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Veröffentlicht am 08.09.2017

Ein Must-Read für Thriller Fans

Freier Fall
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"Freier Fall" ist der zweite Teil für die Protagonisten Ben Funke und Helen Stein. Auch ohne den ersten Teil zu kennen konnte ich absolut problemlos in die Handlung eintauchen. Und die hat es in sich! ...

"Freier Fall" ist der zweite Teil für die Protagonisten Ben Funke und Helen Stein. Auch ohne den ersten Teil zu kennen konnte ich absolut problemlos in die Handlung eintauchen. Und die hat es in sich! Die Spannung ist von der ersten Seite an vorhanden und bewegt sich auf höchstem Niveau, ich habe das Buch in eineinhalb Tagen ausgelesen. Was zum einen an der temporeichen und fesselnden Handlung, zum anderen am lebendigen Schreibstil des Autors liegt.

Wir lernen den Polizisten Ben Funke kennen, der neben seiner toten Geliebten erwacht. Er kann sich noch daran erinnern, dass er eine Weinflasche öffnen wollte, danach Filmriss. Aber er ist sich sicher, dass nicht er sie getötet hat. Als er feststellt dass sie mit seiner Dienstwaffe erschossen wurde ist ihm klar, dass es jemand darauf angelegt hat, ihn als Sündenbock hinzustellen. Innerhalb weniger Minuten muss er sich entscheiden, wie er sich verhalten soll. Den Mord melden und als potentiell Hauptverdächtiger in den Knast oder untertauchen und selbst auf Mördersuche gehen. Er entscheidet sich für letzteres und lässt die Leiche von Carola verschwinden. Damit wird er zum Gejagten...

Die Handlung läuft parallel in zwei Strängen ab, abwechselnd verfolgen wir Ben und das Team der Koblenzer Kripo um Helen Stein. Helen und ihr Team jagen einen mutmaßlichen Serienkiller, der von der Presse als "Phantom" bezeichnet wird. In den letzten Wochen sind sechs Frauen spurlos verschwunden, jede von ihnen hatte eine Autopanne bevor sie verschwand. Der neue Vorgesetzte des Teams, Kriminalrat Kain ist der Unsympath schlechthin und hat besonders Helen auf dem Kieker. Als die Stürmung der Wohnung des vermeintlich Verdächtigen in einem Desaster endet, fasst Helen eine folgenschwere Entscheidung.

Ich habe lange keinen so spannenden und komplexen Thriller gelesen wie "Freier Fall". Hier stimmt für mich alles: Sehr gut gezeichnete Charaktere, sympathische Ermittler und einige Widerlinge, die bei mir die Emotionen hochkochen ließen. Ben Funke ist menschlich und äußerst sympathisch, er bekommt auf der Flucht unerwartete Hilfe. Helen Stein hat mit einem Trauma aus dem letzten Fall zu kämpfen, immer noch machen ihr Alpträume zu schaffen. Genauso gut sind die "Bösen" charakterisiert, hier blickt man in menschliche Abgründe.

Gepaart mit einem dichten Plot und viel Atmosphäre nimmt der Fall Fahrt auf und wartet mit einigen überraschenden Wendungen auf. Action, interessante Schauplätze und schräge Typen sorgten sowohl für Kopfkino als auch Gänsehautfeeling. Dabei ist die Handlung sehr realitätsnah und temporeich, besonders gefallen haben mir die lebendigen Dialoge.

Fazit: Ein Must-Read für Thriller Fans, ganz großes Kino! Der erste Teil ist schon bestellt.

Veröffentlicht am 08.09.2017

ein verzwickter Fall für Kay Scarpetta

Totenstarre
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Schauplatz USA, Cambridge, Massachusetts. Über der Stadt liegt eine brütende Hitze, jeder Schritt wird zur Qual und die Menschen hoffen auf eine Abkühlung von oben. Kay bekommt von einem Unbekannten Drohnachrichten, ...

