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Veröffentlicht am 03.01.2018

Lassa Epidemie in Deutschland

Mutwille
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Schauplatz Berlin: In "Mutwille" beschreibt Autor Kai Lüdders ein beklemmendes Szenario. In Deutschland sterben immer mehr Menschen an einer mutierten Form des Lassa Virus, es breitet sich Panik aus, das ...

Schauplatz Berlin: In "Mutwille" beschreibt Autor Kai Lüdders ein beklemmendes Szenario. In Deutschland sterben immer mehr Menschen an einer mutierten Form des Lassa Virus, es breitet sich Panik aus, das öffentliche Leben kommt streckenweise zum erliegen. Von dieser Lage profitiert die noch recht neue Partei für Gesundheit und Ordnung, die in der Gesundheitspolitik einen rigorosen Kurs fährt. Unterstützung erhält sie vom Lobbyisten Paul Schneider, der für den Pharmakonzern Unity Medical Care arbeitet und selbst ein Gesundheitsfanatiker ist. Die Wahlen stehen bevor, wird es die neue Partei in die Regierung schaffen?

Kai Lüdders entwirft in seinem Thriller eine Horrorvision von Deutschland, einem Land, in dem die Menschen durch die Lassa Epidemie verunsichert sind, der Regierung nicht mehr trauen und in dem es zu Aufständen kommt. Ich fand das Thema spannend, vor allem was die Verflechtungen zwischen Lobbyismus und Politik angeht, diese werden vom Autor auch gut dargestellt. Man lernt Paul Schneider kennen und verfolgt, wie UMC mit seiner Hilfe Einfluss auf die Politik nimmt. Ein anderer Strang handelt von dem Wissenschaftler David, seiner Frau Laura und dem kleinen Sohn Ben. Anfangs sind die Stränge getrennt, später gibt es Überschneidungen.

Der Thriller ist im auktorialen Erzählstil verfasst, was mir persönlich nicht so gut gefallen hat. Die Gedanken und Gefühle von allen Protagonisten fand ich stellenweise verwirrend, weil die Wechsel einfach zu schnell gingen. In einem Satz ging es noch um die Gedanken von Paul, zwei Sätze weiter um die Gedanken eines anderen Protagonisten. Ich musste oft zurückblättern und eine Passage nochmals lesen, um die Gedanken zuordnen zu können, was den Lesefluss enorm störte. Ein anderer Kritikpunkt ist die teils unrealistische Darstellung von Ereignissen und der doch eher einfache Schreibstil mit Wiederholungen und nicht immer passenden Ausdrücken, die mir den Spaß am lesen genommen haben. 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.12.2017

wo ist Riccarda?

Aus dem Dunkel
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Bei dem gemeinsamen Urlaub in Marokko verschwindet Annegrets Tochter Riccarda spurlos, inzwischen sind Jahre vergangen, von Riccarda keine Spur. Trotzdem hat Annegret die Hoffnung nie aufgegeben, ihre ...

Bei dem gemeinsamen Urlaub in Marokko verschwindet Annegrets Tochter Riccarda spurlos, inzwischen sind Jahre vergangen, von Riccarda keine Spur. Trotzdem hat Annegret die Hoffnung nie aufgegeben, ihre Tochter eines Tages wiederzusehen. Mit dem ermittelnden Kripobeamten Steffen Noack ist Annegret inzwischen befreundet, auch seine Tochter Kate ist vermisst. Zusammen haben sie den Verein Schattenkinder gegründet, um Menschen mit einem ähnlichen Schicksal zu helfen und Unterstürzung zu bieten.


Doch dann ändert sich alles, als Riccarda plötzlich vor Annegrets Tür steht und ihr einen Säugling in die Arme drückt. Nur eine kurze Erklärung, dann ist sie schon wieder weg, bevor Annegret überhaupt reagieren kann. Mit der Versorgung ihrer kleinen Enkelin Sofie ist Annegret überfordert, aber die Begegnung mit ihrer Tochter hat ihr wieder Mut gemacht. Als die Kleider ihrer Tochter wenig später an einer Rheinbrücke gefunden werden, geht die Polizei davon aus, dass sie Selbstmord begangen hat. Auch Steffen, der bisher immer auf ihrer Seite war, ist von Riccardas Selbstmord überzeugt. Annegeret hat keinen Rückhalt mehr, also versucht sie alles, um Ricccarda auf eigene Faust zu finden.


