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Veröffentlicht am 03.02.2021

Leider nur ein Fall von vielen...

Mein Fall
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Eine weitere Biografie, die ich schon vor Monaten gelesen habe und die sich ebenfalls mit dem Thema Kindesmissbrauch beschäftigt. Diesmal sind wir wieder bei der katholischen Kirche gelandet, die für viele ...

Eine weitere Biografie, die ich schon vor Monaten gelesen habe und die sich ebenfalls mit dem Thema Kindesmissbrauch beschäftigt. Diesmal sind wir wieder bei der katholischen Kirche gelandet, die für viele Fälle dieser Art bekannt geworden ist.

Josef Haslinger ist im niederösterreichischen Waldviertel aufgewachsen. Der Bauernsohn kommt aus einem christlichen Haushalt und war als Junge Minstrant, wie viele Kinder bei uns am Land. Zu dieser Zeit war es nur Jungen erlaubt zu minstrieren. Erst in den 2000 Jahren durften auch (in den Kirchengemeinden, die keinen erzkonservativen Prietser hatten) Mädchen als Minstranten aushelfen. Josef war sehr gläubig und sein Berufswunsch war demnach der eines Priesters. Mit seiner glockenhellen Stimme und seiner musikalischen Begabung fiel er jedoch auf und wurde Mitglied bei den berühmten Wiener Sängerknaben. Sein Glaube war ein wichtiger Bestandteil seines Lebens, der jedoch durch genau die Menschen, zu denen er aufgeblickt hatte, zerstört wurde. Erst sehr spät - und zwar nachdem seine Peiniger gestorben sind - legt er Zeugnis ab, was ihm damals im Konvikt des Stiftes Zwettl passiert ist. Haslinger wollte niemanden, der noch lebt, an den Pranger stellen.

»Meine Eltern hatten mich der Gemeinschaft der Patres anvertraut, weil mich dort das Beste, das selbst sie mir nicht geben konnten, erwarten würde. Ich habe sie heimlich oft verflucht, weil sie mich nicht darauf vorbereitet hatten, was dieses Beste sei …«

Manche Leser werden sich denken, dass der Autor viel zu spät mit seinen Bericht an die Öffentlichkeit ging und wie er sich nach so langer Zeit noch detailliert an einige Handlungen erinnern kann. Er hat sie jedoch bereits früher aufgeschrieben und solche einschneidenen Erlebnisse vergisst man sein Leben lang nicht. Ich möchte auf keinen Fall urteilen und ziehe den Hut, dass er sich dazu geäußert hat, was ihm damals widerfahren ist. Dabei wurden ihm auch genug Steine in den Weg gelegt, denn Haslinger versuchte schon früher auf die Missstände in der Kirche hinzuweisen. Er musste jedoch bald feststellen, dass sich das Interesse an Aufklärung und Entschädigung in überschaubaren Grenzen hielt.

Haslinger hat sich mit seiner Biografie endlich seiner Vergangenheit gestellt. Erschütternd liest man, wie der junge Sängerknabe vom zuerst väterlichen Freund und Priester manipuliert und später missbraucht wurde. Für Außenstehende sind die Beschreibungen manchmal vielleicht etwas nüchtern und sachlich, doch ich denke anders hätte der Autor nicht über seine Vergangenheit und die Seelenqualen, die er erleiden musste, schreiben können.
Man schließt das dünne Büchlein mit einem Gefühl von Wut im Bauch und kann verstehen, dass der Autor noch jahrzehntelang unter diesen Vorgängen zu leiden hatte.

Fazit:
Ein bewegender Rückblick in die Kindheit des Autors Josef Haslinger, der noch jahrezehntelang unter den psychischen und physischen Missbrauch zu leiden hatten. Leider nur ein Fall von zu vielen....

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Veröffentlicht am 02.02.2021

Roadtrip ins wahre Leben

Hannos Reise
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Dies ist mein zweiter Roman des Autors und wie auch "Für dich bricht meine Welt zusammen" fand ich die Geschichte glaubwürdig und wunderbar erzählt.
"Hannos Reise" wird unter Young Adult gelistet, ist ...

