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Veröffentlicht am 29.01.2018

Wer ist der Mörder?

Tod im Wald der Engel
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Die Malerin Anna hat die Trennung von ihrem Freund in ihren Bildern verarbeitet. Viel schwarz und rot, die seltene Erzengelwurz sogar geknickt dargestellt. Klar dass die Bilder nicht jeden Geschmack treffen, ...

Die Malerin Anna hat die Trennung von ihrem Freund in ihren Bildern verarbeitet. Viel schwarz und rot, die seltene Erzengelwurz sogar geknickt dargestellt. Klar dass die Bilder nicht jeden Geschmack treffen, nicht alle Besucher der Vernissage sind von den Bildern angetan. Doch der Journalist Lanski greift Anna in einem Streitgespräch persönlich an. Um erst mal wieder runterzukommen geht Anna nach der Vernissage auf die Ölgangsinsel, dort in der Natur hofft sie die nötige Ruhe zu finden.

Im Dunkeln findet sie ein junges Kätzchen, das sich verletzt haben muss, denn sein Fell ist mit Blut besudelt. Anna untersucht die Katze, die erstaunlicherweise keine offensichtliche Verletzung aufweist. Sie vermutet ein anderes verletztes Tier in der Nähe und ruft kurzerhand die Feuerwehr an. Als auch die Polizei erscheint wird ihr klar, dass es sich wohl nicht um ein verletztes Tier handelt. Etwas weiter im Gebüsch liegt ein Toter und Anne ist plötzlich die Hauptverdächtige in einem Mordfall.

Anna hat es wirklich nicht leicht, im einen Moment war die Kritik an ihren Bildern noch das Wichtigste für sie, im nächsten Moment sitzt sie auf der Polizeiwache, muss ihre Kleider und ihr Auto der Spurensicherung übergeben und die ermittelnde Kommissarin verhält sich schon fast feindselig. Als Anna erfährt, wer der Tote ist wird ihr klar, dass sie in großen Schwierigkeiten ist. Sie weiß dass sie den aufdringlichen Journalisten Lanski nicht umgebracht hat, aber für die Polizei scheint sie als Täterin schon festzustehen. Anna hat keine große Hoffnung, dass auch in andere Richtungen ermittelt wird und stellt kurzerhand eigene Nachforschungen an. Anfangs noch recht ungeschickt, aber sie lernt rasch dazu und kann so nach und nach Motive und Verdächtige ausschließen. Das kleine Kätzchen ist inzwischen bei ihr eingezogen, auch das hat sie der unfreundlichen Kommissarin zu verdanken.

Ich fand den Krimi erfrischend anders, weil nicht die Polizeiarbeit im Vordergrund steht, sondern Anna als Privatperson, die mit ihren eigenen Methoden ermittelt. Sie muss sich nicht an Gesetze oder Vorschriften halten und greift dann auch zu unkonventionellen Mitteln, um an Informationen zu kommen. Sie ermittelt im Privatleben des Ermordeten, an seinem Arbeitsplatz und recherchiert seine bisherigen Artikel. Schnell wird klar, dass Lanski es mit der Journalistenehre nicht so genau genommen hat und verschiedenen Menschen auf die Füße getreten ist. Ob unter ihnen der Mörder zu finden ist?

Mir hat Anna als Protagonistin gut gefallen, interessant fand ich auch die Informationen zu den verschiedenen Pflanzen, die auf der Ölgangsinsel beheimatet sind. Die Auflösung hat mich überrascht, ich lag mit meinem Verdacht voll daneben

Fazit: Unterhaltsamer Krimi der zeigt, wie schnell man plötzlich in den Fokus von Ermittlungen geraten kann.


Veröffentlicht am 26.01.2018

hush little baby don't say a word

Das Lied der toten Mädchen (Jan-Römer-Krimi 3)
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"Das Lied der toten Mädchen" ist der dritte Teil der Reihe um den sympathischen Journalisten Jan Römer, der beim Nachrichtenmagazin "Die Reporter" über ungeklärte Mordfälle recherchiert. Mit von der Partie ...

