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Veröffentlicht am 05.12.2018

Beeindruckender biografischer Roman

Hanna
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"Hanna - Kriegsjahre einer Krankenschwester" ist keine Geschichte, die diese Zeit beschönigt. Sandra Jungen hat in ihrem biografischen Roman die Erinnerungen ihrer Großmutter festgehalten und dabei ein ...

"Hanna - Kriegsjahre einer Krankenschwester" ist keine Geschichte, die diese Zeit beschönigt. Sandra Jungen hat in ihrem biografischen Roman die Erinnerungen ihrer Großmutter festgehalten und dabei ein sehr bewegendes Bild dieser Zeit wiedergegeben.

Deutsches Reich 1942: Hanna hat eben erst ihre Krankenschwesterausbildung abgeschlossen, als sie ihren Einberufungsbefehl erhält. Das Ziel ist ihr nicht bekannt und so begleiten wir sie auf ihren Weg ins Ungewisse. Zu Beginn merkt man noch mit welcher Ahnungslosigkeit die jungen Krankenschwestern gegen Osten fahren. Wir begleiten die jungen Frauen auf ihrer tagelangen Zugreise, bis sie zuerst in Polen und später in der Ukraine ankommen...immer Richtung Front. Das Grauen des Krieges hat sie in den provisorischen Feldlazaretten bald eingeholt. Trotzdem bleibt Hanna in einigen Dingen unwissend. Die Viehwaggons, die bei ihrer Reise ganz hinten am Zug angehängt werden, erscheinen ihr zwar seltsam, aber Hanna hinterfragt dies nicht. Auch der grauenhafte Gestank in einer Station fällt ihr zwar auf, kann ihn aber nicht zuordenen. Hier ist der Leser allwissend und kann diese für uns augenscheinlichen Momente erfassen. Obwohl Hanna mitten im Krieg steht, gehört sie doch zur deutschen Wehrmacht und nur einige Bemerkungen ihrer deutschtreuen Kollegin Gerda, lassen sie öfters nachdenklich zurück. Doch Hanna wird schnell erwachsen und beginnt sich ihre eigene Meinung zu bilden. Ihr Leben besteht aus überfüllten Lazaretten, fünfzig Stunden Arbeitstagen und immer mehr Schwerverletzten. Oftmals können weder die Ärzte, noch die Sanitäter und Krankenschwestern ihre Augen offenhalten. Völlig übermüdet und am Ende ihrer Kräfte versuchen sie Leben zu retten. Ungeschönt beschreibt die Autorin das Leben im Lazarett, in dem Hanna - wegen Personalmangel - bald selbst Operationen durchführen muss, während sie von feindlichen Fliegern bombardiert werden. Erst als die junge Frau selbst erkrankt, kommt sie zur Genesung nach München und arbeitet dort im Hospital weiter. Doch die Bombardierungen durch die Allierten werden immer schlimmer und München gleicht immer mehr einer Häuserruine.

Sehr nahe ging mir die Bedrohung durch die großangelegten Bombardierungen Münchens. Der immer wiederkehrende Fliegeralarm und die Angst, die Hanna dabei ausstand, als sie verschüttet wird, sind so bewegend und lebendig erzählt, dass es einem dabei selbst die Luft abschnürt. Wie oft das Glück und das Schicksal willkürlich um sich greift, ist besonders aus diesen Abschnitten herauszulesen. Doch selbst in Nächten der Angst und inmitten von Leid und Hunger, wollen die Menschen leben, lieben und lachen und sich an kleinen Dingen erfreuen. Man braucht diese Hoffnungsträger, um zu überleben. So fand ich es berührend, wie Hanna ihre große Liebe findet, ins Theater geht oder sie sich den Traum von roten Stöckelschuhen erfüllt, die sie eigentlich zu dieser Zeit kaum tragen kann.