Dies ist mein zweiter Roman des Autors und wie auch "Für dich bricht meine Welt zusammen" fand ich die Geschichte glaubwürdig und wunderbar erzählt.
"Hannos Reise" wird unter Young Adult gelistet, ist es aber meiner Meinung nach nicht. Es ist viel mehr ein Road-Trip und ein Selbstfindungsroman. Es gibt hier keinen Bad Boy und auch keine ausgiebigen Sexszenen, sondern einen ganz normalen siebzehnjährigen Jungen, der auf der Suche nach sich selbst ist.
Hanno ist schüchtern und wird in der Schule gemobbt. Er ist keiner der großen Macker, sondern ein introvertierter Junge mit wenig Selbstbewusstsein. Am liebsten spielt er Onlinegames, wo er in Silentfox14 eine verwandte Seele gefunden hat. Doch am Ende des Schuljahres schickt ihn sein Vater auf eine Interrail-Tour, um endlich etwas mehr Selbstbewusstsein zu gewinnen. Hanno ist entsetzt. Doch schon am ersten Tag bekommt er Hilfe von der hübschen, drei Jahre älteren Sarah, als er im Zug blöd angemacht wird. Hanno klebt fortan an ihrer Seite, was Sarah gar nicht recht ist. Doch dann hilft ihr Hanno in München aus der Patsche und Sarah und er beschließen nun doch gemeinsam weiterzureisen. Sarah hütet jedoch ein Geheimnis...sie ist nicht diejenige, als die sie sich ausgibt....

Was für ein toller Jugendroman und gleichzeitig ein Roadtrip quer durch Europa. Kai Bischof/Kai Everstein hat es wieder geschafft, mich völlig in seiner Geschichte abtauchen zu lassen.
Die Protaginisten sind authentisch und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Hanno ist ein sehr sympathischer Junge. Ich konnte viele seiner Unsicherheiten und Selbstzweifel verstehen - auch mir ging es in seinem Alter sehr ähnlich. Er ist ein feinfühliger und empathischer junger Mann, der jedoch durch die ständige Mobberei durch seine Klassenkameraden immer weniger Selbstvertrauen aufbringt. Nur in seiner Spielewelt fühlt er sich wohl.
Sarah spielt bei Hannos Selbstfindung eine große Rolle. Die ältere und selbstbewusste junge Frau, die früh auf eigenen Beinen stehen musste, nimmt Hanno so, wie er ist. Sarah lernt Hanno in einem anderen Umfeld kennen und erkennt sehr schnell, welche Herzenswärme er besitzt. Sie versucht ihm zu vermitteln, dass er liebenswert ist. Das dauert jedoch eine Weile, was sehr authentisch dargestellt wird. Sarah hat ihre eigenen Probleme und erfährt durch Hanno etwas Normalität in ihrem Leben.
Zwar dreht sich die Geschichte auch um Liebe, aber es gibt keine aufgesetzte Romanze, sondern es geht um Freundschaft, Empathie und Hilfsbereitschaft.

Zusätzlich haben mir die Reisen in die Schweiz, nach Spanien, Italien und Schweden sehr gut gefallen. Die Landschaftsbeschreibungen sind lebendig und bildhaft. Außerdem war ich selbst vor 2 Jahren in Andalusien und freute mich buchtechnisch nochmals in diese Gegend reisen zu können.

Die Geschichte ist wunderbar authentisch. Kai Bischof erklärt ohne erhobenen Daumen, wie wichtig Individualität ist und man sich nicht dem Gruppenzwang beugen soll. Nur ganz am Ende fand ich zwei Dinge ein bisschen zu viel gewollt.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Kai Bischof ist einfühlsam, aber auch locker mit einer Prise Humor. Der Autor lässt tief in die Gefühlswelt seines Protagonisten blicken.

Fazit:
Ein wundervoller Roman für jung und alt mit einem sehr sympathischen Protagonisten. Eine Geschichte, die jungen Menschen aufzeigt nicht der oberflächlichen Masse nachzueifern, sondern sich selbst und seine eigenen Stärken zu finden. Den älteren Semestern - wie ich - erlaubt es einen Blick zurück in ihre Jugend und erinnert an die Selbstzweifel, die man damals hatte. Wie schon Kai Bischofs letzter Jugendroman sticht auch "Hannos Reise" aus dem Einerlei dieses Genres heraus. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 31.01.2021

(Alp)Traumpartner gefunden

The One - Finde dein perfektes Match
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Was war ich auf dieses Buch von John Marrs gespannt, nachdem es in so vielen YouTube Videos in den höchsten Tönen gelobt wurde. Schon bei Erscheinen fand ich den Klappentext richtig cool und interessant ...

Was war ich auf dieses Buch von John Marrs gespannt, nachdem es in so vielen YouTube Videos in den höchsten Tönen gelobt wurde. Schon bei Erscheinen fand ich den Klappentext richtig cool und interessant und nun habe ich es endlich auch gelesen. Vorweg kann ich sagen, dass ich es richtig gut fand und "The Passengers" schon eingezogen ist.