"Das Lied der toten Mädchen" ist der dritte Teil der Reihe um den sympathischen Journalisten Jan Römer, der beim Nachrichtenmagazin "Die Reporter" über ungeklärte Mordfälle recherchiert. Mit von der Partie ist auch wieder seine langjährige Freundin Stefanie Schneider, die wegen ihrer Vorliebe für Kopfbedeckungen schon immer "Mütze" genannt wurde.

Vor ca. 20 Jahren wurde auf dem Wilzenberg die 19jährige Sonja Risse ermordet. Ein tödlicher Stich ins Herz, neben ihr blieb eine Spieluhr zurück, die die Melodie "Hush, little baby" spielt. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden, Jan und Mütze recherchieren und tauchen tief in die Vergangenheit ein. Was ist damals wirklich passiert, was hat es mit dem geheimnisvollen Haus auf sich, in dem Sonja gearbeitet hat und das nicht mehr existiert? Fragen über Fragen, denen sich die beiden Journalisten stellen müssen, wenn sie die Wahrheit herausfinden wollen.

Eigentlich dachte ich ja, dass sich der letzte Fall nicht mehr toppen ließe, aber "Das Lied der toten Mädchen" steht den Vorgängern in nichts nach. Was mich bei den Krimis von Linus Geschke immer wieder fasziniert ist die Atmosphäre, die dichte Stimmung. Egal ob unheimlich, traurig oder geheimnisvoll, die Stimmungen kommen super rüber, untermalt werden sie durch die passenden Songs, die Jan hört.

Auch bei diesem Teil fiel mir der Einstieg leicht, denn der Prolog führt genau zu der Mordnacht zurück, in der Sonja sterben musste. In eine Szenerie, die mir Gänsehaut bescherte.

Mit viel Elan und Spürsinn stürzen sich Jan und Mütze in die Recherche, Unterstürzung bekommen sie von Jans bestem Freund Arslan. Ein Typ, der das Herz auf dem rechten Fleck hat und hilft, ohne Fragen zu stellen. Einen besseren Freund könnte sich Jan nicht wünschen. Das Team befragt den ehemaligen Lehrer von Sonja, ihre Mutter und ihre besten Freundinnen. Doch wer sagt die Wahrheit, wer verschweigt wichtige Details? Irgendwann wird klar, dass der Verfassungsschutz in die Geschichte involviert ist.

Ich konnte beim lesen miträtseln, hatte mal diesen, mal jenen Protagonisten in Verdacht, aber nicht wirklich eine heiße Spur. Der Autor überrascht immer wieder mit Wendungen, die alles bisherige in Frage stellen. Der Plot ist komplex angelegt, nicht zu durchschauen, genau wie ich es bei Krimis liebe. Neben Jan und Mütze gibt es Szenen aus der Sicht des Uhrmachers, dessen Identität lange geheim bleibt.

Seine Protagonisten beschreibt der Autor detailliert, die bekannten Figuren gewinnen an Tiefe. Das Privatleben spielt nur eine kleine Nebenrolle, ist genau richtig dosiert um die Charaktere abzurunden. Für Jan läuft es privat eher suboptimal, seine Exfrau eröffnet ihm, mit dem gemeinsamen Sohn nach München ziehen zu wollen. Für Jan, der seinen Sohn über alles liebt, eine Situation, die ihm das Herz bricht. Und trotzdem gibt es alles, um seinen aktuellen Fall aufzuarbeiten. Für mich war der Krimi perfekt, ich konnte mitfiebern, mich in die Personen hinein versetzen und warte jetzt gespannt auf den nächsten Teil.

Fazit: So geht Krimi. Spannung, Atmosphäre, eine dichte Story und tolle Charaktere. Verdiente 5 Sterne.

Autor: Linus Geschke

Veröffentlicht am 22.01.2018

aktuelle Thematik, spannend umgesetzt

In eisiger Nacht
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"In eisiger Nacht" ist der vierte Fall für den Londoner Detective Max Wolfe. Es ist Winter, die Temperaturen eisig, als in Chinatown ein verlassener Laster aufgefunden wird. Zuerst wird von einer möglichen ...

