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Veröffentlicht am 04.01.2025

Komplexer und spannender Krimi

Der Zögling
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In Cumbria tötet ein Serienmörder ältere Männer in Steinkreisen. Dabei foltert er sie und lässt sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Bei seinem dritten Opfer wird durch eine spezielle Untersuchung der ...

In Cumbria tötet ein Serienmörder ältere Männer in Steinkreisen. Dabei foltert er sie und lässt sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Bei seinem dritten Opfer wird durch eine spezielle Untersuchung der spärlichen Reste der Name "Washington Poe 5" gefunden, den er dem Opfer anscheinend vorher eingeritzt hat. Der Name gehört einem Detective bei der SCAS, der Serious Crime Analysis Section, der zur Zeit suspendiert ist. Seit 18 Monaten läuft eine interne Ermittlung gegen ihn. Nun wird er in den Polizeidienst zurückbeordert. Ist er womöglich das fünfte Opfer?

"Der Zögling" wird bei uns als Vorgeschichte zu "Der Botaniker" angeführt, welcher zuerst auf Deutsch übersetzt wurde. Im Englischen ist jedoch "Der Zögling" eindeutig der erste Band und überraschender Weise ist "Der Botaniker" bereits der fünfte Band der Reihe. Warum der Verlag die Thriller nicht der Reihe nach übersetzt hat, ist mir ein Rätsel. Aber ähnliches gab es ja auch schon bei den Büchern von Steve Cavanagh. Ich bin jedoch froh, dass ich nun mit dem ersten Band angefangen habe und Washington Poe kennenlerne.

Der Fall rund um den Serientäter, der seine Opfer verbrennt, ist komplex. Der Mörder ist den Ermittlern immer eine Stück voraus und der Plot ist grandios ausgedacht. Bis man erkennt, wie die Morde zusammenhängen und welches Konstrukt dahintersteckt, dauert es, denn der Autor hat zahlreiche Twists eingebaut. Der Hintergrund ist erschreckend und brutal.

Die Charaktere sind teilweise eigenwillige Persönlichkeiten. Washington Poe ist ein Einzelgänger, ein großartiger Ermittler, aber er nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Außerdem schert er sich nicht im Geringesten um Gesetze. Gerechtigkeit ist ihm wichtig. Sein erstes Zusammentreffen mit Tilly Bradshow läuft nicht ganz so, wie gedacht....
Daraus entwickelt sich jedoch eine ganz besondere Freundschaft und die beiden werden ein richtig tolles Ermittlerteam. Die Dynamik zwischen Washington und Tilly hat mir richtig gut gefallen.

Mit Tilly Bradshow hat der Autor einen tollen und sehr interessanten Charakter entworfen. Während ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten sehr unterentwickelt sind, ist sie als Datenanalystin eine echte Koryphäe. Sie zeigt autistisches Verhalten und nimmt alles wortwörtlich. Ihre Entwicklung hat mir besonders gut gefallen.
Aber auch die anderen Figuren wurden lebendig beschrieben und man konnte sich ein gutes Bild der Charaktere machen. Das Setting in Cumbria war ebenfalls bildhaft dargestellt und ich konnte mir die raue Landschaft im Norden Großbritanniens sehr gut vorstellen.
Trotz einiger sehr grausam beschriebenen Szenen kommt auch der trockene englische Humor durch, den ich sehr mag.

Der Schreibstil ist fesselnd und atmosphärisch. Probleme hatte ich jedoch mit dem Wort "Brandopferer". Gibt es das Wort im Deutschen überhaupt? Ich bin jedes Mal beim Lesen irgendwie darüber gestolpert und es hat mich aus dem Lesefluss gerissen.

Am Ende wird es rasant und die Lage spitzt sich zu. Der Spannungsbogen führt stetig bergauf und man legt den Thriller nur schwer weg.

Fazit:
Ein klassischer Ermittlerkrimi mit grausamen Sequenzen, einem komplexen Plot und einigen Twists, die überraschen. Ich werde in der Reihe sicher weiterlesen und empfehle "Der Zögling" gerne weiter.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Für mich leider eine Enttäuschung

Über allen Bergen
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Puh, was soll ich sagen? Mich hat dieser hochgelobte Roman leider komplett enttäuscht. Nicht nur, dass ich es wieder mit einem offenen Ende zu tun habe - was ich absolut nicht mag - hat die Geschichte ...