Worum geht's? Durch einen simplen DNA Test ist es in der nahen Zukunft möglich seinen perfekten Partner zu finden. Nur eine simple Registrierung und ein einfacher Test bei Match Your DNA und schon hast du die Nummer deines Traumpartners. Man zweifelt nicht mehr an der bestehenden Beziehung, Streit oder Untreue gehören der Vergangenheit an und zeitraubende Dates erspart man sich auch. Zusätzlich haben gematchte Paare bessere Jobs, mehr Geld und höheres soziales Ansehen.
Wow, denke ich mir...das hört sich toll an. Zu toll....denn was passiert, wenn der Traummann schon über 80 ist oder am anderen Ende der Welt lebt? Oder wenn er in der Zwischenzeit gestorben ist, nachdem er sich bei matchyourDNA.com registriert hat? Eine zweite Chance gibt es nicht, denn für jeden von uns gibt nur einen perfekten Partner. Das hört sich dann nicht mehr so toll an! Und was tun, wenn man glaubt bereits den Traumpartner gefunden zu haben, doch eure DNA kein Matsch ist?

Das wollen auch Mandy, Jade, Christopher, Ellie und Nick herausfinden. Während Jade verzweifelt nach ihrem zukünftigen Match sucht, steht Nick kurz vor der Hochzeit mit seiner Verlobten Sally. Aus Spaß machen beide den DNA Test, doch das Ergebnis fördert ihre Hochzeitspläne nicht wirklich. Aber auch Ellie und Mandy erleben Überraschungen mit ihren angeblichen Seelenverwandten und einer der fünf Protagonisten ist ein Serienmörder und Psychopath und verfolgt ganz andere Ziele....

Der Roman wird abwechselnd aus den fünf verschiedenen Perspektiven der Protaginisten erzählt, was für mich jedoch kein Problem war. Man ist sofort wieder mitten im Leben der Figur, die man zuvor verlassen hat. Häppchenweise erfährt man immer mehr von den Figuren und fiebert mit ihnen mit. Jede Geschichte hat ihren besonderen Reiz und versteht zu fesseln.
Die Charaktere sind vielschichtig und undurchschaubar. Sie überraschen teilweise mit ihren Handlungen. Dadurch punktet die Geschichte immer wieder mit unerwarteten Wendungen. Nur das Ende eines Protagonisten konnte mich nicht ganz überzeugen - deswegen ein halber Stern Abzug.
Der Schreibstil ist flüssig, knackig und fesselnd. Die kurzen Kapitel und kleinen Cliffhanger am Ende machen die Dystopie zu einem wahren Pageturner. Ich bin durch die Seiten geflogen und wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht.

Autor John Marrs nimmt die gängigen Online-Portale für seine Geschichte sozialkritisch unter die Lupe. Mit seiner nahen Zukunftsversion bringt er neben der Spannung dem Leser auch zum Nachdenken. Als Leser fragt man sich: Würde auch bei mir die Neugierde siegen und ich mich registrieren?


Fazit:
Ein wahrer Pageturner! Ich fand meinen ersten John Marrs richtig gut und fiebere schon auf seine weiteren Geschichten hin, die sicherlich nach und nach bei mir einziehen werden. Geniale Idee, spannender Plot und eine Dystopie, die man mit Augenzwinkern lesen kann. Von mir gibt es eine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 29.01.2021

Hoffnung ist wie der Zucker im Tee

Die Gezeiten von Cramond
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Dies ist mein dritter Roman der Autorin und auch "Die Gezeiten von Cramond" habe ich in kurzer Zeit verschlungen. Esther Destratis schreibt so lebendig und bildhaft, dass man sich von der ersten Zeile ...

Dies ist mein dritter Roman der Autorin und auch "Die Gezeiten von Cramond" habe ich in kurzer Zeit verschlungen. Esther Destratis schreibt so lebendig und bildhaft, dass man sich von der ersten Zeile in ihren Geschichten einfach wohlfühlen muss.