"In eisiger Nacht" ist der vierte Fall für den Londoner Detective Max Wolfe. Es ist Winter, die Temperaturen eisig, als in Chinatown ein verlassener Laster aufgefunden wird. Zuerst wird von einer möglichen Bombe ausgegangen, doch der Spürhund gibt Entwarnung. Als der Lastwagen geöffnet wird offenbart sich das schreckliche Geheimnis: Elf tote junge Frauen befinden sich im Laderaum, der auf Minusgrade herunter gekühlt ist. Alle erfroren. Eine Frau lebt noch, stirbt aber kurz darauf an den Folgen der Unterkühlung. Auf die Spur der Schleuser will Max mit dem dreizehnten Pass kommen, der im Führerhaus gefunden wurde. Eine junge Frau muss die Todesfahrt überlebt haben und irgendwo in London untergetaucht sein. Die Suche beginnt und wird für Max und sein Team brandgefährlich.

Ich habe die Reihe von Anfang an verfolgt, in jedem Krimi verarbeitet Tony Parsons ein aktuelles Thema, so auch in diesem. Es geht um Menschenhandel, illegale Migration und die kriminellen Banden, die unter dem liberalen Deckmantel der "offenen Grenzen für alle" für unsägliches Leid und Tote sorgen. Max Wolfe und sein Team ermitteln in dem Fall, doch diesmal geht es nicht ohne Verluste für die Polizei aus. Sie kommen auf die Spur der Schlepper, die sie in ein Flüchtlingslager nach Dünkirchen in Frankreich führt, das von dem zwielichtigen Troy geführt wird.

Ich habe mich gefreut, die bekannten Charaktere wiederzutreffen, vor allem Max Wolfe. Max ist trotz seines Berufs menschlich geblieben, mitfühlend, kümmert sich um andere wo immer es geht. Das macht ihn zu einem liebenswerten Charakter. Er behandelt selbst Gangster respektvoll. Ihm ist bewusst, dass er für seine Tochter Scout mehr Zeit erübrigen müsste, deswegen genießt er jede Minute mir ihr, geht liebevoll mit ihr um. Wenn man die Reihe von Anfang kennt merkt man, wie sich die Charaktere entwickeln und verändern. Das wird in diesem Teil an Max Chefin DCI Whitestone deutlich, die durch das Schicksal, das ihr Sohn erleiden musste, hart geworden ist und nicht immer richtige Entscheidungen trifft.

Die Grundstimmung ist düster und illusionslos, aber sehr atmosphärisch. Lichtblicke zwischen der spannenden Handlung sind die kleinen familiären Szenen mit Max Tochter Scout und dem Familienhund, oder die Szenen in dem Boxclub, in den Max regelmäßig geht.

Insgesamt konnte mich auch dieser Teil der Reihe überzeugen, er punktet mit einem aktuellen Thema, Spannung und sehr gut ausgearbeiteten Figuren. 5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Spannung
Veröffentlicht am 17.01.2018

spannende Thematik

Das Jesus-Experiment
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Tom Jennings forscht auf dem Gebiet der Sichtbarmachung von Erinnerungen. Seiner Theorie nach werden Erinnerungen vererbt, so dass Menschen auch die Erinnerungen ihrer Vorfahren abrufen können. Seine Forschungen ...

Tom Jennings forscht auf dem Gebiet der Sichtbarmachung von Erinnerungen. Seiner Theorie nach werden Erinnerungen vererbt, so dass Menschen auch die Erinnerungen ihrer Vorfahren abrufen können. Seine Forschungen schreiten voran, zusammen mit einem bekannten Showmaster tritt er in einer Fernsehshow auf und enthüllt mit Hilfe seiner Software und Erinnerungen einer Person das wahre Gesicht von Jack ehe Ripper. Die Fernsehshow ist ein voller Erfolg, als ein Antiquar an ihn herantritt und behauptet, eine direkte Nachfahrin von Pontius Pilatus ausfindig gemacht zu haben ergreift Tom die Chance und fährt nach Italien, um die junge und autistische Giulia kennenzulernen. Er will versuchen, mit Giulias Hilfe das wahre Gesicht von Jesus zu enthüllen, doch er hat Neider und Feinde und findet sich bald darauf in einem Wettlauf gegen die Zeit in dem er mehr als einmal in große Gefahr gerät.

