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Veröffentlicht am 20.11.2017

wieder ein Volltreffer

Schwarzbubenland
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Von Christof Gasser habe ich die beiden Solothurn Krimis gelesen, von denen ich begeistert war. "Schwarzbubenland" ist der erste Teil der neuen Reihe um die Journalistin Cora Johannis und wieder ein Volltreffer.

Diesmal ...

Von Christof Gasser habe ich die beiden Solothurn Krimis gelesen, von denen ich begeistert war. "Schwarzbubenland" ist der erste Teil der neuen Reihe um die Journalistin Cora Johannis und wieder ein Volltreffer.

Diesmal lässt der Autor keinen professionellen Ermittler einen Fall lösen, sondern eine unabhängige Journalistin, die eigenständiger ermitteln kann und sich nicht unbedingt so streng an Gesetze halten muss, wie ihre Kollegen von der Polizei. Auch spielt das Privatleben von Cora hier eine größere Rolle, was mir sehr gut gefallen hat.

Cora ist geschieden, hat zwei Kinder. Ihr Sohn Julian ist bei ihr aufgewachsen, während ihre Tochter Mila nach der Trennung zum Vater kam. Momentan lebt auch sie bei Cora, ist mit der Situation aber nicht glücklich und lässt den pubertierenden Teenie so richtig schön raushängen. Zoff ist an der Tagesordnung. Die Personen sind liebevoll skizziert und wirken authentisch, egal ob sympathisch oder nicht. Da ich ein Fan von skurrilen Gestalten bin, fand ich die Figur des Schtäkkä-Köbi eine echte Bereicherung.

Doch worum geht es eigentlich? Cora erhält einen lukrativen Auftrag von einem ehemaligen Regierungsmitglied. Daniel vom Staals Frau ist vor 12 Jahren von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden. Für die Polizei war der Fall schnell klar, sie ging davon aus dass seine Frau Elisabeth ihn verlassen hat, Ermittlungen wurden nie eingeleitet. Doch Daniel vom Staal hat nie an die Version geglaubt, für ihn steht fest dass seine Frau ihn damals nicht freiwillig verlassen hat, sondern ihr etwas zugestoßen ist. Jetzt will er Klarheit, egal wie das Ergebnis ausfällt. Cora stellt Nachforschungen an und befindet sich bald selbst in Gefahr. Worauf hat sie sich nur eingelassen?

Christof Gassers Schreibstil ist anspruchsvoll, durch gelegentlich eingestreute mundartliche Begriffe und die Beschreibung der Umgebung, der Landschaft des Schwarzbubenlandes, erzeugt er Lokalkolorit. Im Buch spielt ein fiktives Dorf eine große Rolle, es ist perfekt in die Landschaft eingepasst, wenn man die Örtlichkeiten nicht kennt merkt man auch nicht, dass das Dorf nicht existent ist.

Der Fall ist spannend, ich habe Vermutungen angestellt, hatte aber keine Ahnung, in welche Richtung es geht. Wenn man die Krimis aus Gassers Feder kennt, weiß man, dass keine einfache Lösung präsentiert wird. So auch hier, mit diesen Wendungen und dem Ende hätte ich nicht gerechnet. Besonders gut gefallen hat mir, dass Ermittler aus der Solothurn-Reihe Gastauftritte hatten.

Fazit: Perfekter Auftakt zu der neuen Reihe. Wer spannende, anspruchsvolle Krimis mit Lokalkolorit, die aber nicht einfach gestrickt sind, liebt, der ist hier richtig. Für mich bleibt der Autor ein Geheimtipp, ich warte gespannt auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 16.11.2017

Wer ist der Mörder?

Tannenglühen
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Schauplatz Wien: Anwältin Franziska Ferstl will nur noch kurz in ihre Kanzlei, um letzte Dinge zu ordnen, bevor sie in den Ruhestand geht. Doch dieses Vorhaben scheitert gründlich, denn ein Partner der ...