Charaktere:
Hanna hat Herz und Verstand. Sie ist selbstlos, setzt sich für andere Menschen ein und geht in ihrem Beruf auf. Sie bleibt immer menschlich. Ihr Gegenpart ist Gerda. Ein Nazi durch und durch, der vor keiner Denunzierung zurückschreckt. Immer wieder neidet sie Hanna ihre Stellung, einen Soldaten oder einfach ihre Beliebtheit im Lazarett. Sie ist die typische Antagonistin, der nicht über den Weg zu trauen ist.
Die anderen Krankenschwestern, die Hanna bereits auf der Reise an die Ostfront begleiten, sind liebenswerte junge Frauen, die bei der Rückkehr nach München befreundet bleiben und einige Schicksalschläge teilen. Clemens, Hannas Freund, ist mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsen.
Auch die anderen Charaktere sind sehr lebensnah und authentisch gezeichnet. Ärzte und Krankenpfleger, Soldaten in allen Rangstufen geben einen Querschnitt durch die Bevölkerung. Dabei lernen wir auch historisch belegte Personen, wie Graf von Stauffenberg, der im Widerstand tätig war oder den Münchner Humoristen Ferdl Weiß kennen, der bei seinen Auftritten stets das Regime kritisierte und von Polizisten bei der Vorstellung auf der Theaterbühne überwacht wurde.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Sandra Jungen hat mir sehr gefallen. Er ist gefühlvoll und gibt tiefe Einblicke in Hannas Leben. Ich bin in die Geschichte abgetaucht und obwohl es viele wirklich grausame und erschütternde Kapitel gab, verstand es die Autorin den Leser nicht hinabzuziehen, sondern mit ihrer Art zu schreiben zu fesseln. Mit liebenswerten Figuren und ebensolchen Episoden wird die Lebensgeschichte aufgelockert. Man begibt sich auf eine Zeitreise, die mit fundiertem Grundwissen und zusätzlichen Recherchen eine perfekt abgerundete Erzählung ergeben.

Im Anhang gibt es ein Nachwort, eine Geschichte hinter der Geschichte, sowie ein Verzeichnis von historischen Personen, die im Roman eine Rolle spielten.

Fazit:
Ungeschönt und trotzdem mit einer Spur Hoffnung, Lebenswillen und Lebenslust, erzählt Sandra Jungen aus dem Leben ihrer Großmutter bzw. aus dieser Zeit, die wir und unsere Kinder hoffentlich nie wieder erleben müssen. Eine Lebensgeschichte, die mit viel Einfühlungsvermögen erzählt wird. Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 03.12.2018

Kindeswohl

Kindeswohl
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Bei einer Seitenzahl von 224 denkt man sich, man wäre schnell durch die Geschichte, die uns Ian McEwan hier erzählt. Doch schon sein Roman "Abbitte" hat mich eines anderen belehrt und ist noch heute in ...

Bei einer Seitenzahl von 224 denkt man sich, man wäre schnell durch die Geschichte, die uns Ian McEwan hier erzählt. Doch schon sein Roman "Abbitte" hat mich eines anderen belehrt und ist noch heute in meinem Kopf allgegenwärtig.
Mit "Kindeswohl" hat mir der Autor wiederum ein sehr intensives Leseerlebnis hinterlassen.
Familienrecht ist das Spezialgebiet unserer Protagonistin Fiona Maye. Sie ist erfolgreich im Job und ist seit 30 Jahren glücklich verheiratet - denkt sie. Doch eines Tages erbittet ihr Mann Jack ihren Segen für eine außereheliche Affäre. Fiona fällt aus allen Wolken und denkt gar nicht daran den Wunsch ihres Mannes zu erfüllen. Kurz darauf bekommt sie es mit einem eher außergewöhnlichen Fall zu tun. Die Familie eines 17jährigen leukämiekranken Jungen verweigert aus religiösen Gründen die lebensrettende Bluttransfusion. Adam Henry, der Sterbenskranke selbst, lehnt diese, ebenso wie seine Eltern ab. Er kennt die Einstellung seiner Familie und Glaubensgemeinschaft seit seiner Kindheit und ist damit aufgewachsen. Fiona beschließt daraufhin den jungen Mann im Krankenhaus zu besuchen, um sich ein Bild von ihm zu machen. Sie weiß, dass sie im Sinne des Kindeswohl entscheiden muss, denn jeder Patient hat ein Selbstbestimmungsrecht. Adam ist jedoch noch minderjährig, steht aber kurz vor seinem 18. Geburtstag. Als sie ihn kennenlernt ist Fiona ist beeindruckt von diesem sensiblen Jungen, der berührende Gedichte schreibst, musiziert und doch so fest an seiner Meinung festhält. Sie findet eine besondere Verbindung zu Adam und er auch zu ihr. Und doch lädt Fiona eine schwere Schuld auf sich....

