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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2025

Den Schein bewahren…

Bis die Sonne scheint
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Christian Schünemanns Roman „Bis die Sonne scheint“ eignet sich hervorragend zum dahinlesen. Stil und Aufbau haben mir gut gefallen. Das Buch gliedert sich in zwei Teile, die abwechselnd erzählt werden. ...

Christian Schünemanns Roman „Bis die Sonne scheint“ eignet sich hervorragend zum dahinlesen. Stil und Aufbau haben mir gut gefallen. Das Buch gliedert sich in zwei Teile, die abwechselnd erzählt werden.

Der Hauptteil wird aus Sicht des Ich-Erzählers Daniel Hormann erzählt. Mit Daniels Augen werden wir Zeuge, wie die Geldsorgen überhandnehmen und die Idylle langsam zerfällt. Daniel ist noch sehr jung und er versteht das alles noch nicht. Seine Naivität und seine fehlende Lebenserfahrung werden gut dargestellt. Noch ist Daniel jemand, der vieles nachplappert und die Muster und Eltern unbewusst übernimmt. Das alles wird großteils mit einer Leichtigkeit erzählt, erst im späteren Teil spürt man etwas von der emotionalen Wucht der Situation.

Der andere Teil widmet sich der Familiengeschichte. Sowohl die Geschichte der Großeltern, Eltern und weiteren Verwandten wird erzählt. Hier geschieht sehr viel, wir erleben den zweiten Weltkrieg, diverse Krisen, den Aufschwung. Stilistisch werden die Ereignisse aber oft nur aufgezählt, was zu einer Distanz beim Leser führt. Die Gräuel des Krieges, werden nur kurz erwähnt. Man hört förmlich ein „Das war früher halt so“. Am Schluss erfährt man, dass das Buch autobiographisch ist. Es macht also Sinn, dass der Autor nicht über die Motive seiner Ahnen spekuliert sondern eher ihre Taten beschreibt.

Allerdings bleiben die meisten Figuren daher auch nur schemenhaft. Lediglich Daniel und seine Mutter Marlene bilden eine Ausnahme. Für mich funktioniert das Buch auch nur zum Teil. Ja, es ist gut geschrieben, hat humorvolle Momente, und der Entwicklungsroman-Teil hat mir sehr gut gefallen. Zu den ganzen Ahnen fand ich aber nur schwer einen Zugang.

Das Coverbild gefällt mir sehr gut, die Aufmachung des Buches ist edel.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Moderner Blick auf das Phänomen der Ekstase

Berauscht der Sinne beraubt
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„Berauscht der Sinne beraubt“ bietet einen eindrucksvollen Überblick über einige, hauptsächlich historische Themen, die die Autorin mit Ekstase in Bezug setzt. Bereits im Vorwort wird vorweg genommen, ...

„Berauscht der Sinne beraubt“ bietet einen eindrucksvollen Überblick über einige, hauptsächlich historische Themen, die die Autorin mit Ekstase in Bezug setzt. Bereits im Vorwort wird vorweg genommen, dass das Buch lediglich einen Ausschnitt behandeln kann und persönlich ist. Racha Kirakosian ist Professorin für Mediävistik, dementsprechend Geschichts- und Religionslastig ist das Buch ausgefallen.

Wahnsinnig spannend fand ich den moderne Blick auf die früheren Interpretationen von Ekstase. Sowohl zur Zeit, als bestimmte Phänomene auftraten, als auch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später. Es zeigt sich eindrucksvoll, dass die Interpretation und der Fokus teilweise mehr über den Autor und seine Zeit als über das beschriebene Ereignis selbst aussagen.

Obwohl das Buch über 300 Seiten hat, werden bestimmte Themen wie die goldenen 20er, Künstler die die Ekstase suchten, und Wissenschaftler, Mathematiker die ihre Werke als göttliche Eingebung ansahen, nicht oder kaum berührt. Das liegt daran, dass das Buch in die Tiefe, nicht in die Breite geht.

Assoziationen an meine Studienzeit wurden geweckt. Das Buch erinnerte mich aufgrund seiner Tiefe und den immer wiederkehrenden Ausschnitten aus Originaltexten an ein geisteswissenschaftliches Seminar. Im besten Sinne. Spannend, lehrreich, tiefgehend, augenöffnend. Aber auch nichts zur Berieselung oder für Zwischendurch. Ich hätte nicht wenig Lust wieder studieren zu gehen und ein Seminar oder eine Vorlesung bei Racha Kirakosian zu belegen.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Aus dem Leben eines kleinen Widders

Widder Willi will aber!
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„Willi Widder will aber“ ist ein herzallerliebst gezeichnetes Kinderbuch um Kinder durch die Trotzphase zu helfen. Die Hauptfigur, der kleine Widder Willi hat einen starken Willen. Doch leider funktionieren ...

„Willi Widder will aber“ ist ein herzallerliebst gezeichnetes Kinderbuch um Kinder durch die Trotzphase zu helfen. Die Hauptfigur, der kleine Widder Willi hat einen starken Willen. Doch leider funktionieren die Dinge oft nicht so wie er will. Selbst dann, wenn alle tun was er will. Willi versteht nicht warum das so ist.

Die meisten Kinder werden sich mit Willi identifizieren können. Und Eltern ihre Kinder in Willi wiedererkennen.

