Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.01.2026

Eine vermeintlich glückliche Familie

Alle glücklich
0

Die Autorin ist aufgrund ihrer Ausbildung – u.a. Studium der Psychologie und der Pädagogik – prädestiniert, einen Roman über eine Familie zu schreiben. Das ist ihr vorliegend gut gelungen. Sie skizziert ...

Die Autorin ist aufgrund ihrer Ausbildung – u.a. Studium der Psychologie und der Pädagogik – prädestiniert, einen Roman über eine Familie zu schreiben. Das ist ihr vorliegend gut gelungen. Sie skizziert eine vermeintlich glückliche deutsche Durchschnittsfamilie: Vater, Mutter und zwei halbwüchsige Kinder; der Vater der Haupternährer, die Mutter die Kümmerin im Alltagsleben mit einem Teilzeitjob, der Sohn Student und die Tochter Gymnasiastin. Das gemeinsame Abendessen ist heilig. Doch hinter diesem scheinbar glücklichen Familienleben offenbart sich recht schnell, dass jedes einzelne Familienmitglied Probleme mit sich herumträgt, die es alleine ausficht, ohne mit den anderen darüber zu sprechen; alle leben eigentlich nur nebeneinander her. Es wechseln sich kurze Kapitel ab, die jeweils in gleichbleibender Reihenfolge aus der Perspektive eines Familienmitglieds erzählt werden. So erfährt der Lesende oft, wie sich dieselbe Situation aus dem Blickwinkel der anderen darstellt. Es ist auch eine gehörige Portion Spannung im Spiel, die zum raschen Weiterlesen animiert. Denn die Ereignisse spitzen sich schnell zu und werden zum Selbstläufer.
Das Buch gibt Anlass zum Nachdenken, ob die eigene Familie möglicherweise nicht der fiktiven ähnelt und wie vielleicht gegengesteuert werden kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2026

Kritischer Blick auf das Leistungsturnen

Die Routinen
0

Man meint es bei diesem Roman mit der Autobiografie einer Leistungsturnerin zu tun zu haben. Denn aus jeder Zeile springt Insider-Wissen aus der Welt des Mädchen-Leistungsturnens hervor. Umso erstaunlicher, ...

Man meint es bei diesem Roman mit der Autobiografie einer Leistungsturnerin zu tun zu haben. Denn aus jeder Zeile springt Insider-Wissen aus der Welt des Mädchen-Leistungsturnens hervor. Umso erstaunlicher, dass die Autorin gar keine Turnerin ist. Es handelt sich um die schonungslose Offenlegung aller Missstände, die im Leistungssport bis in die jüngste Vergangenheit bestanden haben (oder vielleicht noch bestehen?), und die Abrechnung mit diesem Sport. Beides geschieht stellvertretend durch die Ich-Erzählerin Amik, deren Sportkarriere gerade beendet ist, und der jungen Turnerin Izzy, die sie unter ihre Fittiche nimmt und die gerade einen schweren Unfall bei Ausübung ihres Sports hatte. Eindringlich geht sie auf den Leistungsdruck ein, den Missbrauch durch Trainer und Ärzte, die Schikanen, Erniedrigungen, die verpassten Kindheiten. Dies zu lesen, macht wirklich betroffen. Die gesamte Geschichte wird von diesen Themen beherrscht. Ein Leben außerhalb des Sports scheinen die Turnerinnen nicht zu haben. Dazu passt gut die niemals an Eindringlichkeit verlierende, fast kalt wirkende Sprache. Interessant sind die kurzen Einschübe zu weltbekannten Turnerinnen, z.B. Olga Korbut und Simone Biles.
Wer sich für Sport interessiert, wird dieses Buch mögen; andere werden eher eine fortschreitende Handlung vermissen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2026

Melancholischer Liebesroman

Die Liebe, später
0

Dieser Roman beleuchtet die Altehe eines inzwischen in seinen Sechzigern befindlichen Ehepaares. Mehr als zwanzig Jahre lang war es eine in ruhigen Bahnen verlaufende Ehe, vielleicht auch deshalb, weil ...

