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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.01.2025

Ein Schlag in die Magengrube

Dancing Queen
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Anders als der Titel es vermuten lässt, ist „Dancing Queen“ ein eher deprimierendes Buch. Die argentinische Autorin Camila Fabri setzt sich mit schwierigen Themen auseinander und streckenweise ist das ...

Anders als der Titel es vermuten lässt, ist „Dancing Queen“ ein eher deprimierendes Buch. Die argentinische Autorin Camila Fabri setzt sich mit schwierigen Themen auseinander und streckenweise ist das Buch brutal. Psychisch als auch psychisch. Am Erschreckendsten fand ich, dass die Ich-Erzählerin Pauline einfach alles so hingenommen hat. Da wird über körperliche und seelische Gewalt ausgeübt durch den Bruder so gesprochen als über so etwas belangloses wie das Wetter.

Obwohl die Geschichte mit einem Autounfall beginnt, dauert es eine Weile bis wirklich etwas passiert. In den ersten Kapiteln haben wir es mit einer Protagonistin zu tun, deren Leben auf Stand-By zu laufen scheint. Sie schafft es weder zu sich selbst noch zu anderen eine wirkliche Beziehung aufzubauen und es bleibt lange unklar, ob sie das überhaupt möchte. Dann im letzten Teil nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung und die Ereignisse überschlagen sich.

Das Buch lässt mich etwas ratlos zurück, weil ich erwartet hätte, dass noch mehr kommt. Ein richtiges Happy End. Das fehlende Happy End macht die Geschichte aber realistischer.

Die Stimme einer Mid-30er Person wurde gut eingefangen, die Erzählstruktur fand ich nicht sonderlich kompliziert. Camila Fabri ist eine begnadete Schriftstellerin, ich hatte in manchen Kapiteln das Gefühl mitten drinn, Haut nah dabei zu sein. Hervorheben ist dabei die Zeit nach dem Autounfall inklusive Krankentransport.

Dadurch ist das Buch trotz der Träge und manchmal fast bleirnen Schwere gut lesbar. Ich hatte es recht flott durch, es ist auch nicht sonderlich dick.

Auch das Cover entspricht dem Zeitgeist.

Leider hat es bei mir keinen wirklichen Nachhall ausgelöst, dazu blieben mir Geschichte und Figuren zu fremd. Das Buch ist nicht schlecht, aber das gewisse etwas hat mir gefehlt.

Die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

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Veröffentlicht am 18.01.2025

Irrwitziger Spaß für Jung und Alt

Muffin und Tört! 1: Bei den Wikingern
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Muffin und Tört ist eher ein klassisches Buch für Leseanfänger. Es gibt keine Übungen wie in einem Schulbuch, stattdessen wird versucht Kinder durch die Geschichte selbst zum Lesen zu animieren.

Das Abenteuer ...

Muffin und Tört ist eher ein klassisches Buch für Leseanfänger. Es gibt keine Übungen wie in einem Schulbuch, stattdessen wird versucht Kinder durch die Geschichte selbst zum Lesen zu animieren.

Das Abenteuer des ungleichen Duos Muffin, einer eigentlich eher vorsichtigen Katze, und Tört, ihrem verzauberten Begleiter, steckt voller Überraschungen. Natürlich wird es hie und da ein wenig gruselig, aber nicht zu sehr. Der Spaß kommt auch nicht zu kurz.

Die Geschichte folgt einem klassischen Muster und ist auch für kleine Kinder nachvollziehbar.

Das Buch ist voller lustiger Zeichnungen und wurde sicher auch von Comics inspiriert. Wobei es leichter zu lesen als ein Comic ist, da es kaum Sprechblasen gibt. Es gibt sogar ein interaktives Element im Buch und nach der Geschichte noch einen kreativen Bonus-Teil.

Das Buch strotzt vor lustigen Einfällen und ist ein Spaß für Jung und Alt. Sogar unser Zweijähriger war begeistert von den Zeichnungen und vor allem von Tört, den er liebevoll als „Hase“ titulierte.

Hervorzuheben ist auch noch die Liebe zum Detail, sei es nun der Troll-Opa oder der Zauberer namens Tatterich. Man spürt, das wirklich Herzblut in die Geschichte und die Zeichnungen geflossen ist.

Mich erinnert das Buch nicht zuletzt aufgrund der Aufmachung selbst an die Bücher meiner Kindheit. Die Abenteuer spielen mit klassischen Themen wie Wikingern und im nächsten Buch dann auch Ritter. Aber auch normales Papier und Schwarz-Weiß Zeichnungen. Das Buch wurde in Deutschland gedruckt und macht einen hochwertigen Eindruck. Die Seiten sind angenehm dick.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Krieg ist Leid

Ginsterburg
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Es gibt Bücher die liest man in einem Rutsch. Bei anderen hingegen lässt man sich sehr viel Zeit, weil man nicht möchte dass sie jemals enden. Ginsterburg fällt für mich in die zweite Kategorie.

Vorweg: ...

Es gibt Bücher die liest man in einem Rutsch. Bei anderen hingegen lässt man sich sehr viel Zeit, weil man nicht möchte dass sie jemals enden. Ginsterburg fällt für mich in die zweite Kategorie.

Vorweg: Für mich persönlich ein Highlight, der beste Roman den ich seit langem lesen durfte. Das ist natürlich rein subjektiv, aber mir persönlich gefällt die Sprache von Arno Frank sehr. Frank schreibt in eher kurzen, knappen Sätzen. Trifft einen sachlichen Tonfall und erzählt manchmal beinahe schon beifällig über das schreckliche Schicksal seiner Protagonisten.