Das Buch glänzt vor allem durch seine liebevollen Illustrationen und lustigen Einfälle. Die Schwächen liegen meiner Meinung nach beim Text. Dieser ist streckenweise zu lang und kompliziert für ein kleines Kind. Das Buch wird ja ab drei beworben.
Für größere Kinder ist es sicher besser geeignet, zumal man dann auch das Verhalten von Willis Bezugspersonen besser reflektieren kann.

Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen. Man merkt, dass Willi es nicht böse meint. Das Cover zeigt wo es lang geht und ist witzig und süß gleichermaßen.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Eine Geschichte über Gewalt

Sing mir vom Tod
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Beim Zuklappen des Buchdeckels rast mein Herz immer noch. So sehr hat die Geschichte mich gefesselt, so tief war ich drinnen.

Ivy Pochoda ist eine verd*mmt gute Geschichtenerzählerin. Aber „Sing mir vom ...

Beim Zuklappen des Buchdeckels rast mein Herz immer noch. So sehr hat die Geschichte mich gefesselt, so tief war ich drinnen.

Ivy Pochoda ist eine verd*mmt gute Geschichtenerzählerin. Aber „Sing mir vom Tod“ ist nichts für schwache Nerven und Mägen. Zu drastisch sind die Gewaltdarstellungen, zu häufig kommt es zu sinnlosen Gewaltausbrüchen. Ja, ich musste das Buch zur Hälfe weglegen, weil ich eine Pause brauchte.

Im Zentrum stehen zwei Frauen. Florence „Florida“ Baum und Dios. Während Florida noch versucht ihren Gefängnisnamen abzustreifen und wieder in ihre alte Identität zu schlüpfen, weiß Dios schon längst dass es kein zurück mehr gibt. Auch für Florida nicht. Im zweiten Teil begegnen wir zusätzlich der Ermittlerin Lobos. Auch sie weiß mehr über Gewalt als ihr lieb ist.

Das Buch und die Figuren sind spannend. Ihre Geschichte düster und faszinierend. All das spielt vor dem Hintergrund der Pandemie. Man findet durchaus auch gesellschaftskritische Töne. Das ganze Spektrum der Gewalt wird durchgespielt: Neben körperlicher auch verbale durch Herabsetzung. Oder durch Verniedlichung.

Im Grunde geht es um Macht. Die Macht die ein älterer Mann über junge, naive Frauen hat. Die Macht die Männer durch ihre Hilfsbereitschaft dem schwachen Geschlecht gegenüber haben. Die Macht, die Drogen über uns haben. Die Macht die uns unsere Stellung, unser Beruf geben. Gewalt ist dann oft ein Mittel zur Selbstermächtigung der Hilflosen. Eine Entschuldigung ist das freilich nicht. Pochoda macht nicht den Fehler Gewalt zu Glorifizieren oder als ausweglos darzustellen.

Das Cover erinnert an einen Western und passt gut zur Geschichte.

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Ein Schlag in die Magengrube

Dancing Queen
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Anders als der Titel es vermuten lässt, ist „Dancing Queen“ ein eher deprimierendes Buch. Die argentinische Autorin Camila Fabri setzt sich mit schwierigen Themen auseinander und streckenweise ist das ...

Anders als der Titel es vermuten lässt, ist „Dancing Queen“ ein eher deprimierendes Buch. Die argentinische Autorin Camila Fabri setzt sich mit schwierigen Themen auseinander und streckenweise ist das Buch brutal. Psychisch als auch psychisch. Am Erschreckendsten fand ich, dass die Ich-Erzählerin Pauline einfach alles so hingenommen hat. Da wird über körperliche und seelische Gewalt ausgeübt durch den Bruder so gesprochen als über so etwas belangloses wie das Wetter.

Obwohl die Geschichte mit einem Autounfall beginnt, dauert es eine Weile bis wirklich etwas passiert. In den ersten Kapiteln haben wir es mit einer Protagonistin zu tun, deren Leben auf Stand-By zu laufen scheint. Sie schafft es weder zu sich selbst noch zu anderen eine wirkliche Beziehung aufzubauen und es bleibt lange unklar, ob sie das überhaupt möchte. Dann im letzten Teil nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung und die Ereignisse überschlagen sich.

Das Buch lässt mich etwas ratlos zurück, weil ich erwartet hätte, dass noch mehr kommt. Ein richtiges Happy End. Das fehlende Happy End macht die Geschichte aber realistischer.

Die Stimme einer Mid-30er Person wurde gut eingefangen, die Erzählstruktur fand ich nicht sonderlich kompliziert. Camila Fabri ist eine begnadete Schriftstellerin, ich hatte in manchen Kapiteln das Gefühl mitten drinn, Haut nah dabei zu sein. Hervorheben ist dabei die Zeit nach dem Autounfall inklusive Krankentransport.

Dadurch ist das Buch trotz der Träge und manchmal fast bleirnen Schwere gut lesbar. Ich hatte es recht flott durch, es ist auch nicht sonderlich dick.

Auch das Cover entspricht dem Zeitgeist.

Leider hat es bei mir keinen wirklichen Nachhall ausgelöst, dazu blieben mir Geschichte und Figuren zu fremd. Das Buch ist nicht schlecht, aber das gewisse etwas hat mir gefehlt.

Die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

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