Die Handlung wird aus der Sicht von Annegret und Riccarda erzählt, so dass man als Leser über mehr Informationen verfügt, als Annegret. Anfangs hat man keine Ahnung was dazu führte, dass Riccarda verschwunden ist, erst im Verlauf wird klar, dass Riccarda in den Fängen einer üblen Organisation ist, aus der sie sich verzweifelt zu befreien versucht. In Rückblicken erfährt man Details aus der Vergangenheit, auch dass das Verhältnis von Mutter und Tochter seit der Pubertät schwierig war. Schockierend, was damals im Urlaub in Marokko vorgefallen ist.


Der Thriller ist eher ruhig und subtil, wie von der Autorin gewohnt sehr gut geschrieben und streckenweise auch sehr spannend. Die Figuren sind schön gezeichnet, ich konnte mit Annegret und auch mit Riccarda mitfiebern. Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass die Handlung geradlinig, ohne überraschende Wendungen auskommt. Ich vergebe 4 Sterne für einen fesselnden Thriller.

Veröffentlicht am 31.12.2017

Koontz rockt

Suizid
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Die frühen Thriller von Dean Koontz habe ich alle gelesen, deswegen war ich auf "Suizid" schon sehr gespannt. Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und ja, er hat nicht zu viel versprochen. Im Mittelpunkt ...

Die frühen Thriller von Dean Koontz habe ich alle gelesen, deswegen war ich auf "Suizid" schon sehr gespannt. Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und ja, er hat nicht zu viel versprochen. Im Mittelpunkt der Story steht die FBI-Agentin Jane Hawk, deren Mann vor kurzem Selbstmord verübt hat. Aus heiterem Himmel, ohne erkennbaren Grund hat er sich das Leben genommen und lässt Jane und den gemeinsamen kleinen Sohn Travis alleine zurück. Jane kann sich nicht mit dem Selbstmord abfinden, recherchiert und findet heraus, dass die Selbstmordrate aus unerklärlichen Grünen enorm angestiegen ist. Ihre Recherchen bleiben nicht unbemerkt, als das Leben ihres Sohnes bedroht wird, taucht sie ab, hier kommen ihr ihre FBI-Erfahrungen zugute.

Mit Jane Hawk hat Dean Koontz eine toughe und sympathische Protagonistin geschaffen, die alles macht um ihren Sohn zu schützen und andererseits herauszufinden, was hinter dem unerklärlichen Anstieg der Selbstmordrate liegt. Sie plant akribisch und taktiert, ist lange Zeit als Einzelkämpferin unterwegs, erst gegen Ende findet sie Unterstürzung. Mehr als einmal ist sie in Lebensgefahr, denn ihre Gegner verfügen über unendliche Mittel und sind bestens vernetzt. Jane muss in Notwehr töten, was ihr widerstrebt, sich aber nicht vermeiden lässt.

Die Thematik ist spannend, was hinter den Selbstmorden steckt ist perfide und dabei nicht unbedingt abwegig. Ein Szenario das man sich nicht vorstellen mag. Mehr als einmal hatte ich bei der Vorstellung Gänsehaut.

Koontz schreibt klasse, locker und so detailliert, dass die Personen authentisch wirken. Sowohl Jane als auch die anderen Figuren sind gut gezeichnet, so dass ich eine bildliche Vorstellung hatte. Die Gegenden in Kalifornien sind super beschrieben und bilden eine interessante Kulisse für die fesselnde Story.

Das Ende ist nicht abgeschlossen, die englischsprachige Ausgabe wird als "Jane Hawk Teil 1" bezeichnet, so dass man auf eine Serie hoffen kann. Schade dass das bei der deutschen Ausgabe nicht erwähnt wird.

Fazit: Koontz wie man ihn kennt, toll geschrieben, spannende Thematik und eine Protagonistin, mit der ich mitfiebern konnte. Ich hoffe auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 20.12.2017

ein magischer Hexenkrimi

Der Teufel im Bunde
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"Der Teufel im Bunde" ist der vierte Teil aus der Highland-Hexen-Krimi-Reihe und führt uns Leser wieder in das kleine schottische Örtchen Tarbet. In Mrs. MacDonalds B&B sitzt eine tote junge Frau am Tisch. ...