In "Die Gezeiten von Cramond" lernen wir die drei Ironside Frauen Trudy, Alice und Cathy kennen. Trudy ist die Ältere der drei Frauen und die Tante von Alice. Sie führt ihn Cramond, einen kleinen Vorort von Edingburgh, ihre Keramikwerkstatt mit nostalgischem Teegeschäft, dem "Lady Teapot". Trudy hat die Liebe zum Tee und ausgefallenen Teekannen ihrer Nichte vererbt. Als Alice ihren Job als Teekannenkeramikerin verliert und Tante Trudy ihr beichtet, dass es schlecht um das "Lady Teapot" steht, verlässt Alice mit ihrer pubertierenden Tochter Cathy Manchester und zieht zu Trudy, obwohl sie nie wieder an diesen Ort zurückkehren wollte. In Cramond erinnert sie alles an ihre erste Liebe Gabriel, der ihr damals das Herz gebrochen hat. Alice möchte jedoch Trudy helfen und auch für Cathy ist ein Wechsel von Vorteil. Sie wurde in Manchester von Mitschülerinnen gemobbt. Beide fühlen sich bei Tante Trudy bald sehr wohl. Um das schnuckelige Teegeschäft steht es wirklich kritisch, vorallem seitdem gegenüber ein hippes Lokal, das "To go & Selfies" aufgemacht hat. Die Kunden bleiben aus und die Einnahmen schrumpfen gewaltig. Werden die drei Ironside Frauen den Teeladen retten können?

Der Roman hat viel mehr Tiefgang, als man bei diesem Cover und dem Titel vermuten lässt. Esther Destratis gelingt es vorallem vorzüglich, die wunderbare Landschaft der Gezeiteninsel und der Umgebung so darzustellen, dass man sich fühlt, als wäre man direkt anwesend. In Zeiten wie diesen, wo man nicht reisen kann, sind wunderschöne bildhafte Beschreibungen aus anderen Ländern ganz besonders gefragt. In Gedanken war ich selbst in Cramond, stand vor den Gezeitenanzeiger am Strand und hörte das Meer rauschen.

Trudy und Alice, wie auch Cathy, sind drei starke Frauen und Kämpferinnen. Die Figuren sind facettenreich und liebenswert. Vorallem Tanty Trudy schließt man sofort ins Herz. Obwohl die Charaktere allesamt (mit einer Ausnahme) sympathisch sind, haben sie für den Leser noch die eine oder andere Überraschung parat.
Die Geschichte ist ziemlich dialoglastig und wird aus den jeweiligen Sichtweisen von Trudy, Alice und Cathy erzählt, wobei Alice die Hauptfigur darstellt.

Der Roman lässt sich zügig lesen und geht ans Herz. In kleinen Rückblenden erfahren wir, was Alice damals passiert ist und warum sie Cramond den Rücken gekehrt hat. Die Autorin spricht auch heikle Themen an und hat die eine oder andere erstaunliche Wendung parat. Die Überraschung, was es mit Cathys Vater so auf sich hat, den Alice ihrer Tochter bisher verschwiegen hat, wird zur platzenden Bombe und hat mich total überrascht. Einerseits fand ich den Ansatz richtig gut, auf der anderen Seite habe ich aber auch eine kleine Kritik, die ich hier nicht näher beschreiben kann, ohne zu spoilern.

Das Ende war mir dann aber fast zu schnell und zu viel aufeinmal. Es überstürzen sich die Ereignisse und man kommt kaum zum Luft holen. Das ist für mich allerdings der einzige Kritikpunkt an dieser Geschichte, die neben einem wohligen Ambiente auch Intrigen, Mobbing und Gewalt aufzeigt.

Gefallen haben mir die süßen Teekannen zu Beginn jedes Kapitels, sowie die vielen Songs, die angesprochen und die am Ende als Playlist der Autorin nochmals aufgelistet werden.

Die eingeflochtene Geschichte vom "Zweisiedlerkrebs" fand ich wunderschön und hat mir Tränen in die Augen getrieben. Der Roman vermittelt eine wunderschöne Botschaft, die einem ermutigt zu sich selbst zu stehen und sich mit all seinen Eigenheiten anzunehmen.

Fazit:
Eine wunderschöne Familiengeschichte mit überraschenden Wendungen und bildhaften Landschaftsbeschreibungen - ein Roman, mit dem ich tolle Lesestunden verbracht habe und der viel zu schnell gelesen war. Zum Wohlfühlen, aber auch mit ernsteren Themen. Ich empfehle "Die Gezeiten von Cramond" gerne weiter.

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Veröffentlicht am 27.01.2021

Schwer in ein Genre einzuordnen

Verity
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Was hat dieses Buch im Vorfeld für eine Hype ausgelöst! Natürlich hat es auch mich neugierig gemacht, vorallem als es hieß Colleen Hoover gehe mit "Verity" in die Thriller-Richtung. Zuvor hatte ich noch ...