Schauplatz USA, Cambridge, Massachusetts. Über der Stadt liegt eine brütende Hitze, jeder Schritt wird zur Qual und die Menschen hoffen auf eine Abkühlung von oben. Kay bekommt von einem Unbekannten Drohnachrichten, noch ist nicht klar wer hinter den Aufzeichnungen steckt und was derjenige bezweckt.

Kay muss das Dinner mit ihrem Mann unterbrechen, als sie zu einem Tatort gerufen wird. In einem Park finden zwei Mädchen die Leiche einer Radfahrerin, deren Tod Kay Rätsel aufgibt. Alles deutet auf einen Blitzschlag hin, doch ein Gewitter gab es nicht. In akribischer Kleinstarbeit geht Kay auf Spurensuche und rekonstruiert den Tatablauf. Es bleibt nicht bei der einen Toten und Kay ist plötzlich selbst in die Fälle involviert.

Über die Kay Scarpetta Reihe hatte ich schon viel gehört, bin aber erst jetzt als Quereinsteiger in die Reihe eingestiegen. Ich konnte zwar relativ problemlos starten, gleich zu Anfang wird Kays berufliches Umfeld und ihr Privatleben vorgestellt. Doch die vielen Personen, die nur erwähnt werden und aktiv noch nicht auftreten, stellten mich dann doch vor eine Herausforderung. Ich habe für mich festgestellt, dass man hier besser beraten ist, die Reihe von Anfang an zu lesen. Zwar wird auf vergangene Fälle eingegangen, aber ohne diese gelesen zu haben war es für mich schwierig, mir ein Bild der jeweiligen Personen zu machen.

Die Geschichte startet erst mal ruhig mit der Einführung von Kays Umfeld und nimmt erst gegen Mitte an Fahrt und Spannung auf, dann aber auch sensationell, so dass ich das Buch ab diesem Zeitpunkt nicht mehr beiseite legen konnte. So wie Kay rätselt man auch als Leser, was genau den Tod der Fahrradfahrerin verursacht hat. Ich hatte keine Idee, bzw. alle wieder verworfen. Die Auflösung ist überraschend und richtig perfide, gar nicht mal abwegig.

Der Schreibstil lässt sich angenehm lesen, die Figuren sind gut beschrieben. Kay wirkt sympathisch, anfangs etwas konservativ, doch dieser Eindruck hat sich irgendwann verflüchtigt. Ich fand es klasse, wie sie ihre kleinen Intrigen gegen das FBI gesponnen hat und sich nicht auf der Nase herumtanzen ließ. Auch das Umfeld, die Kooperation mit dem FBI und ihre Arbeit im Institut fand ich sehr gelungen. Ich konnte bis zum Ende hin miträtseln und mit Kay mitfiebern. Einzig mehr lebendige Dialoge hätte ich mir gewünscht. Oft wird nur erwähnt was Kay zu jemandem sagt anstatt eines Dialogs.

Fazit: Solider Thriller, er hat mir so gut gefallen, dass ich erwäge die Reihe von Anfang an zu lesen.
Autor: Patricia Cornwell

Veröffentlicht am 23.08.2017

Beklemmend, gruslig mit viel Atmosphäre

Der Mann zwischen den Wänden
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Schauplatz Stockholm. Alva ist 9 Jahre alt, zusammen mit ihrer Mutter und den beiden älteren Schwestern zieht sie von einer Villa in ein Mehrfamilienhaus. Alva ist für ihr Alter clever, aber ein Einzelgänger. ...

Schauplatz Stockholm. Alva ist 9 Jahre alt, zusammen mit ihrer Mutter und den beiden älteren Schwestern zieht sie von einer Villa in ein Mehrfamilienhaus. Alva ist für ihr Alter clever, aber ein Einzelgänger. Ihre Schwestern stecken ständig zusammen und kümmern sich nicht um die kleine Schwester, Alvas Mutter geht arbeiten und hat auch keine Zeit für sie. Ihren Vater vermisst sie sehr. Sie findet in der neuen Schule keine Freunde, wird bald von einem Klassenkameraden gemobbt. Alva schmökert dafür gern in ihren Büchern, vor allem ein Buch über Okkultes liest sie immer wieder.