Schauplatz Wien: Anwältin Franziska Ferstl will nur noch kurz in ihre Kanzlei, um letzte Dinge zu ordnen, bevor sie in den Ruhestand geht. Doch dieses Vorhaben scheitert gründlich, denn ein Partner der Kanzlei, Siegfried Fürstenstein, liegt erdrosselt im Konferenzraum. Erdrosselt mit einer Lichterkette, jemand muss ihn beim schmücken des Weihnachtsbaums überrascht haben. Die hysterische Sekretärin und zugleich Liebchen von Siegfried beschuldigt den dritten Partner, Max Frank des Mordes. Da sein Alibi nicht hieb und stichfest ist, wird er in Gewahrsam genommen. Ziska ist überzeugt, dass ihr langjähriger guter Freund unschuldig ist, da sie nicht allzu viel Vertrauen in die Polizeiarbeit hat, stellt sie selbst Ermittlungen an. Unterstützung erhält sie vom sympathischen Junganwalt Kurt Thesch.


"Tannenglühen" ist der perfekte Krimi für die Weihnachtszeit mit der so sympathischen Protagonisten Ziska. Endlich mal eine Hauptfigur im besten Lebensalter. Ziska ist 60 Jahre alt, hat eine Masse an Lebenserfahrung und ist doch jung geblieben. Sie liebt den Sound ihrer Harley, sogar im Winter brettert sie lieber mit ihr durch die Gegend als die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Sie wirkt burschikos, ist unverblümt und direkt. Sie sagt was sie denkt, auch wenn sie manchmal damit aneckt. Dazu verfügt sie über Humor und ist mit ihrer Art einfach liebenswert, eine Frau, die man gern zur Freundin hätte. Doch nicht nur Ziska, auch die anderen Hauptpersonen sind klasse gezeichnet, es sind Charaktere mit Stärken und Schwächen, sie haben Wiedererkennungswert.


So gibt Ziska auch alles, um ihren Freund Max zu entlasten. Dabei muss sie mit einer voreingenommenen Richterin und einem Kommissar kämpfen, der überzeugt ist, den Täter schon geschnappt zu haben. Dazu die hysterische Geliebte und eine adlige, kühle und unsympathische Ehefrau des Toten. Als wäre dies nicht schon genug, gibt es auch noch familiäre Probleme. Ziska ist zwar Single, hat aber ein sehr inniges Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester und deren Familie, die quasi ihre eigene ist. Und trotz allen Widrigkeiten gibt Ziska alles, wird letzlich auch noch von einem russischen Oligarchen bedroht.


Petra K. Gungl zaubert viel Lokalkolorit und etwas Wiener Schmäh, so dass das Wien-Feeling super rüberkommt. Sie schreibt wunderbar leicht, witzige Dialoge lockern die spannende Atmosphäre immer wieder auf. Der Fall scheint verzwickt, noch ist nicht klar ob es sich um eine Beziehungstat handelt, oder ob die Geschäfte der Kanzlei zum Tod von Siegfried geführt haben. Motive gibt es einige, doch wer ist der Täter?


"Tannenglühen" ist ein Krimi, bei dem ich von Anfang an gefesselt war und jede Seite genossen habe. Ich war an Ziska ganz nah dran und habe mit ihr gerätselt. Das Ende ist stimmig und hält eine große Überraschung bereit.


Fazit: Perfekter Regiokrimi mit einer Protagonistin, von der ich gerne noch mehr lesen würde. Verdiente 5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.11.2017

vielfältige Rohkost-Rezepte

Raw Superfoods
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"Raw Superfoods" von Petra Denk bietet auf etwas über 200 Seiten vielfältige Rohkostrezepte. Das Buch ist schön gestaltet, angefangen bei dem griffigen Umschlag und dem matten Druck. Im Innenteil finden ...

"Raw Superfoods" von Petra Denk bietet auf etwas über 200 Seiten vielfältige Rohkostrezepte. Das Buch ist schön gestaltet, angefangen bei dem griffigen Umschlag und dem matten Druck. Im Innenteil finden sich viele ansprechende Fotos zu den jeweiligen Rezepten, die Lust machen, gleich los zulegen.

Die Autorin beginnt mit einer kurzen Einführung zum Thema Rohkost, Fakten und Wissenswertes zu einzelnen Superfoods. 25 wichtige heimische Superfoods werden genauer vorgestellt, mir war nicht bewusst, wie viele heimische Superfoods wird haben, momentan sind ja eher Exoten wie Chia in aller Munde. Nach dem informativen Teil werden die wichtigsten Techniken und das nötige Zubehör vorgestellt. Mixen, Keimen, Fermentieren und Dörren. Und dann geht es auch schon an die Rezepte.


