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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.10.2025

Ein feinsinniger Roman, der sehr berührt

Sonnenaufgang Nr. 5
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Carsten Henn hat mit „Sonnenaufgang Nr. 5“ erneut einen feinsinnigen Roman geschaffen, der mich sehr bewegt und berührt hat. Nicht zuletzt aufgrund seiner Erzählweise waren mir die Figuren von Anfang sympathisch ...

Carsten Henn hat mit „Sonnenaufgang Nr. 5“ erneut einen feinsinnigen Roman geschaffen, der mich sehr bewegt und berührt hat. Nicht zuletzt aufgrund seiner Erzählweise waren mir die Figuren von Anfang sympathisch und ich war gespannt, welche Geheimnisse sie verbergen.
Im Verbergen ihrer Geheimnisse und ihrer Verletzungen ist insbesondere die alternde Diva Stella Dor eine Meisterin, die angelehnt an Rilkes Gedicht „Das Karussell“ immer wieder gerne einen symbolischen weißen Elefanten vorschiebt, um den Blick auf die Wahrheit zu verstellen. Doch auch ihr junger Biograf Jonas trägt eine schwere Bürde, die erst später enthüllt wird. Zentrales Thema ist Verlust, dem sich nicht nur Stella und Jonas stellen müssen, sondern das sie ebenso mit weiteren Personen in ihrem Umfeld verbindet. Gegen Ende fällt dann im wahrsten Sinne des Wortes die Fassade und es kommt zum Teil durchaus Überraschendes zum Vorschein.
Insgesamt eine sehr warmherzige Geschichte, die mitunter zu Tränen rührt, aber keinesfalls kitschig, sondern durchaus tiefsinnig daherkommt und aus der man am Ende einiges für sich selbst und das eigene Leben mitnehmen kann. Passend zum Titel hat das Buch für mich etwas Wärme und Licht in die trüben Herbsttage gebracht und ich kann es absolut empfehlen.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Leider enttäuschend und langweilig

Weißes Licht
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Aufgrund der Leseprobe und der Lobeshymnen aus den USA über diesen Roman hatte ich viel erwartet und wurde letztlich komplett enttäuscht. Nach einem zunächst gelungenen und durchaus ansprechenden Einstieg ...

Aufgrund der Leseprobe und der Lobeshymnen aus den USA über diesen Roman hatte ich viel erwartet und wurde letztlich komplett enttäuscht. Nach einem zunächst gelungenen und durchaus ansprechenden Einstieg wird die Handlung ab der Hochzeit von Charlie und Cece schlicht nicht mehr nachvollziehbar (ich möchte jedoch nicht zuviel verraten).
In recht großen Zeitsprüngen werden teilweise recht belanglose Begebenheiten erzählt und alles ist sehr zäh. Mir ist es auch während des ganzen Buches nicht gelungen eine Beziehung zu den Hauptcharakteren aufzubauen, die aus meiner Sicht recht oberflächlich dargestellt werden. Es werden viele Themen unserer Zeit angerissen wie Umweltzerstörung und Klimawandel, Drogensucht, Suizid, Homosexualität, aber stellenweise wirkt dies sehr konstruiert und man hat den Eindruck der Autor hätte all das unbedingt irgendwie unterbringen wollen, ohne dass vieles davon so richtig zur Handlung und zum Fortgang des Romans beiträgt.
In der Hoffnung auf ein wie auch immer geartetes großes Finale habe ich mich durch die kompletten 522 Seiten dieses langatmigen Buches gequält, aber auch das Ende wirkt leider ebenso blass und uninspiriert wie der Rest. Für mich eines der schlechtesten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe – ich kann es daher nicht weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Solider, spannender Krimi mit irgendwann vorhersehbarem Ende

Bittere Nacht
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Obwohl ich den ersten Band der Reihe nicht kannte, bin ich sehr gut in die Handlung hinein gekommen und die häufigen Verweise und Anspielungen auf den vorigen Fall sind dennoch nachvollziehbar bzw. nicht ...

