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Veröffentlicht am 15.09.2022

Zu viele Handlungsstränge

Todesspiel. Die Nordseite des Herzens
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"Todesspiel - Die Nordseite des Herzens" ist mein allererster Buchgewinn bei vorablesen. Die Leseprobe und der Klappentext haben mich sofort in den Bann gezogen und ich freute mich sehr auf diesen Thriller. ...

"Todesspiel - Die Nordseite des Herzens" ist mein allererster Buchgewinn bei vorablesen. Die Leseprobe und der Klappentext haben mich sofort in den Bann gezogen und ich freute mich sehr auf diesen Thriller. Das Buch ist die Vorgeschichte zur gefeierten "Baztan-Trilogie" rund um Inspectora Amaia Salazar der Policia Foral in Navarra. Auf diese Trilogie bin ich nämlich schon vor einiger Zeit aufmerksam geworden, doch leider gibt es selbst bei Plattformen, die gebrauchte Bücher verkaufen, nur selten ein Exemplar.

In "Todesspiel - Die Nordseite des Herzens" ist Amaia Salazar noch sehr jung und Subinspectora. Sie nimmt im Rahmen eines Austauschprogrammes europäischer Polizisten an Seminaren in der FBI-Zentrale in Quantico, Virginia, teil. Bei der gestellten Aufgabe sollen die Teilnehmer das Profil eines Serienkillers erstellen, der immer wieder kurz nach gewaltigen Naturkatastrophen zuschlägt und ganze Familien ermordet. Der leitende FBI Agent Dupree wird auf Amaia aufmerksam und nimmt sie für diese spezielle Mordermittlung in sein Team auf.
Als in Oklahoma ein Tornado wütet und daraufhin wieder eine sechsköpfige Familie ermordet aufgefunden wird, gibt es erstmals einen Zeugen. Der Nachbarsjunge wird vom Tornado überrascht und versteckt sich in der Scheune der Familie, wo er einen Mann mit einem Koffer sieht, der sich dem Haus der Nachbarn nähert....

Der Thriller begann für mich richtig spannend und nahm mich sofort gefangen. Leider blieb diese Spannung nicht aufrecht. Nachdem Amaia und das restliche Team ein System hinter den Morden erkennen können, machen sie sich auf nach New Orleans, wo Hurrican Katrina erwartet wird. Sie sind überzeugt, dass der Mörder sich ebenfalls auf den Weg in die Wiege des Jazz und des Okkultismus macht.
Hätte Redondo diesen Handlungsstrang alleine fortgesetzt, wäre der Thriller wesentlich spannender geworden, als er im Endeffekt wurde. Ich fand die Beschreibungen dieses unglaublich zerstörerischen Hurrikans im Jahre 2005 wirklich interessant. Die Handlung rund um die Vorbereitungen des zu erwartenden Wirbelsturms und die Tage während und danach sind sehr atmosphärisch beschrieben. Die Autorin hat die tragischen Ereignisse und die menschlichen Tragödien sehr empathisch beschrieben. Zusätzlich fand ich den Strang um den Familienmörder wirklich sehr interessant und war neugierig, was ihn antrieb immer gleiche Familienkonstellationen für seine Taten auszuwählen.

Doch Dolores Redondo belässt es nicht bei diesem einen Fall. Sie öffnet weitere zwei Handlungsstränge und verspielt bei mir ihren Bonus. In episodischen Rückblenden erleben wir einige verstörende Ereignisse in Amais Kindheit im spanischen Baskenland. Im zweiten Strang greift die Autorin eine Verbrecherserie in New Orleans auf, bei der Agent Dupree vor zehn Jahren ermittelte und die ihm zwei ermordete Kollegen kostete. Nun ist Dupree zurück in New Orleans und versucht diesen Fall ebenfalls abzuschließen. Bei diesen Ermittlungen kommt es auch zu einigen mystischen und okkultischen Details....schließlich sind wir in New Orleans.
Und so beginnt sich der Thriller zu ziehen und die über 600 Seiten wollten einfach nicht enden....
Dabei ist der Schreibstil wirklich angenehm, lässt sich sehr gut lesen und hat Bilder in meinem Kopf entstehen lassen. Auch die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und haben mir gefallen.

Eine Kürzung des Buches hätte der Geschichte wirklich gut getan. Mit drei Handlungssträngen wollte die Autorin meiner Meinung nach einfach zu viel.
Der Thriller erscheint am 14. September.