Puh, was soll ich sagen? Mich hat dieser hochgelobte Roman leider komplett enttäuscht. Nicht nur, dass ich es wieder mit einem offenen Ende zu tun habe - was ich absolut nicht mag - hat die Geschichte leider so gar nicht gehalten, was ich mir versprochen hatte.

Paris, 1943. Vadim lebt in Paris und ist der Sohn einer Französin und eines jüdischen Vaters. Er leidet an Asthma und wird in die Berge nach Vallorcinnes, einem kleinen Dorf bei Chamonix, geschickt. Dort wird aus Vadim Vincent. Bei einer Bergbauernfamilie findet er Unterschlupf, wo er sich vor den Deutschen versteckt. Als Stadtjunge ist ihm die Natur und das Leben mit den Jahreszeiten fremd. Er ist fasziniert von den Bergen und integriert sich schnell in der Dorfgemeinschaft. Doch der Krieg findet auch den Weg nach Vallorcines - bleibt jedoch ein fernes Echo..

Die Leseprobe bei @vorablesen hat mir nämlich gut gefallen und nachdem ich den Klappentext gelesen habe, hatte ich eine komplett andere Erwartung an den Roman. Da ich viele Geschichten rund um den Zweiten Weltkrieg lese, habe ich mit einer Erzählung über die Flucht und die allgegenwärtige Gefahr für den jüdischen Jungen gerechnet. Doch es gibt kaum Geschehnisse und Erlebnisse dieser Art. Seitenweise, nein kapitelweise, werden in sehr poetischen und farbenfrohen Sätzen die Berge, die Landschaft und der Schnee beschrieben. Vadim, der jetzt Vincent heißt, verliert sich in der Natur und in der Bergwelt. Er zeichnet in bunten Farben seine Eindrücke und lernt mit der Zeit das harte Leben der Bergbauern kennen. Er freundet sich mit Moinette an, die ihm vieles zeigt und beibringt.
Zu Beginn ist es ja noch interessant, aber mit der Zeit werden die ewigen Beschreibungen, die ruhige Erzählweise und keinerlei weiteren Geschehnisse langweilig. Mir fehlte die Spannung....

Ich liebe die Berge und bewundere die Autorin, die diese auf so vielen Seiten immer wieder anders beschreiben kann. Der Roman wird in drei Abschnitte geteilt, die weiß (Winter), grün (Frühling) und gelb (Sommer) als Überschrift haben.
Der Schreibstil ist einfühlsam, poetisch und sehr ruhig. Mir war die Geschichte zu ruhig und zu langweilig. Naturliebhaber, die 300 Seiten lang über dieselbe Gegend und Berglandschaften lesen möchten, können gerne zur Geschichte greifen.
Ich habe viele sehr positive Bewertungen gesehen - lasst euch deswegen nicht von meiner Bewertung abschrecken! Für mich war der Roman allerdings eine Enttäuschung.


Fazit:
Für mich war "Über allen Bergen" leider nicht das erhoffte Highlight - im Gegenteil. Keinerlei Spannung, zu ruhig und fast nur Beschreibungen der Gegend. Wer gerne seitenweise poetische Landschafts- und Farbbeschreibungen liest, kann hier zugreifen. Wer Geschichtliches über die Zeit des zweiten Weltkrieges lesen möchte, sollte die Finger davon lassen.

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Veröffentlicht am 23.12.2024

Wunderbare Fortsetzung

Der Eispalast - Die Kür ihres Lebens
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Im November ist nun der zweite Teil "Die Kür des Lebens" dieser wundervollen Trilogie ums Schlittschuhlaufen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen.
Julianna ist mittlerweile in London angekommen. ...