Obwohl ich den ersten Band der Reihe nicht kannte, bin ich sehr gut in die Handlung hinein gekommen und die häufigen Verweise und Anspielungen auf den vorigen Fall sind dennoch nachvollziehbar bzw. nicht entscheidend. Die Ermittler waren mir von Beginn an sehr sympathisch und auch die Erzählweise und das Tempo empfand ich als sehr angenehm mit recht kurzen, prägnanten Kapiteln. Die Spannung nimmt rasch Fahrt auf und ich konnte das Buch zuerst kaum aus der Hand nehmen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Ungefähr nach zwei Dritteln hatte ich jedoch eine starke Vermutung wie alles zusammenhängt und ausgehen wird. Diese hat sich dann fast vollständig bewahrheitet, so dass mir am Ende ein wenig der Überraschungseffekt fehlte. Dennoch fand ich auch den letzten Teil irgendwie noch spannend, weil dort die zwischenmenschlichen Höhen und Tiefen zwischen den beiden Ermittlern Juha und Lux stark im Vordergrund stehen. Am Ende wurde dann sogar noch meine Lust und Neugier auf eine Fortsetzung geweckt.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Guter Ansatz, aber leider zu wenig Tiefgang

Eden
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In seinem neuen Roman „Eden“ greift Jan Costin Wagner brandaktuelle Themen auf. Neben dem Terroranschlag eines Islamisten bei einem Popkonzert, der einer Familie die 12-jährige Tochter entreißt, werden ...

In seinem neuen Roman „Eden“ greift Jan Costin Wagner brandaktuelle Themen auf. Neben dem Terroranschlag eines Islamisten bei einem Popkonzert, der einer Familie die 12-jährige Tochter entreißt, werden auch die Spaltung der Gesellschaft in Folge der Corona-Pandemie, das damit verbundene Erstarken der AfD, Fake News in sozialen Medien sowie die problematische dauerhafte Integration junger Muslime in unsere Gesellschaft angeschnitten. Zentrales Thema ist jedoch der Umgang der Familie mit Trauer und Verlust.
Die Handlung wird in kurzen prägnanten Sätzen aus Sicht der verschiedenen Protagonisten – allerdings in der dritten Person – geschildert. Dabei gelingt es dem Autor allerdings nur phasenweise die Emotionen auf den Leser zu übertragen. Oft wirken Erzählung und Dialoge etwas hölzern und oberflächlich. Hier hat mir leider der Tiefgang gefehlt und ich habe mich nur an wenigen Stellen wirklich in die Charaktere hinein versetzen können.
Ebenso werden die oben genannten gesellschaftlichen Themen nur kurz an der Oberfläche angekratzt und zu einfach und schnell abgehandelt.
Am Ende war ich insgesamt enttäuscht, weil es kein richtiges Ende gab, sondern die Handlung einfach aufhört, weil der durchaus gute Ansatz des Buches nahezu wirkungslos verpufft und weil ich von Jan Costin Wagner, den ich zu meinen Lieblingsautoren zähle und sehr schätze, weitaus mehr erwartet hatte.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Ausdrucksstarker Coming of Age-Roman mit autobiografischen Zügen

Sputnik
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Obwohl Christian Berkel darauf hinweist, dass es sich bei „Sputnik“ um einen fiktiven Roman handelt, sind die Parallelen zu seinem eigenen Leben und somit die autobiografischen Züge unverkennbar. Es bleibt ...

Obwohl Christian Berkel darauf hinweist, dass es sich bei „Sputnik“ um einen fiktiven Roman handelt, sind die Parallelen zu seinem eigenen Leben und somit die autobiografischen Züge unverkennbar. Es bleibt nur die Frage nach dem Mischungsverhältnis zwischen Fiktion und Autobiografie offen.
In einer gefühlvollen Coming of Age Geschichte mit Tiefgang schildert der Autor das Leben des jungen Sputnik – und zwar bereits ab der Zeugung (!) - bis über die (Früh-)Pubertät hinaus zum jungen Mann. Immer wieder werden dabei seine innerliche Zerrissenheit und sein Gefühlschaos deutlich. Da sind einerseits die Traumata der Eltern aus dem Krieg (die jüdische Mutter verlor Teile ihrer Familie im Konzentrationslager und war selbst lange auf der Flucht). Andererseits das eigene Hin- und Hertaumeln zwischen unerfüllter Liebe, dem Traum von der Schauspielerei, dem oft nicht leichten Schulalltag und dem unbeschwerten und teils ausschweifenden Leben als Austauschschüler in Frankreich. Christian Berkel gelingt es als Autor ebenso gut wie in seinen Rollen als Schauspieler die Leser mitten hinein tauchen zu lassen in die jeweiligen Szenen, die er sehr passend und ausdrucksstark schildert.
Mir hat es sehr gefallen den jungen Sputnik bei seiner rasanten Entwicklung zu begleiten. Am Ende beschäftigt mich jedoch immer noch die Frage wieviel Christian Berkel denn tatsächlich in Sputnik steckt.

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