihrem richtigen Namen praktizieren. Bei ihrer Arbeit bei den Frauen im Hafen fällt ihr auf, daß immer mehr Chinesinnen unter ihnen sind. Sie wurden mit vielen Versprechungen aus ihrer Heimat gelockt und dann in Hamburg als Prostituierte an Zuhälter verkauft. Eines Tages wird Anne Zeugin eines Mordes an einer dieser jungen Frauen. Doch nachdem sie die Polizei informiert hat, ist die Leiche verschwunden. Kommissar Berthold Rheydt glaubt Anne und läßt nach der toten Frau suchen. Als die gefunden wird, stockt dem Kommissar der Atem. Alles sieht danach aus, als wenn der "Hafenschlächter" wieder zurück in Hamburg ist. Berthold Rheydt ermittelt mit allen Kräften, um diesen gefürchteten Mörder diesmal zu fassen, obwohl er viel lieber seine Zeit mit Helene Curtius verbringen würde. Für sie ist er bereit, sein Leben zu verändern.

Im dritten Buch über "Die Hafenärztin" geht es um "Ein Leben für das Recht auf Liebe". Gemeint ist damit wohl das Schicksal der vielen chinesischen Frauen, die im Hafenviertel ihrer Arbeit nachgehen müssen. Ihr Leben beschreibt Henrike Engel sehr eindringlich. Man spürt die Einsamkeit dieser Frauen, die sich oft noch nicht einmal verständlich machen können. Auch diesmal wird die Geschichte echt spannend. Das Auftauchen des Mörders, der ein alter Bekannter aus Band 1 ist, kommt überraschend und gibt der Geschichte etwas Besonderes. Henrike Engel stellt die Personen sehr menschlich dar. Sie gibt ihnen Eigenschaften, die uns allen bekannt vorkommen. Weil man sie jetzt schon durch die drei Bücher begleiten konnte, sind sie vertraut und man lernt sie immer besser kennen.
Auch dieses Buch ist ein sehr spannender Krimi und es darf gerne weitergehen mit der Hafenärztin und ihren Freunden!

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Veröffentlicht am 15.12.2022

Weihnachten mit der Verwandtschaft

Lallende Tanten überall
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Wie jedes Jahr zu Weihnachten beglückt Dietmar Bittrich den Leser mit einer Sammlung von Kurzgeschichten rund um die bucklige Verwandtschaft. Auch diesmal hat er verschiedene Autoren versammelt, die jeder ...

Wie jedes Jahr zu Weihnachten beglückt Dietmar Bittrich den Leser mit einer Sammlung von Kurzgeschichten rund um die bucklige Verwandtschaft. Auch diesmal hat er verschiedene Autoren versammelt, die jeder eine Kurzgeschichte zu dem Band "Lallende Tanten überall" beigesteuert haben. Die Kurzgeschichten weisen unterschiedliche Längen auf, sind aber allesamt so gehalten, daß man immer wieder eine "zwischendurch" lesen kann. Thematisch dreht sich natürlich alles um Weihnachten, jedoch sind die Geschichten sehr abwechslungsreich. Mal geht es um das Jubiläum einer Rockband, die seit Jahren nicht mehr zusammen gespielt hat, dann um einen Ehemann, der sich von seiner Frau verlassen wähnt, um schlesische Tanten und Zitronencreme, um uneingeladen erschienene und eingeladen nicht - erschienene Verwandtschaft, um einen alten Vater, der nichts wegwerfen kann und vieles mehr. Alle haben eines gemein - die Geschichten sind zauberhaft. Die Autoren haben alle durchweg einen wunderbaren Schreibstil und vermitteln mal humorvolle, mal ernste Geschichten sehr eindrucksvoll. Hier steht der Spaß ganz hoch! Natürlich wird nicht jede Geschichte jedem gleich gut gefallen, auch ich habe hier meine Lieblinge, aber es ist wirklich für jeden etwas dabei. Diese Serie von Dietmar Bittrich gehört für mich so eng zu Weihnachten wie Tannenbaum und Geschenke!

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