Fazit:
Ein Thriller, der richtig spannend beginnt und danach durch die vielen Themen und Schauplätze sehr verliert. Wäre die Autorin bei einem Thema geblieben und hätte nicht drei Handlungsstränge auf über 600 Seiten gepackt, hätte ich eine Leseempfehlung ausgesprochen. So kann ich leider nur sagen, dass ich das Buch gerne gelesen habe, aber es mich nicht hundertprozentig überzeugen konnte. Für mich war es zu überladen und es gab zu viele Längen.

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Veröffentlicht am 13.09.2022

Eher eine Bruchlandung

Die Wolkenstürmerin
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Angesprochen vom Klappentext und der Leseprobe freute ich mich sehr, als ich über vorablesen diesen historischen Roman lesen durfte.
Wir lernen die Familie Lilienthal in Hamburg kennen, deren Flugzeugbaufirma ...

Angesprochen vom Klappentext und der Leseprobe freute ich mich sehr, als ich über vorablesen diesen historischen Roman lesen durfte.
Wir lernen die Familie Lilienthal in Hamburg kennen, deren Flugzeugbaufirma nach dem Krieg und den Tod der Firmeneigentümer kurz vor dem Bankrott steht. Tochter Marlene, die fünfzig Prozent der Firma besitzt, möchte jedoch die Firma retten und gibt die Hoffnung nicht so schnell auf. Sie plant mit der Gründung eines Flugtaxiunternehmens die Firma aus den roten Zahlen zu bringen. Doch noch scheint die Zeit nicht reif für eine Frau als Geschäftsinhaberin und Pilotin. Marlene erfährt aber auch Gegenwind aus der eignen Familie. Kann sie ihre Pläne durchführen?

Dieser Ausgangspunkt hat mich gereizt mehr über Marlene, übrigens eine fiktive Figur, die von der Autorin den berühmten Namen des ehemaligen Luftfahrtpionier bekommen hat, zu erfahren. Ich erwartete eine starke junge Frau, die in Zeiten des Wirtschaftswunders die Männerwelt überzeugen kann und zur titelgebenden Wolkenstürmerin wird (der Titel wurde kurz vor der Veröffentlichung von "Die Himmelsstürmerin" in "Die Wolkenstürmerin" umbenannt).
Ich mag übrigens auch das Cover, das wie ein Filmplakat aus den Fünfziger Jahren wirkt.

Die ersten Seiten gehen auf das Thema rund um das Flugtaxiunternehmen ein, doch dann fährt Marie an die Ostsee ins Wochenendhaus ihrer Eltern und trifft dort auf einen mysteriösen Mann, in dem sie sich augeblicklich verliebt. Und schon war das Augenrollen bei mir groß! Ab diesen Zeitpunkt steht nur mehr dieser gutaussehende Mann im Mittelpunkt und die Liebesgeschichte nimmt immer mehr Raum ein.
Hätte ich einen Liebesroman lesen wollen, dann hätte ich auch dazu gegriffen. Bei diesem Klappentext hatte ich jedoch etwas anderes erwartet. Zusätzlich baut Birgit Zimmermann noch eine Ost-West Thematik ein und öffnet einen weiteren Handlungsstrang.

Die Geschichte über das Unternehmen und den Versuch dieses zu retten, rückt damit immer mehr in den Hintergrund. Auch die aufkommenden Herausforderungen und Konflikte werden von der Autorin viel zu schnell und ohne größere Probleme gelöst. Die Handlung wirkt hier zum Teil etwas oberflächlich und vorhersehbar. Zum Ende hin wird es etwas spannender, wenn die Ost-West Situaton zu eskalieren beginnt.

Trotz des spannenderen letzten Abschnitt bleibt dieser Roman hinter meinen Erwartungen zurück und ich vergebe gerade noch 3 Sterne. Ich empfehle das Buch denjeningen, die eine Liebesgeschichte mit kleinen historischen Bezügen suchen.

Fazit:
Für mich war es viel zu viel Liebesgeschichte und zu wenig Kampf um das Firmenunternehmen. Auch blieb die Handlung sehr an der Oberfläche. Wer lieber einen Liebesroman liest, kann hier zugreifen. Wer jedoch einen guten historischen Roman mit einer starken Frau im Mittelpunkt sucht, sollte die Hände davon lassen.

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Veröffentlicht am 12.09.2022

Ruhig und atmosphärisch

Drei Tage im August
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Berlin 1926. Die Hauptstadt fiebert den Olympischen Spielen entgegen und entlang des Prachtboulvards "Unter den Linden" wehen die Hackenkreuzfahnen um die Wette. Die ausländische Touristen versuchen sich ...