Dieser Roman beleuchtet die Altehe eines inzwischen in seinen Sechzigern befindlichen Ehepaares. Mehr als zwanzig Jahre lang war es eine in ruhigen Bahnen verlaufende Ehe, vielleicht auch deshalb, weil die beiden eine Wochenendehe führten. Eine schwere Herzoperation bei ihr mit dem drohenden beruflichen Aus und seine Frühverrentung lässt die Ehe aber ins Trudeln geraten. Sie scheut die permanente Nähe, nach der er sich sehnt. Sie beginnt ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, in der es einige Punkte gibt, die sie nie vollendet hat bzw. an denen sie Zeit ihres Lebens zu knabbern hatte. Dabei verschweigt sie ihrem Mann wiederum so manches. Auch er hat ihr gegenüber nicht alles aus seiner Vergangenheit preisgegeben. Nach und nach erfahren wir Leser mehr Einzelheiten aus ihrer beider Leben. Die Entwicklungen lassen uns hoffen und bangen, ob sich das Ende der Ehe noch abwenden lässt und beide wieder zueinanderfinden.
Die Geschichte ist in leisem, nachdenklichem Ton erzählt. Abwechslungsreich und zum Grundton genau passend sind regelmäßig eingestreute Auflistungen, die jeweils eine Aufzählung von fünf Dingen enthalten und zum Nachdenken anregen, z.B. „Fünf Dinge, die Angst machen“, „Fünf Erkennungsmerkmale der großen Liebe“ oder „Fünf Dinge, die beide von ihren Eltern behalten haben“. Erwähnenswert ist auch ein eingearbeiteter weiterer Handlungsstrang, in dem sie mit dem ihr von Berufswegen anhaftenden journalistischen Spürsinn einem entfernteren Freund bei dem Aufspüren seiner scheinbar grundlos untergetauchten Frau behilflich ist. Hier bringt sie so viel Energie ein, dass sich die Frage stellt, ob sie das die Probleme ihrer eigenen Ehe beiseiteschieben lässt. Nicht zuletzt hat mir gefallen, dass sich die Protagonistin in meinem Alter befindet, was mich in sie gut hineinversetzen ließ.
Für Leser, die anspruchsvolle Liebesromane mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2026

Dreiecksfreundschaft?

Spielverderberin
0

Dieser Roman, das Debüt der erst 28jährigen Autorin, dürfte eher eine junge Leserschaft ansprechen. Wenngleich ich zu dieser Lesergruppe nicht mehr gehöre, hat er aber auch mir im Wesentlichen gut gefallen. ...

Dieser Roman, das Debüt der erst 28jährigen Autorin, dürfte eher eine junge Leserschaft ansprechen. Wenngleich ich zu dieser Lesergruppe nicht mehr gehöre, hat er aber auch mir im Wesentlichen gut gefallen. Protagonistin ist die junge Sophie, die im steten Kapitelwechsel aus der Zeit in ihrem letzten Schuljahr vor dem Abitur in ihrem Heimatdorf und aus der Gegenwart vier Jahre später erzählt, als sie Studentin in Köln ist. Von Beginn an liegt eine unbehagliche Atmosphäre über allem und lässt sich erkennen, dass Sophie mit schweren Schuldgefühlen kämpft. Irgendetwas Schlimmes muss in der Vergangenheit vorgefallen sein. Es kristallisiert sich zwar schnell heraus, dass ein Zusammenhang mit den Schulfreundinnen Lotte und Romy bestehen muss. Doch bleibt die Auflösung bis ziemlich zum Schluss offen, so dass der Leser gekonnt bei der Stange gehalten wird. Zwei Hauptthemen sind Freundschaft und der Unterschied zwischen Dorf- und Stadtleben. Was Ersteres anbelangt, ist man geneigt, die Freundschaft zwischen den jungen Frauen als toxisch oder obsessiv zu bewerten. Der zweite Punkt arbeitet gelungen heraus, dass sich eher Dorf- zu Dorfmenschen und Stadt- zu Stadtmenschen gesellen. Das Sozialleben in der Stadt und auf dem Dorf gestaltet sich sehr unterschiedlich. Allerdings hätte Sophie nicht unbedingt mit derartigen Minderwertigkeitskomplexen ausgestattet werde müssen, die sie aufgrund ihrer dörflichen Herkunft hat (Ihr Freund nennt es „Obsession mit der Stadt“). Abgerundet wird der Roman durch ein einleitendes Interview mit der Autorin, das m.E. eher am Ende hätte platziert werden sollen, weil es Inhaltliches vorwegnimmt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2026

Momente sammeln

Jetzt gerade ist alles gut
0

Das Buch liest sich schon angesichts seiner Kürze recht schnell. Es ist eine Aneinanderreihung kleiner Erlebnisse, von Zusammentreffen mit Leuten, von Augenblicken im Alltag, die uns der namenlose Erzähler ...

Das Buch liest sich schon angesichts seiner Kürze recht schnell. Es ist eine Aneinanderreihung kleiner Erlebnisse, von Zusammentreffen mit Leuten, von Augenblicken im Alltag, die uns der namenlose Erzähler aus seinem Leben schildert, nachdem er eine lebensbedrohliche Sepsis knapp überlebt hat. So geht es etwa um kleine Ausflüge, Besuche von Angehörigen, Unternehmungen mit alten und neuen Freunden. Die Krankheit hat ihn veranlasst, achtsamer und nachdenklicher in der Gegenwart zu leben. Und dazu will er auch den Leser bringen. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, ist aber angesichts des schnelllebigen Alltags nicht immer realisierbar. Ich kenne bereits den vorigen Roman des Autors, „25 letzte Sommer“, der stilistisch ähnlich ist. Richtig warm werden kann ich mit beiden Büchern nicht, was wohl auch daran liegt, dass sie zu kurz sind und keine zusammenhängende Geschichte erzählt wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere