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Veröffentlicht am 16.04.2022

Blieb mir viel zu sehr an der Oberfläche

Neuanfang in Little Cove
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Rachel O'Brien möchte nach der Trennung von ihrem Freund Jake und dem Tod ihres Vaters einen Neuanfang wagen. Die frisch gebackene Lehrerin hat wegen ihrer privaten Turbulenzen verabsäumt sich für eine ...

Rachel O'Brien möchte nach der Trennung von ihrem Freund Jake und dem Tod ihres Vaters einen Neuanfang wagen. Die frisch gebackene Lehrerin hat wegen ihrer privaten Turbulenzen verabsäumt sich für eine Stelle als Französisch Lehrerin zu bewerben. Übrig bleibt ein Job in einem kleinen Dorf namens Little Cove in Neufundland. Als Rachel ankommt, muss sie feststellen, dass der Ort aus nur 389 Einwohnern besteht. Privatsphäre ist ein Fremdwort. Zusätzlich gelten in Little Cove sehr strenge moralische Regeln und auch die Religion spielte bei der Jobausschreibung eine große Rolle. Die Dorfbewohner sind der neuen Lehrerin aus der Stadt nicht unbedingt freundlich gesinnt, was Zettelchen mit bösen Zeilen auf ihrem Auto immer wieder unterstreichen. Auch in der Schule läuft es anfangs nicht wirklich gut und bald fällt Rachel die Decke auf dem Kopf. Einzig Doug, ihr Kollege, scheint ihr gut gesinnt zu sein....

Der Roman spielt in den Achziger Jahren, falls sich jemand wundern sollte, dass Handy und Computer in der Geschichte nicht vorkommen ;) Ich finde es erfrischend, endlich wieder einen "Gegenwartsroman" zu lesen, in dem die Sozialen Medien nicht omnipräsent sind.
Der Einstieg hat mir gut gefallen, denn die Autorin hat Little Cove sehr bildhaft beschrieben und seine Einwohner mit vielen Ecken und Kanten ausgestattet. Viele davon sind schon eher schrullig und passen perfekt für einige amüsante Vorkommnisse. Es dauert etwas bis Rachel von den Einwohnern mehr und mehr akzeptiert wird. Sie macht im Laufe der Geschichte eine große Wandlung durch, was mir sehr gut gefallen hat.
Die Autorin streut viele regionele Traditionen mit ein und legt viel Wert auf die eigene Sprache/Dialekt, sowie auf die neufundländlische Musik. Dieses Lokalkolorit mag ich sehr.
Das war es dann leider auch schon mit der positiven Kritik.

Ich mag zwar keine kitschigen Liebesgeschichten, aber hier konnte ich überhaupt keine romantischen Vibes spüren. Die meiste Zeit fragte ich mich, wo die angekündigte Romantik bleibt und ob der sogenannte "Love Interest" überhaupt einer war. Doug blieb mir völlig fremd und war mir auch nicht unbedingt sympathisch. Für mich wäre der Roman besser gewesen, wenn er als Love Interest gar nicht vorgekommen wäre, denn dann hätte ich nicht laufend über sein Benehmen den Kopf geschüttelt und mich am Ende gefragt, wie man auf diese dämliche Ausrede kommt, die er am Ende benutzt. Wer die Geschichte gelesen hat, weiß was ich meine. Für mich war diese absolut an den Haaren herbeigezogen. Ich lebe selbst in einem kleinen Dorf, aber ich denke so etwas würde hier niemanden einfallen...

Ich habe bereits einige Romane gelesen, die in kleinen Orten spielen. Bisher haben alle eine wunderbare Wohlfühlatmosphäre versprüht (denke da zum Beispiel an Red Wood Love....). In Little Cove würde ich jedoch nach spätestens zwei Tagen reißaus nehmen!
Für mich war "Neuanfang in Little Cove" leider nicht wirklich der erwartete Wohlfühlroman und hatte viele Logikfehler. Sehr schade!


Fazit:
Der Einstieg in die Geschichte fand ich gelungen und auch die bildhafte Szenerie Neufundlands hat die Autorin sehr lebendig dargestellt. Jedoch flachte der Roman immer mehr ab und konnte mich nicht mehr richtig überzeugen. Auch die angebliche Romantik habe ich vergeblich gesucht. Für mich war das eher nichts...