Für mich war das Wissenschaftsthema sehr interessant, vor allem wenn man im Nachwort des Autors lesen kann, dass die Forschung in dieser Hinsicht schon recht weit ist. Einerseits faszinierend, andererseits auch nachdenklich machend, ob dies der richtige Weg ist. Man merkt dass der Autor akribisch recherchiert hat, im Quellenverzeichnis finden sich zahlreiche Links was die Evangelien betrifft sowie den Stand der Wissenschaftlichen Forschung.

ich fand den Thriller gut aufgebaut und auch spannend, allerdings gibt es auch immer mal wieder kleine Längen die die Spannung nehmen. Hier hätte man vielleicht etwas kürzen können um das Tempo aufrecht zu erhalten. Sehr gut fand ich die verschiedenen Schauplätze in Europa, die für Abwechslung sorgen. Einige Figuren sind sehr schön gezeichnet, andere bleiben blasser. Insgesamt hat mich das Buch mit der interessanten Thematik überzeugt, ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 08.01.2018

solider Krimi

Auf dem Totenberg
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Im Naturpark Münden wurden die Überreste eines Toten gefunden, die Hauptkommissar Max Leitner und seinem Kollegen Tobias Heuward Rätsel aufgeben. Der Tote hat eine Kopffraktur, die durch einen Sturz entstanden ...

Im Naturpark Münden wurden die Überreste eines Toten gefunden, die Hauptkommissar Max Leitner und seinem Kollegen Tobias Heuward Rätsel aufgeben. Der Tote hat eine Kopffraktur, die durch einen Sturz entstanden sein könnte, in der Nähe werden Schnapsflaschen und ein Beutel, in dem sich Schlaftabletten befunden haben, gefunden. Alles weist auf einen Suizid hin. Hinweise auf die Identität des Toten gibt es keine, keine Kleidung, einfach nichts. Die Jahre, Wind und Wetter, haben sämtliche evtl. vorhandene Spuren verwischt. Der Zeitraum des Todes lässt sich nur grob eingrenzen und die Suche in der Vermisstendatenbank bringt auch keine Treffer. Eigentlich müsste der Fall eingestellt werden, doch Max Leitner ist hartnäckig.....

Die Story wird in zwei Handlungsebenen und drei Strängen erzählt. Neben dem Strang um Max Leitner, der im Jahr 2015 spielt, gibt es noch die Geschichte um den Fernfahrer Matthias Dassow. Wie die Stränge verbunden sind erschließt sich erst viel später. Ein anderer Strang führt ins Jahr 2003, in dem man Torsten Tonnwald, genannt Tonne kennenlernt. Er ist eine gescheiterte Existenz, hält sich mit Online-Poker und zwielichtigen Geschäften über Wasser. Tonne ist einsam, hat keine Familie, keine Freunde, als er den etwas jüngeren Rocco Rune trifft freunden sie sich an.

Der Autor schreibt schön flüssig, so dass die Seiten nur so dahinfliegen. Ich habe die Ermittlungen von Leitner und Heuward verfolgt, die die Untersuchungen vorantreiben und dabei nichts außer acht lassen. Durch die Wechsel der Perspektiven gibt es eine eigene Dynamik, ich habe mich lange gefragt, wie die verschiedenen Stränge zusammenpassen. Der Plot ist gut aufgebaut und bietet einige Wendungen, die ich definitiv nicht erwartet hätte. Nur etwas spannender hätte es für meinen Geschmack sein dürfen. 4 Sterne für einen soliden Krimi.