Dann wird eine Frau aus dem Haus vermisst, ihr Mann kann sich das Verschwinden nicht erklären, die Beziehung war harmonisch. Zwei Wochen ist sie verschwunden, bis sie auf einmal tot in der Wohnung liegt. Sie wurde ermordet, verdächtigt wird zuerst der Ehemann. Doch dann finden sich fremde Fingerabdrücke und Spuren an der Leiche, die ihren Mann entlasten. Der Mord bleibt ein Mysterium, bei den Mietern im Haus bleibt in mulmiges Gefühl. Auch Alva macht sich Gedanken, dann hört sie merkwürdige Geräusche.....

Ich konnte schön flüssig in die Geschichte eintauchen, der Schreibstil lässt sich angenehm lesen und durch die Zeitform des Präsens hat man das Gefühl, dass man direkt mit dabei ist.
Wir lernen Alva, ihre Mutter und ihre Schwestern kennen, Alva ist schon etwas speziell mit ihrer Begeisterung für das Lexikon der paranormalen Phänomene. Sie erscheint wie der typische Außenseiter. Beschäftigt sich viel selbst, hat keine Freunde, keine Vertraute. Parallel liegt der Fokus in kurzen Sequenzen auf anderen Bewohnern des Hauses, ganz unterschiedliche Menschen. Doch alle erleben verstörende Dinge. Gegenstände liegen nicht an ihrem Platz, Essen scheint zu verschwinden. Was geht in diesem Haus vor sich?

Die Autorin versteht es, eine gruslige Atmosphäre aufzubauen. Wir begleiten meist Alva und einige andere Bewohner in ihrem täglichen Leben und alltägliche Szenen wirken plötzlich bedrohlich. Alva hatte von Anfang an meine Sympathie, entwickelt sich dann aber in eine ungute Richtung, die ich sehr bedenklich fand. Um nicht zu spoilern, kann ich hier nicht mehr verraten. Das Ende ließ mich etwas zwiegespalten zurück. Einerseits ganz anders als ich es erwartet hätte, von daher war der Überraschungseffekt echt gut. Andererseits ist die Geschichte nicht unbedingt abgeschlossen und eine wichtige Sache bleibt leider unbeantwortet. Noch ein Tipp! Den innwendigen Klappentext sollte man vorher am besten nicht lesen, weil dort viel zu viel verraten wird.
Fazit: Der Mann zwischen den Wänden ist ein echt guter Thriller und fesselt von der ersten Seite an. Beklemmend, gruslig mit viel Atmosphäre. Und das Ende lässt Raum für eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 16.08.2017

Genialer Abschluss

Ambach – Die Suite / Die Falle
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"Ambach - Die Suite/Die Falle" sind die beiden letzten Teile der Ambach Reihe. Lief das Fälscherleben bisher wie am Schnürchen, so scheint Felix das Glück jetzt verlassen zu haben. Von Dana verlassen stürzt ...

"Ambach - Die Suite/Die Falle" sind die beiden letzten Teile der Ambach Reihe. Lief das Fälscherleben bisher wie am Schnürchen, so scheint Felix das Glück jetzt verlassen zu haben. Von Dana verlassen stürzt Felix ab, versinkt in einem Sumpf aus Alkohol und Drogen. Das Erwachen ist bitter.

In "Die Suite" verändert sich Felix, zu sehr schmerzt ihn von Dana hintergangen zu sein, als dass er sein Leben noch nüchtern ertragen könnte. Seine Alkohol -und Drogenexzesse ufern aus, Felix ist ganz am Boden. Er wirft mit Geld um sich, scheint größenwahnsinnig zu werden. Ich mochte diese Veränderung an Felix nicht, auch wenn sie nur allzu plausibel war. Die Autoren zeigen hier alle Facetten ihres Protagonisten, und das ist wirklich gut gelungen.