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Veröffentlicht am 15.04.2022

Familiensaga um einen Kosmetikkonzern

Das Goldblütenhaus - Der Ruf einer neuen Zeit
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Der Roman beginnt mit einem Prolog, der in die Vergangenheit führt und die Entstehung der einzigartigen Goldblütencreme erzählt, die zum großen Erfolg des Kosmetikkonzern Glanz geführt hat.
Danach sind ...

Der Roman beginnt mit einem Prolog, der in die Vergangenheit führt und die Entstehung der einzigartigen Goldblütencreme erzählt, die zum großen Erfolg des Kosmetikkonzern Glanz geführt hat.
Danach sind wir zurück in der Gegenwart und begleiten Leonie, eine der Enkelinnen des Firmengründers. Leonie und ihre Familie durchleben gerade eine schlimme Zeit, denn Alexander Glanz, ihr älterer Bruder, ist tot. Die Zwillingsschwestern Ella und Leonie führen nach dessen Tod das Unternehmen weiter. Um den Spekulationen zum Tod von Alexander Glanz, der aus dem Bürofenster gestürzt ist, ein Ende zu bereiten, hat Leonie die Idee eine Firmenchronik zu veröffentlichen. Doch Hedi Glanz, die Mitbegründerin des Kosmetikkonzerns, ist alles andere als erfreut. Sie scheint seit Jahrzehnten ein Geheimnis zu haben, das nicht ans Licht kommen soll. Obendrein taucht beim Begräbnis von Alexander Leonies Jugendliebe Michael wieder auf.....

Der Einstieg in die Geschichte rund um die Familie Glanz fiel mir leicht. Die bildhafte Erzählweise hat sehr schnell Bilder im Kopf erzeugt. In diesem ersten Band ist Leonie die Hauptfigur, die gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Ella das Familienunternehmen führt. Durch den Auftrag eine Familienchronik zu erstellen, versuchen die Beiden den Fokus rund um den Tod ihres Bruders Alexander wieder auf das Familienunternehmen zu richten. Allerdings werden mit der Zeit einige Geheimnisse offen gelegt, die eher nicht an die Oberfläche hätten gelangen sollen. Eines davon wird im ersten Teil gelöst, der Rest bleibt aber noch offen.

Von Zeit zu Zeit gibt es kurze Rückblenden in die Anfangszeit des Unternehmens, bei dem der Fokus auf Großmutter Hedi liegt, die ihren Mann in allen Belangen unterstützt hat. Man erfährt einiges über die Anfänge der Produkte und deren Vermarktung, was in den frühen Fünfziger Jahre nicht wirklich einfach war.
In einem zweiten Erzählstrang erzählt Michael, Leonies erste große Liebe, aus seiner Sicht. Nach Jahren im Ausland kehrt er nach München zurück und möchte in der alten Heimat sesshaft werden. Leonie hat er in all den Jahren nicht vergessen, doch diese ist verheiratet....

Dieser erste Teil der Familiensaga hat für mich noch ein kleines bisschen Luft nach oben gelassen. Die Einblicke in das Familienunternehmen sind interessant und mit den Figuren habe ich mitgelitten und mitgefiebert. In der Mitte ließ die Spannung etwas nach und einige Wendungen waren für mich vorhersehbar. Trotzdem habe ich mich in der Geschichte immer sehr wohl gefühlt. Das liegt vorallem am bildhaften Schreibstil der Autorin. Dieser ist der große Pluspunkt jeder Geschichte aus der Feder von Gabriela Gross aka Gabriele Diechler. Immer wieder verzaubert sie mich mit ihrem wunderbaren, intensiven und gefühlvollen Worten und ihrem Schreibstil, der sich von anderen Autor:innen abhebt. Man spürt die Verbindung, die sie zu ihren Figuren aufbaut und diese an die Leser weiter gibt. Einfühlsam und mit wunderbaren Zitaten geschmückt, die ich am liebsten alle anstreichen würde (in meinen Büchern wird allerdings nichts markiert, da bin ich viel zu pingelig), lässt sich die Geschichte rund um die Familie Glanz wunderbar lesen.

Die Charaktere sind Sympathieträger und haben fast nur gute Eigenschaften. Hier fehlte mir ein kleiner Antagonist, der etwas Drama ins Geschehen gebracht hätte. Aber vielleicht folgt der noch im zweiten Teil der Trilogie.

Die Autorin hat bei der gemeinsamem Leserunde der Lesejury mit all ihrem Herzblut kommentiert und sich wirklich für jeden Leser Zeit genommen...einfach wunderbar!

Fazit:
Ein interessanter Auftakt der Trilogie rund um den Kosmetikkonzern Glanz, der noch einige Fragen offen lässt und mich schon neugierig auf den Folgeband macht. Der einzigartige Schreibstil der Autorin macht jedes ihrer Bücher zu einem Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 12.04.2022

Von Spiritualismus und der braunen Gefahr

Der blonde Hund
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"Der blonde Hund", ist ein etwas merkwürdiger Titel für den dritten Fall von Ariel Spiro, der jedoch in der Geschichte Erklärung findet und auch zu den beiden Vorgängertitel passt.
Kerstin Ehmer hat mich ...

"Der blonde Hund", ist ein etwas merkwürdiger Titel für den dritten Fall von Ariel Spiro, der jedoch in der Geschichte Erklärung findet und auch zu den beiden Vorgängertitel passt.
Kerstin Ehmer hat mich mit ihrem ersten historischen Krimi dieser Reihe "Der weiße Affe" 2018 überzeugt. Seitdem warte ich immer schon gespannt auf Nachfolgebände,

Wir befinden uns in Berlin im Jahre 1925. Es ist November und ungemütlich. Früh am Morgen wird Kommissar Ariel Spiro an den Berliner Kanal gerufen, wo eine männliche Leiche aus dem Wasser gezogen wird. Der Mann ist gut gekleidet und wurde ausgeraubt. Doch ein Hämatom am Kopf erzählt, dass es sich anscheinend um Raubmord handelt. Unweit des Toten im Kanal wird ein schwer verletzter junger Mann gefunden, der zu Nike ins Insitut gebracht wird. Diese ist entsetzt, als sie die Misshandlungen am Jungenkörper sieht, der brutalst missbraucht wurde.
In der Zwischenzeit kann Spiro die Identität der Wasserleiche herausfinden. Der Tote ist ein Redakteur des „Völkischen Beobachter“ aus München. Ariel und sein älterer Kollege Bohlke werden mit dem Fall betraut und erkennen schnell, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Raubmord handelt. Die Spuren führen zu Parteimitglieder der NSDAP, für die der Redakteur geschrieben hat. Spiro stößt allerdings auf eine Mauer des Schweigens. Die Ermittlungen führen Spiro zuerst nach München und danach in die pommersche Sumpflandschaft zu einer Gruppe, die sich "Artamanen" nennt.

Nike findet währendessen in Berlin Interesse an Séancen und Astrologie. Durch ihren Bruder und dessen Freund gerät sie unfreiwillig in die Welt der Sado-Maso-Szene und gerät in große Gefahr. Dabei findet sie einen weiteren jungen Mann mit ähnlichen brutalen Misshandlungen, wie ihr Patient im Insitut.

Kerstin Ehmer hat mit einer großen Portion Berliner Lokalkolorit und guter Recherche zu den politischen Verhältnissen der damaligen Zeit einen spannenden historischen Krimi geschrieben. Schon in den Vorgängerbänden war ich mit Ariel Spiro und seiner Freundin Nike Fromm mitten drin im historischen Berlin der "wilden Zwanziger".
1925 ist die große Weltwirtschaftskrise überwunden und die Menschen verlieren sich im Spiritualismus und in körperlicher Freizügigkeit. Berlin ist voller bunter Vögel und Nike mitten drin. Das macht die Geschichte so schillernd und authentisch.

Der Spannunsgbogen leidet diesmal ein bisschen durch die vielen Schauplatzwechsel, dem vollen Leben in Berlin und dem historischen und zeitgeschichltlichen Kontext. Trotzdem bin ich gerne mit Ariel an diese Schauplätze gereist und habe mit schweren Herzen die dunklen Wolken, die bereits am Horizont lauern gesehen. Kerstin Ehmer zeichnet ein sehr realistisches Gesellschaftsbild dieser Jahre und hat wieder eine grandiose Milieustudie dieser Zeit vorgelegt.
Noch hält Spiro - trotz seiner Ermittlungen im Milieu der Nationalsozialisten - diese für völlig ungeährlich. Mit Bangen denke ich an die Zukunft, die wir als Leser im 21. Jahrhundert bereits kennen...