Ian McEwan zeigt in seinem Roman auf, wie schwer es für einen einzelnen Menschen ist, ein so weitreichendes Urteil zu fällen, welches über Leben und Tod entscheidet. Aber nicht nur darüber, sondern auch über Schuld, Moral oder Ethik. Fiona, die selbst in privaten Schwierigkeiten steckt, widmet sich diesen Fall sehr intensiv. Sie versucht ihre persönlichen Probleme damit zu kompensieren und handelt nicht mit der von ihr geforderten beruflichen Distanz, die sie sonst auszeichnet. McEwan stellt ihre Fähigkeiten in Form einiger Beispiele vor: Sei es die streng katholische Familie, deren Glaube es nicht zulässt Siamesische Zwillinge zu trennen oder der musllimische Vater, der sein Kind in sein Heimatland bringen möchte. Fiona entscheidet juristisch zu 99% richtig. Doch bei Adam steht die emotionale Betroffenheit im Vordergrund und die geforderte berufliche Distanz fällt.

Die justischen Feinheiten erklärt der Autor so, dass es auch ich verstanden habe ;) Er beleuchtet wirklich alle Seiten sachlich und begründet diese auch aus ethischer, religiöser und juristischer Sicht. Die inneren Kämpfe, die Fiona mit sich selbst ausmachen muss, werden sehr feinfühlig, realistisch und emotional dargestellt. Gleichzeitig regt der Roman zum Nachdenken an und wirft viele Fragen auf, die man sich beim lesen (und auch danach) selbst immer wieder stellt.

Die Problematik rund um die Ehe von Fiona und Jack war mir allerdings zu wenig tiefgehend und hätte auch weggelassen werden können.

Der Schreibstil ist eher anspruchsvoll, aber lässt sich flüssig lesen. Die Charaktere sind stimmig, wobei mir Jack etwas zu blass blieb.
Musik spielt ebenfalls eine große Rolle im Roman, genauso wie Schuld, Moral und Ethik


Fazit:
Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und bei dem man sich selbst immer wieder fragt, wie man gehandelt hätte. Es geht um Schuld, Moral, Ethik, aber auch um Treue, Familie und die verlorene Liebe. Mein nächster Roman des Autors liegt schon bereit....

Veröffentlicht am 03.12.2018

Toller Auftakt einer Familiensaga rund um die Schokoladenmanufaktur

Die Schokoladenvilla
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Die Schokoladenmanufaktur Rothmann ist in Stuttgart des Jahres 1903 eine der führenden Arbeitgeber der Stadt. Tochter Judith interessiert sich selbst sehr für die Schokoladenherstellung und probiert immer ...