Untergliedert sind die Rubriken in "Frische-Kick-Frühstück", "Knackige Salate", "Rohköstliche Vorspeisen und Power-Snacks", "Energiegeladene Hauptgerichte", "Cremige Desserts, saftige Kuchen und zauberhaft Süßes" und "Rohköstliche Getränke". Die Rezepte sind klar strukturiert und verständlich, so dass das Zubereiten keine Probleme bereitet. Sehr gut fand ich, dass bei den meisten Rezepten auch alternative Zutaten angegeben sind und Tips, wie lange das Gericht haltbar ist bzw. ob es sich einfrieren lässt.


Ich habe einige Rezepte aus fast allen Rubriken ausprobiert, besonders gefallen haben mir die Rezepte aus dem Kapitel über die Süßspeisen. Für mich waren es die ersten Süßspeisen aus rohen Zutaten und ich bin begeistert vom Geschmack. Die Raw Bounty schlagen das Original sogar um Längen. Ich hätte gern noch mehr Rezepte ausprobiert, was allerdings an den nicht vorhanden Hilfsmitteln, wie z. B. einem Dörrgerät scheitert. Das alternative Dörren im Backofen kommt für mich aus energetischen Gründen nicht infrage.


Fazit: Raw Superfoods ist ein hochwertiges Kochbuch und bietet neben vielen Informationen eine große Auswahl an Rohkost-Rezepten.

Veröffentlicht am 14.11.2017

Spannung, Action, John Finch!

Der Zerberus-Schlüssel
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"Der Zerberus Schlüssel" ist der vierte Teil der Reihe um den sympathischen Piloten John Finch, ein weiteres spannendes Abenteuer aus der Feder von Gerd Schilddorfer.


Der Anfang des Thrillers führt uns ...

"Der Zerberus Schlüssel" ist der vierte Teil der Reihe um den sympathischen Piloten John Finch, ein weiteres spannendes Abenteuer aus der Feder von Gerd Schilddorfer.


Der Anfang des Thrillers führt uns nach Berlin, wo eine Studentin über eine Leiche stolpert. In einem seit Jahren aufgegebenen Haus hängt sie im Obergeschoss seit Jahrzehnten, inzwischen ist der Leichnam mumifiziert. Währenddessen beschäftigt Kommissar Thomas Calis sich mit rätselhaften Morden. Drei Männer wurden erdrosselt, alles unauffällige Zeitgenossen. Er versucht herauszufinden, was die drei Männer verbindet. John Finch wiederum befindet sich in Berlin bei der Internationalen Luftfahrtausstellung, wo er den neuesten Eurocopter X3 fliegen soll. Sein Freund Llewellyn Thomas erhält ein Paket, das schon vor zwanzig Jahren aufgegeben wurde, in ihm eine mit Blut bedeckte Stichwaffe. Last but not least ist Alexander Reiter auf der Suche nach einem lange verschollenen Buch...


Auf über 800 Seiten begleiten wir John Finch und seine Freunde auf einem spannenden Abenteuer. Es gibt viele unterschiedliche Stränge, auch Handlungsebenen die in der Vergangenheit liegen, nach und nach laufen sie zusammen und werden zu einer dichten Story verwoben. Geheimdienste verschiedener Länder sind in die Geschichte verwickelt, eine Geschichte, deren Anfänge weit in die Vergangenheit zurück gehen, bis in die Zeit des zweiten Weltkrieges, sogar bis in die Zeit der Kolonien. Gerd Schilddorfer hat perfekt recherchiert und verknüpft die einzelnen Stränge geschickt zu einer fesselnden und dichten Story.


Für mich war es wie ein Treffen mit alten, lieb gewonnenen Bekannten, da ich den Vorgänger schon verschlungen hatte. Aber auch einige interessante neue Personen bekommen ihren Auftritt, so z. B. eine schlagfertige schottische Lady. Die Protagonisten sind detailliert gezeichnet und fast durchweg sympathische Charaktere, sie wirken lebendig und authentisch.