Fazit:
Bereits zum dritten Mal bin ich mit Ariel Spiro ins Berlin der Zwanziger Jahre gereist und war wieder fasziniert vom Schmelztiegel in dieser Stadt. Diesmal geraten sowohl er, als auch Nike, in große Lebensgefahr.
Der Spannungsbogen steigt diesmal erst zum Ende hin an. Trotzdem fand ich auch diesen Fall wieder äußerst gelungen.

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Veröffentlicht am 12.04.2022

Die Sprachlosigkeit der Erwachsenen

Die Molche
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Der Debütroman von Volker Widmann wirbt mit einer Empfehlung von Ewald Arenz. Sein Roman "Der große Sommer" hat mir damals sehr gut gefallen und war einer meine Lese-Highlights 2021. Bei "Die Molche" habe ...

Der Debütroman von Volker Widmann wirbt mit einer Empfehlung von Ewald Arenz. Sein Roman "Der große Sommer" hat mir damals sehr gut gefallen und war einer meine Lese-Highlights 2021. Bei "Die Molche" habe ich einen ähnlichen Coming-of-Age Roman erwartet, jedoch hab ich etwas ganz anderes bekommen.

Ein Sommer in Bayern in der Nachkriegszeit. Max und seine Familie sind Zuzügler und noch nicht in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Der Vater arbeitet in der Stadt und kommt nur am Wochenende nach Hause. Seine vier Kinder sind ihm eher Last als Freude.
Der im Klappentext angekündige Angriff auf den kleinen Bruder von Max passiert bereits auf den ersten Seiten. Man wird damit direkt in die Geschichte geworfen ohne vorher die Figuren kennenzulernen. Nach dem Tod seines kleien Bruder wird Max noch mehr zum Außenseiter und ist der gewalttätigen Schülergruppe rund um "Tschernik" ausgeliefert, die die Dorfkinder terrorisieren und auch verantwortlich für den Tod von Max Bruder sind. Während die Erwachsenen denken, dieser wäre an seinem schwachen Herzen gestorben, wissen die Kinder die Wahrheit. Max kämpft deswegen mit seiner Schuld seinem Bruder nicht geholfen zu haben. Als ein weiterer Mitschüler von der Bande drangsaliert wird, stellt sich Heinz der Tschernik Bande gegenüber und Max stellt sich dazu. Daraus entsteht eine Freundschaft zu der auch Rudi dazustößt. Die drei Jungen nehmen sich zum Ziel die Tyrannei von Tschernik und seiner Clique zu beenden. Unterstützung bekommen sie von Charlotte und Marga....

Gewalt und Sprachlosigkeit sind zwei Komponenten, die der Krieg hinterlassen hat. Die Kinder dieser Zeit sind größtenteils sich selbst überlassen. Falls der Vater aus dem Krieg heimgekehrt ist, ist er meistens gewalttätig. Diese Gewalt spielt im Roman eine große Rolle. Die Nachkriegszeit wird vom Autor sehr plastisch dargestellt.
Als Gegensatz erleben wir die Spaziergänge von Max in die Natur. Der Junge liebt seine Streifzüge durch den Wald und entdeckt eines Tages Molche, die er liebevoll studiert. Ein verlassenes Bahnhofshäuschen wird zum Treffpunkt der Freunde und mit Ellie versucht er sich an den ersten verstohlenen Fummeleien und erfährt seine erste Erfahrungen.

Der Schreibstil ist etwas eigen. Volker Widmann schreibt teilweise sehr lange Schachtelsätze, die sich über sechs bis zehn Zeilen ziehen. Oftmals verliert man dadurch den Überblick. Trotzdem sind die Naturbeschreibungen absolut gelungen und lassen die Pflanzenwelt vor meinen inneren Auge entstehen. Für einen elfjährigen Jungen, der aus seiner Sicht erzählt, sind sie jedoch viel zu erwachsen und nicht passend. Die Atmosphäre im Roman ist meistens bedrückend und melancholisch, bringt aber die damalige Zeit sehr authentisch rüber. Auch das Schweigen der Erwachsenen und den Umstand, dass die Kinder nicht damit umgehen können, ist gut wiedergeggeben.