Die Schokoladenmanufaktur Rothmann ist in Stuttgart des Jahres 1903 eine der führenden Arbeitgeber der Stadt. Tochter Judith interessiert sich selbst sehr für die Schokoladenherstellung und probiert immer wieder neue Ideen aus, doch ihr Vater sieht die Firma in den Händen ihrer jüngeren Zwillingsbrüder Karl und Anton. Judith möchte er hingegen gewinnbringend verheiraten und hat auch schon - ohne ihr Wissen - einen potentiellen jungen Mann im Auge.
Zur selben Zeit wird Victor Rheinberger aus der Gefangenschaft auf Burg Ehrenbreitstein entlassen. Der Weg zurück in seine Heimatstadt Berlin ist ihm verwehrt und so sucht er sein Glück in der auftrebenden schwäbischen Stadt Stuttgart. Seine Liebe zu Maschinen und seine Fertigkeiten sind schnell gefragt. Als er Karl bei einem ihren vielen Dummenjungen-Streiche, die die Zwillinge aushecken, das Leben rettet, lernt er Wilhelm Rothmann kennen. Als Belohnung wünscht er sich kein Geld, sondern einen Job in seiner Schokoladenfabrik und entdeckt bald, dass die Manufaktor nicht mehr auf den neuersten Stand ist. Doch Rothmann will nicht investieren. Außerdem macht er sich Sorgen um seine Frau Hélène, die schon viel zu lange auf Kur am Gardasee weilt....

Gleich vornweg eine Warnung an alle Leser:
Ohne Schokolade in unmittelbarer Nähe kann man dieses Buch einfach nicht lesen! Es läuft einem bei der Beschreibung all der schokoladigen Köstlichkeiten immer wieder das Wasser im Mund zusammen.
Judiths Begeisterung für die Schokoladenherstellung ist aus jeder Zeile zu spüren, wenn sie in der Manufaktur neue Rezepte ausprobiert. Ihr Vater ist jedoch ein alter Patriarch, der Frauen keinerlei Rechte zugesteht. Seine Frau Hélène leidet unter der lieblosen Ehe und unter Depressionen. Sie flüchtet an den Gardasee, in ein zur damaligen Zeit beliebtes Kurhaus, welches Treffpunkt von Künstlern und Adeligen ist. Judith hat seitdem die Aufgabe auf ihre jüngeren Brüder aufzupassen, die genauso lieblos vom Vater behandelt werden, wie sie selbst. Beide Frauen lieben ihre Unabhängigkeit und möchten sich nicht in das enge Korsett der damaligen Zeit pressen lassen, vorallem wo diese gerade im Wandel ist und Frauen beginnen für ihre Rechte zu kämpfen. In ihrer Zofe Dora hat Judith eine Freundin gefunden, die obwohl als Dienstbote im Herrenhaus arbeitet, zu ihrer Herrin steht. Judith ist auch eine der seltenen hochgestellten Töchter, die sich für ihre Arbeiter und Dienstboten interessiert und sie in der Manufaktur miteinbezieht. Sie ist wissbegierig, liebenswürdig und hartnäckig. Judith verfolgt ihre Ziele mit einer Vehemenz und lebt für die Schokolade.

Die Autorin lässt uns auch einen Blick auf das Leben der Dienstboten werfen. Der beginnende Wirtschaftsumschwung und die Politik sind immer wieder Thema bei den Dienstboten. Während Fabriksarbeiter mehr Lohn und Freizeit bekommen, haben die Hausangestellten der Herrenhäuser kaum einen freien Tag und oft nur Kost und Logis. Auch Hausknecht Robert möchte nicht mehr unter den Arbeitsbedingungen arbeiten, die bei den Rothmanns herrscht. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten wird sehr deutlich angesprochen. Aber auch die Aufbruchsstimmung ins kommende neue Zeitalter ist spürbar.

Victor kämpft ebenfalls gegen die ihm auferlegte Zukunft. Sein Vater ist in der Armeé und erwartet sich von seinem Sohn denselben Aufstieg, den er gemacht hat. Victor ist jedoch kein Offizier. Er liebt es zu tüfteln und mit seinen Händen zu arbeiten. Bald schon weiß man, dass Judith und Victor das ideale Paar wären, jedoch steht dem nicht nur Victors Vergangenheit im Wege, sondern auch die Pläne von Wilhelm Rothmann, der unter keinen Umständen von seinem Plan abweicht.

Die Charaktere sind lebendig und wunderbar ausgearbeitet - und das bis in den kleinsten Nebencharakter. Besonders ans Herz gewachsen sind mir Karl und Anton. Die Streiche der Zwillinge haben immer wieder ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert. Auf welche Ideen die beiden Lausbuben kommen, ist einfach nur genial. So kommt auch der Humor im Roman nicht zu kurz.