Im November ist nun der zweite Teil "Die Kür des Lebens" dieser wundervollen Trilogie ums Schlittschuhlaufen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen.
Julianna ist mittlerweile in London angekommen. Sie möchte endlich ihre Mutter finden, die angeblich als der berühmte "Eisengel" in Großbritannien Furore gemacht hat.
Während ihres Aufenthaltes schließt sie sich den Sufragetten an, die sich für mehr Frauenrechte, aber vor allem für das Wahlrecht, einsetzen.
Madge kommt aus gutem Haus und ihre Liebe gehört ebenfalls dem Eislaufen. Durch einen fatalen Fehler in ihrer Vergangenheit, den ihr Vater alles andere als goutiert hat, schränkt er ihr Leben drastisch ein. Sie darf nur mehr ihre beiden jüngeren Geschwister trainieren, wobei Madge das eigentliche Eislauf-Talent ist. Im "Prince's Skating Rink" lernt sie Julianna kennen und ist vom neuen Wiener Stil sofort begeistert. Der moderne Fahrstil stellt eine Art Ballett auf dem Eis dar und hat Julianna von Jackson Haines in Wien gelernt. Jedoch gefallen Madge Juliannas Ansichten weniger, denn die Tochter aus gutem Hause hält an den Traditionen fest und ist sogar Mitglied bei den Anti-Sufragetten. Trotz ihrer verschiedenen Ansichten werden die beiden jungen Frauen bald enge Freundinnen.
Madge würde liebend gerne selbst bei den kommenden Weltmeisterschaften antreten, doch als Frau ist es nur im Paarlauf gestattet, sich dem Wettbewerb zu stellen.

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Julianna und Madge aus der Ich-Perspektive erzählt. Dabei erleben beide Frauen aufregende Zeiten. Die zwei Hauptprotagonistinnen sind liebevoll gezeichnet und versuchen ihre Ziele zu erreichen. Während Julianna nach ihrer Mutter sucht und sich für das Frauenwahlrecht engagiert, dabei aber auch nicht das Eislaufen aus den Augen verliert, packt Madge mit der Zeit doch der Ehrgeiz, um mit Edgar für die Weltmeisterschaft im Paarlauf im neuen Wiener Stil zu brillieren. Zusätzlich möchte sie Benedicts Herz erobern - dem Star des Londoner Skating Clubs.

Der Schreibstil ist wieder sehr lebendig und bildhaft. Rena Rosenthal hält auch die eine oder andere kleine Überraschung für die Leser:innen bereit. Man fliegt nur so durch die mehr als 500 Seiten und fiebert mit den Charakteren mit.
Nicht nur als Eiskunstlauf-Fan ist man von der Story hingerissen, sondern auch die weiteren Themen, die die Autorin aufgreift, sind sehr interessant.

Im Nachwort erfahren wir einige historische Fakten über die Weltmeisterschaft im Eiskunstlauf und über die Frauenrechtsbewegung zu dieser Zeit. Weiteres erfahren wir, dass es für Madge ein reales Vorbild gab. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben, denn das müsst ihr selbst lesen!

Fazit:
Ein wundervoller zweiter Band um den Beginn des Eiskunstlaufs, verbunden mit einer spannenden Story und einem Schuss Romantik. Perfekte Winterlektüre!

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Veröffentlicht am 21.12.2024

Wichtiger Beitrag #gegendasvergessen

Suche liebevollen Menschen
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In diesem Buch erfahren wir mehr über eine etwas andere Art der Kinderverschickung in den 1930iger Jahren. Vielen von euch, die sich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges beschäftigen und auch darüber lesen, ...

In diesem Buch erfahren wir mehr über eine etwas andere Art der Kinderverschickung in den 1930iger Jahren. Vielen von euch, die sich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges beschäftigen und auch darüber lesen, wissen Bescheid über die ersten Kinderverschickungen nach Großbritannien.

Doch schon zuvor waren einige jüdische Eltern klug und haben, wie die Großeltern von Journalist Julian Borger, im "Manchester Guardian" Kleinanzeigen geschaltet. Sie suchten nach Menschen, die ihre Kinder aufnehmen, um sie vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Obwohl sie ahnten, dass sie ihre Kinder eventuell nie mehr wiedersehen würden...

