Nihts für schwache Nerven
KrähentageAuf "Krähentage" bin ich nicht nur bei Lovelybooks, sondern auch an anderen Social Media Kanälen nicht vorbei gekommen. Nachdem ich zuerst etwas skeptisch war, habe ich mir den Thriller dann doch von meiner ...
Auf "Krähentage" bin ich nicht nur bei Lovelybooks, sondern auch an anderen Social Media Kanälen nicht vorbei gekommen. Nachdem ich zuerst etwas skeptisch war, habe ich mir den Thriller dann doch von meiner Bücherei geholt.
Es ist der erste Teil einer Reihe rund um Jakob Krogh und Mila Weiss, die zur neuen Einheit "Gruppe 4" gehören, die im Fall von Serientätern ermitteln.
Gleich bei ihrem ersten Fall, der sich mit Überfällen auf Frauen in ihrer eigenen Wohnung beschäftigt, stoßen sie auf einen weiteren Todesfall. Eine alte Frau, die neben dem letzten Überfallsopfer wohnt, wird tot aufgefunden. Sie scheint einige Tage in ihrer Wohnung gelegen zu haben, wurde aber nach dem Todeszeitpunkt von Zeugen gesehen. Wie ist das möglich? Kurze Zeit später findet man einen toten Studenten, der ebenfalls nach seinem Tode an der Uni gesehen wurde. In beiden Fällen waren agressive Krähen am Tatort. Nicht nur diese Tatsache, sondern auch die vermeintlichen Sichtungen der Opfer, stellt die Ermittler vor Rätsel.
Was für eine interessante Thematik! Wie kann es sein, dass bereits getötete Menschen von Zeugen lebendig gesehen werden? Und was hat es mit den Krähen auf sich?
Benjamin Cors legt mit seinem ersten Fall ein wahrlich spannendes und düsteres Thrillerdebüt hin. Die Einblicke in die Morde sind brutal, denn der Autor beschreibt diese sehr bildhaft. Für Leser mit schwachen Nerven ist "Krähentage" daher weniger zu empfehlen, denn vorallem die Übergriffe der Krähen auf die Todesopfer wird sehr plastisch beschrieben.
Als Leser lernen wir den Täter bereits früh kennen. Trotzdem bleibt die Spannung auf sehr hohem Niveau bestehen. Gegenüber den Ermittlern ist man also im Vorteil, auch wenn man nichts über die Hintergründe und die Motive des Täters erfährt. Man tappt lange Zeit im Dunkeln. Einige Überraschungsmomente und Wendungen halten den Leser in Atem. Die Krähen schaffen zusätzlich eine düstere und bedrohliche Atmosphäre.
Einen Aspekt des Falles (die Sichtung der Toten) konnte ich mir nur sehr schwer vorstellen. Benjamin Cors erklärt es zwar richtig gut und theoretisch ist es auf jeden Fall machbar, aber praktisch stelle ich mir das sehr schwer vor. Leider kann ich dazu nicht mehr sagen, sonst würde ich spoilern.
Auch bei den Figuren greift der Autor auf sehr unterschiedliche Charaktere zurück. Vorallem Mila Weiss, die über ihr Privatleben kaum etwas preisgibt und Altballast von ihrem ehemaligen Arbeitsplatz in Wien mitgeschleppt hat, ist ein komischer Kauz und sehr zurückhaltend. Der Rest der neu gegründeten Gruppe 4 bleibt allerdingss sehr blass. Man bekommt über jeden Charakter ein paar Häppchen hingeschmissen, aber das ist viel zu wenig, um sich ein Bild von Jakobs und Milas Kolleg:innen zu machen. Sie bleiben zu sehr an der Oberfläche.
Das Ende war mir etwas zu dick aufgetragen, jedoch fand ich den Spannungsbogen immer sehr hoch und den Schreibstil fesselnd.
Während das Geheimnis um Mila (noch) nicht gelüftet wird, erfahren wir das von Jakob. Richtig stimmig war es für mich allerdings nicht.
Fazit:
Ein spannender und brutaler Thriller, der für die Folgebände noch ein bisschen Luft nach oben hat, was die Ermittlergruppe betrifft. Schreibstil und Spannungsaufbau waren gelungen, Auflösungen manchmal etwas too much. Nicht für Leser mit schwachen Nerven!