"Die Falle" ist der geniale Abschluss der Reihe, so spannend, dass ich das Buch nicht mehr beiseite legen konnte. Überraschungen und Wendungen, die ich nicht erwartet hätte. Mit seinem Plan geht Felix ein großes Risiko ein, er pokert hoch. Für mich ein stimmiges Ende und mit der Abschlussszene schließt sich der Kreis. Ob die Reihe hiermit beendet ist? Der Schluss lässt noch genug Raum für eine Fortsetzung und die Figur Felix Ambach ist so facettenreich, dass ich noch gern mehr über ihn lesen würde.

Insgesamt gesehen war für mich dieser Teil der stärkste, hier stimmte einfach alles. Dramatik, Spannung und Tempo, alles auf hohem Niveau. Verdiente 5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.08.2017

erschreckend realistisch

Der Präsident
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Der US Präsident kann gerade noch davon abgehalten werden, den roten Knopf für einen atomaren Erstschlag gegen Nordkorea und China zu drücken. Nur ein Anschlag scheint Schlimmeres verhindern zu können, ...

Der US Präsident kann gerade noch davon abgehalten werden, den roten Knopf für einen atomaren Erstschlag gegen Nordkorea und China zu drücken. Nur ein Anschlag scheint Schlimmeres verhindern zu können, zu unberechenbar ist seine Handlungsweise. Als der Leibarzt des Präsidenten augenscheinlich Selbstmord begeht wird Maggie Costello damit beauftragt, den Tod des Arztes genauestens unter die Lupe zu nehmen. Und zwar von McNamara, dem Beraters des Präsidenten, der ihr zutiefst unsympathisch ist. Maggie, eine Anhängerin des vorigen Präsidenten sieht es als ihre Pflicht, die Stellung zu halten, obwohl viele mit Amtsantritt des neuen Präsidenten ihr Amt aufgegeben haben. Als sie sich mit dem Fall beschäftigt kommt sie einem unglaublichen Plan auf die Schliche und bringt sich selbst und das Leben ihrer Lieben in Gefahr.

Es ist erschreckend wie realistisch das Szenario von Sam Bourne wirkt, vor allem vor dem aktuellen politischen Geschehen. Er schreibt mitreißend, so dass ich von der ersten Minute an gefesselt diesen wahnwitzigen Plan verfolgt habe. Die Szenarien im Weißen Haus sind so authentisch beschrieben, ob der Autor hier auf Insiderwissen zurückgreifen konnte? Maggie war mir auf Anhieb sympathisch, sie ist ehrlich, aufrecht und tut was sie für richtig hält. Sie lässt sich nicht beeinflussen und beweist Mut. Andere hätten an ihrer Stelle vielleicht längst aufgegeben, doch Maggie lässt nicht locker bei ihren Ermittlungen.

Die Story beginnt spannend um dann wieder etwas ruhiger zu werden, während man sich mit all den wichtigen Protagonisten vertraut machen kann. Man lernt unangenehme Personen kennen und einige, die nicht das sind, das sie vorgeben. Die Handlung ist zumeist aus Maggies Sicht geschildert, man verfolgt aber auch andere Sichtweisen, besonderes spannend fand ich hier die Vorbereitungen auf das Attentat. Zwischendurch werden einzelne Handlungsstränge eingewoben, die in verschiedenen Ländern der Welt spielen und auf den ersten Blick nichts mit der aktuellen Handlung zu tun haben. Erst nach und nach erschließt sich, was es damit auf sich hat. Ab der Hälfte steigt die Spannung dann rapide an, irgendwann war der Punkt erreicht wo ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte.

Sam Bourne hat einen wirklich brisanten und actionreichen Thriller geschrieben, den ich mir nur zu gut verfilmt vorstellen könnte. Volle Punktzahl!

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