Was hat dieses Buch im Vorfeld für eine Hype ausgelöst! Natürlich hat es auch mich neugierig gemacht, vorallem als es hieß Colleen Hoover gehe mit "Verity" in die Thriller-Richtung. Zuvor hatte ich noch kein Buch der Autorin gelesen, die ja eher im Bereich New Adult sehr bekannt ist. Als ich es in unserer Bücherei fand, musste ich es mitnehmen und der Hype auf den Grund gehen ;)

Gleich vorweg...ein Thriller ist "Verity" nicht wirklich, aber man könnte ihn in die Schiene der Romance Thriller einordenen - mit einen großen Schuss Erotik. Ehrlich gesagt, brauche ich bei einem Thriller kein Liebesgedöns und schon gar keine Erotik und das hat mich hier auch am meisten gestört. Trotzdem kann ich vorweg sagen, dass das Buch ein Pageturner ist.

Die eher erfolglose Jungautorin Lowen Ashleigh bekommt den Auftrag ihres Lebens. Sie soll die Psychothriller-Reihe der gefeierten Autorin Verity Crawford als Ghostwriter beenden. Verity liegt seit einem schweren Autounfall im Koma. Den Lesern von Veritys Büchern soll dieser Umstand vorenthalten werden bis diese wieder genesen ist. Lowen, die finanziell durch die Pflege ihrer schwerkranken Mutter nur knapp über die Runden kommt, nimmt das verlockende Angebot an. Jeremy, der sympathische und attraktive Eheman von Verity, tut das Übrige dazu. Lowen unterschreibt den Vertrag und macht sich auf in das Heim der Crawfords. Dort liest sie sich durch die Reihe und recherchiert in Veritys Unterlagen. Dabei stößt sie auf verstörende Lektüre in ihrem Tagebuch....

Gleich auf den ersten Seiten wirft Colleen Hoover dem Leser einen verstörenden Vorfall vor die Füße, der eigentlich mit der weiteren Handlung nichts zu tun hat, aber den Leser sofort an die Seiten fesselt. Sehr schnell fragt man sich, warum gerade Lowen diesen Auftrag erhält und was hinter der ganzen Geschichte steckt. Der rote Faden ist dabei immer die im Wachkoma liegende Verity, die scheinbar alle unter Kontrolle hat. Der Tod ihrer beiden Töchter wirft, ebenso wie ihr Unfall, Fragen auf.
Als Lowen ihre Tagebücher findet und Veritys Gedanken liest, hält man oftmals vor Entsetzen die Luft an. Gestört werden diese schockierenden Einträge jedoch immer wieder von den ziemlich detailliert beschrieben erotischen Szenen, die Verity in ihren Aufzeichnungen immer wieder einfügt. Sie bringen der Story rein gar nichts, wiederholen sich und sind oftmals störend und abstoßend.

Lowen und Jeremy bleiben neben Verity, die der Dreh- und Angelpunkt der teilweise sehr überzogenen und bizarren Geschichte ist, blass. Lowen verfällt Jeremy genauso, wie Verity, und erschien mir auch noch furchtbar naiv. Als Hauptprotagonistin ist sie keine gelungene Figur und ist, wie Jeremy, kein Sympathieträger.
Man verdächtigt die ganzen 368 Seiten jeden der handelnden Figuren, sogar den kleinen Sohn von Jeremy und Verity hatte ich in Verdacht.

Die Grundidee fand ich jedoch absolut genial und ich hatte eine richtige Vermutung, jedoch lag ich sonst komplett falsch. Denn mit den Schockfaktor am Ende, den die Autorin eingebaut hat, hat sie mich wirklich überrascht und sprachlos zurückgelassen. Einerseits wirklich gelungen, aber andererseits auch sehr an den Haaren herbeigezogen. Trotzdem wird mir das Buch in Erinnerung bleiben und das dürfte genau das sein, was die Autorin damit bezweckt hat.
Hat es mich begeistert? Nein! "Richtigen" Thrillerautoren kann sie damit nicht das Wasser reichen und überzeugten Thrillerlesern fehlt hier Entscheidendes...trotzdem bin auch ich durch die Seiten geflogen (auch wenn ich ab und zu mit dem Kopf geschüttelt habe) und Colleen Hoover ist es gelungen ein Buch zu schreiben, über das man spricht. Chapeau!

Cover:

von links nach rechts:
das portugiesische, das spanische, das persiche, das englische, das estnische und das mazedonische Cover

Fazit:
Ein Pageturner, verstörend, aber trotzdem kein wirklicher Thriller. Die unnötigen Sexszenen haben in diesem Genre keinen Platz und bringen auch diese Geschichte nicht weiter. Der Suchtfaktor beim Lesen ist dennoch da. Skurill, verstörens, bizarr und übertrieben....

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