Nicht gefallen haben mir die plötzlichen Perspektivwechsel, die nicht angekündigt sind. Auch fand ich nach den poetischen Naturbeschreibungen die plötzlichen sexuellen Handlungen von Max wie eine kalte Dusche und auch nicht angemessen für sein Alter.
Gestört hat mich auch eine Szene in der Sinti und Roma recht stereotyp dargestellt werden. Das muss nicht sein!
Gefehlt hat mir auch eine eventuelle Zeitangabe. Man hat keinerlei Informationen, ob sich der Roman über einige Wochen, Monate oder Jahre zieht. Ich tendiere eher zu Wochen oder einen Sommer lang, aber leider fehlen jegliche Informationen.
So richtig überzeugt hat mich der Roman leider nicht.

Fazit:
Ein noch etwas unausgegorener Coming-of-Age Roman über eine Kindheit in der Nachkriegszeit, die mich nicht richtig überzeugen konnte. Da es ein Erstlingswerk ist vergebe ich noch 3 Sterne. Gefallen haben mir die Naturbeschreibungen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit hat der Autor ebenfalls sehr gut dargestellt.

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Veröffentlicht am 11.04.2022

Mord im Tennisverein

Einstand
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Als der Immobilienmakler und notorische Frauenheld Alexander Baumann nach dem wöchentlichen Doppel mit seinen Tennisfreunden nicht zum gemeinsamen Abendessen im Club erscheint, macht sich noch keiner seiner ...

Als der Immobilienmakler und notorische Frauenheld Alexander Baumann nach dem wöchentlichen Doppel mit seinen Tennisfreunden nicht zum gemeinsamen Abendessen im Club erscheint, macht sich noch keiner seiner Freunde wirklich große Sorgen. Kurze Zeit später wird er jedoch mit mehreren Schusswunden tot in der Dusche des Tennisvereins gefunden.
Inspektor Felix Brunner ermittelt im Mordfall und entdeckt sehr schnell, dass der Tote, der zwar erfolgreich im Beruf war, viele Feinde hatte, die ein Mordmotiv hätten. Er recherchiert im privaten und im beruflichen Umfeld, jedoch scheinen alle ein Alibi zu haben oder kommen nach weiteren Ermittlungen nicht als Täter in Frage. Als ein zweiter Mord geschieht macht der Staatsanwalt Druck. Brunner soll endlich einen Täter präsentieren. Doch ihm fehlt ein richtiges Motiv für die Taten und ihm wird klar, dass auch die anderen Teilnehmer des wöchentlichen Herren-Doppels gefährdet sind....

Mit ihrem neuen Ermittler Felix Brunner hat Sonja Hauer einen interessanten Charakter geschaffen, auch wenn er anfangs etwas ruppig erscheint. Privat steckt er allerdings in einer Ehekrise, denn seine Frau ist kurzfristig ausgezogen und möchte eine Beziehunspause. Viel zum Nachdenken kommt er allerdings nicht, denn der Fall lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Zahlreiche Wendungen und falsche Fährten lassen den Leser fleißig mitraten. Verdächtige gibt es zuhauf, aber was ist das wirkliche Tatmotiv?

Der Krimi lässt sich flüssig lesen und hat einige typische österreichische Ausdrucksweisen, was mir als Österreicherin natürlich keine Probleme bereitet hat. Ich mag es, wenn man Lokalkolorit auch in der Sprache findet, denn hochdeutsche Dialoge, die in Österreich spielen, finde ich unglaubwürdig.

Der Spannungsbogen steigt permanent an und lädt zum Miträtseln ein. Die Charaktere sind facettenreich und authentisch. Der durchdachte Plot ist mit zahlreichen Wendungen gespickt und endet in einem grandiosen Finale. Das Ende ist gelungen und nachvollziehbar.

Nach "Zweitbesetzung" ist dies mein zweiter Krimi von Sonja Hauer und auch dieser hat mich wieder überzeugt. Gerne würde ich noch länger mit Felix Brunner ermitteln und hoffe auf eine Fortsetzung!

Fazit:
Ein spannender und kurzweiliger Krimi mit vielen Verdächtigen und unerwartenden Wendungen, die zum Miträtseln einladen. Sonja Hauer konnte mich auch mit "Einstand" wieder überzeugen. Ich hoffe auf baldigen Nachschub und empfehle diesen österreichischen Krimi gerne weiter!

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