Anhand der Bewohner des fiktiven Städtchens Ginsterburg wird vom Krieg und dessen Folgen erzählt. Wir folgen ihrem Schicksal durch die Jahre 1935, 1940 und 1945. Als Leser spürt man wie der Krieg langsam immer realer wird, immer näher kommt. Sowohl ins Bewusstsein, in den Alltag als auch in die Stadt tritt.

Die Figuren sind nicht neu, der Emporkömmling, die die politisch eigentlich anders stehen, die die bedroht werden, die Jugend die mitgerissen wird. Und es menschelt. Dadurch wachsen die Figuren einem sehr ans Herz. Man hofft, dass der eine oder andere von den Leiden des Krieges verschont bleibt.

Ginsterburg hat bei mir lange nachgewirkt. Noch immer denke an an Lolo, Theo, Uta, Bruno, Zola und all die anderen.

Einen Kritikpunkt muss ich auch noch anbringen. Das Cover. Es wurde mithilfe von KI generiert und das sieht man. Es sieht teilweise sehr verwaschen aus, als wäre es ein Fehldruck.

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Unerwartet

Only Margo
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Only Margo ist ein vielschichtiges Buch und hat mich länger beschäftigt. Das Cover wirkt fast ein wenig zu freundlich für die Geschichte, gefällt mir aber gut.

Die Figurenzeichnungen sind grandios, die ...

Only Margo ist ein vielschichtiges Buch und hat mich länger beschäftigt. Das Cover wirkt fast ein wenig zu freundlich für die Geschichte, gefällt mir aber gut.

Die Figurenzeichnungen sind grandios, die Beziehungsdynamiken werden realistisch dargestellt. Es wird nichts beschönigt, ungeplante Teenagerschwangerschaften sind schwierig, hat man keine Unterstützung ist es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit sich da durchzukämpfen.

Auch der gesellschaftliche Umgang mit dem immer noch tabuisierten Thema Sex wird beleuchtet. Thorpe thematisiert die Scheinheiligkeit und Doppelmoral gezeigt, vor allem was den Umgang mit Frauen betrifft. Und auch das Geld Macht bedeutet wird mehrfach angeschnitten. Die Geschichte wäre vermutlich ganz anders ausgegangen, hätte Margo nicht Geld für einen guten Anwalt gehabt.

Ein weiteres Highlight: Die Figuren wachsen zwar und entwickeln sich weiter, bleiben aber auch immer sie selbst. Mit all ihren Fehlern. Das ist natürlich manchmal mühsam und oft auch enttäuschend. Die Geschichte wirkt dadurch aber authentischer.

Der Schreibstil ist manchmal etwas gekünstelt, vor allem da die Rufi Thorpe es anscheinend liebt auf der Metaebene herumzuspielen. Die Erzählperspektive wechselt von der ersten zur dritten Person und wieder zurück. Und ständig wird über Perspektive, Erzähler usw. geredet, den Margo hat ja Literatur studiert.

Auch das Ende lässt mich ein wenig ratlos zurück. Ist das jetzt Empowerment oder einfach nur mehr der pure kranke Kapitalismus?

Aber: Ich fand das Buch teilweise auch extrem ekelig. Wiederum kann man sagen: Das Buch beschönigt nichts. Und so einfach wie es im Internet oft suggeriert wird ist es nicht mit Only-Fans Geld zu machen. Man braucht teilweise einen recht guten Magen, wenn über blutige Wrestling-Kämpfe, erniedrigende Videos und tödliche Gladiatorenkämpfe erzählt wird.

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Alles was Sie immer schon über Geschmack wissen wollten

Flavorama
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Warum sind Kinder beim Essen oft so wählerisch? Warum gibt es so viele verschiedene Salzsorten? Was ist eigentlich Glutamat? Warum sind unsere Kindheitserinnerung oft mit Gerüchen verbunden? Warum sind ...

Warum sind Kinder beim Essen oft so wählerisch? Warum gibt es so viele verschiedene Salzsorten? Was ist eigentlich Glutamat? Warum sind unsere Kindheitserinnerung oft mit Gerüchen verbunden? Warum sind Cookies mit Milch gleich doppelt so lecker? Was bedeutet es einen feinen Gaumen zu haben und kann man das auch erlernen?

All das und noch so viel mehr beantwortet Flavorama. Und falls sie sich nun fragen: „Wozu brauche ich das?“ hat das Buch auch eine Antwort parat: Zum Kochen.

Dr. Arielle Johnson ist promovierte Chemikern und spezialisiert auf Geschmackswissenschaften. Zudem hat sie für einem der besten Restaurants der Welt Norma, zum Thema Geschmack geforscht.

Ihre kulinarischen Erfahrung fließen auch ins Buch ein. Natürlich handelt es sich nicht um ein Kochbuch im klassischen Sinne, die Rezepte dienen mehr zur Übung um mit verschiedenen Zutaten sowie Kochtechniken besser vertraut zu werden.

Ich fand es toll mich einzulesen und ein paar Rezepte durchzuprobieren. Meine Art zu Kochen und einzukaufen hat sich dank des neu erworbenen Wissens verändert.

Der Schreibstil ist recht locker, manchmal ein wenig langatmig. Das Buch macht sich gut im Bücherregal, das Cover und die Farbgestaltung fallen auf. Es ist aber schon ein richtiger Wälzer und man braucht Zeit und Muse dafür. Aber es zahlt sich aus.

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