Ein kleiner Teil dieser Kleinanzeigen wurde auch für den Titel des Buches ausgewählt ("Seek a kind person, who will educate my intelligent Boy, aged 11, Viennese of good family. Borger 5/12 Hintzerstrasse, Vienna 3)
Im Jahre 1938 hat sein Großvater Leo genau diesen Text für seinen Sohn Robert Borger gewählt. Nach dem Tod seines Vaters Robert 1983 hat sich Journalist Julian Borger auf die Spurensuche betreffend seiner Familiengeschichte begeben. Niemand in der Familie wusste über seine Zeit als jüdisches Kind in Wien und sein Leben nach der Ankunft in Großbritannien. Julian Borger recherchierte akribisch. Dabei erfuhr er auch über dieses Inserat seines Großvaters und beginnt nachzuforschen. Im Verlauf seiner Recherche versuchte er mehr über die Schicksale der weiteren sechs Kinder herauszufinden, die am selben Tag in den Kleininseraten im "Manchester Guardian" ausgeschrieben wurden. Dies war alles andere als einfach und hat gedauert. Borger hat nach den Nachkommen der damaligen Kinder gesucht und versucht Kontakt aufzunehmen.
Was alle damaligen Kinder ihr ganzes Leben lang "verfolgte", war die "Schuld des Überlebens". Gleichzeitig fühlten sie sich auch unwürdig gegenüber Überlebenden aus den Konzentrationslagern, weil sie relativ sicher den Holocaust überlebt haben. Diese Traumata führten auch zum Selbstmord von Borgers Vater.

Was mir doch einige Schwierigkeiten bereitet hat, waren Julian Borgers oftmalige Wechsel von Personen und Zeit. Oft schwenkt der Autor mitten in seiner Erzählung von einer Person zu einer anderen und streut Fakten aus deren Leben ein. Das verwirrt zusätzlich, nachdem die Erzählungen auch zeitlich nicht chronologisch sind. Man benötigt deshalb hohe Konzentration und trotzdem sind mir oftmals die Schicksale mancher Menschen durcheinander gekommen. Trotz der wirklich akribischen Recherche und den berührenden Schicksalen, konnte ich deswegen manches Mal keine wirkliche Beziehung zu einigen der Figuren herstellen. Diese abrupten Wechsel und sich ins uferlose Verlieren, nimmt der biografischen Erzählung etwas an Tiefe. Das hätte vermieden werden können. Trotzdem sind die Erzählungen berührend. Man möchte sich gar nicht vorstellen, dass man seine eigenen Kinder alleine auf den Weg in ein fremdes Land schickt, deren Sprache sie nicht sprechen und sich einer ungewissen Zukunft entgegen sehen. Ich möchte nicht in dieser Haut der Eltern stecken, die sich entscheiden müssen....einfach grausam und auch heute noch genauso ein Thema!

Zwischen den einzelnen Kapiteln "lockern" schwarz-weiß Bilder der beschrieben Personen, die doch oftmals sehr emotionalen Schilderungen, auf.

Obwohl es sich bei seiner Erzählung nicht um eines der sechs Kinder handelt, die damals in den Kleinanzeigen vorkamen, hat mich die Geschichte um Borgers Großtante Marci und deren Schicksal fast am meisten berührt.


Fazit:
Dieses Buch ist sowohl eine Familienbiografie, als auch eine Art Enthüllungsstory. Auf jeden Fall aber ein wichtiger Beitrag zum Thema #gegendasvergessen - besonders in der heutigen Zeit, in der die Zeitzeugen von damals verstorben sind und der Rassismus eine neue Hochsaison erlebt.

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Veröffentlicht am 19.12.2024

Der Preis des Kautschuks

Das weiße Gold des Amazonas
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Bisher habe ich von Mirjam Kul noch nichts gelesen, die normaler Weise im Fantasy Bereich schreibt. Nun ist im Gmeiner Verlag dieser historische Roman der Autorin erschienen, der uns zurück ins 19. Jahrhundert ...

Bisher habe ich von Mirjam Kul noch nichts gelesen, die normaler Weise im Fantasy Bereich schreibt. Nun ist im Gmeiner Verlag dieser historische Roman der Autorin erschienen, der uns zurück ins 19. Jahrhundert nach Brasilien führt. Es ist die Zeit der Kautschukgewinnung durch europäische Plantagenbesitzer, die sich in Manaus angesiedelt haben. Sie unterdrücken die indigene Bevölkerung, die sie wie Sklaven behandeln, obwohl die Sklaverei bereits abgeschafft wurde. Die indigenen Einwohner wurden damals innerhalb kurzer Zeit von den Weißen stark dezimiert.