Berlin 1926. Die Hauptstadt fiebert den Olympischen Spielen entgegen und entlang des Prachtboulvards "Unter den Linden" wehen die Hackenkreuzfahnen um die Wette. Die ausländische Touristen versuchen sich ein Bild von Berlin unter Hitler zu machen, während sämliche judenfeindliche Aktionen fürkurze Zeit von der Bildfläche verschwunden sind. Die Stadt Berlin zeigt sich zur Olympiade weltoffen. Die internationalen Besucher schwadronieren entlang den Linden und der eine oder andere kehrt in die Chocolaterie Sawade ein.
Verkaufsleiterin und Prokuristin Elfie Wagner führt mit Hingabe das Geschäft und steht dabei auch selbst hinter dem Tresen. Sie lebt für ihre Arbeit und den Duft von Schokolade. Privatleben kennt sie keines, denn sie lebt zurückgezogen und ihr stetiger Begleiter ist die Schwermut. Die lieblose Erziehung ihrer Großmutter hat sie verinnerlicht, die ihr immer wieder vor Augen geführt hat, wie wertlos sie sei. Doch eines Tages bittet sie Madame Conte, die im obersten Stockwerk wohnt und sich regelmäßig mit den feinsten Trüffeln beliefern lässt, zu sich. Sie erzählt ihr ihre Lebensgeschichte, die das Geheimnis des Hauses Sawade enthält.

Wir befinden uns als Leser im Umkreis der Berliner Prachtstraße und verweilen dort ganze drei Tage. Dabei lernen wir einige Menschen kennen, die tagtäglich dort arbeiten oder wohnen. Darunter Madame Conte, die oberhalb der Chocolaterie wohnt und wegen ihres hohen Alters und körperlichen Gebrechen nicht mehr ihre Wohnung verlassen kann. Umsorgt wird die ehemals elegante französische Witwe von ihrer Haushälterin Marie. Ihre Geschichte fand ich sehr interessant und hat mir gut gefallen.
Neben der Chocolaterie befindet sich die Buchhandlung von Franz Marcus. Als Jude spürt er bereits die Repressalien und Übergriffe der Nazis gegen alles jüdische. Soll er Berlin und Deutschland verlassen? Er hat bereits ein Schreiben der Behören erhalten, dass sein Laden einem arischen Nachfolger übergeben werden soll. Auch dem Halbägypter Issa El Hamady, der in Berlin aufgewachsen ist, ergeht es ähnlich. Seine Bar läuft zur Zeit eher schlecht. Von den Menschen wird er bestenfalls geduldet und toleriert, obwohl die Nazis bei ihm als Stammkunden ein- und ausgehen.
Außerdem begleiten wir den jungen Pagen Heiner, der vom Land nach Berlin kommt um seine Ausbildung zu machen, sowie Museumwärter Erwin, der sich wehmütig an die Kunst von Käthe Kollwitz und Max Liebermann erinnert, die als entarte Kunst im Keller verbannt wurde.
Aber auch Leierkastenmann Willi, Blumenmädchen Rosa und Verkäuferin Trude gehören zur kleinen Gemeinschaft mit ihren eigenen Geschichten.

Zu Wort kommen auch die Linden, die über die Veränderungen der letzten Jahre nachdenken. Ihre Erinnerungen werden als kurze Einschübe zwischen den einzelnen Episoden dargestellt. Diese etwas unkonventionelle Sicht hat mir einerseits gefallen, andererseits unterbricht sie immer wieder den Lesefluss.

Als Leser begleitet man die Protagonisten über drei Tage im August. Dabei erhält man einen kleinen Einblick in das Leben von diesen Menschen, sowie deren Sorgen, Ängste, Träume und Hoffnungen.

Der Roman ist sehr ruhig und man muss sich etwas in Geduld üben, bis der Funke überspringt - mir erging es jedenfalls so. Doch danach taucht man in eine Geschichte voller Poesie ein, die atmosphärisch diese Zeit wunderbar einfängt.
Dabei kommt es zu keinen großartigem Spannungsbogen und manche Handlungsstränge verlaufen im Sand und werden nicht auserzählt. Alleine durch die raschen Perspektivwechsel wird man als Leser neugierig, was weiterhin passieren wird. Doch das im Klappentext angekündigte Geheimnis ist nicht wirklich dramtisch. Der Roman lebt hauptsächlich durch die Sprache, die die Ereignisse untermalt.

Die einzelnen Kapitel sind jeweils aus der Sicht einer Person geschrieben und mit Datum und Tageszeit gekenntzeichnet. Der wunderschöne farbige Buchschnitt ist neben dem Cover ein besonderer Hingucker.