"Der Teufel im Bunde" ist der vierte Teil aus der Highland-Hexen-Krimi-Reihe und führt uns Leser wieder in das kleine schottische Örtchen Tarbet. In Mrs. MacDonalds B&B sitzt eine tote junge Frau am Tisch. Augenscheinlich ist sie eines natürlichen Todes gestorben. Doch wer ist die junge Frau, die keiner kennt? Die aber eine große Ähnlichkeit mit der jungen Mrs. MacDonald aufweist? Kenna Maxwell ist neu bei der Polizei und wird mit diesem Fall konfrontiert, der ihr Rätsel aufgibt. Ihr Großvater erzählt ihr dann auch noch von einer mysteriösen Mordserie, an die sich außer ihm keiner zu erinnern scheint. Ein anderer Handlungsstrang spielt im Jahr 1934, wir lernen die junge Maryanna kennen, die in einem Zirkus aufgewachsen ist und über eine besondere Gabe verfügt.


In diesem vierten Band, den man übrigens auch gut ohne Vorkenntnisse lesen kann, wird das Geheimnis um Mrs. MacDonald aufgeklärt, das im letzten Teil schon angedeutet wurde. Ich habe mich gefreut, die bekannten Charaktere wiederzutreffen, und hinter Mrs. MacDs Geheimnis zu kommen. Mit Kenna Maxwell kommt ein sehr sympathischer neuer Charakter zur Handlung, auch die Privatdetektiven Abbey ist wieder mit dabei. Die beiden Frauen merken schnell, dass sie zusammen mit den Ermittlungen weiterkommen als alleine und tun sich zusammen.


Ich konnte beim lesen ganz tief in die Geschichte eintauchen, fand vor allen dem Strang in der Vergangenheit sehr fesselnd. Relativ schnell wird klar, wie die beiden Handlungsebenen zusammengehören, es war spannend zu verfolgen wie Abbey und Kenna der Lösung des Rätsels langsam näher kommen.


Fazit: Mir hat das Lesen wieder so viel Spaß gemacht, die Geschichte ist fesselnd und liest sich schön locker, so dass die Seiten nur so dahin fliegen. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

Veröffentlicht am 17.12.2017

wie schreibe ich einen Krimi

Businessplan: Mord
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Monika Mansour, eine Krimiautorin aus der Schweiz, ist mir durch ihre Krimireihe über den smarten Ermittler Cem Cengiz gut bekannt. Ich habe alle Teile gelesen und war gespannt darauf, Monika Mansour In ...

Monika Mansour, eine Krimiautorin aus der Schweiz, ist mir durch ihre Krimireihe über den smarten Ermittler Cem Cengiz gut bekannt. Ich habe alle Teile gelesen und war gespannt darauf, Monika Mansour In ihrem Sachbuch "Businessplan: Mord" besser kennenzulernen.

Denn in ihrem Ratgeber gibt sie nicht nur Tipps und beschreibt, was man als angehender Autor alles beachten muss, welche Fehler man vermeiden sollte, sondern plaudert auch aus ihrem Leben und ihrem Erfahrungsschatz. Ich fand es spannend zu lesen, wie sie zum schreiben kam und welche Erfahrungen sie als Autorin machen musste.

Für ein Sachbuch ist es super locker und interessant geschrieben, überhaupt nicht trocken wie so manch anderes Sachbuch. Ich habe ganz gebannt gelesen, was die Autorin bisher erlebt hat, welche Stolpersteine es gibt und welche Niederlagen sie einstecken musste. Aber auch welche Erfolge sie bisher hatte. Interessant, dass es für einen Autor von Vorteil ist, über die Kurzgeschichten-Schiene einzusteigen. Man erfährt wie man einen Plot entwirft, Personen anlegt und wie steinig der Weg ist, bis ein Manuskript endlich von einem Verlag angenommen wird.

Der erste Teil des Ratgebers befasst sich mit Monika Mansours Werdegang, im zweiten Teil werden in einer Art Interview-Stil wichtige Fragen zum schreiben beantwortet. Dieser Abschnitt ist hilfreich und gibt angehenden Autoren gute Tipps. Sehr interessant fand ich z. B. den Gefühls-Ordner, in welchen tatsächliche Situationen und Ereignisse zu den jeweiligen Gefühlen notiert werden, um so jederzeit darauf zurückgreifen zu können. Zusätzlich enthält das Buch auch noch Tipps von 10 Schweizer Krimiautoren.

Fazit: Businessplan Mord ist ein interessanter, locker geschriebener Schreibratgeber, bei dem die Autorin über ihre persönlichen Erfahrungen schreibt und hilfreiche Tipps gibt. Wer die Krimireihe um Cem Cengiz kennt und mehr über die Entstehung wissen möchte, sollte hier unbedingt zugreifen.