Einer der schlimmsten und mächtigsten ist der Preuße Heinrich Lorenz, ein tyrannischer und skrupelloser Kautschukbaron, der nach noch mehr Macht und Gewinn strebt.
Seine beiden Söhne Karl und Paul sollen später in seine Fußstapfen treten. Doch Paul wurde von Heinrichs herzensguten Frau als Säugling aus dem Fluss gerettet und hat indigenes Blut. Außerdem hat er ein Fledermaus Tattoo auf der Brust. Er steht als junger Erwachsener zwischen den beiden Kulturen und wird auch von beiden Seiten nicht wirklich akzeptiert.

Auch Taya gehört zu einem der indigen Stämme, deren männliche Familienmitglieder in den Kautschukwäldern geschunden werden. Sie trifft als Kind auf Paul, der wie Taya ein Fledermaus Tattoo hat. Der Junge bekommt seit diesem Treffen Taya nicht mehr aus seinen Gedanken.
Als sie als junge Erwachsene wieder aufeinander treffen, entwickelt auch Taya mit der Zeit Gefühle für Paul. Doch eine Liebe zwischen dem (adoptierten) Sohn des Kautschukbarons und einer indigen Sklavin darf nicht sein.....

"Die Fremden zerstören die Wälder, vergiften mit ihren riesigen Schiffen die Flüsse und töten Tiere, obwohl sie längst gesättigt sind. Sie haben keine Ehrfurcht vor der Schöpfung und dem Leben. Sie sind gierig und neidisch. Sie werden erst merken, dass man Geld nicht essen kann, wenn sie Mutter Erde zerstört haben."
Diese Sätze musste ich mir notieren, denn sie sprechen mir aus der Seele und sind auch 130 Jahre später genauso relevant, wie damals - wenn nicht sogar zukunftsweisend.

Mirjam Kul schreibt fesselnd und sehr bildgewaltig. Man erfährt viel über die damalige Zeit in diesem Teil der Welt und wie überheblich und grausam die europäischen Siedler gegenüber den Einwohnern waren. Es erinnert an die Besiedelung Amerikas, die ungefähr zweihundert Jahre zuvor ebenso grausam vonstatten ging.
Die Autorin bringt auch immer wieder Gedanken ein, die sich auf die Zerstörung der Natur und die Ausbeutung von Menschen beziehen.

Neben den Hauptfiguren sind auch die Nebencharaktere lebendig und vielschichtig dargestellt. Einige - auch tierische! - haben sich ganz besonders in mein Herz geschlichen.
Ich bin durch die Geschichte geflogen und habe mit Paul mitgelitten, der als Sohn des Kautschukbarons erzogen wurde, aber mit seiner Hautfarbe nicht akzeptiert wird.

Der historische Roman liest sich fesselnd und interessant. Man fühlt sich während des Lesens direkt vor Ort in Brasilien.

Warum keine 5 Sterne?
Die Geschichte endet sehr abrupt und ließ mich ernüchternd zurück, denn sie hört für mich einfach mitten drin auf. Ich habe zwar beim großen A... gesehen, dass beim Titel "Die weißen Tränen Saga" steht, was auf eine Fortsetzung hoffen lässt, jedoch findet man keinerlei weitere Hinweise auf einen zweiten Band. Da ich offene Enden wirklich so überhaupt nicht leiden kann, muss ich deshalb einen Stern abziehen.

Fazit:
Ein fesselnder historischer Roman über die Versklavung indigener Völker, den Preis des Kautschuks und einer Liebe, die nicht sein darf. Bis auf das relativ offene Ende war die Geschichte sehr gut, aber der abrupte Schluss hat mich sehr gestört. Deshalb einen Stern Abzug! Wem offene Enden nicht stören, dem empfehle ich diese interessante Geschichte auf jeden Fall. Ich hoffe, dass es einen weiteren Teil geben wird.

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