Einzig die Handlung am Gardasee hat der Geschichte ein bisschen an Schwung genommen. Als Nebenschauplatz nahm mir dieser Strang etwa zu viel Raum ein.
Die Schokoladenvilla wird weitergehen und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung. Und jetzt mache ich mir eine leckere Gewürz-Schokolade...

Schreibstil:
Der Schreibstil von Maria Nikolai ist flüssig und lässt sich wunderbar lesen. Er ist leicht und trotzdem hat die Autorin die Sprache dieser Zeit perfekt eingefangen. Man fühlt sich, als befände man sich selbst im letzten Jahrhundert und versuche gegen den Strom zu schwimmen. Maria Nikolai hat großartig recherchiert, erzählt lebendig und hat sich liebevoll ihren Charakteren angenommen.
Am Anfang jedes Kapitels sind Zeit und Ort des Geschehens angegeben. Auf den beiden Innenseiten des Covers gibt es ein leckeres Rezept.

Am Ende des Romans gibt es ein Personenregister, ein Glossar und einige Erklärungen zum historischen Hintergrund.

Fazit:
Ein toller Auftakt einer Trilogie rund um die Schokoladenmanufaktor Rothmann in Stuttgart, die man nicht ohne Schokolade in Griffnähe lesen sollte. Der Autorin gelingt ein faszinierendes Bild der verschiedenen Gesellschaftschichten, sowie die Aufbruchstimmung in ein neues Zeitalter. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung und warte sehnsüchtig auf den nächsten Teil.

Veröffentlicht am 24.11.2018

Spannender vierter Teil des Bielefelder Ermittlungsteams

Zerrissene Wahrheit
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Heike Rommel legt mit ihrem vierten Fall rund um das Bielefelder Kripoteam einen sehr spannenden Krimi vor. Nachdem ich Band drei "Zwischen Licht und Schatten" bereits gelesen habe, freute ich mich sehr ...

Heike Rommel legt mit ihrem vierten Fall rund um das Bielefelder Kripoteam einen sehr spannenden Krimi vor. Nachdem ich Band drei "Zwischen Licht und Schatten" bereits gelesen habe, freute ich mich sehr darüber, dass ich in der Lovelybooks Leserunde mitlesen durfte.

Als Leser ist man sofort mitten im Geschehen, denn die Story beginnt mit einem tödlichen Autounfall. Ungebremst rast Margret Lückner den Abhang hinunter und in den Gegenverkehr. Der Wagen wird untersucht und sehr schnell entdeckt man manipulierte Bremsen, die der Frau das Leben kosteten. Doch wer wünscht sich den Tod der eher unscheinbaren Bibliothekarin, die ein solides Leben führt? Bald sind der untreue Ehemann, von dem sich Margret trennen wollte und dessen Galerie sie finanziert, als auch ihre Tochte Rike, die auf die schiefe Bahn geraten ist, unter Verdacht. Rikes Freund ist drogenabhängig und beide brauchen laufend Geld. Außerdem scheint Margret Lückner ein beachtliches Vermögen zu hinterlassen, jedoch haben sowohl der Ehemann, als auch die Tochter ein Alibi.

Nach den ersten achzig Seiten denkt man sich nur "So einfach kann es doch nicht sein!". Jedoch ist weit und breit kein weiteres Motiv zu finden und die Bielefelder Kripo tappt im Dunkeln. Das Ermittlerteam stochert in der Vergangenheit von Margret und stößt schließlich auf einen weiteren tödlichen Unfall im Freundeskreis der Bibliothekarin. Toni Achleitner, der Bruder ihres ersten Ehemannes Hubert, kam bei einer gemeinsamen Bergwanderung der Freunde vor 25 Jahren ums Leben. Führt die Spur zurück in die Vergangenheit? Oder verbirgt Margret etwas vor ihrer Familie?
Ein weitere Handlungsstrang befasst sich mit Karen, die unter einer Angststörung leidet. Im Prolog erhält der Leser einen kleinen Hinweis dazu. Seit einer Bronchitis fühlt sie sich schlecht und ist immerzu müde. Sie erfährt, dass Margret ihr einen Brief geschrieben hat, den sie allerdings nie erhalten hat...