Fazit:
Ein sehr leiser Roman, der die besondere Stimmung zur Zeit der Olympiade in Berlin einfängt und mit einer wunderbaren Atmosphäre punktet. Neben dem allgegenwärtigen Geruch von Schokolade, spürt man auch die Ängste und Zweifel der Bewohner der Hauptstadt. Für diesen Roman sollte man den richtigen Zeitpunkt finden, um ihn genießen zu können.

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Veröffentlicht am 11.09.2022

Mysteriöse Todesfälle

Der Märchenkönig
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Im vierten Band rund um Kommissar Tom Perlinger tauchen wir in die Geschichte um den Märchenkönig Ludwig II. von Bayern ein. Historie und Gegenwart hat Sabine Vöhringer wieder großartig verbunden und mich ...

Im vierten Band rund um Kommissar Tom Perlinger tauchen wir in die Geschichte um den Märchenkönig Ludwig II. von Bayern ein. Historie und Gegenwart hat Sabine Vöhringer wieder großartig verbunden und mich neugierig auf die Hintergründe zum Tode von Ludiwg II. gemacht.

Ich empfehle diese Reihe von Beginn an zu lesen, denn die Krimis sind etwas komplex und der Familien- und Bekanntenkreis unseres Hauptkommissars ist groß. Zusätzlich gibt es immer wieder Verbindungen zu den Vorgängerbänden
Als Tom Perlinger stellvertretend für seinen Bruder die Goldene Bürgermedaille in Empfang nehmen soll, wird er zu einem Einsatz in der Nähe gerufen. Unweit des Kaisersaals, wo die Verleihung stattfindet, werden im Köglmühlbach zwei Leichen gefunden. Es handelt sich dabei um den exzentrischen Louis von Schönfeld, der nicht umsonst "Märchenkönig" genannt wird und um seinen Psychiater Siegmund Berg. Die Todesumstände zwischen Louis und dem echten Märchenkönig Ludwig II. sind ähnlich und stellen alle vor ein Rätsel, denn es gibt keine Spuren für ein Gewaltverbrechen. Dass es sich trotzdem um Mord handeln muss, ist allen klar...doch wie hat der Täter gemordet? Und warum?

Während sich Tom immer wieder diese Fragen stellt, treiben ihn auch private Sorgen um. Die Beziehung zu Christl läuft momentan alles andere als gut und der Fall rund um den Brand des Wirtshauses von seinem älteren Halbbruders Max ist noch immer ungeklärt. Deshalb tut ihm Ablenkung gut, auch wenn sich Christl deshalb vernachlässigt fühlt. Sie hat durch den Brand damals nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihren Arbeitsplatz verloren. Gedanken macht sie sich auch über ihren Vater Blasius, der gerade in München weilt und anscheinend in Schwierigkeiten steckt.

Mir dauerte es diesmal etwas zu lange bis der Krimi an Fahrt aufnimmt. Es gibt viele private Verwicklungen und die Ermittlungen laufen auf der Stelle. Erst im letzten Drittel nimmt der Krimi dann sehr an Fahrt auf und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen bis ich die letzte Seite zugeschlagen hatte. Die Parallele zum Tod von Ludwig II. wurde geschickt zum Spannungsaufbau genutzt. Ein fulminantes Ende, das mich mit dem Krimi wieder etwas versöhnt hat.

Schreibstil:
Sabine Vöhringer schreibt sehr bildhaft und detailliert. Lokalkolorit spielt eine große Rolle und trotzdem tritt dabei der Kriminalfall nicht in den Hintergrund.
Klappt man die Broschur auf, findet man einen skizzierten Stadtplan von München mit den markanten Stellen, die in der Geschichte erwähnt werden. Am Ende findet man eine kleine Aufstellung des Ermittlerteams rund um Tom und Jessica, die vorallem für Neueinsteiger wichtig sind.

Fazit:
Ein Krimi, der für mich zu spät an Fahrt aufnahm, aber mit Lokalkolorit und einem sehr interessanten Thema punkten kann. Zusätzlich mag ich das Team rund um Tom und Jessica sehr und bin schon auf den Nachfolgeband gespannt.

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Veröffentlicht am 09.09.2022

Leichter und warmherziger Sommerroman

Vier Frauen und ein Garten voller Glück
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Letztes Jahr habe ich von Lucinde Hutzenlaub "Drei Frauen und ein Sommer" gelesen, das mich sehr gut unterhalten hat. Von ihrem neuen Roman habe ich mir ähnliches erwartet: Wohlfühlroman mit tiefgründigen ...