Das Buch ist anspruchsvoll und lässt sich aufgrund der vielen Protagonisten und Handlungsstränge nicht mal so nebenher lesen. Es erfordert Aufmerksamkeit und ein gewissens Maß an Konzentration, belohnt dann aber mit einer spannenden sowie actionreichen Handlung. Ich bin begeistert und habe jede Seite genossen, für mich ist der Zerberus-Schlüssel ein Thrillerhighlight 2017.

Veröffentlicht am 10.11.2017

Max Hellers zweite Fall

Tausend Teufel
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"Tausend Teufel " ist nach "Der Angstmann" der zweite Fall für Max Heller und spielt in der Nachkriegszeit im Jahr 1947. Dresden liegt zu großen Teilen in Trümmern und wurde zur sowjetischen Besatzungszone. ...

"Tausend Teufel " ist nach "Der Angstmann" der zweite Fall für Max Heller und spielt in der Nachkriegszeit im Jahr 1947. Dresden liegt zu großen Teilen in Trümmern und wurde zur sowjetischen Besatzungszone. Es ist Winter und bitterkalt, die Menschen frieren, es herrscht Hunger und jeder kämpft ums nackte überleben. Auf die ein oder andere Weise, sei es mit Verkäufen auf dem Schwarzmarkt oder Frauen, die ihren Körper für eine warme Mahlzeit verkaufen. Manch einer mordet sogar, um zu überleben.


Max Heller ist inzwischen Oberkommissar der neu gegründeten Volkspolizei und wird zum Fundort einer Leiche gerufen. Doch die Russen waren zuerst vorort und transportieren die Leiche ab, ohne Heller einen Blick zu gewähren. Als er sich dem Fundort nähert wird er Zeuge, wie eine unbekannte Frau einen Rucksack stehlen will. In ihm der abgetrennte Kopf eines Mannes. Heller gibt sein bestes auf der Suche nach dem Mörder, doch von den russischen Besatzern werden seine Ermittlungen torpediert....


Ich hatte den Angstmann verschlungen und war gespannt, ob der Autor das hohe Niveau des ersten Teils halten kann. Und ja, er kann. "Tausend Teufel" spielt in dieser düsteren Nachkriegsstimmung, die von Entbehrung und Not dominiert wird. Auf der einen Seite die überlebende deutsche Bevölkerung, die bitteren Hunger leidet, auf der anderen Seite die russischen Besatzer, die im Überfluss schwelgen. Die Menschen vertrauen einander nicht mehr, viele sind in die Partei eingetreten, weil sie sich Vorteile versprechen. Auch Heller wird immer wieder überredet, doch er bleibt standhaft und steht zu seiner Überzeugung.


Diese trostlose und bedrückende Stimmung ist perfekt eingefangen, die Atmosphäre dicht. Ich konnte beim lesen ganz tief in die Geschichte eintauchen und mich in die Menschen hineinversetzen. Die Personen sind schön gezeichnet, sie wirken lebensecht und authentisch. Max Heller als Hauptprotagonist ist weiterhin der ehrliche, aufrechte Mann wie ich ihn im ersten Teil kennengelernt habe. Der sich selbst und seiner Überzeugung treu bleibt und anderen hilft. Unbestechlich macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit. Wir treffen auf alte Bekannte aus dem ersten Teil, Heller und seine Frau Karin warten auf die Ankunft ihre Sohnes, der in Kriegsgefangenschaft war. Doch die Ermittlungen lenken Heller ab, erfordern seine ganze Aufmerksamkeit.


Der neue Fall steht dem Angstmann in nichts nach, er ist verzwickt und perfekt zum miträtseln. Ich habe hier Vermutungen angestellt und hatte bis zum Ende doch nicht wirklich eine Idee, wer hinter den Morden steckt.


Der Autor widmet sich unter anderem auch dem Thema Kriegswaisen, ein Thema das mir sehr an die Nieren ging. Unvorstellbar wenn man sich vor Augen hält wie viele Kinder damals ihre Eltern verloren haben und alleine auf sich gestellt waren, kleine Kinder, die auf der Straße lebten und um die sich niemand gekümmert hat. Ein wirklich trauriges Kapitel deutscher Geschichte.


Fazit: Spannender historischer Krimi der nachdenklich macht. Auf den nächsten Teil freue ich mich jetzt schon.