Komplexer und spannender Krimi
Der ZöglingIn Cumbria tötet ein Serienmörder ältere Männer in Steinkreisen. Dabei foltert er sie und lässt sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Bei seinem dritten Opfer wird durch eine spezielle Untersuchung der ...
In Cumbria tötet ein Serienmörder ältere Männer in Steinkreisen. Dabei foltert er sie und lässt sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Bei seinem dritten Opfer wird durch eine spezielle Untersuchung der spärlichen Reste der Name "Washington Poe 5" gefunden, den er dem Opfer anscheinend vorher eingeritzt hat. Der Name gehört einem Detective bei der SCAS, der Serious Crime Analysis Section, der zur Zeit suspendiert ist. Seit 18 Monaten läuft eine interne Ermittlung gegen ihn. Nun wird er in den Polizeidienst zurückbeordert. Ist er womöglich das fünfte Opfer?
"Der Zögling" wird bei uns als Vorgeschichte zu "Der Botaniker" angeführt, welcher zuerst auf Deutsch übersetzt wurde. Im Englischen ist jedoch "Der Zögling" eindeutig der erste Band und überraschender Weise ist "Der Botaniker" bereits der fünfte Band der Reihe. Warum der Verlag die Thriller nicht der Reihe nach übersetzt hat, ist mir ein Rätsel. Aber ähnliches gab es ja auch schon bei den Büchern von Steve Cavanagh. Ich bin jedoch froh, dass ich nun mit dem ersten Band angefangen habe und Washington Poe kennenlerne.
Der Fall rund um den Serientäter, der seine Opfer verbrennt, ist komplex. Der Mörder ist den Ermittlern immer eine Stück voraus und der Plot ist grandios ausgedacht. Bis man erkennt, wie die Morde zusammenhängen und welches Konstrukt dahintersteckt, dauert es, denn der Autor hat zahlreiche Twists eingebaut. Der Hintergrund ist erschreckend und brutal.
Die Charaktere sind teilweise eigenwillige Persönlichkeiten. Washington Poe ist ein Einzelgänger, ein großartiger Ermittler, aber er nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Außerdem schert er sich nicht im Geringesten um Gesetze. Gerechtigkeit ist ihm wichtig. Sein erstes Zusammentreffen mit Tilly Bradshow läuft nicht ganz so, wie gedacht....
Daraus entwickelt sich jedoch eine ganz besondere Freundschaft und die beiden werden ein richtig tolles Ermittlerteam. Die Dynamik zwischen Washington und Tilly hat mir richtig gut gefallen.
Mit Tilly Bradshow hat der Autor einen tollen und sehr interessanten Charakter entworfen. Während ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten sehr unterentwickelt sind, ist sie als Datenanalystin eine echte Koryphäe. Sie zeigt autistisches Verhalten und nimmt alles wortwörtlich. Ihre Entwicklung hat mir besonders gut gefallen.
Aber auch die anderen Figuren wurden lebendig beschrieben und man konnte sich ein gutes Bild der Charaktere machen. Das Setting in Cumbria war ebenfalls bildhaft dargestellt und ich konnte mir die raue Landschaft im Norden Großbritanniens sehr gut vorstellen.
Trotz einiger sehr grausam beschriebenen Szenen kommt auch der trockene englische Humor durch, den ich sehr mag.
Der Schreibstil ist fesselnd und atmosphärisch. Probleme hatte ich jedoch mit dem Wort "Brandopferer". Gibt es das Wort im Deutschen überhaupt? Ich bin jedes Mal beim Lesen irgendwie darüber gestolpert und es hat mich aus dem Lesefluss gerissen.
Am Ende wird es rasant und die Lage spitzt sich zu. Der Spannungsbogen führt stetig bergauf und man legt den Thriller nur schwer weg.
Fazit:
Ein klassischer Ermittlerkrimi mit grausamen Sequenzen, einem komplexen Plot und einigen Twists, die überraschen. Ich werde in der Reihe sicher weiterlesen und empfehle "Der Zögling" gerne weiter.