Letztes Jahr habe ich von Lucinde Hutzenlaub "Drei Frauen und ein Sommer" gelesen, das mich sehr gut unterhalten hat. Von ihrem neuen Roman habe ich mir ähnliches erwartet: Wohlfühlroman mit tiefgründigen Sequenzen. Doch diesmal fehlte es mir etwas an Tiefe...

Im Prolog lernen wir eine jugendliche Juli kennen, die den Heiratsantrag ihres Freundes Erik ablehnt. Die Landschaftsgärtnerin fühlt sich noch nicht reif für die Ehe und sucht ihr Glück in der weiten Welt. Als persönliche Assistentin eines exzentrischen Opernsängers ist sie immer auf Achse. Erst als ihre Mutter Polly erste Anzeichen einer beginnenden Demenz zeigt, erwägt sie nach Jahren eine kurze Auszeit zu nehmen. Im Haus von Martha, deren verwunschenen Garten Juli vor langer Zeit angelegt hat, soll Polly in Zukunft mit Martha und Lissi in einer WG wohnen. Die drei rüstigen älteren Damen sehen allerdings bald ein, dass sie etwas Hilfe benötigen. daraufhin schaltet Juli ein ein Inserat, um eine Haushaltshilfe zu finden, die ihnen unter die Arme greift. Mit Nicola Kramer hat sie die perfekte Person gefunden und auch die drei Ladies sind begeistert....

Lucinde Hutzenlaubs neuer Roman ist leichte Sommerlektüre mit einer Prise Humor. Dieser zieht sich durch die ganze Erzählung und hat mich beim Lesen gut unterhalten. Trotzdem habe ich auch einige Kritikpunkte.
Die Figuren sind von der Autorin sehr lebendig und realistisch gezeichnet worden. Nicht alle sind sofort sympathisch, sondern haben auch ihre Macken und Eigenheiten.
Juli, unsere Hauptprotagonistin, benimmt sich im Laufe des Romans in manchen Situationen nicht wie eine Frau mittleren Alters, sondern wie ein Teeanger. Deswegen hat sie von mir weniger Sympathiepunkte erhalten. Auf der anderen Seite hat mir Juli aber auch richtig leid getan, wenn ihr exzentrischer und egoistischer Arbeitgeber, der Opernsänger Sascha Jakov, mit Anforderungen und Wünsche antanzte, bei denen man nur den Kopf schütteln kann.
Nicola hingegen ist ein richtiger Schatz. Seine Geduld ist bemerkenswert und sein Einsatz bei den "Golden Girls" einfach bezaubernd. Seinen Hund Miles habe ich ebenfalls sofort ins Herz geschlossen.
Die drei älteren WG-Damen sind Originale, bei denen man selbst gerne einziehen möchte. Nur Martha hat öfters den Stinkstifel raushängen lassen und eine Aktion von ihr hat mir ebenfalls nicht gefallen. Von den lustigen Ladies hätte ich gerne noch mehr gelesen, während das Hin und Her zwischen Juli und Nic und ihre Arbeit für mich zu viel Raum einnimmt.

Den Humor von Lucinde Hutzenlaub fand ich auch letztes Jahr in "Drei Frauen und ein Sommer", wie auch in den beiden Sachbüchern "Ich dachte sie ziehen nie aus" und "Ich dachte älter werden dauert länger", die sie gemeinsam mit Heike Abidi geschrieben hat, einfach großartig. Auch diesmal kommt dieser wieder zu tragen und hat mich gut unterhalten. Jedoch ließ die Kommunikation zwischen den einzelnen Figuren manchmal sehr zu wünschen übrig. Wie oft habe ich mir gedacht: Bitte sprecht doch endlich miteinander! Andererseits wäre diese Geschichte dann auch viel zu schneller zu Ende, als von Leser und Autorin erwünscht.

Die Umgebung von München und Stuttgart wird sehr bildhaft beschrieben. Dabei habe auch ich mich in den traumhaften Garten von Marta und in den kleinen Kater Elvis verliebt. Die Bezüge zur Musikwelt haben mich genauso überzeugt.

Am Beginn des Romans gibt es ein kleines Personenverzeichnis mit Charakterbeschreibungen, welches ich sehr gelungen finde!

Fazit:
Ein leichter und warmherziger Sommerroman mit viel Herz und Humor, der für mich nicht ganz an die letzte Geschichte der Autorin herankommt. Zum Abschalten und genießen - war nett, aber auch nicht mehr.

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