Das eher große Ermittlerteam erweist sich für Quereinsteiger der Reihe eventuell als etwas verwirrend, deshalb ist es günstig die Vorgänger zu kennen. Ich bin auch erst im dritten Fall eingestiegen und hatte dabei einige Probleme alle Figuren richtig zuzuordnen. Diesmal war es aber fast wie ein nach Hause kommen und ich freute mich auf Nina, Dominik, Bent und auch Frank. Die sehr individuellen Charaktere sind mitten aus dem Leben gegriffen, wobei einige auch für "Krimihelden" eher untypisch sind. Ninas Bruder Kai hat das Down-Syndrom, spielt in diesem Band aber nur eine kleine Rolle, da er von zuhause ausgezogen ist. Einen schwulen Ermittler findet man jedoch nicht so oft. Dagegen stehen Ninas Liebesprobleme eher im Hintergrund und Frank ist generell ein Weiberheld, der jedoch am allerliebsten von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. So findet man auch immer wieder eine Prise Humor in Heike Rommels Bielefeld Krimis.

Die Handlung ist komplex, aber kurzweilig. Der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an. Ab der Hälfte kann man das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat ein gut verflochtenes Gerüst für ihre Geschichte aufgebaut, viele Wendungen eingebaut und bietet dem Leser so einige Überraschungen. Das Ende ist logisch und lässt mich zufrieden den Buchdeckel zuklappen. Und nun warte ich auf Band Nummer fünf....

Schreibstil:
Heike Rommel schreibt flüssig, spannend und abwechlungsreich. Sie überrascht mit verblüffenden Wendungen und hält den Spannungsbogen hoch. Lebendige Dialoge und einen Fúnken Humor beleben die Handlung. Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet, haben alle Ecken und Kanten und werden nach jedem weiteren Band immer mehr zu Freunden des Lesers.

Fazit:
Ein richtig spannender Regionalkrimi mit herrlich erfrischenden Ermittlern, einer komplexen Handlung, die einige Überraschungen bereit hält und einem logischen Ende, das mich zufrieden zurück lässt. Zum besseren Verständnis empfehle ich die Bücher der Reihe nach zu lesen!

Veröffentlicht am 21.11.2018

Geheimnis um Thirstane Manor

Die Melodie der Schatten
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Maria W. Peter konnte mich bereits mit ihrem Roman "Die Festung am Rhein" begeistern, deswegen war ich schon sehr auf ihr neuerstes Werk gespannt.
"Die Melodie der Schatten" ist ein sehr düsteres Werk, ...

Maria W. Peter konnte mich bereits mit ihrem Roman "Die Festung am Rhein" begeistern, deswegen war ich schon sehr auf ihr neuerstes Werk gespannt.
"Die Melodie der Schatten" ist ein sehr düsteres Werk, das auf den ersten 200 Seiten ziemlich schaurig ist und perfekt zum nebeligen Spätherbst und Halloween passt. Der Roman orientiert sich an die in Großbritannien sogenannten "Gothic Novels".

Lady Fiona Hemington ist auf dem Weg in ihr neues Zuhause, als die Postkutsche, die sie mit ihrer Tante und einem Vertrauten der Familie teilt, überfallen wird. Nur sie überlebt den Hinterhalt und flüchtet sich in das nahegelegene Herrenhaus Thirstane Manor. Doch dort ist die junge Frau nicht wirklich willkommen. Fiona spürt negative Schwingungen und der finstere Laird Aidan erweckt nicht gerade ihr Vertrauen. Gerüchte aus dem Dorf, dass das Haus verflucht sei, erwecken Fionas Ängste. Längst quälen sie unheimliche Träume oder sieht sie dunkle Schatten. Auch Stimmen und Klänge lassen die junge Frau an ihrem Verstand zweifeln. Und warum verhält sich der Hausherr ihr gegenüber so abweisend?

Die wildromantischen schottischen Highlands, das düster nebelige Wetter und das gruselige Anwesen von Thirstane Manor vermitteln eine perfekte schaurige Atmosphäre. Ich muss zugeben, dass es eine Stelle im Roman gibt, an der ich mich wirklich gruselte und wo sich einige Thrillerautoren eine Scheibe abschneiden können.
Trotzdem fand ich anfangs schwer in die Geschichte. Die zu Beginn auf zwei bis drei Figuren reduzierte Handlung, einige Wiederholungen und die sehr dunkle Stimmung benötigte einige Zeit, um mich zu packen. Doch dann konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Die Autorin überrascht dabei immer wieder mit neuen Wendungen. Das Geheimnis rund um Thirstane Manor und Laird Aidan lüftet sich langsam und erst zum Ende hin laufen alle Fäden zusammen.

Die Protagonisten werden von der Autorin sehr bildhaft und vielschichtig beschrieben. Man hat das Gefühl selbst mitten in der Geschichthe zu stecken und den Figuren über die Schulter zu blicken.
Fiona macht dabei eine interessante Charakterentwicklung durch. Von der schüchternen und verängstigten jungen Frau, die unter der Fallsucht leidet und die ihr Vater liebend gerne ins Irrenhaus steckt würde, entpuppt sie sich zu einer selbstbewussten und gegen ihre Krankheit ankämpfenden und willenstarken Frau. Dabei verliebt sie sich im Laufe der Zeit in die landschaftliche Schönheit der Highlands, erweckt Thirstane Manor zu neuem Leben und entdeckt auch die verletzte Seele hinter Aidans Maske.
Aidan hat eine dunkle Vergangenheit, der er sich stellen muss. Er ist ein finsterer Charakter, der seine Laune blitzschnell ändern kann. Fiona gelingt es nach einiger Zeit seinen Panzer zu durchdringen, doch der Laird hat finstere Pläne mit ihr. Dass sich die Beiden im Laufe der Geschichte trotzdem näher kommen, ist kein Geheimnis. Was sie verbindet allerdings schon.

Auch historische Begebenheiten, wie die Vertreibung der ehemaligen schottischen Siedler und die Willkür bei der Auslegung von Gesetzen, wurden von der Autorin wieder hervorragend recherchiert.

Maria W. Peter hat sich wirklich Gedanken gemacht, wie alle Fäden rund zusammenlaufen können. Einzig ein medizinisches "Wunder" konnte ich nicht so richtig nachvollziehen und an manchen Stellen wurde es auch ein bisschen kitschig. Das ist allerdings meckern auf hohem Niveau.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist der damaligen Zeit angepasst, lässt sich aber sehr gut und flüssig lesen. Maria W. Peter hat ein unglaubliches Händchen ihre Figuren lebendig werden zu lassen. Auch die Landschaft wird sehr bildhaft dargestellt. Die dichte Handlung, sowie die atmosphärische und mystische Stimmung ist grandios eingefangen.

Am Beginn des Buches ist eine Karte von Schottland im Jahre 1837 abgebildet. Der Roman ist in Buch I und II und einem Epilog gegliedert. Diese widerum sind in die Tage, die Fiona auf Thirstane Manor verbringt aufgeteilt und in Kapitel unterteilt. Jedem Tag steht ein Zitat voran.
Am Ende gibt es ein Nachwort und ein Glossar, sowie eine Aufstellung der fiktiven und historischen Figuren.

Fazit:
Anfangs tat ich mir ein bisschen schwer in die Geschichte zu finden, aber schon bald kann man nicht mehr aufhören zu lesen und fiebert der Aufdeckung aller Geheimnisse entgegen. Trotzdem hat mir "Die Festung am Rhein" einen Ticken besser gefallen. Wer düstere und mystische Geschichten mit einem Hauch Kitsch mag, dem kann ich den Roman wirklich empfehlen.

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